Lebensdaten
1513 bis 1576
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Freudenberg (Oberpfalz)
Beruf/Funktion
Kaufmann
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 136033016 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Manlich, Melchior

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Manlich, Melchior, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd136033016.html [19.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Simon (1470–1517), Kaufm. in A., S d. Matthias (um 1438–94), Kaufm. in A., u. d. Anna Ott;
    M Anna (1477–1531), T d. Kaufm. u. Bergwerksunternehmers Melchior Stuntz u. d. Magdalene Linck;
    Ov Hans, Kaufm. in A.;
    B Matthias (1499–1559), Kaufm. in A.;– Augsburg 1540 Ursula ( 1549), T d. Kaufm. Anton Haug in A. u. d. Anna Pimmel;
    2 S, 3 T, u. a. Simon (1541–63), Kaufm., Melchior (1542–97), Kaufm.

  • Leben

    Die Manlich, die ihr Vermögen in wenigen Jahrzehnten um ein Vielfaches vermehrt hatten, wurden 1518 von den Augsburger Patriziern als „zwar reiche, doch gemeine Kaufleute“ angesehen und auch 1538 übergangen, als die Geschlechterzahl vermehrt wurde. In der dritten Kaufmannsgeneration der Familie bildeten sich drei verschiedene Unternehmungen heraus, die aber vielfach miteinander in Verbindung standen: dasjenige M.s, das seines Bruders Matthäus und das der Söhne seines Onkels Hans.

    Der junge M. verbrachte einige Zeit in Venedig, wo offenbar das Porträt entstand, das Jan Stephen van Calcar von ihm malte. Nach Augsburg zurückgekehrt, wurde er Teilhaber der Gesellschaft „Antoni Haug, Langnauer, Linck und Mitverwandte“. Das Unternehmen war 1531 aus der alten Firma der Brüder Pimmel hervorgegangen und verband einen ganz Europa erfassenden Warenhandel mit dem Montan- und dem Finanzgeschäft. Außer Augsburg bildeten Antwerpen, Lyon und Venedig Schwerpunkte der Geschäftstätigkeit. Die Bergbauinteressen reichten bis nach Tirol, Mitteldeutschland, Böhmen, Ungarn und Krain. Die beträchtlichen Gewinne, die M. zufielen, beliefen sich 1541-43 auf etwa 5000 fl. und 1557-60, als er nach dem Ausscheiden von Ulrich Linck gemeinsam mit Wolfgang Hörmann dessen Anteil übernahm, auf fast 76 000 fl. 1562 trat M. aus der Gesellschaft aus und ließ sich seinen vierten Teil des Kapitals voll auszahlen. Inzwischen hatte er mit seinen Schwiegersöhnen Philipp Welser und Karl Neidhart die Firma „Melchior Manlich und Mitverwandte“ gegründet. Zu den wichtigsten Unternehmungen in dieser Zeit gehörte die ungar. Kupferpacht, die M. in der Nachfolge seines Bruders Matthäus gemeinsam mit Abraham Katzbeck übernahm. Doch bewirkte die monopolistische Tendenz der Pacht, zu deren Steigerung der Landvogt Georg Ilsung beitrug, daß M. schließlich durch Wolfgang Paller und Leonhard Weiss ausgelöst werden mußte. Über die Herwarth und die Haug bestanden Verbindungen zum Quecksilber- und Zinnoberhandel von Idria; in Böhmen interessierte vor allem das Zinn.

    Die Kenntnis der internationalen Marktlage, insbesondere über seine Verbindungen zu Lyon, veranlaßte M., zu einem günstigen Zeitpunkt von Marseille aus in den Levantehandel einzugreifen, als Venedig durch den Cypernkrieg (1570–73) die Hände gebunden waren. In Marseille erwarb M. sieben Schiffe und charterte zwei weitere. Alexandria, Konstantinopel, Famagusta auf Cypern, Tripolis in Syrien und der Hafen von Aleppo wurden angelaufen. Auch Verbindungen mit Nordafrika, Cádiz, Lissabon, Rouen und Antwerpen wurden aufgenommen.

    Eine Vorstellung von den vielseitigen Geschäften vermitteln die Denkwürdigkeiten des Ulmers Hans Ulrich Krafft, der 1573 in den Dienst der Gesellschaft trat und als Faktor in Kleinasien tätig war, aber im Jahr darauf infolge des Konkurses der Gesellschaft in türk. Schuldhaft geriet und drei Jahre festgehalten wurde. Der Augsburger Leonhard Rauwolff, der als Arzt im Dienst des Unternehmens stand, veröffentlichte später seine Reiseeindrücke. Exportiert wurden Metalle und Metallwaren, Textilien und sog. Nürnberger Kramwaren. Der Import reichte von levantin. und oriental. Gütern, von feinen Seidenstoffen und Baumwolle bis zu den verschiedensten Gewürzen und Drogen, Edelsteinen und Perlen. Der Absicherung des Geschäfts dienten Seedarlehen, an denen sich z. B. der Memminger David v. Dettighofen, ein Neffe M.s, für sich und seine Gesellschaft beteiligte, wobei die Gewinne gewöhnlich 25 bis 30% betrugen. Auch Versicherungsabschlüsse tätigte die Firma. Das Geschäft konnte nur solange florieren, wie der Krieg Venedigs mit dem Osman. Reich anhielt. Eine zusätzliche Gefahr bildeten die Zwangsanleihen der oberdeutschen Firmen zugunsten der franz. Krone über Lyon. Wie sehr die Manlich an diesen Krediten beteiligt waren, zeigt die Tatsache, daß ihr Faktor Oswald Seng zuletzt zum Syndikus der oberdeutschen Gläubiger gewählt wurde. Ihm gelang es, von einer Forderung von 627 780 Livres Rückzahlungen von 200 000 Livres zu sichern. Die religiösen Wirren in Frankreich und der Kampf der Aufständischen in den Niederlanden erhöhten die Schwierigkeiten. Bei Vlissingen ging 1572 eine Pfefferladung im Wert von 50 000 fl. an die Geusen verloren. Von Lyon aus versuchten Karl Neidhart und Johann Hartlieb und von Marseille aus Melchior Manlich der Jüngere, aus dem Levantegeschäft noch so viel wie möglich zu retten. Im letzten Augenblick sprang Hans Paul Herwarth mit 120 000 Franken bei. Doch ließ sich der Zusammenbruch nicht mehr vermeiden. Am 21.6.1574 mußte die Gesellschaft ihren Konkurs erklären, wobei die Schuldsumme über 700 000 fl. betrug. M. verließ Augsburg und sicherte sich bei Hzg. Albrecht in München Geleit, das ihm ermöglichte, auf dem Landsitz des mit ihm befreundeten Herrn von Freudenberg in der Oberpfalz Zuflucht zu finden, wo er die beiden letzten Lebensjahre verbrachte.

  • Literatur

    Moehner, Genealogia familiarum patriciarum Augustanarum, Aigentliche Beschreibung der Raiss…, 1582;
    K. D. Hassler (Hrsg.), Reisen u. Gefangenschaft Hans Ulrich Kraffts, 1861;
    A. Cohn, Ein dt. Kaufm. d. 16. Jh., Hans Ulrich Kraffts Denkwürdigkeiten, 1862;
    F. Roth, Zum Bankrott d. Fa. M. M. in Augsburg im J. 1574, in: Zs. d. Hist. Ver. f. Schwaben u. Neuburg 34, 1908, S. 160-64;
    J. Meilinger, Der Warenhandel d. Augsburger Handelsgesges. Anton Haug, Hans Langenauer, Ulrich Link u. Mitverwandte, 1911;
    R. Ehrenberg, Das Za. d. Fugger, Geldkapital u. Kreditverkehr im 16. Jh., 2 Bde., 21922;
    J. Hagl, Entwicklung d. Augsburger Großkapitals v. d. Mitte d. 16. Jh. b. z. Beginn d. Dreißigj. Kriegs (Ms.), 1924;
    A. E. Sayous, Le commerce de M. M. et Cie d'Augsbourg à Marseille et dans toute la Méditerranée entre 1571 et 1574, in: Revue Hist. 176, 1935, S. 389-411;
    J. Strieder, Zur Genesis d. modernen Kapitalismus, Forschungen z. Entstehung d. gr. bürgerl. Kapitalvermögen am Ausgang d. MA u. zu Beginn d. Neuzeit zunächst in Augsburg, 21935;
    ders., Levantin. Handelsfahrten dt. Kaufleute d. 16. Jh., in: Meereskde. 149, 1919;
    ders., Stud. z. Gesch. kapitalist. Organisationsformen, 21925;
    ders., Das reiche Augsburg, Ausgewählte Aufsätze, hrsg. v. H. F. Deininger, 1938;
    P. Wescher, Großkaufleute d. Renaissance, o. J. (P);
    J. Billioud, Hist. du commerce de Marseille, de 1515 à 1599, 1951;
    J. Vlachović, Slovenska med' v 16 a 17 storoći, 1964;
    F. Braudel, La Méditerranée et le monde méditerranéen à l'époque de Philippe II, 2 Bde., 21966;
    R. Gascon, Grand commerce et vie urbaine au XVIe siècle, Lyon et ses marchands (environ de 1520-environ de 1580), 2 Bde., 1971;
    R. Eirich, Memmingens Wirtsch. u. Patriziat v. 1347 bis 1551, 1971;
    H. Valentinitsch, Das landesfürstl. Quecksilberbergwerk Idria 1575-1659, 1981.

  • Portraits

    Gem. v. J. St. van Calcar, 1536 (Berlin, Staatl. Museen), Abb. in: J. Strieder, Das reiche Augsburg, 1938.

  • Autor/in

    Hermann Kellenbenz
  • Empfohlene Zitierweise

    Kellenbenz, Hermann, "Manlich, Melchior" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 37-39 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd136033016.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA