Lebensdaten
1870 bis 1965
Geburtsort
Dessau
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Politiker
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 12445884X | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Raumer, Hans von
  • Raumer, Hans Friedrich Wilhelm Ernst von

Objekt/Werk(nachweise)

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Raumer, Hans von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd12445884X.html [18.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Friedrich (1831–1911), preuß. Major, S d. Franz (1788–1865), auf Kaltwasser b. Liegnitz, preuß. Lt. u. Amtsrat, u. d. Charlotte Nickisch v. Rosenegk (1794–1865), aus Schwarzau;
    M Marie (1843–1928), aus Pleschen, T d. preuß. Majors Bernhard v. Studnitz (1801–86) u. d. Eugenie (Jenny) v. Wrochem (1805–74);
    Gr-Ov Karl (1783–1873), Geologe (s. 2);
    3 B Hasso (1867–1914 ⚔), preuß. Oberstlt., Chef d. Gen.stabs d. Heereskav.korps I, Günther (1868–94), Reichsbankbeamter, Fam.chronist, Bernhard (1876–1902), preuß. Lt.;
    Belgrad 1905 Stephanie (1882–1949), T d. Stephan Gans Edler Herr zu Putlitz (1854–83), Dr. iur. et phil., ao. Prof. d. Staatswiss. in Halle (s. NDB V*), u. d. Elisabeth Gfn. v. Flemming (1861–1925, 2] Dr. iur. Edmund Baron v. Heyking, 1850–1915, dt. Gesandter in Mexiko, WGR, s. NDB V*), Schriftst. (s. NDB IX); Ov d. Ehefrau Joachim Gans Edler Herr zu Putlitz (1860–1922), Gen.intendant d. württ. Hoftheaters, Präs. d. Dt. Bühnenver., Dr. phil. h. c. (s. DBJ IV, Tl.); Tante-m d. Ehefrau Irena Forbes-Mosse, geb. Gfn. v. Flemming (1864–1946), Dichterin (s. NDB V); Urur-Gvm d. Ehefrau Achim v. Arnim (1781–1831), Schriftst.; Urur-Gvm d. Ehefrau Bettina v. Arnim geb. Brentano (1785–1859), Schriftst. (beide s. NDB I);
    1 S, 2 T Brigitte (1913–72, Detlev v. Garnier, 1906–44, RA), Dr. iur., Dora Lisa (Aurikel) (* 1919, 1] Karl Gf. Haller v. Hallerstein, Dr. med., 2] Hans Frhr. v. Haimberger, * 1915, Dipl.-Ing.), Dr. med.; Verwandte Friedrich (s. 1), Rudolf (s. 3), Karl (s. 4).

  • Leben

    Da der Vater Kriegsinvalide war, wuchs R. in bescheidenen Verhältnissen auf. Nach dem Besuch des Gymnasiums in Hirschberg (Schlesien) und Görlitz sowie der Ritterakademie in Liegnitz studierte er seit 1890 Rechts- und Staatswissenschaften in Lausanne, Leipzig und Berlin (Dr. iur.). Seit 1899 im Staatsdienst und seit 1905 Landrat des Kreises Wittlage (Westfalen), übernahm R. 1911 die Leitung eines Elektrizitätswerks in Osnabrück (Hann. Kolonisations- u. Moor-verwertungsges.). Seit 1915 war er Direktor des „Bundes der Elektrizitätsversorgungs-Unternehmunge Deutschlands“ (Berlin) und Ende 1916 bis März 1918 unter Siegfried Gf. v. Roedern (1870–1954) Kriegsreferent im Reichsschatzamt, wo er u. a. den Kohlensteuergesetzentwurf ausarbeitete. Im März 1918 begründete R. mit Walther Rathenau (1867–1922) und Carl Friedrich v. Siemens (1872–1941) den „Zentralverband der Dt. elektrotechnischen Industrie“ (Berlin) und bestimmte als geschäftsführendes Vorstandsmitglied bis 1933 dessen Kurs maßgeblich. Um einen möglichst reibungslosen Übergang von der Kriegs- zur Friedenswirtschaft zu gewährleisten, lud R. im Okt. 1918 Vertreter der Wirtschaft (C. F. v. Siemens, W. Rathenau, Felix Deutsch, Anton v. Rieppel) und der Gewerkschaften (Carl Legien, Gustav Bauer, Alexander Schlicke u. Theodor Leiphart) zu einer Besprechung ein, die einen Monat später zur Gründung der Zentral-Arbeitsgemeinschaft (ZAG) führte, die die Gleichberechtigung von Arbeitgebern und Arbeitnehmern sowie den Achtstundentag festschrieb. R. gehörte fortan dem Vorstand der ZAG ebenso an wie dem des Reichsverbandes der Dt. Industrie. 1920-30 als Repräsentant des rechten Flügels der DVP im Reichstag ein schlagfertiger, einfallsreicher und unkonventioneller Abgeordneter, war er von Juni 1920 bis Mai 1921 im Kabinett Fehrenbach Reichsschatzminister und von Aug. bis Okt. 1923 im 1. Kabinett Stresemann Reichswirtschaftsminister. Im Mittelpunkt seiner ersten Amtszeit stand die Reparationsfrage, markiert durch die Konferenz von Spa im Juli 1920, durch den Abbruch der Verhandlungen am 29.1.1921 seitens der Alliierten und deren enormen Reparationsforderungen, schließlich durch die Ruhrbesetzung am 8. März.

    R. wirkte v. a. als Berater und Vermittler in wirtschaftspolitischen Fragen. Neben Rudolf Hilferding (1877–1941) als Sachverständiger Mitglied der dt. Delegation bei der Konferenz von Genua 1922, knüpfte er Kontakte zu den Sowjet. Verhandlungsführern Karl Radek und Georgij Tschitscherin und drängte zusammen mit Ago v. Maltzan (1877–1927) Rathenau zum Abschluß des Rapallo-Vertrags mit der Sowjetunion am 16.4.1922. Auch danach förderte er im Reichstag und als Vorstandsmitglied des Rußlandausschusses der dt. Industrie und des Aufsichtsrats der Industriefinanzierungsgesellschaft Ost sowie seit|1929 als vorsitzendes Mitglied (neben Hans Adolf v. Moltke, 1884–1943) der dt.-sowjet. Schlichtungskommission den Ausbau der dt.-sowjet, Wirtschaftsbeziehungen. Treffen von sowjet. (u. a. Anastas Mikojan) und dt. Industriellen in R.s Haus bahnten eine Beteiligung der dt. Industrie am sowjet. Fünfjahresplan und 1931 sowjet. Aufträge an die dt. Elektrotechnik- und Maschinenbauindustrie in Höhe von 900 Mio. RM an. R., der mit dem franz. Botschafter André François-Poincet befreundet war, unterstützte Brünings wirtschaftliche Annäherung an Frankreich, nach dem Scheitern der Regierung Brüning allerdings auch die autoritär-diktatorische Konzeption Schleichers. 1933 legte R., der im März des Vorjahres die DVP verlassen hatte, aber auch Distanz zu den Nationalsozialisten hielt, sämtliche Ämter nieder. Nachdem er im Dez. 1943 ausgebombt war, zog er nach Großlangewiesche (Priegnitz), dann auf Schloß Dätzingen b. Böblingen und kehrte 1962 nach Berlin zurück.|

  • Auszeichnungen

    Mitgl. d. Internat. Handelskammer, Paris; Präs. d. Dt.-Rumän. Handelskammer; Ehrenmitgl. d. Zentralverbands d. elektrotechn. Ind. Dtld.s; Gr. BVK mit Stern u. Schulterband; Ehrenbürger d. TH Karlsruhe.

  • Werke

    Dreißig J. nach Rapallo, in Dt. Rdsch. 78, H. 4 v. April 1952;
    Unternehmer u. Gewerkschaften in d. Weimarer Zeit, ebd. 80, H. 5 v. Mai 1954;
    Die Zentralarbeitsgemeinschaft, in: Der Weg z. industriellen Spitzenverband, 1956, S. 102-17.

  • Literatur

    H. Kaun, Die Gesch. d. Zentralarbeitsgemeinschaft d. industriellen u. gewerbl. Arbeitgeber u. Arbeitnehmer Dtld.s. Diss. Jena 1938;
    H. Helbig, Die Träger d. Rapallo-Pol., 1958;
    F. Facius, Wirtsch. u. Staat, 1959;
    E. Dombrowski, in: FAZ v. 9.1.1960 (P) u. 9.1.1965;
    W. Orth, Walther Rathenau u. d. Geist v. Rapallo, 1962;
    Th. Schieder, Die Entstehungsgesch. d. Rapallo-Vertrags, in: HZ 204, 1967, S. 545-609;
    Hermann v. Raumer, Die Gesch. d. Fam. v. Raumer, 1975, S. 172-87 (P);
    G. D. Feldman u. I. Steinisch, Ind. u. Gewerkschaft 1918-1924, Die überfrachtete Zentralarbeitsgemeinschaft, 1985;
    H. Jäckel, Menschen in Berlin, 2000;
    Rhdb. (P);
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Wenzel;
    W. Benz u. H. Graml (Hg.), Biogr. Lex. z. Weimarer Rep., 1988.

  • Autor/in

    Franz Menges
  • Empfohlene Zitierweise

    Menges, Franz, "Raumer, Hans von" in: Neue Deutsche Biographie 21 (2003), S. 205-206 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd12445884X.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA