Wiechert, Ernst

Lebensdaten
1887 – 1950
Geburtsort
Försterei Kleinort (Piersławek, Ostpreußen)
Sterbeort
Uerikon (Kanton Zürich)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Librettist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118632361 | OGND | VIAF: 61553823
Namensvarianten

  • Wiechert, Ernst Emil
  • Bjell, Ernst Barany (Pseudonym)
  • Wiechert, Ernst
  • Wiechert, Ernst Emil
  • Bjell, Ernst Barany (Pseudonym)
  • bjell, ernst barany
  • Wichert, Ernst
  • Wiechert, Ernest
  • Wiechert, E.
  • Bjell, Barany
  • Wihieruto, Erunsuto
  • Vichert, Ėrnst
  • Barany Bjell, Ernst
  • Vichert, Ernst
  • b13
  • b14
  • b15

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Zitierweise

Wiechert, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118632361.html [25.01.2026].

CC0

  • Wiechert, Ernst Emil (Pseudonym Ernst Barany Bjell)

    | Schriftsteller, * 18.5.1887 Försterei Kleinort (Piersławek, Ostpreußen), † 24.8.1950 Uerikon (Kanton Zürich), Stäfa (Kanton Zürich). (evangelisch)

  • Genealogie

    Aus masur. Försterfam.;
    V Emil Martin (1853–1937), kgl. Förster in K., S d. Johann Ferdinand Wichert, Ger.exekutor u. Förster, u. d. Charlotte Senf;
    M Henriette (1862–1912, Suizid), T d. Wilhelm Andreae (1831–1891), u. d. Amalie Doerk (1832–1886);
    1) Königsberg 1912 Meta Paula Bertha (1890–1929, Suizid), T d. Max Mittelstaedt, Förster in Pfeilswalde (Ostpr.), u. d. Bertha Doerk (* um 1860), 2) Berlin 1932 Paula Marie (Lilje) Schlenther (1880–1972, 1] Hans Junker, 1872–1934, Kaufm.);
    1 S (früh †).

  • Biographie

    W. besuchte 1898–1905 die Oberrealschule in Königsberg, wo er nach dem Abitur – unterbrochen durch eine Anstellung als Hauslehrer bei dem Balten Carl Baron v. Grotthuß (1858–1926)–Germanistik und Anglistik studierte. Nach Staatsexamen 1911 und Referendariat arbeitete er seit 1913 als Studienassessor an der Burgschule, 1920–30 als Studienrat am Hufengymnasium in Königsberg und entwickelte sich – unter dem Einfluß seiner Lehrerkollegen Hugo Hartung, Alfred Postelmann, Ernst Georg Handschuck und Emil Stumpp – auf lokaler Ebene zum engagierten Schulreformer. Am 1. Weltkrieg nahm W. 1914–18 als Freiwilliger teil (zuletzt Lt. d. Res.). In dieser Zeit erschien unter Pseudonym sein erster Roman (Die Flucht, 1916).

    W. stand Novemberrevolution und Weimarer Republik ablehnend gegenüber und vertrat auch in seinen Romanen „Der Wald“ (1922) und „Der Totenwolf“ (1924) völkische Positionen. Gegen Ende der 1920er Jahre erfolgte eine Hinwendung zu humanistischen Standpunkten, ohne daß sich seine national-konservative Grundhaltung dadurch änderte. 1930 wurde W. infolge seiner Liebesbeziehung zu Lilje Junker an das Ksn.-Augusta-Gymnasium nach Berlin versetzt. Hier kam er in Kontakt mit dem kommunistischen Pädagogen Ernst Wildangel (1891–1951) und dem „Roten Grafen“ Alexander Stenbock-Fermor (1902–1972), die seinen Sinn für die sozialen Fragen der Gegenwart weckten. Aus gesundheitlichen Gründen ging W. im Frühjahr 1933 in Pension und lebte als freier Schriftsteller in Ambach/Starnberger See, seit 1936 auf dem Gagerthof in Wolfratshausen. Mit seinen Romanen „Jedermann“ (1931), „Die Magd des Jürgen Doskocil“ (1932) und „Die Majorin“ (1934) wurde er zu einem vielgelesenen Autor, dessen Bücher seitdem Höchstauflagen erreichten.

    Zum Nationalsozialismus verhielt sich W. zunächst ambivalent, seit 1934 zunehmend kritisch, wie seine Rede vor Münchner Studenten „Der Dichter und seine Zeit“ (1935) belegt.

    Nach seiner schriftlichen Solidaritätserklärung mit dem 1937 in das KZ Sachsenhausen verschleppten Pfarrer Martin Niemöller (1892–1984) wurde er im Mai 1938 von der Münchner Gestapo verhaftet und Anfang Juli für acht Wochen in das KZ Buchenwald eingewiesen. Die Erfahrung, daß dort Deutsche von Deutschen – unter Bruch der formal noch geltenden Rechtsordnung – eingesperrt und gefoltert wurden, ließ W. an seinem Vaterlandsbegriff und seiner konservativen Gesinnung zweifeln. Aus der Haft entlassen, schrieb er den Roman „Das einfache Leben“ (1939), mit dem er versuchte, in verdeckter Form seine weltanschauliche Erschütterung zur Sprache zu bringen und seine Leser zur Selbstprüfung aufzufordern. Trotz der Drohungen des Propagandaministers Joseph Goebbels (1897–1945) verfaßte er anschließend einen geheimen Bericht über seine KZ-Zeit (Der Totenwald, 1945), der erst nach Kriegsende erscheinen konnte. Auch sein nächster Roman „Die Jerominkinder“ (2 Bde., 1945/47) blieb in NS-Deutschland ungedruckt, während seine früheren Bücher weiter in hoher Auflage erschienen. Nach 1945 mahnte W. die Deutschen in Reden und Erzählungen zur Akzeptanz ihrer Mitschuld an den Verbrechen der NS-Zeit, wofür er von verschiedenen Seiten heftig angegriffen wurde (u. a. Rede an d. dt. Jugend, 1945). 1948 übersiedelte er in die Schweiz, wo er, schon von Krankheit gezeichnet, seinen letzten Roman „Missa sine Nomine“ (1950) schrieb.

    W. galt als großer Landschaftsschilderer seiner ostpreuß. Heimat. Er wurde nach 1945 meist als „Dichter der Stille“ eingeordnet, der seinen Lesern den Rückzug aus der lärmenden Welt in den geschichtslosen Frieden der Natur nahelegte. Tatsächlich enthält seine Prosa jedoch zahlreiche Gegenwartsbezüge.

    Ihr Grundthema ist die Auseinandersetzung mit Problemen der christlichen Religion und Moral sowie die Frage nach dem Sinn des Kriegs. W.s Helden sind Unangepaßte, Suchende, die den normalen Alltag als leer empfinden und sich – oft auf spektakuläre Weise – auf die Suche nach einem sinnerfüllten Leben begeben. Seit den 1970er Jahren geriet W. als Autor weitgehend in Vergessenheit, obwohl seine Werke mehrfach wieder aufgelegt wurden. In Polen und Rußland ist|er durch verschiedene Übersetzungen präsent.

  • Auszeichnungen

    |E. K. II (1915) u. E. K. I;
    Lit.preis d. Europ. Zss. (1929);
    Schünemann-Preis (1930);
    Volkspreis f. Dichtung d. Wilhelm-Raabe-Stiftung (1932);
    – Gedenktafel am Geb.haus in poln. (1950) u. dt. Sprache (1997);
    E.-W.-Preis d. Stadt-Gemeinschaft Königsberg (1987);
    E.-W.-Förderkr. Dtld., Krefeld (1987);
    poln. E.-W.-Medaille in Bronze (1987);
    Internat. E. W.-Ges. (1989);
    Masur. Ver. d. Freunde d. Werkes d. Dichters E. W., Polen (1989);
    E.-W.-Gedenkstein (1995) u. -kabinett (2005), ehem. Hufen-Gymn. Königsberg;
    E. W. Mus., Kleinort (1996);
    E.-W.-Bibl., Peitschendorf (Piecki) (2006);
    E.-W.-Mus., Sensburg (Mrągowo) (2007).

  • Werke

    Weitere W Die blauen Schwingen, 1925 (Roman);
    Der Knecht Gottes Andreas Nyland, 1926 (Roman);
    Der silberne Wagen, 1928 (Novellen);
    Die kl. Passion, 1928 (Roman);
    Die Flöte des Pan, 1930 (Novellen);
    Der Todeskandidat, 1934 (Erzz.);
    Der verlorene Sohn, 1935 (Schauspiel);
    Das Hl. J., 1936 (Erzz.);
    Wälder u. Menschen, 1936 (Erinnerungen);
    Atli der Bestmann, 1938 (Erzz.);
    Okay oder Die Unsterblichen, 1945 (Komödie);
    Der weiße Büffel oder v. d. gr. Gerechtigkeit, 1946 (Erz.);
    Märchen, 2 Bde., 1946;
    Der Richter, 1948 (Erz.);
    Jahre u. Zeiten, Erinnerungen, 1949;
    Die Mutter, 1949 (Erz.);
    Der Exote, 1951 (Roman);
    – Sämtl. Werke in zehn Bdn., 1957;
    Die Novelle u. Erzz., 1962;
    Ges. Werke, 5 Bde., 1980;
    Bibliogr.: G. Reiner, E.-W.-Bibliogr., 3 T. 1972–76 (P);
    ders., E. W. im Wandel d. Zeiten, Lit.krit. Btrr., 1982 (P);
    Nachlaß: Ostpreuß. Landesmus. Lüneburg;
    Lit.- u. Kunsthaus Zwiefalten.

  • Literatur

    |V. J. Hattwig, Das Dritte Reich im Werk E. W.s, Gesch.denken, Selbstverständnis u. lit. Praxis, 1984;
    L. Krenzlin, Suche n. e. veränderten Lebenshaltung, E. W.s „Das einfache Leben“, in: S. Bock u. M. Hahn (Hg.), Erfahrung Nazidtld., Romane in Dtld. 1933–1945, 1987, S. 384–411 u. 512–18;
    dies., Erziehung hinter Stacheldraht, Wert u. Dilemma v. E. W.s kons. Opposition, in: L. Ehrlich u. a. (Hg.), Das Dritte Weimar, Klassik u. Kultur im NS, 1999, S. 149–61;
    dies., Autobiogr. als Standortbestimmung, Über E. W.s „Wälder u. Menschen“ im Kontext d. Entstehungszeit, in: H.-M. Pleßke u. K. Weigelt (Hg.), Zuspruch u. Tröstung, Btrr. über E. W. u. sein Werk, 1999, S. 133–48;
    dies., Zw. allen Stühlen, E. W. in d. pol. Öffentlichkeit 1933–1947, in: L. Bluhm (Hg.), Spurensuche, Alfred Döblin, E. W., Johannes Urzidil, Jochen Klepper, 2000, S. 21–36;
    dies., Heimkehrer d. Ersten Weltkriegs, Ein Motivvgl. v. Friedrich Grieses „Feuer“ mit frühen Romanen E. W.s, in: Das Frühwerk Friedrich Grieses, Btrr. z. 2. Lehstener Lit.tag, 2002, hg. v. Ver. zu Förderung v. Kultur, Kunst u. Bildung auf d. Lande Büdnerei Lehsten e. V. u. d. Lit.zentrum Neubrandenburg e. V., 2002 S. 66–80;
    dies. u. K. Weigelt (Hg.), E. W. im Gespräch, Begegnungen u. Einblicke in sein Werk, 2010;
    dies., Emigranten im eigenen Land?, Zum Umgang mit d. Ausdruck „Innere Emigration“, in: M. Golaszewski, M. Kardach u. dies. (Hg.), Zw. Innerer Emigration u. Exil, Dt.sprachige Schriftst. 1933–1945, 2016, S. 11–27;
    A. S. Messing, Unterss. z. Werk E. W.s, Diss. München 1987;
    J. Fangmeier, E. W., Ein christl. Dichter?, in: G. Reiner u. K. Weigelt (Hg.), E. W. heute, 1993, S. 115–39 (P);
    H.-M. Pleßke, Die Eisschmelze d. Irrtümer, E. W. u. Walter Bauer im Mit- u. Gegeneinander, in: ders. u. K. Weigelt (Hg.), Zuspruch u. Tröstung, Btrr. über E. W. u. sein Werk, 1999, S. 31–62;
    ders., Der d. Herzen bewegt, E. W., Dichter u. Zeitzeuge aus Ostpreußen, 2003 (P);
    K. Weigelt, E. W.s Reden an d. Jugend, in: B. Beutner u. H.-M. Pleßke (Hg.), Von d. bleibenden Dingen, Über E. W. u. sein Werk, 2002, S. 59–80;
    ders., Schweigen u. Sprache, Literar. Begegnung mit E. W., 2020 (P);
    Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1987, S. 109–15 (P);
    Altpreuß. Biogr. II;
    Kosch, Lit.-Lex.³ (W, L);
    Killy;
    Lit. in Nazi-Dtld. (P);
    Metzler Autorenlex. (P);
    LThK³;
    RGG3+4;
    BBKL 13;
    Personenlex. Protestantismus;
    Veröff. d. Internat. E. W.-Ges.

  • Porträts

    |u. a. Photogrr., Abb. in: H. Ebeling, E. W., Der Weg e. Dichters, 1937 u. ders., E. W., Das Werk d. Dichters, 1947;
    Zeichnungen v. B. F. Dolbin, 1931, I. B. Jäkel, 1937 u. 1945 (alles DLA Marbach);
    Ölgem. v. R. Gahlbeck, 1933 (Privatbes., Leipzig), Abb. in: W. Stockfisch, Farbenklänge, Der Künstler Rudolf Gahlbeck, 1995, S. 29;
    Ölgem. v. L. v. König, 1939 (Ostpreuß. Landesmus. Lüneburg);
    Totenbrett, 1975 (Wolfratshausen, Tor d. Gagerthofs) u. Denkmal, 1983 (ebd., Loisach-Halle);
    Gedenkbriefmarke d. Dt. Post (2000);
    P-Verz. zus.gest. v. W. Kotte, Leipzig (Archiv d. NDB, München).

  • Autor/in

    Leonore Krenzlin
  • Zitierweise

    Krenzlin, Leonore, "Wiechert, Ernst Emil (Pseudonym Ernst Barany Bjell)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 51-52 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118632361.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA