Dates of Life
1878 bis 1934
Place of birth
Elberfeld
Place of death
München
Occupation
Architekt ; Innenarchitekt
Religious Denomination
evangelisch
Authority Data
GND: 118913522 | OGND | VIAF: 8165119
Alternate Names
  • Troost, Paul Ludwig
  • Troost, Paul
  • Troost, Paul Ludwig
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Relations

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Citation

Troost, Paul, Index entry in: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118913522.html [20.09.2020].

CC0

  • Genealogy

    V Gottfried Ernst (1845–79), in E., S d. Peter Ludwig, beide Buchbinder, u. d. Johanna Charlotte Steinkühler;
    M Hulda (1847–1910), T d. Johann Abraham Windrath, Färbereibes., u. d. Anna Maria Müller;
    B Walter (* 1877), Prokurist in Düsseldorf;
    München 1925 Gerhardine (Gerdy) Andresen (s. 2); kinderlos.

  • Life

    Nach dem Besuch des Realgymnasiums absolvierte T. 1894–96 eine Lehre im Architekturbüro von Georg Haude und Heinrich Metzendorf in Elberfeld. Anschließend begann er mit seinem Freund Peter Birkenholz (1876– 1961) ein Architekturstudium an der TH Darmstadt, verließ diese aber nach drei Semestern wieder, um in regionalen Ateliers, u. a. bei Karl Hofmann (1856–1933), mitzuarbeiten. Nach einer halbjährigen Studienreise durch Italien 1900 ließ sich T. noch im selben Jahr in München nieder, wo er Mitarbeiter von Martin Dülfer (1859–1942) wurde. In dieser Funktion richtete er gemeinsam mit Rudolf Alexander Schröder (1878–1962) und Heinrich Vogeler (1872–1942) die Redaktionsräume des Insel-Verlags in München ein, die allgemeines Aufsehen erregten und heute als frühes Beispiel für einen sachlichen Wohnstil in Deutschland gelten. 1901 kam T. mit dem Verleger Hugo Bruckmann (1863–1941) und dessen Frau Elsa (1865–1946) in Kontakt; seitdem konnte er seine Arbeiten regelmäßig in den verlagseigenen Zeitschriften publizieren.

    1903 machte sich T. selbständig und entwarf Villen und Inneneinrichtungen, die – zumeist an aristokratischen Bau- und Wohnformen des späten 18. und frühen 19. Jh. orientiert – dem Neohistorismus zuzurechnen sind. Von seinen Wettbewerbsbeteiligungen war der 2. Platz im Wettbewerb für das Dt. Museum München (1906) der wichtigste. 1911 wurde T. Mitarbeiter bei den „Vereinigten Werkstätten für Kunst im Handwerk“ und 1912 bei der Reederei „Norddeutscher Lloyd“; seitdem befaßte er sich hauptsächlich mit Innenarchitektur. Für den Norddt. Lloyd stattete er in den 1920er Jahren zahlreiche Passagierdampfer aus; diese Arbeiten, insbesondere die in einem historisierendem Art Déco eingerichtete „Europa“ (1926–30), machten ihn weit über Deutschland hinaus bekannt.

    Im Herbst 1930 wurde T. mit der Innenausstattung der Parteizentrale der NSDAP, dem sog. „Braunen Haus“ (1930–32) in München beauftragt. In der Folge entwarf er neben weiteren Einrichtungen auch Repräsentationsbauten in München, mit denen Hitler den Nationalsozialismus erstmals architektonisch darzustellen und auch gesellschaftlich zu etablieren suchte. Am bekanntesten darunter sind das Bauensemble am Königsplatz mit „Führer-“ und „Verwaltungsbau“ (1931–37) sowie den „Ehrentempeln“ (1933–35), ferner das „Haus der Deutschen Kunst“ (1932–37). Mit dem strengen Neoklassizismus dieser Bauten wollten T. und Hitler an den dt. Klassizismus des 19. Jh., v. a. an Karl Friedrich Schinkel und Leo v. Klenze anschließen.

    Jenseits dieses nationalen Traditionszusammenhangs weisen T.s Bauten mit der geometrischen Reduktion der Einzelformen ein Hauptmerkmal des internationalen Klassizismus der 1910–30er Jahre auf. Allerdings zeigen sie eine erhöhte Formlogik, die sich in der konsequenten Spiegelsymmetrie von Grund- und Aufriß, der gleichmäßigen Iteration von Baugliedern sowie in dem auf Jean-Nicolas-Louis Durand zurückgehenden Rasterschema äußert.

    1933 wurde T. als Hitlers bevorzugter Architekt zu einer zentralen Figur im Baugeschehen und der Kulturpolitik Deutschlands, sein Urteil hatte v. a. in Bayern Gewicht. Nach T.s Tod führten seine Witwe Gerdy und sein langjähriger Mitarbeiter Leonhard Gall (1884– 1952) sein Atelier fort und besorgten die Vollendung der im Bau befindlichen Arbeiten (u. a. Führer- u. Verwaltungsbau, Haus d. Dt. Kunst). Postum wurde T. vom NS-Regime zum Geistesvater einer „Neuen Deutschen Baukunst“ erklärt, an dessen Bauten und Interieurs sich andere Architekten, am prominentesten Albert Speer (1905–81), orientierten, um Bauaufträge zu erhalten. Auf diese Weise gewann T. mit dem reduzierten Neoklassizismus seiner Bauten entscheidenden|Einfluß auf die Repräsentationsarchitektur im „Dritten Reich“, wenngleich seit 1937/38 eine verstärkte Rezeption historischer Bauformen einsetzte. Ebenso groß ist die Nachwirkung von T.s Interieurs der späten 1920er und frühen 1930er Jahre auf die gehobene Innenarchitektur bis 1945. Neben Speer und Hermann Giesler (1898–1987) war T. einer der bedeutendsten Architekten des Nationalsozialismus.

  • Awards

    A bayer. Prof.titel (1918); Ehrenmitgl. d. Ak. d. Bildenden Künste in München (1933); Dt. Nat.preis f. Kunst u. Wiss. (1937 postum).

  • Works

    Weitere W u. a. Bauten u. Einrichtungen: Villa Becker, München, 1902–04;
    Villa Chillingworth, Nürnberg, 1906–09;
    Ges.salon f. d. Weltausst. Brüssel, 1910;
    Dampfer „Columbus“ (I, später „Homeric“), 1912–22;
    Dampfer „Columbus“ (II), 1915–24;
    Einrichtung d. Privatgemächer v. Kronprn. Cecilie in Schloß Cecilienhof, Potsdam, 1915–17;
    vier Dampfer d. „Sierra“-Kl., 1921–24;
    fünf Räume f. d. Dt. Gewerbeschau, München, 1921–22;
    sechs Schiffe d. „Weser“-Kl., 1922–24;
    Dampfer „München“ u. „Stuttgart“, 1922–24;
    Einrichtung Jakobihalle, Bremen, 1924–25;
    Dampfer „Berlin“, 1925;
    Ehrenmal f. d. Gefallen d. „Hitlerputsches“ in d. Feldherrnhalle, München, 1933;
    Einrichtung d. Hauses d. Dt. Ärzte u. d. Kanzlerwohnung in d. (Alten) Reichskanzlei, Berlin, 1933–34;
    Ehrentempel am Königsplatz, München, 1933–35;
    Entwurf f. e. Wohnhaus Hitlers im Garten d. Reichskanzlei, 1933; Skizzen z. Neugestaltung d. Alten Bot. Gartens, München, 1933–35; – W-Verz.: Nüßlein, 2012 (s. L).

  • Literature

    L E. v. Seckendorff, Erster Baumeister d. Führers, in: Kunst u. Diktatur, Bd. 2, hg. v. J. Tabor, 1994, 580–85;
    K. Arndt, P. L. T. als Leitfigur d. nat.soz. Repräsentationsarchitektur, in: Bürokratie u. Kult, hg. v. I. Lauterbach u. a., 1995, 147–56;
    S. Brantl, Haus d. Kunst, 2007, S. 29–36;
    H. Mayer, P. L. T., 2007;
    ders., Der „Erste Baumeister d. Dritten Reichs“ u. d. Porzellan, P. L. T. u. d. Staatl. Porzellanmanufaktur Nymphenburg, in: Keramos 220, 2013, S. 79–96;
    A. Heusler, P. L. T., Architekt des „Braunen Hauses“ u. „Erster Baumeister d. Führers“, in: Gesichter d. Zeitgesch., Dt. Ll. im 20. Jh., hg. v. Th. Bauer u.a. 2009, S. 41–51; T. Nüßlein, P. L. T. (1878–1934), 2012 (Qu, W
    , L, P);
    ders., P. L. T. u. d. „Hitlerhaus“ in Nürnberg, in: Mitt. d. Ver. f. Gesch. d. Stadt Nürnberg, 101, 2014, S. 197–209;
    ThB;
    Dict. of Art;
    Enz. NS;
    Wistrich (P);
    Biogr. Lex. Drittes Reich;
    Kulturlex. Drittes Reich;
    Nachlaß: Bayer. Staatsbibl.;
    Bayer. HStA, München;
    Library of Congress, Washington DC.

  • Portraits

    P Photogr., um 1908/10; Selbstporträt, Öl/Lwd., um 1932 (verschollen); Photogr., 1933, alle abgeb. in: Nüßlein, 2012 (s. L), S. 5, 66 u. 111.

  • Author

    Timo Nüßlein
  • Citation

    Nüßlein, Timo, "Troost, Paul" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 448-449 [online version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118913522.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA