Lebensdaten
1718 bis 1790
Geburtsort
Querfurt (Thüringen)
Sterbeort
Regensburg
Beruf/Funktion
Naturforscher ; Botaniker ; Superintendent
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 119100673 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schäffer, Jakob Christian Gottlieb
  • Schaeffer, Jacob Christian von
  • Schäffer, Jakob Christian Gottlieb
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Zitierweise

Schaeffer, Jacob Christian von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119100673.html [21.02.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johann Christoph S. ( 1728), Pastor, Archidiakon in Qu.;
    M N. N.;
    5 Geschw u. a. Johann Gottlieb (1720–95), Dr. med., Apotheker, Arzt, erster Stadtphysicus in R., wo er 1763 d. Blatternimpfung einführte, Leibarzt d. Fürsten v. Thurn u. Taxis, 1757 Mitgl. d. Leopoldina (s. BLÄ; ADB 30; Pogg. VII a Suppl.; Dt. Apotheker-Biogr.; Dt. Apotheker-Ztg., 135. Jg., Nr. 37, v. 14.9.1995, S. 104);
    1) 1743 Susanna Weißböck ( 1746), 2) N. N. ( 1759), T d. Andreas Christian (oder Christoph) Mühl, 3) N. N. Herrich; keine männl. Nachfahren; Schwager Emanuel Theophil Harrer (1714–67), Naturforscher in R. (s. L);
    N Jacob Christian Gottlieb v. S. (1752-1826, bayer. Personaladel 1813), Dr. med., Arzt in R., Leibarzt d. Fürsten v. Thurn u. Taxis, GHR, Vf. e. Beschreibung seiner Reise durch Italien, 1794 Mitgl. d. Leopoldina (s. BLÄ; ADB 30), Johann Ulrich Gottlieb v. S. (1753-1829, bayer. Personaladel), Dr. med., Leibarzt d. Fürsten v. Oettingen-Wallerstein (s. ADB 30; NDB VIII*);
    Gr-N Sophie S. (1779-1816, Elias v. Siebold, 1775–1828, Prof. d. Geburtshilfe in Würzburg, Stadt- u. Landhebammenmeister, bayer. Med.rat, seit 1816 in Berlin, preuß. Geh. Med.rat, S d. Carl Caspar v. Siebold, 1736–1807, Reichsadel 1801, Prof. d. Anatomie, Chirurgie u. Geburtshilfe in Würzburg, beide s. ADB 34), Maria Margarete v. S. (1781-1815, Johann August Herrich, 1768–1858, Dr. med., Med.rat in R., s. NDB VIII*);
    Ur-Gr-N Gottlieb August Wilhelm Herrich-S. (1799-1874), Mitgr. u. langjähriger Vorstand d. Zool.-mineral. Ver. in R., später d. Botan. Ges. (s. NDB VIII).

  • Leben

    S., dessen Jugend nach dem frühen Tod des Vaters von Armut geprägt war, begann 1736 an der Univ. Halle/Saale mit Unterstützung der Franckeschen Stiftungen das Studium der ev. Theologie, verließ die Universität aber noch vor Abschluß des Studiums 1738 und nahm eine Hauslehrerstelle in Regensburg an, die er nach etwa einem Jahr wieder verlor. 1741 wurde ihm dort eine Predigerstelle übertragen, zusammen mit dem Amt des Extraordinarius der ev. Geistlichen. 1760 erlangte er in Wittenberg den Titel eines Magisters und Doktors der Philosophie, 1763 verlieh ihm die Univ. Tübingen das theol. Doktordiplom. 1779 wurde er mit dem Posten eines Superintendenten in Regensburg betraut.

    Angeregt durch seinen Schwager E. Th. Harrer begann S. als Autodidakt mit naturkundlichen Forschungen, publizierte seit 1752 eine Vielzahl oft reich illustrierter Untersuchungen zu botanischen und zoologischen Themen und stand in regem Briefwechsel mit führenden Forschern seiner Zeit, u. a. Carl v. Linné und René Antoine Réaumur. Sein Forschungsschwerpunkt war die heimische Tier- und Pflanzenwelt. Mit der Beschreibung einheimischer Pilze wurde S. zum Begründer der dt. Mykologie (Fungorum, qui in Bavaria et Palatinatu superiore circa Ratisbonam nascuntur, 4 Bde., 1762–75, 21800). Die Insektenwelt im Umkreis von Regensburg wurde in den ca. 3000 Abbildungen (auf 280 Tafeln) seiner „Icones insectorum circa Ratisbonam indigenorum coloribus naturam referentibus expressae, Natürlich ausgemalte Abbildungen und kurze Beschreibung der Regensburgischen Insecten“ (3 Bde. 1766–79, Bd. 4, hg. v. G. W. Panzer, 1804) dokumentiert. Ferner befaßte sich S. mit der Heilwirkung von Kräutern und baute ein umfangreiches, öffentlich zugängliches Naturalienkabinett auf, das u. a. von Goethe besucht wurde. Die Sammlung wurde nach S.s Tod versteigert und gelangte an ein Augustinerchorherrenstift in Passau, wo sie 1793-1800 öffentlich gezeigt wurde, ehe sie verlorenging.

    Fragen aus dem Gebiet der Elektrizitätslehre, der Farbenlehre und der Optik beschäftigten S. ebenso wie technisch-praktische Probleme, etwa die Verfertigung eigener wissenschaftlicher Instrumente. Besondere Aufmerksamkeit erregten seine durch das Studium von Wespennestern angeregten Versuche, mittels eines selbst konstruierten handgetriebenen Stampfwerks (Original im Stadtmus. Regensburg) Pflanzenfasern so aufzuschließen, daß sie zusammen mit einem gewissen Hadernanteil für die Papierfabrikation verwendet werden konnten. Damit sollte dem Hadernmangel der Papiermühlen begegnet werden. S.s mit Originalmustern versehene Publikationen dazu sind Meilensteine der Papiertechnologie. Der Papiertechnologe Wilhelm Herzberg (1861-n. 1936) unterzog diese Proben 1898 einer eingehenden mikroskopischen Untersuchung und fand teilweise einen beträchtlichen Hadernanteil. Ausgehend von einer engl. Erfindung entwickelte S. 1766 eine Waschmaschine, von der ca. 60 Exemplare gebaut wurden und deren Konstruktionsweise bis in die Mitte des 19. Jh. beibehalten wurde.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Ak. d. Wiss. in München (Gründungs-mitgl. 1759), Göttingen, London, Mannheim, St. Petersburg, Uppsala u. Paris (korr.) sowie d. Physikal.-Botan. Ges. Florenz u. d. Leopoldina (1757); dän. u. österr. Orden.

  • Werke

    Nachr. v. e. Raupe so etliche Jahre her an manchen Orten in Sachsen vielen Schaden gethan, 1752;
    Die Sattelfliege, 1753, 21762;
    Die Armpolypen in d. süßen Wassern um Regensburg, 1754, 21763;
    Erleichterte Artzney-Kräuterwiss., 1759, 41774;
    Erfolg d. Versuche d. Saamenwolle d. Schwarzpappel u. d. Wollengrases wirthschaftsnützlich zu gehrauchen, in: Abhh. d. churfürstl.-baier. Ak. d. Wiss. 1764. II/2, S. 264-98;
    Versuche u. Muster, ohne alle Lumpen oder doch mit e. geringen Zusatze derselben, Papier zu machen, 2 Bde., 1765 (niederländ. 1770);
    Neue Versuche u. Muster, d. Pflanzenreich zum Papiermachen u. anderen Sachen wirtschaftsnützlich zu gebrauchen, 3 Bde., 1765-67;
    Die bequeme u. d. Wirthschaft in allen Rücksichten höchst vortheilhafte Waschmaschine, 1766, 21767;
    Abhh. v. Insecten, 3 Bde., 1764-79.

  • Literatur

    ADB 30;
    O. Fürnrohr, Die Naturforscher-Fam. S. in Regensburg, in: Berr. d. naturwiss. Ver. zu Regensburg 11, 1905/06, S. 120-39 (W, P);
    S. Killermann, J. C. S. in Regensburg, in: Zs. f. Pilzkunde 3, 1924, S. 49-53;
    ders., J. C. S.s Papierversuche 1765–72, in: Der Papier-Fabrikant 25, 1927, S. 43, 665-70;
    D. Hunter (sen.), An era in papermaking, the story of J. C. S. etc., in: Journal of the New York Botanical Garden 44, 1943, S. 149-59;
    H. H. Bockwitz, S. u. Herzberg, Zum Leben u. Werk v. zwei Papierforschern in alter u. neuer Zeit, in: Die S.schen Papierversuche, Wilhelm Herzberg, Neudr. 1949, S. 51-62;
    P. Paasche, in: Zellstoff u. Papier 39, 1990, S. 152-54;
    A. Renker, J. C. S. in d. Gesch. d. Papierherstellung, in: Gutenberg-Jb. 33, 1958, S. 30-36 (P);
    W. Sandermann, J. C. S. u. seine Bedeutung in d. Papiergesch., in: IPH-Yearbook 1, 1980, S. 171-89 (P);
    M. Tanne, in: Im Turm, im Kab., im Labor, Streifzüge durch d. Regensburger Wiss.gesch., hg. v. M. Lorenz, 1995, S. 164-74;
    ders., in: Berühmte Regensburger, S. 176-81 (P);
    H. Voorn, Rondom J. C. S., een bidrage tot de geschiedenis der papierfabricage in de achttiende eeuw;
    Pogg. II, VII a Suppl.;
    M. Knedlik, in: BBKL XIX, 2001, Sp. 1221-26 (W); – zu Emanuel Th. Harrer:
    Verzeichniß e. auserlesenen Naturalienslg., welche E. T. H. hinterlassen, Regensburg 1787.

  • Portraits

    Schabkunstbl. v. J. E. Haid, 1774 (Dt. Buch- u. Schriftmus. Leipzig).

  • Autor/in

    Frieder Schmidt
  • Empfohlene Zitierweise

    Schmidt, Frieder, "Schaeffer, Jacob Christian" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 519-520 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119100673.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schäffer: Jacob Christian S., geboren zu Querfurt in Thüringen am 30. Mai 1718, als Superintendent in Regensburg am 5. Januar 1790, war auf verschiedenen Gebieten litterarisch thätig und hat auch einige botanische Werke hinterlassen. Nach einer unter drückendem Mangel verflossenen Jugendzeit absolvirte S. seine Studien in Halle und erhielt 1741 eine Predigerstelle in Regensburg, aus welcher er 1779 zu dem Range eines Superintendenten der evangelischen Gemeinde aufrückte. Die Universität Wittenberg hatte ihm 1760 die|Magisterwürde und Tübingen 1763 das theologische Doctordiplom verliehen. Die große Reihe von Schäffer's Schriften, unter denen sich selbst solche über Papierfabrikation, Wasch- und Sägemaschinen finden, ist veröffentlicht in Meusel's biogr. Lexicon (Bd. XII, 1812). Von seinen botanischen Werken ist das wichtigste eine in 4 Bänden 1762—64 erschienene Illustration der in Baiern und der Pfalz wachsenden Schwämme: „Fungorum qui in Bavaria et Palatinatu circa Ratisbonam nascuntur icones“, worin auf 330 colorirten Tafeln sich für damalige Zeit recht gute Abbildungen finden, bei denen neben der habituellen Darstellung auch vielfach schon die Sporen gezeichnet sind. Einen Commentar zu dem Werke gab 1800 Heinrich Persoon heraus, welcher durch genauere systematische Begrenzung der abgebildeten Pflanzen die Benutzung des Werkes behufs Bestimmung der Schwämme erleichtern sollte. Kleinere Arbeiten über dieselbe Pflanzenabtheilung gingen dem Buche voraus. So erschienen 1759: „Vorläufige Beobachtungen der Schwämme um Regensburg"; 1760: „Der Gichtschwamm mit grünschleimigem Hute"; 1761: „Icones et descriptio fungorum quorundam singularium“. Die übrigen botanischen Arbeiten Schäffer's sind hauptsächlich Bestimmungstabellen zum praktischen Gebrauch, wobei die Pflanzen nach sexuellen Merkmalen geordnet sind.

    • Literatur

      Meusel, Biogr. Lexicon, Bd. XII.

  • Autor/in

    E. Wunschmann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Wunschmann, Ernst, "Schaeffer, Jacob Christian" in: Allgemeine Deutsche Biographie 30 (1890), S. 531-532 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119100673.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA