Lebensdaten
1855 bis 1926
Geburtsort
Wiener Neustadt
Sterbeort
Prag
Beruf/Funktion
Germanist
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118605747 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Sauer, August Rudolf Josef Karl
  • Sauer, August
  • Sauer, August Rudolf Josef Karl
  • mehr

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der NDB Genealogie
Personen in der GND - familiäre Beziehungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Sauer, August, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118605747.html [23.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Joseph (1815–98), Kaufm. in W.;
    M Josepha Höpfinger;
    1892 Hedda (Ps. Hedda Heddin, 1875–1953), Lyrikerin, Übersetzerin (s. Killy; Kosch, Lit.-Lex.3; W), T d. Alois Rzach (1850–1935), Prof. d. klass. Philol. an d. Dt. Univ. Prag (s. ÖBL).

  • Leben

    S. besuchte seit 1865 das Schottengymnasium in Wien, wo ihn P. Hugo Mareta (1827–1913) mit der altösterr. Literatur bekannt machte. Nach der Matura 1873 studierte er Dt. Philologie, Anglistik und Geschichte in Wien, u. a. bei Franz Brentano, Ottokar Lorenz und Richard Heinzel. 1877 wurde er bei Karl Tomaschek (1828–78) zum Dr. phil. promoviert (Joachim Wilhelm v. Brawe, der Schüler Lessings, 1878). Nach einem Studienjahr bei Karl Müllenhoff (1818–84) und Wilhelm Scherer (1841–86) in Berlin habilitierte sich S. 1879 in Wien (Über d. fünffüßigen Jambus vor Lessings's Nathan, in: SB d. Ak. d. Wiss. Wien 90, 1878, S. 625-717, Separatdr. 1878). Noch 1879 wechselte er als Supplent und Direktor des Seminars für Dt. Philologie an die Univ. Lemberg. 1883-86 versah er eine ao. Professor für Dt. Sprache und Literatur in Graz, wo er Mitvorstand des Seminars für Dt. Sprache war. 1886 wurde S. als Nachfolger Jakob Minors (1855–1912) ao. Professor (1892 o. Prof.) für Dt. Sprache und Literatur an der Dt. Univ. Prag (Dekan 1897/98, Rektor 1907/08). Bis zu seiner Emeritierung 1926 amtierte er hier als Mitdirektor des Seminars für Dt. Philologie und war wie schon in Graz Examinator von Prüfungskommissionen für Lehrämter.

    S. erlangte v. a. wegen seiner editorischen Tätigkeit Bedeutung. So gab er bereits in seiner Lemberger Zeit die Schriften Ferdinand Raimunds und Ewald v. Kleists in mehrfach aufgelegten und nachgedruckten mehrbändigen Ausgaben heraus. Auch in den für die weitere Forschung maßgeblichen Editionen der Werke Stifters („Prager Ausg.“) und Grillparzers („Wiener Ausg.“) folgte S. den methodischen Prinzipien seines Vorbilds Scherer. Er verband den Anspruch auf eine fachübergreifende, kulturgeschichtliche Perspektive mit philologischer Textarbeit zu moderner historisch-kritischer Editionspraxis und forderte den Einbezug volkstümlicher sprachlicher und schriftlicher Ausdrucksformen (z. B. Mundartdichtung).

    Mehr noch als diese Werkausgaben verdeutlichen die von S.| besorgten vielbändigen Anthologien und Reihen seine Absicht, die Eigenständigkeit der österr. Literatur zu betonen, so z. B. in den von Mareta angeregten „Wiener Neudrucken“ (11 Bde., 1883–86), die mehrere frühe dt.sprachige Texte in Erstausgaben enthalten, sowie in der „Bibliothek dt. Schriftsteller aus Böhmen, Mähren und Schlesien“ (39 Bde., 1894–1925). Auch die von S. 1894 gegründete und bis zu seinem Tod von ihm herausgegebene Zeitschrift „Euphorion“ folgte einer kulturnationalistischen Forschungsprogrammatik, die auf den Erhalt des habsburg. Völkerverbands zielte und die S. in seiner Rektoratsrede (Lit.gesch. u. Volkskunde. 1907, 21925) theoretisch fundierte. S.s Auffassung von einem auf Volks- und Stammestum basierenden „Nationalgeist“ wurde von völkischen und NS-Literaturtheoretikern, u. a. von S.s Schüler Josef Nadler (1884–1963), aufgegriffen. Zu den weiteren zahlreichen Schülern S.s, der sich auch als Förderer des jungen Rilke Verdienste erwarb, zählen u. a. Moriz Enzinger, Wilhelm Kosch (1879–1960) und Georg Stefansky (* 1897).|

  • Auszeichnungen

    k. k. HR (1912); Ehrenring d. Stadt Wien (1925); Gründungs- u. Vorstandsmitgl. d. Grillparzer-Ver., Wien (1890–1926) u. d. Ges. z. Förderung dt. Wiss., Kunst u. Lit. in Böhmen (1891 bzw. 1894, 1918-26 Vors.); Gründungsmitgl. d. Dt. Ges. für Altertumskunde, Prag (1892); korr. Mitgl. d. Ak. d. Wiss. Wien (1903) u. d. Bayer. Ak. d. Wiss. München (1914); Gründungsvors. d. Landesverbands f. dt. Volksbildungswesen in Böhmen (1911–13); Mitgl. d. Dt. Musik-Ak., Prag (1921/22 u. 1924-26 Präs. d. Kuratoriums); Ehrenmitgl. d. Modern Language Association of America.

  • Werke

    Weitere W Ges. Reden u. Aufss. z. Gesch. d. Lit. in Österr. u. Dtld., 1903;
    Kleists Todeslitanei, 1907, Nachdr. 1973;
    Kulturpol. Reden u. Schrr., eingel. u. hg. v. J. Pfitzner, 1928 (P);
    Ges. Schrr., 3 Bde., 1933-44 (Einl. v. Hedda Sauer in Bd. 2);
    Hg.:
    Ferdinand Raimund's sämmtl. Werke, 3 Bde., 1881, 31903 (mit K. Glossy);
    Ewald v. Kleist's Werke, 3 T., 1881/82, Nachdr. 1968;
    Btrr. z. Gesch. d. dt. Litt. u. d. geist. Lebens in Österr., 3 Bde., 1883/84 (mit J. Minor u. R. M. Werner);
    Dt. Litt.denkmale d. 18. u. 19. Jh. in Neudrr., Bde. 39-128, 1891-1904 (seit 1894 alleiniger Hg.);
    Bibl. älterer dt. Überss., 6 Bde., 1894-99;
    Adalbert Stifter. Sämtl. Werke, begr. u. hg. v. A. S., fortgeführt v. F. Hiller u. a., 24 Bde., 1904–39, Nachdr. 1972;
    Prager dt. Studien, 40 Bde., 1905-28. (mit C. v. Kraus u. a.);
    Franz Grillparzer, Sämtl. Werke, Hist.-krit. Gesamtausg., 42 Bde., 1909-48 (seit 1930 fortgeführt v. R. Backmann);
    Bibliogr.:
    A. Rosenbaum, A. S., Ein bibliogr. Versuch, 1925;
    Bibliogr., in: A. S., Franz Grillparzer, 1941, S. X-XIII;
    Internat. Germanistenlex.;
    |

  • Nachlaß

    Nachlaß u. a.: Archiv d. Karls-Univ., Prag; Archiv d. Österr. Ak. d. Wiss.; Stadt- u. Landesbibl., Österr. Nat.bibl.; Univ.-Archiv u. Österr. StA. alle Wien.

  • Literatur

    FS A. S. z. 70. Geb.tag d. Gelehrten am 12. Okt. 1925, hg. v. R. Backmann u. a., 1925;
    F. Greß. Germanistik u. Pol., Krit. Btrr. z. Gesch. e. nat. Wiss., 1971, S. 128-37;
    E. Leitner. Die neuere dt. Philol. an d. Univ. Graz 1851-1954, 1973, S. 101-18 (P);
    W. Adam, Einhundert J. „Euphorion“, Wiss.gesch. im Spiegel e. germanist. Fachzs., in: Euphorion 88, 1994, S. 1-35;
    A. Hofmann, Aufbruch d. Stifter-Forsch, in Prag, A. S. u. sein Kreis, in: Adalbert Stifter, Stud. zu seiner Rezeption u. Wirkung, I, hg. v. J. Lachinger, 1995, S. 79-95 (P);
    E. Buxbaum, in: Prima le parole e poi la musica. hg. v. ders. u. W. Kriegleder, 2000, S. 268-76;
    S. Faerber, „Ich bin e. Chinese“, Der Wiener Lit.hist. Jakob Minor u. seine Briefe an A. S., 2004;
    Sudetendt. Lb. II, 1930, S. 263-72, III, 1934, S. 263-72;
    Kosch, Kath. Dtld.;
    Hist. Lex. Wien (P);
    Biogr. Lex. Böhmen;
    ÖBL (W, L);
    Kosch, Lit.-Lex.3;
    Killy;
    Internat. Germanistenlex. (W, L).

  • Portraits

    Foto v. H. Brühlmeyer, 1920, Abb. in: Hist. Lex. Wien.

  • Autor/in

    Stefan Jordan
  • Empfohlene Zitierweise

    Jordan, Stefan, "Sauer, August" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 451-452 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118605747.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA