Lebensdaten
1902 bis 1966
Geburtsort
Düsseldorf
Sterbeort
Pullach bei München
Beruf/Funktion
Rüstungsmanager ; Verleger
Konfession
-
Normdaten
GND: 129414468 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Saur, Karl Otto
  • Saur, Karl
  • Saur, Karl-Otto, sen.
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Porträt(nachweise)

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Zitierweise

Saur, Karl Otto, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129414468.html [26.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Emil (1871–1926), 1899-1904 Chefing. d. Wuppertaler Schwebebahn, 1907-09 Leiter d. Techn. Lex.redaktion d. Herder-Verlags in Freiburg (Br.), 1909-26 Bes. e. Masch.baufabrik, S d. Karl Christian (1842–1909), aus Urach, u. d. Wilhelmine Friederike Katz (1842–1917), aus Pforzheim;
    M Mathilde Frieda Lina (1873–1959), T d. Carl Gustav Wernigk (* 1841) u. d. Frieda Wilhelmine Fischer (1841–1917), Gr-N d. Friederike Brion (1752–1813, s. NDB II), Freundin v. Goethe u. J. M. R. Lenz;
    Duisburg 1936 Veronika Clothilde Therese Bossmann (1914–80);
    2 S Klaus G. (* 1941), Verleger in M., seit 1963 im väterl. Verl. tätig, d. 1978 in K. G. Saur Verlag umbenannt u. 1987 an Reed, London, verkauft wurde, 1987-2003 Geschäftsführer u. Leiter d. Verlags, seit 2004 Beiratsvors., 1982-88 Vors. d. Verbands bayer. Verlage u. Buchhandlungen, Mitgründer d. Geschw.-Scholl-Preises, Vors. d. Hist. Komm. f. Buchgesch. d. Börsenver. d. Dt. Buchhandels, Präsidiumsmitgl. d. Goethe-Inst., Ehrensenator d. LMU München (1992) u. d. Univ. Leipzig (2001), 1996 Hon.prof. d. Univ. Glasgow u. d. HU Berlin, Dr. h. c. (Marburg 1985, Simmons-Univ., Boston 1991. Udmurt. Univ., Ishewsk 1997, Pisa 1998), Medaille „Bene merenti“ d. Bayer. Ak. d. Wiss., Ehrenmitgl. d. Bayer. Ak. d. Schönen Künste (s. L), Karl-Otto (* 1944), 1963-69 im väterl. Verlag tätig, 1970-72 Leiter d. Consult-Verlags, 1972-89 b. d. SZ tätig, 1989/90 Feuilletonchef d. Abendztg. in M., 1990/91 Kulturchef d. Spiegel, danach Programmchef d. dt.sprachigen Auslandssenders Channel D, Inh. d. Kulturkontors Karl-Otto Saur in Ebenhausen b. M. (s. L), 4 T; Schwägerin Dorothea Bossmann (* 1908, 1945 Max Pommer, Dipl.-Ing., Bauuntern. in Leipzig u. Kleinzschocher [Sachsen], Eisenbetonspezialist, Vors. d. Meyer'schen Nachlaß-Stiftung in Leipzig, S d. Max Pommer, Bauuntern. in Leipzig, Ehrenvors. d. Dt. Betonver., s. Th. Adam, Die Anfänge industriellen Bauens in Sachsen, 1998); Verwandter Max Pommer (* 1936), 1973-87 Leiter d. Univ.chors in Leipzig, dann in Mannheim u. Saarbrücken, S d. Max, Dipl.-Ing., Bauunternehmer in Kleinzschocher (Sachsen), Eisenbetonspezialist.

  • Leben

    Nach dem Besuch der Volksschule und der Oberrealschule in Freiburg (Br.) studierte S. 1921-26 an der Univ. Freiburg und den Technischen Hochschulen Karlsruhe und Hannover Betriebswirtschaft und Maschinenbau (Dipl.-Ing. 1926). Im Sommer 1926 trat er in die von Franz Bartscherer (1877–1960) kurz zuvor gegründete Betriebswirtschaftsstelle der August-Thyssen Hütte (ATH) in Duisburg ein. 1929 übernahm er die Leitung der Firma „Beyerle, Eisenkonstruktionen“ in Freiburg, an der seine Mutter beteiligt war. Nach dem Konkurs dieses Unternehmens kehrte S. im Okt. 1930 zu Thyssen zurück und leitete seit 1932 als Oberingenieur die Betriebswirtschaftsstelle, die in den 30er Jahren als die größte und erfolgreichste Einrichtung zur wissenschaftlichen Betriebsführung in der dt. Industrie galt. Er beteiligte sich an der wissenschaftlichen Diskussion über die betriebliche Rationalisierung und erhielt 1934 einen Lehrauftrag an der TH Hannover.

    Im Okt. 1931 schloß sich S. der NSDAP an. die sich damals ausdrücklich auf die Technische Intelligenz als Gestalterin des zukünftigen Staates berief, wurde aber erst nach der Bekanntschaft mit Fritz Todt (1891–1942) im März 1935 parteipolitisch aktiv. Seit 1936 leitete S. ehrenamtlich das Gauamt des von Todt seit 1934 geführten Nationalsozialistischen Bundes Dt. Technik (NSBDT) in Essen und trat 1937 hauptamtlich in den Dienst von Todt. In den folgenden Jahren war er entscheidend am Ausbau des NSBDT und des Hauptamtes für Technik in der Reichsleitung der NSDAP beteiligt; u. a. ließ er eine Kartei zur Erfassung der Daten über alle dt. Ingenieure einrichten und konzipierte das „Haus der dt. Technik“ in München, das als Ergänzung und Erweiterung des Dt. Museums eine Dauerausstellung zur Technik in der Gegenwart enthalten sollte. Seit 1938 war S. Vorsitzender des Vereins Haus der Dt. Technik e. V. und seit 1939 Stellvertreter Todts im Hauptamt für Technik und NSBDT.

    Nach Kriegsbeginn 1939 kurzzeitig zur Wehrmacht eingezogen, trat S. 1940 als Abteilungsleiter für industrielle Fertigung in das Reichsministerium für Bewaffnung und Munition ein. Im April 1942 übernahm er die Leitung des Technischen Amts im „Reichsministerium für Rüstung und Kriegsproduktion“, das Albert Speer (1905–81) in Nachfolge Todts übernahm; seit Sept. 1943 war er für die Rüstungsendfertigung sämtlicher Waffen der Wehrmacht zuständig, die Luftwaffe ausgenommen, die Generalluftzeugmeister Erhard Milch (1892–1972) betreute. Als nach|vernichtenden Luftangriffen auf die dt. Flugzeugwerke im März 1944 der „Jägerstab“ unter der gleichberechtigten Führung von Speer und Milch gegründet wurde, um die Produktion von Verteidigungsflugzeugen zum Schutz gegen die übermächtige brit. und amerik. Luftwaffe wieder in Gang zu bringen, erhielt S. auf Wunsch Hitlers die funktional entscheidende Position des Stabschefs, die er auch nach der Umwandlung des Jägerstabs in den Rüstungsstab im Aug. 1944 behielt. Seine in Hitlers Testament verfügte Ernennung zum Rüstungsminister trug seiner Rolle in den letzten Monaten des Krieges auch formal Rechnung.

    Das Bild S.s als eines skrupellosen und zugleich devoten Nationalsozialisten, der mit nie nachlassender Energie nach dem Amt des Rüstungsministers gestrebt habe, wurde vornehmlich durch Albert Speer gezeichnet und von der jüngeren Forschung übernommen. Der rüstungswirtschaftliche Dilettant Speer empfand den Rationalisierungsfachmann S. sowie den Chef der Zentrale der Organisation Todt, Xaver Dorsch (1899–1986), als Konkurrenten und versuchte überdies in seinen Nachkriegspublikationen Verantwortung auf seine ehem. Untergebenen abzuwälzen. Tatsächlich enthält bereits eine wissenschaftliche Studie S.s über die gesellschaftlichen Folgen der Rationalisierung von 1931 Überlegungen über eine genetische Auslese der Arbeiterschaft und die Forderung nach einem drastischen Abbau von Sozialleistungen, um die Vermehrung von ‚Minderbegabten‘ einzuschränken. Als Leiter des Technischen Amtes im Rüstungsministerium und Chef des Jägerstabs war S., der auf seine Mitarbeiter erheblichen politischen Druck ausübte, an allen Entscheidungen zur Radikalisierung des Arbeitseinsatzes – auch von Zwangsarbeitern und KZ-Häftlingen – beteiligt. Die auch im Vergleich zu anderen Amtschefs des Rüstungsministeriums, v. a. dem Chef des Planungsamtes im Rüstungsministerium, Hans Kehrl (190084), negative Charakterisierung S.s geht außerdem auf seine besondere Funktion in der endverarbeitenden Rüstungsindustrie zurück. Das Ergebnis seiner Arbeit ließ sich an der Zahl der Waffen messen, die die Wehrmacht erhielt, so daß er mehr als andere Amtschefs des Rüstungsministeriums unter Erfolgsdruck stand, den er an seine Mitarbeiter und die Rüstungsindustrie weitergab. Mit S.s Namen sind überdies Manipulationen der Produktionsbilanz verbunden, etwa die Übung, nicht ganz vollständige – sog. „saurfertige“ – Waffen an die Truppe zu überweisen und so das Trugbild eines dt. Rüstungswunders zu erzeugen. S.s Neuerungen lassen sich letztlich auf Verfahren zur Informationsbewirtschaftung und Erfolgskontrolle reduzieren, die er seit seiner Zeit in der Leitung der Betriebswirtschaftsstelle der ATH verfeinert hatte. So pflegte das Rüstungsministerium ein dichtes System der Produktivitätskontrolle, mit dem Defizite schneller als zuvor aufgedeckt und beseitigt werden konnten.

    Im Mai 1945 verhaftet, trat S. als Kronzeuge im sog. Krupp-Prozeß auf. In seinem Spruchkammerverfahren als „Verantwortlicher“ eingestuft, wurde er 1948 mit der Auflage aus der Haft entlassen, keine leitende industrielle Position mehr zu übernehmen. Im selben Jahr gründete S. gemeinsam mit einer früheren Sekretärin den Verlag „Dokumentation der Technik“, der seit 1949 technische Bibliographien und Nachschlagewerke veröffentlichte. Kommerziell erfolgreich war der Verlag aber erst wenige Jahre vor seinem Tod mit der Publikation von Adreßbüchern. Der Verlag „Dokumentation Saur“ wurde seit 1966 von seinem ältesten Sohn weitergeführt, seit 1978 unter dem Namen K. G. Saur Verlag.|

  • Auszeichnungen

    Einziger Träger aller drei Ritterkreuze zum Kriegsverdienstkreuz (Rr.kreuz 1943, mit Schwertern 1944, Goldenes Ritterkr. 1945); Goldenes Parteiabzeichen (1943).

  • Werke

    u. a. Die Rationalisierung d. Produktionsmethoden u. ihre gesellschaftsbiolog. Wirkungen, in: Archiv f. Rassen- u. Ges.biol. 23, 1931, S. 374-405.

  • Literatur

    A. S. Milward, Die dt. Kriegswirtsch. 1939-1945, 1966;
    K.-H. Ludwig, Technik u. Ingenieure im Dritten Reich, 1969;
    D. Eichholtz, Gesch. d. dt. Kriegswirtsch., Bde. 2 u. 3, 1983 u. 1996;
    R.-D. Müller, Die Mobilisierung d. dt. Wirtsch. f. Hitlers Kriegführung, in: Das Dt. Reich u. d. 2. Weltkrieg, V/1, 1988;
    ders., Der Manager d. Kriegswirtsch.: Hans Kehrl, 1999 (P);
    Ch. Kleinschmidt. Rationalisierung als Unternehmensstrategie, 1993;
    L. Budraß, Flugzeugind. u. Luftrüstung, 1998;
    K. G. Saur Verlag, 50 J., hg. v. K. G. Saur, 1999 (P);
    J. Fest, Speer, 1999 (P);
    DBE: |

  • Quellen

    Qu IfZ München; BA Berlin; BA-Mil.archiv, Freiburg; Thyssen-Krupp Archiv, Duisburg; Mitt. v. K.-O. Saur jun.; – zu Klaus: Erste Begegnungen – gemeinsame Projekte, K. G. S. z. 60. Geb.tag, 2001 (P); A. Platthaus, in: FAZ v. 27.7.2001 (P); H. Hintermeier, ebd. v. 30.12.2003 (P); – zu Karl-Otto jun.: H. Klute, in: SZ v. 31.8.2001 (P).

  • Autor/in

    Lutz Budraß
  • Empfohlene Zitierweise

    Budraß, Lutz, "Saur, Karl Otto" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 465-466 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129414468.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA