Lebensdaten
1530 - 1610
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Lissabon
Beruf/Funktion
Kaufmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 138046840 | OGND | VIAF: 86197017
Namensvarianten
  • Roth, Konrad (II.)
  • Roth, Konrad
  • Roth, Konrad (II.)
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Zitierweise

Roth, Konrad, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd138046840.html [06.12.2021].

CC0

  • Genealogie

    Aus seit 1329 in Ulm nachweisbarer Fam.;
    V Konrad (I.) (1501 ?-1541, 2] Katharina Welser), Kaufm. in Ulm u. A., 1538 in d. Augsburger Patriziat aufgenommen, S d. Konrad, Kaufm. in Ulm, u. d. Elisabeth Herwart;
    M Helena ( zw. 4.3.1534 u. 2.4.1535), aus A., T d. Hans (I.) Baumgartner (1455/56-1527), Kaufm. in A. (s. NDB I; Augsburger Stadtlex.), u. d. Felicitas Gossembrot ( 1533), Wwe d. Leonhard Rehlinger;
    Ur-Gvv N. N. Herwart, Kaufm. in A.;
    Ov Erasmus, Hans d. Ä., beide Kaufleute in A.;
    2 Schw Katharina (⚭ Hans Lukas Welser), Juliana;
    Augsburg 1564 Anna, T d. Haug Engel u. d. Regina Haintzel;
    4 S.

  • Leben

    R. erhielt nach dem frühen Tod seines Vaters seine kaufmännische Ausbildung – u. a. im Zuckerhandel – bei den Welsern. Das väterliche Handelsgeschäft, in das er nach 1557 eintrat, stand unter der Leitung seiner Onkel Erasmus und Hans d. Ä. Wohl in deren Auftrag hielt R. sich 1559 in Lissabon und 1563 in Rom auf. Nach familiären Streitigkeiten übernahm er um 1570 die Firma. Er baute v. a. auf seine Geschäftsbeziehungen zur iber. Halbinsel, insbes. zu Lissabon, wo er eine eigene Faktorei sowie gute Kontakte zum Königshof unterhielt. R. vermittelte Kupfer, Safflorfarben und Waffen von Sachsen nach Portugal, im Gegenzug Zucker nach Sachsen. 1573 errichtete er in Augsburg die erste Zuckerraffinerie Deutschlands. 1577 warb R. 3000 Söldner und Militärexperten für den Krieg Kg. Sebastians in Nordafrika an. Seine Hofagentenrolle gab er 1575 auf. Nach dem vergeblichen Versuch, als Nachfolger im Kupferexport der bankrotten Augsburger Gesellschaft Melchior Manlich gegen den Widerstand der oberdt. Konkurrenz den Alleinimport von Kupfer nach Spanien zu erhalten, bot er für den freigewordenen „Europa-Kontrakt“, der seinen Inhabern den Verkauf des von Portugal importierten ostind. Gewürz reservierte. Mit der Aufnahme der ital. Firma Bardi konnte R. den nötigen Kapitalbedarf sicherstellen und erhielt den Zuschlag. 1577 wurde der „Asien-Kontrakt“, ein Vertrag zum Gewürzeinkauf in Ostindien, frei, den R. im Konsortium mit der portugies. Firma Ximenes und der ital. Firma Litti zusammen mit einem neuen „Europa-Kontrakt“' übernahm. Zur Überwindung seiner Finanzierungsschwäche veranlaßte R. Kf. August I. von Sachsen 1579 zur Gründung der „Thür. Gesellschaft“ (unter Leitung d. Kammermeisters Hans Harrer, 1580), der R. gegen die Abnahme eines bestimmten Kontingents zu Festpreisen den Alleinvertrieb der Gewürze in den Niederlanden, Ungarn, Böhmen, Mähren und im Dt. Reich versprach. Da dieses Projekt R.s zur Kapitalbeschaffung scheiterte, konnte er die Zinsen für das Fremdkapital zur Finanzierung seiner Konsortialanteile nicht mehr aufbringen und floh am 27.3.1580 hochverschuldet aus Augsburg. Sein angeblicher Tod am Gründonnerstag in der Nähe von Chur verhinderte nicht die Eröffnung des Konkursverfahrens. Hauptgläubigerin war die Augsburger Firma Imhoff, deren geschäftsführender Gesellschafter Karl Imhoff (1546–1613) mit seinem gesamten privaten Vermögen für die Kredite an R. in Haftung genommen wurde. R. tauchte am span. Hof wieder auf, erhielt dort zuerst die Stelle eines kgl. Fischmeisters und wurde 1589/90 zum Konsul der dt. Nation in Lissabon ernannt. In dieser Funktion war er|einerseits span. Beamter, andererseits vertrat er die Interessen der dt. und niederländ. Kaufleute in Portugal. Er war wohl daneben v. a. als Schiffsagent tätig, der dt. Schiffe für span. Handelsfahrten vermittelte. Seine Briefe sind die ältesten Konsulatsberichte aus Lissabon.

    R. zählte zwar durch seine Zugehörigkeit zum Kleinen Rat (1566–80) und zum Geheimen Rat (1576–80) zu Augsburgs politischer Elite, scheiterte aber als Fernhandelskaufmann, da er nicht über genügend Eigenkapital verfügte, um in den immer stärker expandierenden internationalen Handel des 16. Jh. eindringen zu können.

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Berliner Ak. d. Künste (1970);
    Prof.titel (1976);
    Gr. BVK (1983);
    Ernst-Reuter-Plakette in Silber (1987);
    Mitgl. d. Stiftungsrates d. Stiftung Henri Nannen (seit 1987);
    Kritikerpreis d. Verbandes dt. Kunstkritiker (1988). – Seit 2000 wird d. E.-R.-Stipendium f. junge Künstler im Wechsel mit dem 1994, anläßlich v. R.s 65. Geb.tag, gestifteten „Friedlieb-Ferdinand-Runge-Preis f. unkonventionelle Kunstvermittlung“ vergeben;
    E.-R.-Saal in d. Berlin. Gal. (2004).

  • Werke

    Gesprech, so Pasquinus mit dem Marphorio zu Rom uff primo July deß 1580. Jahrs gehabt uber der handlung vom Herrn Conrat Rothen auß dem Italienischen ins hohe Deutsch mit fleiß tranßferirt, Dürnaw (?) 1580.

  • Literatur

    ADB 29;
    K. Häbler. K. R. u. d. Thüring. Ges., in: Neues Archiv f. Sächs. Gesch. u. Altertumskunde 16, 1895, S. 177-218;
    L. Beutin, Zur Entstehung d. dt. Konsulatswesens im 16. u. 17. Jh., in: VSWG 21, 1928, S. 438-48;
    R. Hildebrandt, Wirtsch.entwicklung u. Konzentration im 16. Jh., K. R. u. d. Finanzierungsprobleme seines interkontinentalen Handels, in: Scripta mercaturae 4, 1970, S. 26-50;
    T. G. Werner. Die Anfänge d. dt. Zuckerind. u. d. Augsburger Zuckerraffinerie v. 1573, ebd. 9, 1975, S. 74-90;
    W. Reinhard (Hg.), Augsburger Eliten, 1996.

  • Autor/in

    Reinhard Jakob
  • Empfohlene Zitierweise

    Jakob, Reinhard, "Roth, Konrad" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 105-106 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138046840.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Roth: Konrad R., ein Augsburger Patricier und Kaufherr des 16. Jahrhunderts, ist bekannt durch eine Zuckerfabrik, die er in der schwäbischen Reichsstadt anlegte, und durch einen großen Bankerott. Von seinen Lebensverhältnissen wird nichts berichtet, bis er durch die erwähnte Anlage die Aufmerksamkeit seiner Zeitgenossen auf sich zog. Zum Jahre 1573 schreibt ein Augsburger Chronist: „Nun sihe, wie man alhie zu Augspurg dem Gute nachsetzen kann, und daß nichts, darmit etwas zu gewinnen, unterwegen und unversucht bleibt. Es hatte Conrad Roth ein Geschlechter und des Raths alhie, auch eben um diese Herbstzeit im Kautzengäßlin außerhalb unser Frauenthor ein gantze Hütten oder Küchen, zurichten, darein messing Häfen, eisern Stangen und Gablen machen und darinnen Zucker sieden zu lassen angefangen, da er dann aus Hispanien den Saft derselben Röhr und anders zu solcher Kunst gehörige Sachen Hieher gebracht. Wie ihme solches nun anfangs wohl angangen, also daß er großen Nutzen davon hatte, zog er dergleichen Materialien einzukaufen widerumb in Hispanien, kunte aber ehe zweier gantzer Jar wegen der widerwertigen Winde nicht widerkommen. Zu welcher Zeit inmittels gedachter Roth über einer großen Last Pfeffers, so aus Indien komen sollte, mit Sebastian, König von Portugal, auf die dreißigmal hunderttausend (!) Gülden, wie man sagt, einen Contrakt getroffen.“ Soweit der Chronist. Die Speculationen in Pfeffer setzte er fort, wie wir aus dem geringen und lückenhaften Material im Augsburger Archiv ersehen, und sie führten ihn zum Bankerott. Noch am 3. August 1579 wird er in den Rath gewählt und zum Einnehmer aufgestellt. Aber schon damals wankte ihm der Boden unter den Füßen in seinem Geschäfte. Er schuldete ultimo August desselben Jahres allein der Firma Hieronymus Imhof sel. Erben 275 522 fl. 6 β. 1 Pf. und konnte das Drängen der Gläubigerin nur durch eine starke Abzahlung momentan zum Schweigen bringen, ein Zeichen des nahenden unvermeidlichen Zusammenbruches. In der Charwoche 1580 erfolgte dieser, indem er am 28. März Geschäft, Haus und Familie im Stiche ließ und durchbrannte. Wohin er sich flüchtete und wie und wo er endete, wird sich nie ganz sicher nachweisen lassen. Nach einer amtlichen Aufzeichnung habe er von einem Dorfe bei Chur seine Flucht gemeldet und daß er schwer trank sei, und laut Briefes seines einzigen Begleiters, eines Handlungsdieners in seinem Hause, sei er am Gründonnerstag Nachts gestorben und am Charfreitag begraben worden, allein „das sei alles erdicht Unding und ungegründt gewest“. Nachforschungen, die man von Amtswegen anstellte, ergaben, daß die Flüchtigen in der Umgegend von Chur wohl und gesund gesehen worden waren. Interessant ist eine Vermögensbilanz, welche dem Briefe des genannten Dieners beiliegt und als eine Art Testament gelten soll. R. stellt darin seine Activa und Passiva zusammen, die ersteren gibt er auf 555 000 fl., die letzteren auf 324 900 fl. an, „also daz meinem Weib und Kindern verblib zu gutem 230 000 fl. sambt mein Haus und Hof inner und außerhalb der Stadt“. Es versteht sich von selbst, daß diese Berechnung eine trügerische war. Ueber sein Vermögen wurde der Concurs eröffnet, über dessen Ausgang sich keine Meldungen vorfinden. Er selbst war und blieb verschwunden.

    • Literatur

      Gasser, vgl. Welser's Augsb. Chronik verdeutscht durch Werlich. — Augsb. Archiv, enthaltend einige Acten betr. „das Falliment des C. Roth 1579. 1580". — Ebenda: „Gedächtnißbuch der ehemaligen Stadtpfleger“. Vgl. auch v. Weber's Archiv Bd. V (1867), S. 332 ff., 390 ff.

  • Autor/in

    Wilhelm Vogt.
  • Empfohlene Zitierweise

    Vogt, Wilhelm, "Roth, Konrad" in: Allgemeine Deutsche Biographie 29 (1889), S. 339-340 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd138046840.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA