Lebensdaten
1902 bis 2000
Geburtsort
Dresden
Sterbeort
Three Rivers (Kalifornien, USA)
Beruf/Funktion
Regisseur ; Autor
Konfession
-
Normdaten
GND: 119337681 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siodmak, Kurt (eigentlich)
  • Baron, Curt (Pseudonym)
  • Cusimak (Pseudonym)
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Zitierweise

Siodmak, Curt, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119337681.html [23.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Robert (s. 1);
    Paris (?) 1931 Henrietta Erna Baroness de Perrot (1903–2001/02), Architektin;
    S Geoffrey Curt (* 1933), Dekorationsmaler.

  • Leben

    S. studierte nach dem Abitur Mathematik, Physik und Ingenieurwissenschaft in Dresden, Berlin und Stuttgart, seit 1926 in Zürich, wo er 1930 sein Magisterexamen ablegte. Zusammen mit seinem Bruder Robert und dem Publizisten Franz Wolfgang Koebner (1885–n. 1955) gründete er 1924 die Illustrierte „Das Magazin“, in dem er erste eigene Texte veröffentlichte. Im April 1926 erschien in „Scherl's Magazin“ seine Science-fiction-Story „Die Eier vom Tanganjikasee“, die noch im selben Jahr im New Yorker Magazin „Amazing Stories“ in amerik. Übersetzung gedruckt wurde. 1929 veröffentlichte S. in Fortsetzungen in „Die Woche“ seinen ersten Roman „,Helene` droht zu platzen“. Naturwissenschaftlich gebildet, adaptierte S. für seine Romane und Erzählungen wissenschaftliche Erkenntnisse der Zeit, die er mit Lust ausfabulierte. Seine Science-fiction hat eine dokumentarische Basis, gleichwohl ist sie Massenliteratur.

    Nach einer seiner Ideen entstand der semidokumentarische Film „Menschen am Sonntag“, bei dem sein Bruder Robert Regie führte. Für verschiedene Filmgesellschaften, auch für die Ufa, schrieb S. Drehbücher, 1932 nach einem eigenen Roman und mit Walter Reisch als Ko-Autor „F. P. 1 antwortet nicht“ (Regie: Karl Hartl) über eine Flugplattform im Ozean.

    Im März 1933 emigrierte S. zunächst in die Schweiz, kehrte aber kurzfristig nach Berlin zurück in der Hoffnung, doch weiter in Deutschland arbeiten zu können. Schließlich aus der Schweiz ausgewiesen, flüchtete er unter schwierigen Bedingungen nach England. Als Autor konnte er sich dort an verschiedenen Filmprojekten beteiligen. Im Frühjahr 1937 schiffte sich S. nach Amerika ein, erhielt dort einen Vertrag bei der „Paramount“ und begann, sich in Hollywood mit phantasievollen Horror- und visionären Science-fiction-Filmen zu profilieren.

    Seinen ersten großen Erfolg in den USA hatte er mit Joe Mays „The Invisible Man Returns“ (1939). 1941 schrieb S. das Drehbuch für George Waggners Film „The Wolf Man“ mit Lon Chaney jr. in der Hauptrolle. Chaney spielte einen jungen Mann, der, von einem Werwolf gebissen, selbst zu einem Lykanthropen wird und von seinem Vater erschlagen werden muß, um von diesem Fluch befreit zu werden. Geschickt verflocht S. mythologische Motive. Die naive, gleichsam unschuldige Erzählhaltung gab dem Film einen märchenhaften und zeitlosen Grundzug.

    Weltruhm erwarb sich S. mit seinem 1942 erschienenen Roman „Donovan's Brain“, der Geschichte eines Hirnspezialisten, dem es gelingt, das Gehirn eines bei einem Flugzeugabsturz tödlich Verunglückten unverletzt aus dem Körper zu separieren und in einer Nährlösung zu erhalten. Dieses entwickelt sein eigenes Leben und beginnt, seinen Willen der Umwelt aufzuzwingen. Der Roman wurde in mehr als zehn Sprachen übersetzt und mehrere Male verfilmt (u. a. The Lady and the Monster, 1943/44, Regie: George Sherman; Donovan's Brain, 1953, Regie: Felix Feist). Eine poetische Melancholie und schattenhafte Gleichnishaftigkeit durchzieht viele von S.s Filmstories, wobei die Gewalt nie um der Gewalt willen erscheint. Ein Beispiel hierfür bildet „I Walked with a Zombie“ (1943, Regie: Jacques Tourneur).

    S.s Erzählungen, Romane und Drehbücher gründen auf einem gleichbleibenden Motivkanon: Jekyll- und Hyde-Komplex, Einbruch des Irrationalen und immer wieder Nazi-Trauma und Holocaust. Ein Zeitdokument besonderer Art wurde seine Autobiographie „Unter Wolfsmenschen“, die nicht nur Reportage eines Lebens ist, sondern auch ein Bekenntnis zur Menschlichkeit, voller Skeptizismus und von den Erfahrungen der Verfolgung und des Exils geprägt.

  • Auszeichnungen

    Mitbegründer d. Autorengewerkschaft „Writers Guild of America“, 1938; Berlinale-Kamera (1998); Gr. BVK (1999).

  • Werke

    Weitere W u. a. Der Mann, der seinen Mörder sucht, 1930 (Regie: R. Siodmak, Drehbuch mit L. Hirschfeld, B. Wilder);
    La crise est finie!, 1934 (Regie: R. Siodmak, Drehbuch: C. S., F. Kohner);
    The Tunnel, 1935 (Regie: M. Elvey, Adaption);
    Non Stop New York, 1937 (Regie: R. Stevenson, Ko-Autor);
    The Invisible Woman, 1940 (Regie: E. Sutherland, Idee);
    The Invisible Agent, 1942 (Regie: E. L. Marin);
    Frankenstein meets the Wolf Man, 1942/43 (Regie: R. W. Neill);
    Son of Dracula, 1943 (Regie: R. Siodmak);
    The Climax, 1944 (Regie: G. Waggner, Drehbuch mit L. Starling);
    Shady Lady, 1945 (Regie: G. Waggner, Drehbuch mit G. Geraghty, M. M. Musselman);
    The Beast with five Fingers, 1946 (Regie: R. Florey);
    Berlin Express, 1947/48 (Regie: J. Tourneur, Drehbuch);
    The Magnetic Monster, 1953 (Regie, Drehbuch mit I. Tors);
    Creature with the Atom Brain, 1955 (Regie: E. L. Cahn);
    Earth vs. the Flying Saucers, 1956 (Regie: F. F. Sears, Ray Harryhausen, Story);
    Curucu, Beast of the Amazon, 1956 (Regie, Drehbuch);
    Sherlock Holmes u. d. Halsband d. Todes, 1962 (Regie: T. Fisher);
    Das Feuerschiff, 1962 (Regie: L. Vajda);
    Hauser's Memory, 1970 (Regie: B. Sagal, Vorlage);
    Schrr. u. a. Romane:
    Schuß im Tonfilmatelier, 1930;
    F. P. 1 antwortet nicht, 1931;
    Stadt hinter Nebeln, 1931;
    Rache im Äther, 1932;
    Die Madonna aus d. Markusstraße, 1932;
    Bis ans Ende d. Welt, 1933;
    Jan Burkhardt (Ps.), Die Straße d. Hoffnung, 1934/35;
    Die Macht im Dunkeln, 1937;
    Whomsoever I Shall Kiss, 1952;
    Skyport, 1959;
    For Kings Only, 1961;
    Hauser's Memory, 1968;
    The Third Ear, 1971;
    City in the Sky, 1974;
    Ich, Gabriel, 1986;
    Die Hexen v. Paris, 1991;
    Autobiogrr.:
    Unter Wolfsmenschen, 2 Bde., 1995–97;
    Even a Man Who is Pure in Heart . . ., 1997, 22001.

  • Literatur

    D. Miles, in: J. M. Spalek u. J. Strelka (Hg.), Dt. Exillit. seit 1933, T. 1: Kalifornien, 1976;
    H. Dumont, in: L'Ecran fantastique, Nr. 33, April 1983, Nr. 34, Mai 1983, Nr. 35, Juni 1983;
    R. Giesen, in: Die Weltwoche v. 8. 12. 1988;
    C. Schnauber, in: NZZ v. 6. 8. 1992;
    ders., Science-Fiction, Horror – u. Verantwortung, ebd. v. 8. 9. 2000 (P);
    Th. David, ebd. v. 8. 8. 1997 (P);
    T. Spreckelsen, Aus dem Gleichgewicht, in: FAZ v. 5. 9. 2000 (P);
    H. H. Prinzler, Ein Mensch, der reinen Herzens ist, in: SZ v. 5. 9. 2000 (P);
    W. Jacobsen u. H. H. Prinzler, S. Bros., 1998 (Ill., Filmo-, Bibliogr.);
    CineGraph;
    Munzinger;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex.3.

  • Autor/in

    Wolfgang Jacobsen
  • Empfohlene Zitierweise

    Jacobsen, Wolfgang, "Siodmak, Curt" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 476-477 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119337681.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA