Lebensdaten
1904 bis 1972
Geburtsort
Olmütz (Mähren)
Sterbeort
Woodland Hills bei Los Angeles (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Regisseur ; Drehbuchautor ; Kameramann ; Bühnenbildner ; Filmproduzent
Konfession
jüdisch,evangelisch,episkopal
Normdaten
GND: 124471196 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Ulmer, Edgar
  • Ulmer, Edgar George
  • Ulmer, Edgar Georg
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Biografische Lexika/Biogramme

Quellen(nachweise)

Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Ulmer, Edgar G., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124471196.html [10.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Siegfried (1876–1916 ⚔), aus O., Weingroßhändler in Wien, Sozialist;
    M Henriette Edels (1882– 1943, 2] Karl Edwards, Seemann aus San Francisco), aus Wien, gelernte Operettensängerin, wanderte 1926 mit T in d. USA aus; jüngerer B Max, Kaufm. in Wien, emigrierte in d. USA, später in d. US-Army, jüngere Schw Karola ( N. N. Hurnaus, Fußballspieler, Mitgl. d. österr. jüd. Ver. „Hakoah“), Schmuckhändlerin in Wien, wanderte 1926 n. New York aus, Elvira (gen. Elly) (* 1911, N. N., Fußballspieler, Mitgl. d. österr. jüd. Ver. „Hakoah“), wanderte 1926 n. New York aus;
    1) Mission Inn, Riverside (Kalifornien) 1926 1934 Josephine (Joen) D. Warner (* 1907, ev.), aus Pasadena (Kalifornien), Tänzerin, Mitgl. d. Gruppe „The Fanchonettes“, 2) New York 1935 Shirley Kassler (Ps. S[herle] Castle) (1914–2000, 1] Max Alexander, 1908–64, Filmproduzent, N d. Carl [Karl] Laemmle, 1867–1939, aus Laupheim, Filmproduzent, Gründer u. Präs. d. Universal Studios in Hollywood), aus New York, Script Supervisorin, Drehbuchautorin, T d. Peter E. Kassler (1886–1975), Bankier in New York, n. d. Börsencrash 1929 zeitweise in Kalifornien, 1965–69 Irmgard Kornauth (* 1928), Schausp., Sängerin; 1 T aus 1) Helen J(oen) U. Warner (* 1929, ⚭ N. N. Mitchell), aus Pasadena, 1 T aus 2) Arianné (Arden, Cole) U. (* 1937, N. N. Cipes), aus New York, Schausp., Präs. d. Ulmer Preservation Corp. in Sherman Oaks (Los Angeles, Kalifornien) (s. Qu), aus Verbindung mit Irmgard Kornauth 1 T Carola U. (* 1966, N. N. Krempler), aus Las Vegas, seit 1967 mit ihrer M in Baden b. Wien.

  • Leben

    U. wuchs bei der Mutter und deren Eltern in Wien auf. Der musisch Begabte besuchte als Kontingentschüler die Wiener Jesuitenschule und kam 1918 durch eine amerik. Hilfsorganisation für ein Jahr zu einer Gastfamilie nach Schweden. Zurück in Wien, nahm ihn 1919 die Schauspielerfamilie seines Freundes Joseph Schildkraut (1895–1964) auf. U. studierte kurzzeitig an der Akademie für Bildende Kunst, lernte bei dem Bühnenbildner Alfred Roller (1864–1935) und hospitierte an Max Reinhardts (1873–1943) Wiener Theatern. 1920 folgte er Reinhardt nach Berlin, wo er nach eigenen Angaben bei Dreharbeiten später berühmter Ufa-Stummfilme assistierte, deren Expressionismus ihn nachhaltig prägte. 1925 gelang ihm der Sprung nach Hollywood mit einem Engagement als Assistant Chief Art Director bei den „Universal Studios“ Carl Laemmles (1867–1939). Bis 1932 arbeitete er als Produktionsleiter und Bühnenarchitekt bei Theater- u. Filmproduktionen sowohl in Amerika wie Europa mit, u. a. bei Serienwestern und bei Friedrich Wilhelm Murnaus (1888–1931) „Sunrise“. 1929/30 führte U. Regieassistenz bei dem legendären Dokumentarfilm „Menschen am Sonntag“ der Brüder Curt (1902–2000) und Robert Siodmak (1900–73). 1931–33 stand er bei „Metro-GoldwynMayer“ (MGM) unter Vertrag, für die er fremdsprachige Filmfassungen betreute, u. a. Edmund Gouldings „Grand Hotel“, und stellte Semidokus für Columbia her. Sein Aufklärungsfilm über Syphilis „Damaged Live“ (1933), eine Auftragsarbeit des Canadian Social Hygiene Council, wurde in den USA zunächst verboten. Erste Aufmerksamkeit erregte 1934 sein Spielfilm „The Black Cat“ nach Edgar Allan Poe (mit Boris Karloff und Bela Lugosi). Durch seine Liaison mit der verheirateten Shirley Alexander in Hollywood gesellschaftlich geächtet, schlugen sich beide bei „Poverty Row“-Filmfirmen in New York durch. Bis 1940 drehte U. an der Ostküste Spielfilme über Minderheitenprobleme sowie, in Reaktion auf den wachsenden Rassismus, vier selbst produzierte jiddische Melodramen, zumeist mit seiner nunmehrigen Frau Shirley als Supervisorin. Kurz vor und während des 2. Weltkriegs erstellte er für die amerik. Gesundheitsbehörde und die Armee Aufklärungs-, Trainings- und Lehrfilme; für die „Grand Opera Company“ in Philadelphia arbeitete er zeitweise als Art Director. 1941 kehrte er nach Hollywood zurück und übernahm dort die Aufnahmeleitung von Douglas|Sirks (1897–1987) „Madman“, ein Emigranten-Spielfilm, den MGM kaufte. In den folgenden Jahren erwarb er sich als Vertragsregisseur der „Producers Releasing Corporation“ (PRC) mit Leon Fromkess als Produzent den Ruf des „king of the B’s“. In nur je sechs Drehtagen entstanden fünfzehn seiner bekanntesten „films noirs“ als low budget Filme, oft mit dem Kameramann Eugen Schüfftan (1893/94–1977) und dem Komponisten Leo Erdody, die wie er emigriert waren. Der Südseefilm „Isle of Forgotten Sins“ (1943), der Thriller „Detour“ (1945), „The Strange Woman“ mit Hedy Lamarr (1946) und „Ruthless/Skrupellos“ (1947) zählen zu den bekanntesten. Zugleich arbeitete er, stets in Geldnot, als Kameramann bei „Pathé Newsreels“. Mit seiner 1946 gegründeten, kurzlebigen Gesellschaft „Mid Century“ entstand 1951 „The Man from Planet X“, ein früher Science fiction Film, danach tat sich U. zunehmend mit Independent-Gesellschaften zusammen.

    U., der 1943 die US-Staatsbürgerschaft erhalten hatte, drehte seit Ende der 1940er Jahre mehrfach in Europa, u. a. in Italien, wo „I pirati di Capri“ (1949), „Annibale“ (Farbe; 1959) und „L’Atlantide“ (1961) entstanden. In München begegnete er der Schauspielerin Irmgard Kornauth, die ihm 1965 nach Los Angeles folgte, aber mit der gemeinsamen Tochter 1967 nach Österreich zurückkehrte, nachdem Shirley Castle die Scheidung verweigerte. Während der Dreharbeiten zu dem Weltkriegsdrama „Sette contro la morte“ (schwarz-weiß; I/BRD/USA 1965) erlitt U. einen Herzinfarkt, dem mehrere Schlaganfälle bei den Vorbereitungen zu der TV-Serie „Doris Day-Show“ folgten. Bis zuletzt arbeitete er an einem Remake von „Detour“.

    Obwohl U. zu den bedeutendsten Emigranten-Regisseuren von Universal gehörte, wurde er nach seinem Tod rasch vergessen. Erst die Nouvelle Vague entdeckte seine Filme, deren „Frische, Geradheit und Erfindung“ (François Truffaut) erste Würdigungen in den „Cahiers du Cinéma“ erfuhren. Durch das Remake von „Detour“ (W. Williams, 1991) wurde U. zu einem der meistzitierten Regisseure des „film noir“. Biographien und Retrospektiven folgten seit den späten 1990er Jahren, ein Verdienst seiner Tochter Arianné Ulmer Cipes. Inzwischen ist ein Teil des Werks, das um die 128 Filme umfaßt, aufgespürt und restauriert.

  • Auszeichnungen

    A E. G. U. Hommage, Film-Forum, Wien 1998; Festival „Il Cinema Ritrovato“ Bologna, 1999; American Cinematheque, Los Angeles, 1999 (27 Filme zus.gestellt v. Arianné Ulmer Cipes); Retro E. G. U., 22. Festival internat. du film d’Amiens, 2002; – Gedenktafel mit Porträtrelief am Geb.haus in Olmütz (2006).

  • Werke

    Weitere W u. a. From Nine to Nine, 1936;
    Natalka Poltavka, 1937;
    Moon over Harlem (Musical), u. Yankl der Shmid, 1938;
    American Matchmaker/Amerikaner Schadchen, 1940;
    Babes in Bagdad, 1951;
    The Love(s) of three Queens, 1952 (vollendet v. M. Allégret);
    Murder is my beat, 1955;
    The naked Dawn (Technicolor), 1955;
    Daughter of Dr. Jekyll, 1958;
    Beyond the Time Barrier, 1960;
    Qu Shirley Kassler Ulmer: unveröff. autobiogr. Erzz.: Second Sight, 1934;
    Beyond the Boundary, 1935;
    Detour, 1969 (Drehbuch);
    The Edgar G. Ulmer Preservation Corp., Sherman Oaks (33 Filme in 16 mm, 3 Filme in 35 mm, 1999 ff.).

  • Literatur

    L L. Moullet, Présentation E. G. U., in: Cahiers du Cinéma 58, 4/1956, S. 55–57;
    ders. u. B. Tavernier, Entretien avec E. G. U., ebd. 122, 8/1961, S. 1–16;
    J. Belton, H. Hawks, F. Borzage, E. G. U., The Hollywood Professionals, Vol. 3, 1974, S. 148–80; M. Meisel, E. G. U., The Primacy of the Visual, in: T. McCarthy u. Ch. Flynn (Hg.), Kings of the B’s, Working within the Hollywood System, 1975, S. 147–152 u. 376–409; J. Hoberman, Bridge of Light, Yiddish Film between two Worlds, 1991; M. Cargnelli u. M. Omasta (Hg.), Schatten, Exil, Europ. Emigranten im Film noir, 1997, S. 296–309; P. Bogdanovich, E. G. U., „Who the Devil made it?“ 1997, S. 560–604, 2 1999, S. 541–85; Ch. Tatum, Jr., E. G. U., Le bandit démasqué, 2002 (Filmogr.); St. Grissemann, Interviews mit Ann Savage, Robert Clare, Ariane Ulmer Cipes, 2001; ders., Mann im Schatten, Der Filmemacher E. G. U., 2003 (Bibliogr., Filmogr.); N. Isenberg, „Perennial Detour“, The Cinema of E. G. U. and the experience of Exile, in: Cinema Journ. 43, 2004, H. 2, S. 3–25; ders., Detour, 2008; ders., E. G. U., A filmmaker at the margins, 2014 (Bibliogr., Filmogr., P); B. Steinbauer-Grötsch, Die lange Nacht d. Schatten, Film noir u. Filmexil, 32005; G. Don Rhodes, E. G. U., Detour on Poverty Row, 2008; B. Herzogenrath, The Films of E. G. U., 2009 (Bibliogr., Filmogr.); ders., E. G. U., Essays on the King of the B’s, 2009 (Bibliogr., Filmogr.); Kosch, Theater-Lex.; A. Spicer, Historical Dict. of Film Noir, 2010; CineGraph; – Dokumentarfilm: M. Palm, E. G. U., Der Mann im Off, Österr. 2004 (mit Arianné Ulmer Cipes)

  • Autor/in

    Brigitte Bruns
  • Empfohlene Zitierweise

    Bruns, Brigitte, "Ulmer, Edgar G." in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 578-579 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124471196.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA