Lebensdaten
1775 bis 1828
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Gynäkologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119011514 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siebold, Johann Elias Cosmas Adam
  • Siebold, Elias von
  • Siebold, Adam Elias von
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Zitierweise

Siebold, Elias, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119011514.html [16.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Carl Caspar (s. 1);
    M Veronica Stang;
    B Bartholomäus (s. 2);
    1) Regensburg u. Würzburg 1800 Sophie (1779–1816, ev.), T d. Jacob v. Schaeffer (1752–1826, bayer. Personaladel 1813), Dr. med., Arzt in R., Leibarzt d. Fürsten v. Thurn u. Taxis, GHR, Vf. e. Beschreibung seiner Reise durch Italien, 1794 Mitgl. d. Leopoldina (s. BLÄ; ADB 30; NDB 22*), u. d. Margarete Christine Arnold, 2) Berlin 1823 Friederike Auguste (1806–45, ev., 2] Ludwig Eduard Heydemann, 1805–74, o. Prof. f. Allg. Landrecht in B., GJR, s. ADB 12), T d. Johann Friedrich Pauly, preuß. Oberamtmann in Blankenburg, u. d. Sophie Friederike Krüger;
    5 S aus 1) (3 früh †) u. a. Eduard (s. 4), Carl Theodor Ernst (1804–85), 1831 Kreisphysicus in Heilsberg (Ostpr.), 1834 Stadtphysicus in Königsberg (Pr.), 1834 Stadtphysicus u. Dir. d. Entbindungsanstalt u. Hebammenschule in Danzig, 1841 o. Prof. f. Zool., Vgl. Anatomie u. Tierheilkde. in Erlangen, 1845 f. Physiol., Zool., Vgl. Anatomie u. Tierheilkde. in Freiburg (Br.), 1850 f. Zool., Physiol. u. Vgl. Anatomie in Breslau, 1853 f. Physiol. u. Vgl. Anatomie in München, 1855 f. Zool. u. Dir. d. Zool. Mus. ebd., zahlr. Arbb. u. a. z. Anatomie d. Wirbellosen, v. a. d. Protozoen, d. er als eigenen Stamm erkannte, d. Coelenteraten, u. d. Insekten, b. denen er d. Parthenogenese entdeckte, gründete 1849 mit Rudolf Albert v. Kölliker d. „Zs. f. wiss. Zool.“, 1840 Mitgl. d. Leopoldina, korr. Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. 1841, d. Bayer. Ak. d. Wiss. 1848 (o. 1853) u. 1850 d. Göttinger Ak. d. Wiss., 1858 Ehrenmitgl. d. Physikal.-med. Soz. in Erlangen, Ehrenmitgl. d. Univ. St. Petersburg 1878, Dr. phil. h. c. (Königsberg 1844) (s. ADB 34; BLÄ; DSB; Fränk. Lb. 15; K. Enigk, Gesch. d. Helmintol., 1986; Ärztelex.; Lex. Naturwiss.; Erlanger Professoren II), 5 T aus 1) (2 früh †) Sophia (1805–37, ⚭ Hans Wichmann, vor 1847, Landwirt, Amtmann), Bertha (1807–89, ⚭ Hans Wichmann, s. o.), Louise (1814-n. 1876, ⚭ N. N. Meyer, Kaufm. in Stettin), 2 T aus 2) (1 früh †) Marie (1828–1909, ⚭ Hermann August Berger, 1821–87, Gutsbes., Oberamtmann);
    N Philipp Franz (s. 5).

  • Leben

    S. sollte nach dem Willen seines Vaters in einem Augsburger Handelshaus eine kaufmännische Lehre absolvieren. Er kehrte jedoch nach einem halben Jahr wieder nach Würzburg zurück mit dem Wunsch, die Heilkunde zu erlernen. Er studierte 1792–95 in Würzburg, anschließend in Jena und Göttingen. 1798 beendete er sein Studium in|Würzburg und wurde von seinem Vater zum Dr. med. promoviert. Nach der wenig später erfolgten Habilitation wurde S. 1799 ao., 1802 o. Professor der Medizin und Geburtshilfe sowie Hebammenlehrer. 1800 reiste er nach München, Salzburg und Wien, um sich dort auf dem Gebiet der Geburtshilfe weiterzubilden. 1805 eröffnete er in Würzburg das neue Gebärhaus. 1816 berief die preuß. Regierung S. an die neue Univ. Berlin als Professor für Geburtshilfe, wo er ebenfalls eine geburtshilfliche Universitätsklinik (1817) sowie eine Frauenklinik gründete. S. reformierte die med. Ausbildung auf dem Gebiet der Geburtshilfe vor allem durch die Einführung des Unterrichts für Ärzte und Hebammen am Kranken- und Wochenbett. Eine von ihm entwickelte Geburtszange trug seinen Namen. Das von ihm 1813–28 herausgegebene „Journal für Geburtshülfe, Frauenzimmer- und Kinderkrankheiten“ war die damals führende wissenschaftliche Fachzeitschrift auf den Gebieten Gynäkologie und Pädiatrie.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Würzburg 1819); Mitgl. d. Leopoldina (1804) u. d. Physikal. Ges. zu Göttingen (1797); Ehrenmitgl. d. Physikal.-Med. Ges. zu Erlangen (1808); preuß. GR (1816); Roter Adler-Orden III. Kl. (1820).

  • Werke

    Lehrb. d. theoret.-prakt. Entbindungskde. zu seinen Vorlesungen entworfen, 2 Bde., 1803/04;
    Lehrb. d. Hebammenkunst als Leitfaden z. Unterrichte f. Hebammen u. z. Belehrung d. Mütter, 1808, 61838;
    Hdb. z. Erkenntniß u. Heilung d. Frauenzimmerkrankheiten, 2 Bde., 1811–15, niederl., poln. u. ital. Überss.

  • Literatur

    ADB 34;
    H. Körner, Die Würzburger S. (s. L zu 1), bes. S. 203–53 (Qu, L, P);
    BLÄ.

  • Portraits

    Kupf. v. J. F. Schröter, 1803/06 (Bochum, Siebold-Archiv), Abb. in: Körner (s. L), nach S. 208;
    Lith. (Berlin, Humboldt-Univ., Kustodie), Abb. in: A. Keune, Gelehrtenbildnisse d. Humboldt-Univ. zu Berlin, 2000;
    Ölgem., anon., nach 1820 (Privatbes.), Abb. in: Körner (s. L), nach S. 240.

  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Siebold, Elias" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 327-328 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119011514.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Siebold: Adam Elias v. S., der jüngste Sohn Karl Kaspar v. Siebold's (S. 186), wurde am 5. März 1775 in Würzburg geboren. Während die drei älteren Brüder Philosophie, Naturwissenschaften und Medicin studirten, wurde A. E. v. S. zum Kaufmannsstande bestimmt und trat in ein Augsburger Geschäft ein, aber nur für wenige Monate; dann begann auch er Medicin zu studiren und zwar zuerst in Würzburg, später in Jena und Göttingen und schließlich wieder in Würzburg, wo er 1798 den Doctortitel erhielt. Frühzeitig hatte er eine besondere Liebe zur Geburtshülfe gefaßt, in welcher schließlich Stark in Jena, F. B. Osiander in Göttingen und später, als er schon Professor extraordinarius war, Johann Lukas Boër in Wien seine Lehrer wurden. Seit 1798 in Würzburg habilitirt und seit 1799 Extraordinarius, hatte er 1804 den Bau der neuen und ersten Gebäranstalt daselbst zu leiten, und zum Ordinarius ernannt, eröffnete er dieselbe 1805 mit einer Rede „Ueber Zwecke und Organisation der Klinik in einer Entbindungsanstalt“. 1804 hatte A. E. v. S. bereits die „Lucina“, eine Zeitschrift zur Vervollkommnung der Entbindungskunst gegründet; während dieser Titel den Gedanken nahe legen konnte, daß er in die Fußtapfen F. B. Osiander's getreten sei und das Entbinden, nicht die Beobachtung der natürlichen Hergänge als Hauptaufgabe des Arztes und Lehrers betrachte, hat er das erste Heft der Zeitschrift grade seinem Lehrer Johann Lukas Boër, wegen dessen Verdiensten um die „Entbindungskunst“ gewidmet. So nahm v. S. einen vermittelnden Standpunkt zwischen Osiander's Polypragmasie und Boër's expectativem Standpunkt ein, wie sich auch in seinem Aufsatze „Ideen zur Beschränkung der Instrumentalhülfe bei schweren Geburten“ zeigt, in welchem er auf die richtige Lagerung der Parturiens, speciell die Seitenlagerung zur Beförderung des Geburtsmechanismus hinweist (Lucina II, 2, 1, 1805). In dieser Zeitschrift besprach er auch schon frühzeitig Frauenkrankheiten (Bd. III, 372), z. B. den Vorfall der Scheide und Gebärmutter, die Inversion derselben (IV, 55) u. A. In einer Anmerkung zu dem Verzeichniß der Vorlesungen über Medicin, Chirurgie und Entbindungskunde an der Universität Würzburg für das Wintersemester 1806—7 sagte er, daß man im Auslande das Gerücht ausgestreut habe, daß unter dem Kurfürsten Ferdinand die Würzburger Universität eingehen werde; der Kurfürst sei aber der Universität sehr gnädig gesinnt und dieselbe habe auch noch 420 Studenten, darunter gegen 100 Mediciner. Speciell aber habe die medicinische Facultät die vortrefflichsten Anstalten und in der Entbindungsanstalt habe er eine Privatsammlung von Becken, Präparaten, Instrumenten, Zeichnungen und Stichen und eine hinlängliche Menge von Schwangern und Gebärenden. Mit großem Eifer wirkte v. S. als Lehrer und das Aufblühen der medicinischen Facultät ist ihm zum großen Theil zu danken. 1816 wurde er nach Berlin berufen und eröffnete daselbst 1817 die neue Universitätsfrauenklinik, mit welcher er eine Poliklinik für kranke Frauen und eine geburtshülfliche Poliklinik verband.

    Bereits 1803 hatte v. S. ein „Lehrbuch der theoretisch-praktischen|Entbindungskunde“ geschrieben, dessen zweiter Band 1804 erschien und welches bis 1824 verschiedene Auflagen erlebte; von seinen größeren Schriften sind ferner zu nennen: „Annalen der klinischen Schule an der Entbindungsanstalt zu Würzburg", 1806; „Lehrbuch der Hebammenkunst" 1808; „Handbuch der Frauenzimmerkrankheiten“, 2 Bände, 1821—26. Seine Lucina wurde 1813 zum „Journal für Geburtshilfe, Frauenzimmer- und Kinderkrankheiten“ erweitert. v. S. starb, nur 53 Jahre alt, am 12. Juli 1828 an einem (?) carcinomatösen Magenleiden mit Magenblutungen. Er hinterließ zwei Söhne und vier Töchter. Universität und Stadt betrauerten seinen Tod in hohem Maaße.

    • Literatur

      Lucina, Bd. I—IX. — Neuer Nekrolog der Deutschen, Jahrg. VI, 1828, I, 572. — Ed. C. J. v. S., Versuch einer Geschichte der Geburtshilfe, Berlin 1845. II, 630, und Geburtshülfliche Briefe. 1862, S. 48. — Kleinwächter in Gurlt-Hirsch, Biogr. Lexikon, V, 391.

  • Autor/in

    F. Winckel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winckel, Franz von, "Siebold, Elias" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 183-184 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119011514.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA