Lebensdaten
1736 bis 1807
Geburtsort
Nideggen (Eifel)
Sterbeort
Würzburg
Beruf/Funktion
Chirurg ; Arzt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 119006855 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siebold, Carl Caspar
  • Siebold, Karl Kaspar von
  • Siebold, Carl Caspar

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Zitierweise

Siebold, Karl Kaspar von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119006855.html [17.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus ursprüngl. hessen-darmstädt. Fam., d. sich 1760 in W. niederließ;
    V Johann Christoph S. (1701–66, ev., 1726 kath.), aus Darmstadt, Rgt.chirurg, Wundarzt, Ratsherr u. Bgm. in N., S d. Johann Peter (1668–1712), lgfl. hessen-darmstädt. Hofkoch, u. d. Elisabeth Jaupp (1672–1743), aus Darmstadt;
    M Esther (1698–1755), T d. Johann Peter Brünninghausen (1655–1741), Stadtschreiber u. Bgm. in N., u. d. Helena Lieferings (1664–1702);
    Ur-Gvv Johann S. (1629–96), lgfl. hessen-darmstädt. Hofkutscher, Johann Daniel Jaupp, lgfl. hessen-darmstädt. Hofglasermeister, Ratsherr in Darmstadt;
    1) Würzburg 1766 Veronica (1744–93), T d. Georg Christoph Stang (1703–79), würzburg. Leibchirurg, Demonstrator d. Anatomie an d. Univ. in W., Oberwundarzt am Juliusspital ebd., Stadt- u. Landhebammenmeister ebd., u. d. Maria Margarethe Balbus (1704–58), 2) Würzburg 1800 Sabina (1761–1836, 1] Franz Bauer, würzburg. Geh. Kammerrat), T d. Johann Martin Leo, Auditor, Lt., u. d. Maria Franziska Dercum;
    4 S aus 1) Christoph (1767–98), ao. Prof. d. Med., Physiol. u. Geburtshilfe an d. Univ. in W., 1. Arzt am Juliusspital ebd., Damian (1768–1828, ⚭ Josepha Henning, 1771–1849, aus Geismar, Eichsfeld, 1] Georg Heiland, 1746–93, kurmainz. Reg.rat in Heiligenstadt, Eichsfeld, studierte b. ihrem Schwager Elias, s. u., in W. Entbindungskunst, war nach Prüfung durch d. Medizinalkollegium in Darmstadt 1807 als Geburtshelferin tätig u. nahm Pockenimpfungen vor, als erste Frau 1815 Dr. med. h. c. d. Univ. Gießen, s. NND 27; Lex. d. Frau; Stadtlex. Darmstadt; Enz. Neuzeit, T d. Joseph Henning, kurmainz. Reg.sekr. in Heiligenstadt, u. d. Theresia Hartung), Dr. med. u. Dr. phil., prakt. Arzt u. Geburtshelfer, Amtsphysikus u. 1. Hospitalarzt in Darmstadt, Dir. d.. Med.kollegiums f. d. Fst. Starkenburg, ghzgl. hess. HR, Bartholomäus (s. 2; L), Elias (s. 3), 2 T aus 1) u. a. Anna Maria Clara (1780–1848, ⚭ Johann Martin Zimmermann, 1772–1829, würzburg. Rittmeister);
    E Charlotte Heidenreich gen. v. S. (1788–1859), Geburtshelferin (s. NDB VIII), Eduard (s. 4), Philipp Franz (s. 5).

  • Leben

    S. begann bereits mit 16 Jahren 1752 ein Philosophiestudium in Köln, das er 1754 abschloß. Danach kehrte er in sein Elternhaus zurück und erlernte bei seinem Vater die Wundarzneikunst. Im Siebenjährigen Krieg arbeitete S. 1757 in einem franz. Militärlazarett zu Wesel, wo er in der Feldchirurgie ausgebildet wurde. 1760 erfolgte seine Verlegung von Frankfurt/M. nach Würzburg, um im Feldspital der kursächs. Truppen zu praktizieren. Nach Beendigung seines Militärdienstes fand S. im selben Jahr im Würzburger Juliusspital eine Anstellung als Gehilfe des Oberwundarztes Georg Christoph Stang. Gleichzeitig nahm er ein Medizinstudium auf, das er 1763 abschloß. Fürstbf. Adam Friedrich v. Seinsheim (1708–79) schickte S. danach auf eine med. Bildungsreise nach Paris, Rouen, London und Leiden. 1766 nach Würzburg zurückgekehrt, erwarb S. 1769 den med. Doktorgrad; bald darauf erfolgte seine Ernennung zum Professor für Anatomie, Chirurgie und Geburtshilfe sowie zum Oberwundarzt. 1777 wurde S. zum Leibwundarzt des Bischofs berufen.

    S. vereinte in seiner Person die handwerklich-chirurgische und akademische Tradition. Ihm gelang es, die praktische Chirurgie in die universitäre Ausbildung zu integrieren. S. galt bald als führender Vertreter der dt. Chirurgie und erfüllte die darniederliegende Würzburger med. Fakultät mit neuem Leben (1760 hatte diese sieben Studenten, 1804 waren es 189). Er war ein begnadeter Arzt und hervorragender Organisator. Das Einzugsgebiet seiner Praxis reichte weit über die Grenzen des Hochstifts hinaus. S. setzte einen Umbau des Theatrum anatomicum durch, erkämpfte sich die Bewilligung eines modernen Operationssaals und ließ eine geburtshilfliche Klinik errichten. Auch auf standespolitischem Gebiet war S. aktiv: Er rationalisierte die Hebammenausbildung, verpflichtete die Wundärzte zum Universitätsbesuch und band ihr Staatsexamen an die Fakultät, womit er dem grassierenden Kurpfuschertum entgegenwirkte. Den Protestanten wurde erlaubt, das Studium in Würzburg aufzunehmen. 1787 lehnte S. einen Ruf nach Berlin ab. Zeittypisch ist sein Bestreben, Mitgliedern seiner weitverzweigten Familie, v. a. Söhnen und Enkeln, gutdotierte Positionen als Lehrstuhlinhaber an der eigenen Fakultät zu verschaffen, so daß allmählich die sog. „Academia Sieboldiana“ entstand – erst ein Spottname, dann eine Ehrenbezeichnung für die Würzburger Fakultät.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. nützl. Wiss. zu Erfurt (1776), d. Leopoldina (1771), d. Ak. d. Chirurgie, Paris (1781) u. d. Soc. de Médecine-Pratique, Montpellier (1803).

  • Werke

    u. a. Von d. Vortheilen, welche d. Staat durch öff. anatom. Lehranstalten gewinnt, 1788;
    Chirurg. Tageb., 1792;
    Historia morbi feralis reverendissimi ac celsissimi ( . . . ) Principis ( . . . ) Francisci Ludovici, episcopi Bambergensis et Wirceburgensis, 1795;
    Prakt. Beobachtungen über d. Kastrazion, 1802.

  • Literatur

    ADB 34;
    Johann Barthel v. Siebold, C. C. v. S.'s Leben u. Verdienste, 1807 (P);
    H. Körner, Die Würzburger S., Eine Gel.fam. d. 18. u. 19. Jh., 1967, bes. S. 17–97 (Qu, L, P);
    W. Leydhecker, Der Beginn d. wiss. Chirurgie u. Augenheilkde. in Würzburg durch C. C. v. S., in: Würzburger med.hist. Mitt. 10,|1992, S. 101–06;
    G. Keil, K. K. v. S., in: A. Thiede u. a. (Hg.), Philipp Franz v. S. and his era, 2000, S. 37–45;
    BLÄ;
    Fränk. Lb. 15, 1993, S. 181–200 (P);
    Qu:
    Nachlaß: Univ.bibl. Würzburg.

  • Portraits

    Ölgem. v. J. Hirschmann, 1786 (Baltimore, Johns Hopkins Univ.), Abb. in Körner (s. L), vor S. 25;
    Ölgem. v. C. Huber, um 1789 (Würzburg, Martin-v.Wagner-Mus.), Abb. ebd. nach S. 64 u. in: Fränk. Lb. 15, 1993, nach S. 192.

  • Empfohlene Zitierweise

    Gerabek, Werner E., "Siebold, Karl Kaspar von" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 326-327 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119006855.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Siebold: Karl Kaspar S., der Sohn eines Wundarztes vom Niederrhein, geboren im Herzogthum Jülich zu Nideck, am 4. November 1736, wurde von seinem Vater zwei Jahre lang praktisch in der Chirurgie ausgebildet, wurde dann Feldarzt in französischen Spitälern und übernahm 1760 bei dem Oberwundarzt Stang im Juliusspitale zu Würzburg die Stelle des ersten Assistenten. Während dieser Zeit besuchte er drei Jahre lang naturwissenschaftliche und medicinische Vorlesungen an der Universität; 1763—1766 reiste er in Frankreich, England und Holland, promovirte 1769 und wurde darauf in Würzburg ordentlicher Professor für Anatomie, Chirurgie und Geburtshülfe. Ausgezeichnet als Lehrer und Operateur zog er viele Schüler nach Würzburg, erweiterte das anatomische Theater daselbst, legte eine pathologisch-anatomische Sammlung an, verbesserte den Hebammenunterricht und führte verschiedene neue Operationen zuerst aus. 1777 wurde er Leibarzt und Hofrath des Fürsten Georg Karl, 1787 lehnte er einen Ruf als Professor der Chirurgie an die Charité nach Berlin ab; 1801 wurde er in den Reichsadel erhoben, 1803 zum Medicinalrath des Fürstenthums Würzburg ernannt und starb am 5. April 1807. Er ist der Stammvater einer Familie, welcher bis auf die Gegenwart ausgezeichnete Naturforscher und Aerzte entsprossen sind; seine drei Söhne Georg Christoph. Johann Bartholomäus und Adam Elias sind als Chirurgen und Geburtshelfer berühmt. Außer mehreren kleineren Abhandlungen und Dissertationen sind von seinen Schriften zu nennen: „Collectio observationum medico-chirurgicarum“. Bamberg 1769. 4. „Chirurgisches Tagebuch“, Würzburg 1792. 8. „Praktische Bemerkungen über die Castration“, Frankfurt a. M. 1802. 8. Unter seinen Schülern sind zu nennen Hesselbach, Ph. v. Walther und Textor. Schon zu seinen Lebzeiten wurde sein Sohn Adam Elias sein Nachfolger als Professor der Geburtshülfe in Würzburg.

    • Literatur

      Karl Kaspar v. Siebold's Leben und Verdienste von Joh. Barth. Siebold, Würzburg 1807. — Häser, Geschichte der Medicin. 3. Bearbeitung II, 663. —
      Seitz, Biographisches Lexikon v. Hirsch, V, 390. — Häser in Pitha-Billroth's Chirurgie, I, 23. 1865.

  • Autor/in

    F. Winckel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Winckel, Franz von, "Siebold, Karl Kaspar von" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 186 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119006855.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA