Lebensdaten
1827 bis 1910
Geburtsort
Saarbrücken
Sterbeort
Saarbrücken
Beruf/Funktion
Eisen- und Stahlindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 139242430 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Röchling, Karl
  • Röchling, Carl

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Zitierweise

Röchling, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd139242430.html [09.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Christian (1772–1855), Dr. med., Kreisphysicus, Sanitätsrat in S., S d. Johann Friedrich (1736–1814), Konsistorialpräs. in S., u. d. Christiane Clara Johanetta Wagner (1748–1800);
    M Charlotte Sophie (1793–1870), T d. Johann Philipp Wagner, Glasfabr. in Friedrichsthal b. S.;
    Ur-Gvv Johann Gottfried (1703–80), S e. Bauern, kam um 1730 aus d. Umgebung v. Unna (Westfalen) ins Saarland, Hüttenschreiber, dann Hüttenmeister, Berghptm., Kammerrat, Präs. d. Rentkammer d. Fürsten Wilhelm Heinrich v. Nassau-Zweibrücken, 1764-68 Dir. d. Eisenwerke Schönau u. Contwig (s. Einl);
    Ov Friedrich (1774–1836), gründete 1822 e. Kohlenhandlung in S.;
    B Theodor (1823–85), Friedrich (1833–92), Ernst (1825–77), alle im väterl. Untern. tätig;
    1857 Alwine (1837–1918), T d. Ludwig Vopelius (1800–46), Bes. e. Glashütte;
    14 K u. a. Carl (1858–1941), Landger.dir. in Berlin, 1903-18 Mitgl. d. Preuß. LT, Geh. JR, Louis (s. 2), Richard (1867–98), Dr., Chemiker in Völklingen, Ernst (1870–1932), Hermann (s. 3), Robert (1877–1948), Eduard (1880–1966), alle im väterl. Untern. tätig; Verwandter Carl Georg (1788–1877), Kaufm. u. Bankier in Mannheim (s. NDB IV*).

  • Leben

    R. erbte 1836 mit drei Brüdern in minderjährigem Alter die 1822 gegründete Kohlenhandlung seines Onkels Friedrich Ludwig (1774–1836), die vom Vetter Johann Carl Schmidtborn (1794–1877) weitergeführt wurde. Er besuchte das Saarbrücker Gymnasium und absolvierte eine kaufmännische Lehre bei der Farbwarenfirma Karcher & Westermann in Metz. Nach Militärdienst 1845/46 in Saarbrücken erfolgte die weitere Ausbildung bei Speditionsfirmen in Rotterdam u. Le Havre. 1850-55 leitete R. in Rotterdam den Kohlen-, Roheisen- u. Speditionshandel der neugegründeten Firma „C. L. Röchling & Co.“. Noch vor dem Eintritt als geschäftsführender Teilhaber der „Schmidtborn & Gebr. Röchling“ (Saarbrücken 1855) gründete er 1849 die Ludwigshafener Filiale der Röchling, der weitere in Lothringen, dem Elsaß und am Rhein sowie die Aufnahme des Eisenhandels 1860 folgten.

    Neben den Handels- und Bankgeschäften begann das Unternehmen auf Initiative R.s und gegen die Bedenken seiner Brüder sich in der Industrie zu engagieren. So beteiligte man sich 1853 an der Altenwalder Kokerei und übernahm diese 1874 vollständig. 1856 wurden Anteile an der neugegründeten Hütte in Pont-à-Mousson bei Nancy erworben, die die Familie seit 1862 gemeinsam mit dem Saarbrücker Kohlenhandelshaus Gebr. Haldy führte. R. besaß an der kaufmännischen und technischen Entwicklung dieser Röhrengießerei bis zum Verkauf der Beteiligung 1889 maßgeblichen Anteil. Durch seine Heirat erhielt er 1857 Anteile an der privaten Kohlengrube Hostenbach im preuß. Saarrevier, deren alleiniger Geschäftsführer R. 1899 wurde. Durch eine Umwandlung von Forderungen des Handelshauses Röchling in eine Aktienbeteiligung engagierte er sich zudem für die Gebrüder Röchling 1877 bei den „Rhein. Stahlwerken“ in Duisburg, wo er bis 1895 im Aufsichtsrat aktiv war.

    Mit dem Kauf des 1873 gegründeten und 1878 fallierten Völklinger Puddelwerks 1881 besaß R. erstmals ein Eisenwerk im alleinigen Familienbesitz („Gebr. Röchling OHG“) und machte es in den 80er Jahren zum größten dt. Hersteller von Baueisenträgern. Neben dem Ausbau des Puddelwerks erfolgte der Aufbau von Hochöfen sowie der Kauf und Betrieb umfangreicher Erzfelder in Dt.-u. Franz.-Lothringen. Dem folgte 1890 die Errichtung eines Thomasstahlwerks und einer Hüttenkokerei (1898) sowie eine Hochofenanlage bei Diedenhofen (Lothr.) 1897, die nach R. „Carlshütte“ benannt wurde. R. war nach dem Tod seiner Brüder zeitweilig einziger Teilhaber des Handelshauses bzw. Eisenunternehmens und bestimmte den Kurs der Familienfirmen, z. B. den Kauf von Konzessionsfeldern für den Kohlenbergbau in Aachen, der Ruhr- und der Saarregion. Er war außerdem an zahlreichen anderen Industrieunternehmen beteiligt, so an der Gründung der „Dt. Solvay AG“ 1885 und anderen Kaliwerken.

    In den 80er Jahren führte R. harte Auseinandersetzungen mit dem Neunkircher Eisenindustriellen Carl Ferdinand v. Stumm-Halberg (1836–1901) um die Führung der Saarwirtschaft in der Saarbrücker Handelskammer und in Verbänden sowie um die Mosel- u. Saarkanalisierung, die R. befürwortete. Diese und die Diskussionen um den von R. geforderten Freihandel bzw. die von Stumm propagierten Eisenzölle, die auch von der Konkurrenz der beiden Eisenunternehmen beeinflußt war, wurden um 1900 durch Annäherung Stumms an die Kanalpläne R.s und dessen Akzeptanz der Zölle beigelegt. R. war Stadtverordneter in Saarbrücken (1869–88) und Abgeordneter des Rhein. Provinziallandtags (1892–1910).|

  • Auszeichnungen

    GKR.

  • Literatur

    A. Tille, Das Haus Röchling u. seine Unternehmungen, 1907;
    R. Nutzinger, K. R., 1927 (P);
    R. Nutzinger, H. Boehmer u. O. Johannsen, 50 J. Röchling Völklingen, 1931;
    Westfäl. Wirtsch.biogrr. I, 1931, S. 139-59 (L, P);
    H. Jaeger, in: Saarländ. Lb. II, 1984, S. 201-20;
    F. Roth, Les Prussiens à Pont-à-Mousson, Hist. d'une interpénétration d'intérêts 1856-1914, in: Ann. de l'Est 1990, S. 35-62;
    G. Seihold, Röchling, Kontinuität im Wandel, 2001 (P).

  • Autor/in

    Ralf Banken
  • Empfohlene Zitierweise

    Banken, Ralf, "Röchling, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 703-704 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd139242430.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA