Lebensdaten
1866 bis 1950
Geburtsort
Brixen (Südtirol)
Sterbeort
Holzhausen/Ammersee
Beruf/Funktion
Zeichner ; Karikaturist ; Maler
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118757172 | OGND | VIAF: 77111375
Namensvarianten
  • Thöny, Eduard Josef
  • Thöni, Eduard
  • Thöny, Eduard
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Zitierweise

Thöny, Eduard, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757172.html [29.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Christian Thöni (Thöny) (1836–1902), aus Bauernfam. in St. Valentin auf der Haide (Vinschgau), lernte Bildhauerei in Meran b. Johann Xaver Pendl, war 1863–65 in Paris im Atelier v. Ignaz Raffl tätig, mit Franz Defregger befreundet, n. 1865 kirchl. Bildschnitzer in B., seit 1873 Bildhauer in München, später Mitarb. d. Mayer’schen Hofkunstanstalt (s. ThB), S d. Joseph u. d. Notburga Duille, aus Nauders (Tirol);
    M Maria Anna Lechner (1839–1931), aus Laatsch (Vinschgau), T e. Großbauern;
    1 Schw Emilie Maria (1867–1948);
    1) München 1912 Maria Wiesmüller (1879–1913), 2) München 1915 Rosa (1891–1972), aus Fürstenfeldbruck, außerehel. T d. Johann Michael Rothaermel (1860–1918), aus München, u. d. Anna Vierthaler (* 1866);
    1 S aus 1) (früh †), 2 S aus 2) Michael (1915–2003), Obersturmbannführer b. d. Waffen-SS, n. Rückkehr aus russ. Kriegsgefangenschaft 1953 Werbekaufm., Christian (1918–41 vermißt), Fliegerlt., 1 T aus 2) Elisabeth Schmidhuber (1917–81), 1940–42 an d. Münchner Fotoschule ausgebildet, Photographin in München;
    Om d. 2. Ehefrau Johann Vierthaler (1869–1957), Bildhauer, Kunstgewerbler, Oberstudienrat, Lehrer an d. städt. Gewerbeschule in München (s. ThB; Vollmer), Ludwig Vierthaler (1875–1967), Bildhauer, Keramiker, Doz. an d. TH Hannover, 1922 Hon.-Prof. f. Modellieren, 1945–53 Präs. d. Bundes Bildender Künstler f. Nordwestdtld. (s. L);
    E Dagmar (* 1944, ⚭ Justin v. Kessel, * 1943, aus Breslau, Dr. iur., RA in München), Dr. phil., Kunsthist. (s. W, L).

  • Leben

    T. wuchs zunächst in Brixen auf, 1873 zog er mit seiner Familie nach München. Hier absolvierte er nach der Realschule 1881–83 auf Wunsch des Vaters an der Gewerblichen Fortbildungsschule in München eine Ausbildung zum technischen Zeichner. Ende Okt. 1883 schrieb sich „Thöni“ an der Münchner Akademie der bildenden Künste ein, die er, mit Unterbrechungen, bis 1894 besuchte. Zeichnung und Malerei studierte er bei Gabriel v. Hackl (1843–1926), Ludwig v. Löfftz (1845–1910) und Franz v. Defregger (1835–|1921), Freundschaften knüpfte er mit den Kollegen Leo Putz (1869–1940), Albin EggerLienz (1868–1926) und Ferdinand v. Reznič ek (1868–1909). Um sein Studium zu finanzieren, lieferte T. 1888–95 regelmäßig – schlecht bezahlte – Witzzeichnungen für die „Münchener Humoristischen Blätter“, die Wochen-Beilage zum „Neuen Münchener Tagblatt“, und arbeitete gelegentlich bei dem erfolgreichen Monumental- und Schlachtenmaler Louis Braun (1836–1916). 1890/91 besuchte er das Atelier des damals berühmten Militärmalers Édouard Detaille in Paris und trat auch in Kontakt zu den Schülern der Académie Julian. 1892 begleitete T. als Zeichner Oberst William F. Cody („Buffalo Bill“) und seine Wildwesttruppe auf deren EnglandTournee.

    Für die im April 1896 gegründete Satirezeitschrift „Simplicissimus“ war T. seit Okt. 1896 regelmäßiger Mitarbeiter bis zum Ende des Blattes 1944. Sein Spezialgebiet waren Zeichnungen zum Gesellschaftsleben, v. a. der Militärs, der ‚ewigen Studenten‘, der eleganten Welt und Halbwelt. Viele seiner Zeichnungen sind eigentlich weniger Karikaturen als sehr genau beobachtete Genrebilder, die erst durch die von der Redaktion dazugesetzten Textzeilen ihre bissige Aussage erhielten. Mit Ludwig Thoma (1867–1921) und Rudolf Wilke (1873–1908), beide ebenfalls Mitarbeiter des „Simplicissimus“, verband ihn eine enge Freundschaft. T.s Illustrationen waren so erfolgreich, daß der Langen Verlag zwischen 1899 und 1911 fünf T.-Alben herausgab. 1897/98 und später noch öfter lebte T. zeitweise in Berlin, wo er im Zentrum des Wilhelminischen Kaiserreichs die dt. Gesellschaft am besten studieren konnte. Als der „Simplicissimus“ 1906 in eine GmbH umgewandelt wurde, wurde T. einer der Gesellschafter. Über 3400 Zeichnungen von ihm sind im „Simplicissimus“ erschienen. Neben diesen und gelegentlichen Zeichnungen für die „Jugend“ (seit 1920) entstanden auch viele Buchillustrationen, Buchumschläge und Gemälde (v. a. Jagd- u. Reiterbilder).

    T. war ein begeisterter Sportler und als Bergsteiger, Tennisspieler und Skipionier aktiv. 1900 besuchte er die Weltausstellung in Paris, 1903 Florenz; 1904 unternahm er mit Thoma und Wilke eine Fahrradtour durch Südfrankreich und Nordafrika, zurück über Neapel und Rom. Zeitlebens reiste er viel; Studien von Angehörigen fremder Völker erschienen oft auch im „Simplicissimus“. 1908, auf dem Höhepunkt seiner Popularität und seines wirtschaftlichen Erfolges, erwarb er ein großes Grundstück bei Holzhausen am Ammersee, wo sich eine kleine Künstlerkolonie angesiedelt hatte. Hier ließ er nach Plänen Bruno Pauls (1874–1968) ein bestehendes Gärtnerhaus umbauen; seit 1922 nutzte er es als Hauptwohnsitz.

    Von Juli 1915 bis zum Ende des 1. Weltkriegs arbeitete T. als offizieller Kriegsmaler und Bildberichterstatter für das k. u. k. Kriegspressequartier, u. a. in den Vogesen und an der Isonzofront. Auch von diesen Zeichnungen, die das Soldatenleben und die Härten des Krieges schilderten, wurden viele im „Simplicissimus“ veröffentlicht. Seit 1922 schuf T., vermittelt durch den Architekten Paul Ludwig Troost (1878–1934), auch Wandgemälde für die Gesellschaftsräume von Luxus-Passagierschiffen des Norddeutschen Lloyd.

    Dem 1926/27 von verschiedenen Seiten geäußerten Wunsch, T. den Professortitel zu verleihen, entsprach das bayer. Kultusministerium nicht – wegen der Mitarbeit am „Simplicissimus“ und seiner österr. Staatsangehörigkeit. Während der NS-Zeit arbeitete T., der weder der NSDAP noch einer ihrer Gliederungen beitrat, weiter für den ‚gleichgeschalteten‘ „Simplicissimus“; am 20. 4. 1938 wurde er von Hitler zum Prof. ernannt. Sein Name stand auf der sog. „Gottbegnadeten-Liste“; auf den Großen Dt. Kunstausstellungen im Münchner Haus der Dt. Kunst war er mit insgesamt 41 Werken, meist militärischen Inhalts, vertreten. T., der keine Schüler im eigentlichen Sinne hatte, lebte nach dem 2. Weltkrieg zurückgezogen in seinem Haus am Ammersee.

  • Auszeichnungen

    A Ehrenmitgl. d. Münchner Ak. d. bildenden Künste (1933); Goethe-Medaille f. Kunst u. Wiss. (1941).

  • Werke

    W u. a. Bücher mit Umschlag oder Illustrationen, v. a. für den Langen Verlag (vollst. Verz. im Bes. d. Vf. u. d. Red.);
    „Simplicissimus“-Alben d. Langen Verlags: Der Leutnant, 1899, 21900; T.-Album (Gemischte Ges.), 1900, 21901; Militär, 1901; Vom Kadetten z. General, 1906; Der bunte Rock, 1910; – Ölgem.: Bildnis d. Malers Julius Schrag, 1894, Öl/Pappe (Bayer. Staatsgem.slgg., München); Der kl. Soldat, 1911, Öl/Lwd. (Landesmus. Ferdinandeum, Innsbruck); Sárvárner Pferd mit Reitknecht, 1927, Öl/Lwd. (Privatbes.); – Ausstellungen: Graph. Slg., München, 1928; Kunstver., München, 1934 u. 1966; Städt. Gal. im Lenbachhaus, München, 1941; Die Insel, Hamburg, 1957; Gal. im Taxispalais, Innsbruck, 1966; Dominikanergal., Bozen, 1966; Städt. Gal., Lienz, 1967; Kurhaus Meran, 1968; E. T., Gem. u. Zeichnungen aus d. Zeit d. „Simplicissimus“, Ausst.kat. Kunsthalle Nürnberg 1969; E. T. 1866–1950, Ausst.kat. bearb. v. D. v. Kessel-Thöny, Mus. Villa Stuck München, Wilhelm-Busch-Mus. Hannover, Schloß Maretsch Bozen 1986 (P); E. T. 1866–1950, Zum 100. Geb.tag d.|Münchner Simplicissimus, Ausst.kat. Mus. Moderner Kunst – Stiftung Wörlen Passau 1996 (P); Lyonel Feininger – E. T., hg. v. D. Curti-Feininger, mit Btrr. v. W. Büche, B. Dal Lago, I. J. Engelmann u. M. Seeber, Ausst.kat. Stadtgal. Bozen 2003 (P); E. T., bearb. v. D. v. Kessel, Ausst.kat. Lana d’Adige 2004 (P); - Nachlaß: Dagmar v. Kessel, München.

  • Literatur

    L F. Servaes, E. T. als Sportmaler, in: Velhagen & Klasings Mhh., 36. Jg., 2. Bd., 12. H., Aug. 1922, S. 599–606;
    A. F. Teschemacher (Hg.), Kokotten, Bauern u. Soldaten, gezeichnet v. E. T., Mit e. Einf. v. H. Reimann, 1957;
    J. Heddergott (Hg.), E. T., flott gelebt …, Eine Ausw. aus d. Simplicissimus, 1966;
    A. Sailer, Der Zeichner E. T., in: Graphik 22, 1969, H. 10, S. 21 f.;
    D. v. Kessel-Thöny, E. T., Leben u. Werk, Diss. München 1974;
    dies. (Hg.), E. T., Berlin um 1900, Karikaturen f. d. Simplicissimus, Mit e. Btr. v. L. Demps, 2003;
    R. Thoms, Gr. Dt. Kunstausst. München 1937–1944, Verz. d. Künstler in zwei Bänden, Bd. I.: Maler u. Graphiker, 2010;
    M. Haas, Die ’Gottbegnadeten-Liste‘ (BArch R 55/20252a), in: Eine Institution zw. Repräsentation u. Macht, Die Univ. f. Musik u. darstellende Kunst Wien im Kulturleben d. NS, hg. v. J. Giannini, M. Haas u. E. Strouhal, 2014, S. 239–76;
    ThB;
    Vollmer;
    ÖBL;
    zu Ludwig Vierthaler: N. Stula, L. V. (1875–1967), Leben u. Werk, Diss. Bonn 1998;
    ThB; Hann. Professoren.

  • Portraits

    P zahlr. Porträts u. Selbstporträts, Abb. in: E. T. 1866–1950, Ausst.kat. 1986 (s. W)

  • Autor/in

    Thomas Raff
  • Empfohlene Zitierweise

    Raff, Thomas, "Thöny, Eduard" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 160-162 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118757172.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA