Lebensdaten
um 1432 bis 1514
Geburtsort
Heidelberg
Sterbeort
Heidelberg
Beruf/Funktion
Mediziner
Konfession
-
Normdaten
GND: 100331920 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schelling, Konrad
  • Cerdonis, Conradus
  • Conrad, Schelling
  • mehr

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Zitierweise

Schelling, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd100331920.html [24.02.2018].

CC0

  • Genealogie

    V N. N., Lohgerber.

  • Leben

    S. immatrikulierte sich im Juli 1449 an der Univ. Heidelberg, wurde 1452 zum Bakkalar und 1454 zum Lizentiaten sowie zum Magister artium promoviert. Nach der vorgeschriebenen zweijährigen Lehrtätigkeit (Biennium) wechselte er zum Medizinstudium nach Padua und trat nach der Promotion zum Dr. med. 1464 oder 1465 als Physikus in die Dienste Pfalzgf. Friedrichs I. 1465 erhielt er die Lehrbefugnis der Heidelberger medizinischen Fakultät. Wenig später erarbeitete S. mit Erhard Knab (um 1420–80) und Bartholomäus (van) Etten (vor 1410–nach 1484) die|„Heidelberger Apothekenordnung“, die in den Fassungen von 1469 und 1471 vorliegt. Nach dem Tod Friedrichs 1476 wurde er von dessen Nachfolger Philipp I. als Leibarzt übernommen, zugleich als „Medizinalbeamter“ (Rohe) verwendet und mit dem Abfassen von Fachschriften gegen Pest und Syphilis beauftragt.

    Von S. sind neben einigen kleineren Schriften (u. a. ein „Wildbäderbüchlein“ u. ein Ansuchen um konsiliar. Beistand an drei Paduaner Ärzte) zwei im Auftrag Philipps I. erstellte Traktate bekannt. Der mit Unterstützung Jakob Wimpfelings (1450–1528) erstellte „Malfranzosen-Traktat“ zählt zu den frühesten Syphilisschriften und folgt im Aufbau weitgehend dem „Pariser Pestgutachten“ von 1348 (nosolog. Einl., „regimen praeservativum“, „regimen curativum“). Die Abhandlung erschien 1496 in Heidelberg bei Friedrich Misch, war jedoch von Anfang an überholt und erfuhr keine weitere Auflage. Wichtiger ist S.s „Pesttraktat“, dem zwar gleichfalls das „Pariser Pestgutachten“ zugrundeliegt, in dem jedoch therapeutische wie prophylaktische Erfahrungen aus anderthalb Jahrhunderten mittels umfangreicher Materia medica und überdies eigene Erfahrungen verarbeitet sind. Dank aktuellem Bezug (die Ende 1501 im Rhein-Main-Raum ausgebrochene Beulenpest war noch nicht erloschen) und der Verwendung der dt. Sprache war dem Traktat weite Verbreitung gesichert. Der 1501 bei Heinrich Seligmann oder Jakob Stadelberger in Heidelberg erschienenen Erstausgabe ließ der Speyrer Drucker Konrad Hist 1502 einen völlig neu gesetzten Nachdruck folgen; die dritte, gleichfalls neu eingerichtete Auflage brachte Hartmann Biber noch im selben Jahr ebenfalls in Speyer heraus. Insbesondere wegen des Pesttraktats findet S. bis heute das kontinuierliche Interesse der Medizingeschichte.

  • Literatur

    K. Sudhoff, Zehn Syphilisdrucke aus d. J. 1495-1498 in Faks., 1924, S. XVII-XX, 1-22;
    ders., Pestschrr. aus d. ersten 150 J. nach d. Epidemie d. „Schwarzen Todes“ 1348, in: Sudhoffs Archiv 16, 1924, S. 11 ff., W.-H. Hein, Eine Heidelberger Arzneimittelliste v. 1469, ebd. 37, 1953, S. 140-15;
    J. Telle, Mitt. aus d. „Zwölfbändigen Buch d. Medizin“ zu Heidelberg, ebd. 52, 1968, S. S. 325-27;
    W. F. R. Essed, Over den oorsprung d. Syphilis, 1933, S. 52 u. ö.;
    G. Eis, Zur Beurteilung K. S.s, in: Med. Mschr. 11, 1957, S. 679-81, auch in: Forsch, z. Fachprosa, 1971, S. 73-77 u. 370 f.;
    W. Rohe. Zur Kommunikationsstruktur einiger Heidelberger Regimina sanitatis, Heinrich Münsinger, Erhard Knab, K. S., in: J.-D. Müller (Hg.), Wissen f. d. Hof, 1994, S. 323-54;
    Vf.-Lex. d. MA VIII, Sp. 630-34;
    Lex. MA.

  • Autor

    Gundolf Keil
  • Empfohlene Zitierweise

    Keil, Gundolf, "Schelling, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 657-658 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd100331920.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA