Lebensdaten
1891 bis 1942
Geburtsort
Pforzheim (Baden)
Sterbeort
bei Rastenburg (Ostpreußen)
Beruf/Funktion
Reichsminister für Bewaffnung und Munition ; NS-Politiker
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118813021 | OGND | VIAF: 22938000
Namensvarianten
  • Todt, Fritz

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Zitierweise

Todt, Fritz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118813021.html [15.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Emil (1861–1909), S d. Ferdinand, beide Schmuckfabr. in P.;
    M Elise Unter-Ecker (1869–1935);
    1921/22 Elsbeth Müller (um 1884–1986, 1] N. N. Kramer, v. 1921), aus Coburg, T e. Med.rats;
    1 S Fritz (1924–44 ⚔), 3 T.

  • Leben

    T. absolvierte das Abitur 1910 am Pforzheimer humanistischen Reuchlin-Gymnasium. Nach Ableistung seiner Wehrpflicht als Einjährig-Freiwilliger in Karlsruhe studierte er seit 1911 an der TH München Bauingenieurwesen. Am 1. Weltkrieg nahm er seit Aug. 1914 als Offizier teil, zunächst als GrenadierLeutnant an der Westfront, seit Jan. 1916 als Fliegerbeobachter einer Feldfliegerabteilung, seit Juni 1917 als Führer einer selbständigen Fliegerformation an der Westfront. Das 1919 wieder aufgenommene Studium schloß er Anfang 1920 ab (Dipl.-Ing.). 1931 wurde er an der TH München mit einer Arbeit über „Die Fehlerquellen beim Bau von Landstraßen aus Teer und Asphalt“ zum Dr.-Ing. promoviert. Seit 1920 war er als Ingenieur beschäftigt, zunächst im Kraftwerksbau bei der „Grün & Bilfinger AG“, Mannheim, 1921–33 bei „Sager & Woerner“, München, einem der damals führenden dt. Straßenbauunternehmen (1927 Obering., seit 1928 Geschäftsführer u. techn. Leiter).

    Seit dem 5. 1. 1923 NSDAP-Mitglied (Mitgl.nr. 2465), seit 31. 10. 1931 SA-Mitglied, fungierte T. 1931–33 als Fachberater im von Gottfried Feder (1883–1941) geleiteten „Amt für Wirtschaftstechnik und Arbeitsbeschaffung“ der NSDAP. 1931/32 trat er dem „Kampfbund deutscher Architekten und Ingenieure“ bei, aus dem im Spätsommer 1934 der „NS-Bund Deutscher Techniker“ (NSBDT) (seit 1936 „NS-Bund Deutsche Technik“) hervorging, und übernahm dort die Leitung der Fachgruppe Bauingenieure. Im Nov. 1934 löste T. Feder als Vorsitzenden des NSBDT ab und erhielt auch die Leitung des Amtes, später des „Hauptamtes für Technik“ innerhalb der NSDAP-Reichsorganisationsleitung, das bei allen Gesetzen und Verordnungen zu technischen Fragen maßgeblich zu beteiligen war. Daneben stand T. der zur Koordination der Techniker-Verbände geschaffenen und im Frühjahr 1937 in den NSBDT integrierten „Reichsgemeinschaft für technisch-wissenschaftliche Arbeit“ vor. In Personalunion bekleidete er außerdem seit dem 10. 8. 1936 das zum Zweck der Erfinderbetreuung neugegründete „Amt für technische Wissenschaften“ der „Deutschen Arbeitsfront“. Ende Mai 1938 übernahm T. den Vorsitz des „Vereins Deutscher Ingenieure“ (VDI).

    Bereits am 28. 6. 1933 hatte Hitler T. zum „Generalinspektor für das dt. Straßenwesen“ und damit zum ersten „führerunmittelbaren“ Sonderkommissar ernannt; in dieser Funktion war er verantwortlich für den Ausbau der Reichsautobahnen. Sein v. a. koordinierend tätiger, insgesamt kleiner Verwaltungsstab erhielt am 30. 11. 1933 den Status einer Obersten Reichsbehörde. Am 14. 6. 1938 beauftragte Hitler T., die als „Westwall“ bezeichneten Befestigungsanlagen gegen Frankreich errichten zu lassen, und ermächtigte ihn, alle dafür benötigten Arbeitskräfte und Materialien bevorzugt heranzuziehen. Zur Ausführung der entsprechenden Bauten gründete T. im Mai 1938 die – von Hitler so genannte – „Organisation Todt“, die zunächst für die Arbeiten am „Westwall“ eingesetzt wurde, während des 2. Weltkriegs ihre Tätigkeit laufend ausweitete (u. a. Bau d. „Atlantikwalls“ u. v. U-Boot-Stützpunkten) und 1942/43 zeitweilig bis zu 800 000 dt. Arbeitskräfte und ausländische Zwangsarbeiter beschäftigte.

    Am 9. 12. 1938 ernannte Hermann Göring in seiner Rolle als „Bevollmächtigter für den Vierjahresplan“ T. zum „Generalbevollmächtigten für die Regelung der Bauwirtschaft“ (GBBau). Der GBBau sollte den Hoch- wie Tiefbau nach den Erfordernissen der Aufrüstung koordinieren und die Rohstoffversorgung sowie den Arbeitsmarkt darauf abstimmen. Bereits mit der Ernennung zum „Generalinspektor für Sonderaufgaben“ am 23. 2. 1940 durch Göring wurden T.s Eingriffsrechte in die Kriegswirtschaft über die Grenzen der Bauwirtschaft hinaus ausgeweitet. Die Berufung zum „Reichsminister für Bewaffnung und Munition“ durch Hitler im Vorfeld des sog. Frankreichfeldzugs am 7. 3. 1940 und die aktive Unterstützung durch die dt. Industrie machten T. in den folgenden zwei Jahren zur „Zentralfigur“ (A. S. Milward) der reichsdt. Kriegswirtschaft. Über eine auf Haupt- und Fachausschüssen sowie „Arbeitsgruppen“ basierende weitgehende Selbstverwaltung der Industrie, die von seinem Nachfolger Speer weiter ausgebaut wurde, gelang es T., die Rüstungsproduktion kurzzeitig erheblich zu steigern. Am 29. 7. 1941 berief Hitler seinen „getreuen Paladin“ (F. W. Seidler) zusätzlich zum „Generalinspektor für Wasser und Energie“. In dieser Funktion erhielt T. umfassende Vollmachten und Eingriffsrechte in die Energieerzeugung und -verteilung und|in die gesamte Wasserwirtschaft einschließlich der Energiegewinnung an Wasserstraßen. Auch in dieser Funktion besaß T. Ministerrang.

    T. kam bei einem Flugzeugabsturz in der Nähe von Hitlers Hauptquartier „Wolfsschanze“ ums Leben. Da er im Herbst 1941 und erneut am Vorabend seines Todes Kritik an der seiner Ansicht nach unzureichenden Rüstung der Wehrmacht geübt hatte, kamen schon bald Gerüchte über ein mögliches Attentat auf, die sich jedoch als haltlos erwiesen.

  • Auszeichnungen

    A E. K. 1. u. 2. Kl. (1917); Grand Prix f. Öff. Gebäude auf d. Pariser internat. Ausst. (1937); Dt. Nat.preis f. Kunst u. Wiss. (1938); Hon.prof. (TH München 1938); Werner-v.-Siemens-Ehrenring (1938); Ehrenmitgl. d. Preuß. Ak. d. Wiss. (1939); ao. Mitgl. (1939), Ehrenmitgl. (1942) d. Dt. Ak. f. Luftfahrtforsch.; Großkreuz d. ital. Ordens d. Krone (1939); Dt. Orden (1942, postum).

  • Werke

    W Der Straßenbau im nat.sozialist. Staat, 1937;
    Qu BA Berlin.

  • Literatur

    L A. S. Milward, F. T. als Min. f. Bewaffnung u. Munition, in: VfZ 14, 1966, H. 1, S. 40–58;
    K.-H. Ludwig, Technik u. Ingenieure im Dritten Reich, 1979;
    F. W. Seidler, F. T., Baumeister d. Dritten Reiches, 1988 (P);
    W. Nerdinger, Bauen im NS, Bayern 1933–1945, 1993;
    E. Schütz u. E. Gruber, Mythos Reichsautobahn, 2000;
    B. Stier, Nat.sozialist. Sonderinstanzen in d. Energiewirtsch., Der Gen.inspekteur f. Wasser u. Energie 1941–1945, in: R. Hachtmann u. W. Süß (Hg.), Hitlers Kommissare, 2006, S. 138–58; Pogg. VI–VII a.

  • Portraits

    P u. a. Marmorbüsten v. J. Thorak, 1942; Photogrr. (BA, Bilddatenbank)

  • Autor/in

    Rüdiger Hachtmann
  • Empfohlene Zitierweise

    Hachtmann, Rüdiger, "Todt, Fritz" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 318-319 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118813021.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA