Lebensdaten
1887 – 1966
Geburtsort
Wien
Sterbeort
Sankt Johann im Pongau (Salzburg)
Beruf/Funktion
Bauingenieur ; Bauleiter der Großglockner-Hochalpenstraße
Konfession
evangelisch
Namensvarianten
  • Wallack, Franz Friedrich Louis
  • Wallack, Franz
  • Wallack, Franz Friedrich Louis

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Zitierweise

Wallack, Franz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz138672.html [29.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Franz (1852–1916), Modelleur, Repräsentant d. fürstl. Hanau’schen Eisenwerke zu Komotau b. Horowitz in W., Prokurist, Privatbeamter, S d. Karl Friedrich August (1815–76), ghzgl. sächs. Hofgürtlermeister in Weimar, u. d. Johanne Wilhelmine Reichardt (1825–1902);
    M Johanna Charlotte Luise Bernhardine (1856–1913), T d. Johann Theodor Gottfried, gen. Friedrich Röll (1823–96), Webermeister, Schnitthändler in Weimar, u. d. Dorothea Louise Therese Roltsch;
    1 B, 3 Schw (1 früh †);
    1914|Josefine (Inke) Czerny (1892–1974), aus Prerau (Mähren);
    kinderlos.

  • Biographie

    W., der künstlerisch begabt war, malte und den Eislaufsport pflegte, besuchte die ev. Volksschule am Wiener Karlsplatz, anschließend die Realschule (Realgymnasium). Nach der Reifeprüfung 1906 leistete er Militärdienst als Einjährig-Freiwilliger auf eigene Kosten beim k. u. k. Festungsartillerieregiment Nr. 1 in Wien. Seit 1907 studierte er an der TH Wien Bauingenieurwesen, das er mit dem in Österreich damals üblichen akademischen Grad Ingenieur 1912 abschloß. Seine berufliche Laufbahn begann 1913 beim Baudienst des Landes Kärnten bei der Gail-Flußregulierung. Als Reserveoffizier rückte W. im Sommer 1914 ein und kämpfte als Batteriekommandant bis zum Ende des 1. Weltkriegs (Oberlt. d. Res.). 1918 / 19 beteiligte er sich am „Kärntner Abwehrkampf“ gegen eine Annexion der südl. Landesteile, in denen die slowen. Minderheit lebte, durch das Königreich der Serben, Kroaten und Slowenen. 1919 kehrte W. in den Kärntner Landesbaudienst zurück und arbeitete an Seilbahn-, Kraftwerks-, Eisenbahn- und Straßenprojekten. 1924 erhielt er die Befugnis als Zivilingenieur (Ingenieurkonsulent). Im selben Jahr arbeitete er im Auftrag einer Interessentengruppe unter Beteiligung des Landes Kärnten das generelle Projekt für die Großglockner-Hochalpenstraße aus. Diese in Salzburg und Kärnten gelegene Paßstraße über die Hohen Tauern mit einer Stichstraße zum Pasterzengletscher diente dem aufkommenden Automobiltourismus. Unterstützt von seiner Frau betrieb W. intensives Projektmarketing und betätigte sich als Autor, Vortragender, Photograph, Filmer, Kartograph und Werbegraphiker.

    1930 faßte die österr. Bundesregierung den Baubeschluß; das Projekt wurde von einer neu gegründeten Aktiengesellschaft, der Großglockner-Hochalpenstraßen AG mit Sitz in Wien (seit 1939 Salzburg) getragen und sollte sich ursprünglich aus Mauteinnahmen refinanzieren. W. wurde zum Bauleiter und Geschäftsführer bestellt. Der Salzburger Landeshauptmann Franz Rehrl (1890–1947) setzte sich als wichtigster politischer Verfechter nach der Machtübernahme der autoritären Regierung Dollfuß 1933 für die Fortführung des 1932 wegen Kostenüberschreitungen unterbrochenen Baus ein; dieser wurde 1935 vollendet. Die Großglockner-Hochalpenstraße wurde auf diese Weise ein Vorzeigeprojekt der österr. Ständestaatsdiktatur.

    Als Repräsentant des Ständestaats wurde W. vom NS-Regime mißtrauisch behandelt. Er paßte sich den nationalsozialistischen Machtverhältnissen mit dem Ziel an, die Geschäftsführung und den Ausbau an der Großglockner-Hochalpenstraße fortzusetzen, was ihm 1939–45 u. a. im Rahmen einer „Schneeforschungsstelle“ gelang. Er war Mitglied des NSKK und stellte (nach eigener Darstellung auf Druck von Reichsminister Fritz Todt) zwei Anträge auf Aufnahme in die NSDAP, die offensichtlich wegen W.s Nähe zur früheren österr. Regierung abgelehnt wurden.

    W. arbeitete von 1945 bis zu seinem Tod in leitender Funktion, seit 1950 als Vorstandsmitglied für die Großglockner-Hochalpenstraßen AG, die die Straße bis heute betreibt. Er widmete sich dem weiteren Ausbau der Straße, entwickelte den „Rotationspflug System Wallack“ zur Schneeräumung, plante die Gerlos Alpenstraße (Eröffnung 1964), eine Paßstraße vom Salzburger Pinzgau ins Tiroler Zillertal, und war als Zivilingenieur mit zahlreichen weiteren Straßenprojekten beschäftigt.

    Als Schöpfer der Großglockner-Hochalpenstraße zählte W. zu den populärsten Technikern Österreichs. Seine historische Bedeutung liegt in der landschaftsästhetischen Straßenplanung sowie im modernen Projektmarketing, das weit über seine Zeit hinausweist. Als Autor einer 1949 erschienenen Baugeschichte hat er zudem die historische Deutung der Großglockner-Hochalpenstraße auf Jahrzehnte dominiert.

  • Auszeichnungen

    |Mitgl. d. Schlaraffia Klagenfurt (1921), d. Rotary Club Klagenfurt u. Rotary Club Salzburg;
    Tapferkeits-Auszeichnungen, u. a. Mil.-Verdienstmedaille (Signum Laudis) in Silber u. Bronze (1914–19);
    Komturkreuz d. österr. Verdienstordens (1935);
    akad. Ehrenbürger d. TH Wien (1935);
    HR (1935);
    Wirkl. HR (1946);
    Dr.-Karl-Renner-Preis (1952);
    mehrere Ehrenbürgerschaften, u. a. Salzburg, Bruck an d. Großglocknerstr., Gerlos;
    Denkmal in Bruck (2016).

  • Werke

    |Die Großglockner-Hochalpenstr., Die Gesch. ihres Baues, 1949;
    Aufss. u. Reden: Die Großglockner-Hochalpenstr., in: Der getreue Eckart, Halbmschr. f. d. dt. Haus 2, 1925, H. 7, S. 265–76;
    Die Großglockner-Hochalpenstr., in: Verkehrstechnik, 1932, H. 26, S. 587–91;
    Die Scheitelstrecke d. Großglockner-Hochalpenstr., ebd., 1934, H. 4, S. 93–96;
    Die Arbeitsleitung b. Bau d. Großglockner-Hochalpenstr., ebd., 1935, H. 18, S. 485–87;
    Die Großglockner-Hochalpenstr., Vortr. gehalten am 17. 7. 1934 in Radio Wien im Rahmen d. Sendereihe „Österr. Landschaft“;
    Aus d. Entstehungs- u. Baugesch. d. Großglockner-Hochalpenstr., in: Bergland, Ill. Alpenländ. Mschr., 1935, H. 5, S. 15–25 u. 44 f.;
    Großglockner-Hochalpenstr., Amtl./ Offizielle Karte 1: 25.000, 1935, zahlr. Aufll. bis 1972;
    Nachlaß: Salzburger Landesarchiv.

  • Literatur

    L C. M. Hutter u. L. Beckel, Großglockner, Saumpfad Römerweg Hochalpenstr., ²1988, S. 45 (P);
    G. Rigele, Die Großglockner-Hochalpenstr., Zur Gesch. e. österr. Monuments, 1998, S. 95–103 (P);
    J. Hörl u. D. Schöndorfer (Hg.), Die Großglockner Hochalpenstr., Erbe u. Auftrag, 2015 (P).

  • Porträts

    |Photogrr. (Salzburger Landesarchiv, ÖNB);
    Gem. (Großglockner Hochalpenstraßen AG, Salzburg).

  • Autor/in

    Georg Rigele
  • Zitierweise

    Rigele, Georg, "Wallack, Franz" in: Neue Deutsche Biographie 27 (2020), S. 330-332 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz138672.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA