Wiechert, Rudolf

Lebensdaten
1928 – 2013
Geburtsort
Stendal
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Chemiker
Konfession
evangelisch
Namensvarianten

  • Wiechert, Rudolf
  • Wiechert, Rudolph

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Zitierweise

Wiechert, Rudolf, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/sfz142299.html#indexcontent [30.04.2026].

CC0

  • Wiechert, Rudolf

    | Chemiker, * 3.3.1928 Stendal, † 15.1.2013 Berlin, Berlin, Alter Friedhof Wannsee. (evangelisch)

  • Genealogie

    V Rudolf Otto (1901–1948), selbst. Friseurmeister in St.;
    M Frieda Ina Lina Schulz (1902–1990), ltd. Mitarb. d. Friseursalons;
    Lieselotte Jacob (1932–2019), aus B., Lehrerin;
    2 T Justine ( Achim Walk, Dr., RA, Steuerberater in München), Richterin in München, Nicola ( Werner Mertens, Dr.), Dr., Apothekerin in Basel.

  • Biographie

    W. besuchte Grundschule und Gymnasium in Stendal und wurde vor Abschluß der Schulzeit als Flakhelfer eingezogen. Nach der Entlassung aus der Kriegsgefangenschaft holte er 1947 das Abitur nach und studierte seit 1949 Chemie an der FU Berlin. Seine Diplomarbeit 1954 und seine Promotion 1956 zum Dr. rer. nat. erfolgten bei Willy Lautsch (1912–1963) in einem Arbeitskreis, der sich in der Tradition des Heidelberger Chemikers Karl Freudenberg (1886–1983) mit der Naturstoffchemie von Einlagerungsverbindungen beschäftigte. W. blieb der Naturstoffchemie auch mit dem Eintritt 1957 in die Abteilung für Steroidchemie der Berliner „Schering AG“ treu. 1963 übernahm er die Abteilungsleitung und 1972 die Hauptabteilungsleitung. Bereits 1968 an der TU Berlin für Organische Chemie über das Gebiet der 1,2-Methylensteroide habilitiert, wurde er 1971 hier apl. Professor und 1980 Honorarprofessor. Seit 1991 leitete W. die zentrale chemische und molekularbio|logische Forschung der Schering AG und war für die Entwicklung erfolgreicher Steroidpharmaka verantwortlich.

    Als 1951 in den USA das erste oral wirksame Gestagen (Antibabypille) synthetisiert wurde, erkannte die Schering AG ein neues Geschäftsfeld für ihre Hormonchemie. Von wesentlicher Bedeutung war es, die aus mehreren Ringsystemen bestehenden Steroide in möglichst vielen Schritten unter Erhalt der zahlreichen optisch aktiven Kohlenstoffatome zu synthetisieren. Dazu untersuchte W. die biologische Synthese derartiger polycyclischer Verbindungen. Durch Erhöhung der Konzentration des organischen Katalysators wurde das katalytische Prinzip der zellulären Enzyme umgangen, und W. gelang 1971 die bald weltberühmt gewordene Synthese mit der ringförmigen Aminosäure (S)-Prolin als Katalysator. Diese Methode zur enantioselektiven Synthese beförderte das Forschungsgebiet der Organokatalyse. Mit der Aufnahme in die Liste der Namensreaktionen wurde W. eine der höchsten chemischen Ehrungen zuteil: Da eine konkurrierende Arbeitsgruppe in den USA zeitgleich dieselbe Vorgehensweise beschrieb, ist die Synthese heute als „Hajos-Parrish-Eder-Wiechert-Reaktion“ bekannt. Sie bildet die Grundlage für den Chemie-Nobelpreis 2021. Desweiteren entwickelte W. seit 1960 erfolgreich synthetische Steroide, u. a. das gestagen und antiandrogen wirkende Cyproteronacetat, das Anabolikum Primobolan sowie Corticoide wie Nerisona und Advantan. 1976 synthetisierte W. Drospirenon, das von Schering und seit der Übernahme 2006 von Bayer in oralen Kontrazeptiva eingesetzt wird.

    W. war sowohl seit Beginn der 1970er Jahre als Gutachter der DFG tätig als auch für das Jahr 1977 berechtigt, Vorschläge für den Chemie-Nobelpreis einzureichen. 2005 stiftete die Schering AG die „Rudolf-Wiechert-Professur für Biologische Chemie“ an der TU Berlin.

  • Auszeichnungen

    |Adolf-Windaus Medaille d. Univ. Göttingen (1977);
    Adolf-v.-Bayer-Denkmünze d. Ges. Dt. Chemiker (1978);
    Dr. rer. nat. h. c. (TU Berlin 1988);
    ao. Mitgl. d. Ak. gemeinnütziger Wiss. z. Erfurt (1990);
    Grand Prix de la Maison de la Chimie (1992);
    Stereoselective Synthesis, Lectures Honouring Prof. Dr. Dr. h.c. R. W., hg. v. E. Ottow, K. Schöllkopf u. B.-G. Schulz, 1993;
    Ehrenmitgl. d. Ungar. Chem. Ges. (1994);
    Hans-Herloff-Inhoffen-Medaille d. TU Braunschweig (2000).

  • Werke

    |mehr als 160 Publl. u. 500 Patente;
    u. a. New Type of Asymmetric Cyclization to Optically Active Steroid CD Partial Structures, in: Angew. Chemie, Internat. Ed. in English 10, 1971, S. 496 f. (mit U. Eder u. G. Sauer);
    Patente: Verfahren z. Reduktion v. 3-Ketosteroiden (auch als US 3875195A), DE000002257132A, 1974 (mit R. Nickolson u. U. Kerb);
    17 (alpha)-Alkylsteroide, diese enthaltende Präparate sowie Verfahren zu ihrer Herstellung (auch als US 4892867), DE000002943776A1, 1981 (mit M. Albring, D. Bittler u. A. Schleusener).

  • Literatur

    |Geheimnis d. Puppen, in: Der Spiegel 27, 26.6.1966, S. 99 ff. (P);
    Franz. Chemiepreis f. R. W., in: FAZ v. 19.2.1992;
    E. Winterfeld, in: Angew. Chemie 125, 2013, S. 4821 f. (P);
    Qu Bayer Business Services GmbH, Schering Archives.

  • Autor/in

    Manfred Kröger
  • Zitierweise

    Kröger, Manfred, "Wiechert, Rudolf" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 52-53 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/sfz142299.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA