Lebensdaten
1872 bis 1955
Geburtsort
Saarbrücken
Sterbeort
Mannheim
Beruf/Funktion
Unternehmer
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 121748626 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Röchling, Hermann

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Zitierweise

Röchling, Hermann, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121748626.html [12.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Karl (s. 1);
    M Alwine Vopelius;
    B Louis (s. 2);
    1) 1899 Theodora (1878–1946), T d. Theodor Müller, Handelskammerpräs. in Metz, GKR, 2) 1951 Ruth (1885–1973), T d. Adolph Huesgen (1855–1949), Weinhändler u. -gutsbes. (s. NDB IX);
    1 S, 1 T Ellenruth (1900–77, Hans Lothar Frhr. v. Gemmingen-Hornberg, 1893–1975, Dr. iur., bis 1962 Geschäftsführer d. Röchling'schen Eisen- u. Stahlwerke GmbH in Völklingen/Saar, später Aufsichtsratsmitgl.Aufsichtsratsmitglied, geschäftsführender Gesellschafter d. KG Gebr. Röchling in M., Vors. d. Fam.rats d. Röchling'schen Fam.gemeinschaft u. d. Gemmingen'schen Fam.verbandes, s. Munzinger, S d. Karl Frhr. v. Gemmingen-Hornberg, 1857–1935, Kreisdir. in Straßburg, später Bez.präs. v. Lothringen in Metz, Geh. Reg.rat).

  • Leben

    Nach dem Abitur in Saarbrücken und einer Tätigkeit auf dt. Eisenhütten studierte R. bis 1895 an der Univ. Heidelberg und der TH Berlin Nationalökonomie, Hüttenkunde und Bergbau, um danach die Leitung eines Hochofens auf der familieneigenen Völklinger Hütte zu übernehmen. Nach der Militärzeit in Saarbrücken besichtigte er 1897 in den USA Eisen- und Stahlwerke. Nach seiner Rückkehr leitete er den Bau und Betrieb der „Carlshütte“, eines lothring. Hochofenwerks für die Roheisenversorgung Völklingens. Nach dem Tod seines Bruders Richard übernahm R. 1901 die technische Direktion und den Ausbau des Völklinger Eisenwerks. Mit der Einführung des von ihm mitentwickelten „Röchling-Rodenhauser-Induktions-Ofens“ 1908 baute er dort die Elektrostahlproduktion für das Röchling-Unternehmen auf, dessen Geschicke er als Teilhaber seit 1905 zunehmend bestimmte. Im 1. Weltkrieg war R. als Rittmeister an der West- und Ostfront, bevor er das Völklinger Eisenwerk 1915 auf Munitions- und Rüstungsproduktion umstellte. Für den Bau eines Stahlwerks bei der Carlshütte ließ er Werkzeuge und Maschinen in franz. Werken requirieren. Auch forderte R. schon im Aug. 1914 eine Annexion des Erzbeckens von Briey in Franz.-Lothringen durch das Dt. Reich. Ende 1918 wurde R. in Abwesenheit wegen der Demontage franz. Hüttenwerke zu 10 Jahren Gefängnis verurteilt. Außerdem wurde der nun in Frankreich liegende Besitz der Familie sowie die Beteiligung an der Saarländ. Kohlengrube Hostenbach enteignet. Einen Verkauf der Völklinger Hütte an franz. Industrielle lehnte R. ab, da sein Bruder Robert noch in franz. Haft saß und die Gerichtsurteile nicht aufgehoben wurden. In der ersten Hälfte der 20er Jahre verfolgte er eine Konfliktstrategie gegenüber der franz. Regierung, um einen franz. Einfluß auf das Familienunternehmen zu verhindern. Neben dem Ausbau des Völklinger Werkes kümmerte sich R. um die neu erworbenen Beteiligungen im Reich, wie z. B. die 1920 gegründete „Edelstahlwerk Buderus-Röchling AG“, Wetzlar, und die oberpfälz. Maxhütte, die die Familie 1929 wieder verkaufte.

    Im Saargebiet agierte R. von Beginn an politisch und publizistisch für die Rückkehr ins Dt. Reich. Als Mitglied und Förderer der Dt.-Saarländ. Volkspartei war er seit 1928 Mitglied im Saarländ. Landesrat und Mitglied Saarländ. Delegationen beim Völkerbund in Genf. 1932 sprach er sich für eine Beteiligung Hitlers an der Reichsregierung aus und organisierte 1934 für die Saarabstimmung den Block bürgerlicher Parteien „Dt. Front“.

    Nach der Rückkehr des Saargebietes übernahm R. mehrere Ämter in der NS-Wirtschaftsgliederung. Insbesondere die Wirtschaftspolitik Hitlers fand seine Zustimmung. Er unterstützte gegen den Widerstand der dt. Eisenindustriellen Göring in dessen Autarkiebestrebungen. Nach der Eroberung Frankreichs versuchte R. durch eine Neuregelung der Besitzverhältnisse zugunsten der Saareisenindustrie im lothring. Minetterevier, einen Montankomplex Saar-Lor-Lux zu errichten. Trotz seiner Stellung als Generalbeauftragter für Eisen und Stahl in Lothringen und Meurthe-et-Moselle-Süd seit 1.7.1940 konnte R. seine Ziel nicht durchsetzen. Nach Einsetzung dt. Treuhänder in den franz. Eisenunternehmen verfügte er nur über die „Carlshütte“. 1942 übernahm R. die Leitung der „Reichsvereinigung Eisen“, der „Wirtschaftsgruppe Eisenschaffende Industrie“ sowie des „Hauptrings Eisenerzeugung“ und wurde von Albert Speer zum Reichsbeauftragten für Eisen und Stahl in den besetzten Gebieten berufen. Die geplanten Ziele wurden jedoch trotz erheblicher Leistungssteigerungen und der Anforderung von Zwangsarbeitern durch R. nicht erreicht. Auch in Völklingen setzte er Zwangsarbeiter ein und ließ Industrieanlagen in Lothringen sowie den Benelux-Staaten demontieren.

    Das Kriegsende erlebte R. in Heidelberg, wo er verhaftet wurde. 1948 wurde er in Rastatt vor einem franz. Militärgerichtshof wegen Verbrechen gegen Frieden und Menschlichkeit angeklagt und zu sieben Jahren Haft verurteilt; das ursprüngliche Urteil, wogegen R. Berufung eingelegt hatte, wurde vom zonalen Obergericht 1949 auf zehn Jahre Haft erhöht. 1951 wurde er vorzeitig freigelassen, durfte aber das Saargebiet nicht mehr betreten. 1954 stimmte R. einem Verkauf der unter franz. Sequester stehenden Völklinger Hütte zu, wodurch die dt.-franz. Verhandlungen um die Lösung der Saar-Frage bisher behindert worden waren; der Verkauf wurde wegen der Ablehnung des Saarstatuts durch die Saarländ. Bevölkerung nach 1955 obsolet.|

  • Auszeichnungen

    E. K. I u. II im 1. Weltkrieg;
    Senator d. Dt. Ak., München;
    Dr. rer. pol. h. c. (Heidelberg 1922);
    Dr.-Ing. E. H. (TH Berlin 1930);
    Grashof-Gedenkmünze (1934);
    Ehrenplakette Heereswaffenamt;
    Ehrensenator d. Univ. Heidelberg;
    Wehrwirtschaftsführer;
    Adlerschild d. Dt. Reiches (1942);
    Werner-von-Siemens-Ring (1953);
    Diesel-Medaille (1953).

  • Werke

    Das Saargebiet u. d. Völkerbund, in: Völkerbundsfragen 1, 1924, S. 68-76;
    Die Saarwirtsch., in: G. W. Sante (Hg.), Die Saarfrage, 1931, S. 60-67;
    Wir halten die Saar!, 1934;
    Das Saargebiet u. d. Völkerbund, in: A. Grabowsky u. G. W. Sante (Hg.), Die Grundlagen d. Saarkampfes, Hdb. z. Volksabstimmung, 1934, S. 204-21;
    Die Rüstungsind. im Kriege, in: Der dt. Volkswirt 17, 1942, Nr. 13/14, S. 383-85.

  • Literatur

    R. Nutzinger, H. Boehmer u. O. Johannsen, 50 J. Röchling Völklingen, 1931 (P);
    KR H. R. 70 J. alt, 1942;
    I. Plettenberg, Über d. Beziehungen Saarländ. Schwerindustr. z. NS, in: Zehn statt tausend J., Die Zeit d. NS an d. Saar (1935–1945), 1945, S. 61-76;
    M. Riedel, Eisen u. Kohle f. d. Dritte Reich, 1973;
    K. Fuchs, in: Saarländ. Lb. II, 1984, S. 221-51;
    R. E. Latz, Die Saarländ. Schwerind. u. ihre Nachbarreviere (1878–1938), 1985;
    H.-C. Herrmann, H. R. in d. dt. Kriegswirtsch., in: Jb. f. westdt. Landesgesch. 20, 1994, S. 405-50;
    ders., Plante H. R. 1940 e. zus.-hängendes Montanrevier Saar-Lor-Lux?, in: Zs. f. d. Gesch. d. Saargegend 42, 1994, S. 214-24;
    G. Seibold, Röchling, Kontinuität im Wandel, 2001 (P);
    Wenzel;
    Rhdb.;
    Wi. 1935;
    D. Kind u. W. Mühe, Naturforscher u. Gestalter d. Technik, 1989, S. 51-56 u. 205 (L, P);
    H. Weiß, Biogr. Lex. z. Dritten Reich, 21998.

  • Portraits

    Gem. v. P. Flögerhöfer, 1959 (Stahlhochhaus, Düsseldorf), Abb. in: Kurzbiogrr. z. Gem.slg. im Stahlhochhaus Düsseldorf, hg. v. D. Brandenburg, 1996.

  • Autor/in

    Ralf Banken
  • Empfohlene Zitierweise

    Banken, Ralf, "Röchling, Hermann" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 705-706 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121748626.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA