Lebensdaten
1556 bis 1617
Geburtsort
Augsburg
Sterbeort
Augsburg
Beruf/Funktion
Späthumanist ; Pädagoge
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118705695 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Hoeschelius, David
  • Heschelius, David
  • Hoeschel, David
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Zitierweise

Höschel, David, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118705695.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter ( 1569), Schulmeister;
    M Rebecca ( 1587);
    1) Augsburg 1581 Regina Grundler, 2) ebd. 1596 Juliana Hueber (1576–1628); mindestens 3 K aus 1), u. a. Daniel (1584-n. 1633), Lehrer u. Konrektor am St. Anna-Gymnasium in A., 12 K aus 2), u. a. Paul ( 1664), vielleicht identisch mit d. Goldschmied Paul Höschel in A.

  • Leben

    H. besuchte das Sankt Anna-Gymnasium in Augsburg; er war Lieblingsschüler des Graezisten Hieronymus Wolf. 1576/77 studierte er am akademischen Gymnasium Lauingen und bezog im Wintersemester 1577 die Universität Leipzig. 1579 erwarb er den Magistser artium liberalium an der Universität Wittenberg. Im Frühjahr 1581 wurde er als Lehrer der obersten Klasse am Anna-Gymnasium angestellt bis zu seinem Tod, ab 1593 zugleich als Rektor und Stadtbibliothekar. H., der seine Ausbildung zum Teil der Generosität der Fugger verdankte, war ein tüchtiger Schulmann und ein ausgezeichneter klassischer Philologe. Er hat die Jugend erzogen zur Frömmigkeit und sie nach den ethischen Maßstäben unterwiesen, die von Melanchthon über dessen Schüler Wolf auf ihn tradiert wurden. Die Antike bedeutete ihm – wie dem Augsburger Späthumanistenkreis um Markus Welser und Georg Henisch – nicht Gegensatz, sondern Ergänzung des Christentums. H. hatte von Wolf auch übernommen die bevorzugte Pflege des Griechischen wie dieser ihm ebenso die gründliche Kenntnis der Sprache und die wissenschaftliche Methode zu ihrer Erforschung vermittelt hatte. Obwohl unermüdlich im Unterricht, dem er sowohl durch|lateinisch-griechische Wörterbücher und Grammatiken aufzuhelfen suchte, wie durch aufgeschlossene pädagogische Methoden (er war Anhänger und Förderer des Schulreformers Ratichius, den er nach Augsburg holte), fand H. Zeit, seine Begabung wie seine philologische Gelehrsamkeit durch Fleiß in die Edition griechischer Handschriften umzusetzen. Fast Jahr für Jahr veröffentlichte er Textausgaben griechischer Kirchenväter und Theologen, Kabinettstücke philologischer Genauigkeit und eindringenden Wissens, das er aus den Handschriften der städtischen Bibliothek erworben hatte. Von H. ging auch die Anregung zur Begründung einer eigenen Druckerei „ad insigne pinus“ aus, gedacht, die unedierten Schätze der Bibliothek zu publizieren. Markus Welser sorgte für die finanzielle Seite, H. war der spiritus rector des Unternehmens, das von 1595 bis zu seinem Tod blühte. Ein großer Teil der griechischen Manuskripte, die seit 1544 in Augsburg lagen, wurde so textkritisch ediert. Teile aus Gennadius, Adrian, Basilius, Gregor von Nazianz, Gregor von Nyssa, Cyrill Alexandrinus, Athanasius, Origenes, Philo Judaeus Maximus und Johann Chrysostomus waren nun der gelehrten Welt zugänglich. Vor allem aber hat noch heute Wert die Ausgabe von Photius Myriobiblion (1601, lateinisch durch Andreas Schott 1606) und seine Prokop-Ausgabe (1607). Dieser Arbeit zuliebe lehnte H. Rufe nach Altdorf und Basel ab. Praktisch veranlagt, kühl-sachlich in den Kommentaren, hat er die klassische Philologie seiner Zeit gefördert und zur Erleichterung der Forschung auch den Handschriftenkatalog der Bibliothek von Henisch wesentlich erweitert 1595 herausgegeben. Die Editionen geschahen in Zusammenarbeit der europäischen Gelehrten; H.s Briefwechsel ist umfangreich, war er doch befreundet mit Isaak Casaubonus, Scaliger, Joachim und Philipp Camerarius, Marquard Freher, Georg Rehm, Janus Gruter, Daniel Heinsius in Leiden, Justus Lipsius und anderen. Henisch war sein Kollege am Gymnasium. H. hat auch freundschaftlich zusammengearbeitet mit den Jesuiten, die seit 1580/82 in Augsburg ein eigenes Gymnasium unterhielten. Er war tolerant, Vertreter jenes irenischen christlichen Humanismus, der Augsburg um 1600 kennzeichnet, Verfechter der Rückkehr zu den Quellen, die dann im christlichen Geist geklärt und verwendet wurden. Sein letztes Werk als Bibliothekar war die Katalogisierung der Bibliothek seines Freundes und Mäzens Welser. Mit ihm erlosch der Glanz des Späthumanismus in Augsburg.

  • Literatur

    ADB 13;
    R. Schmidbauer, Die Augsburger Stadtbibliothekare durch 4 Jhh., 1963 (P);
    L. Lenk, Augsburger Bürgertum im Späthumanismus u. Frühbarock (1580–1700), 1968 (W, L).

  • Autor/in

    Leonhard Lenk
  • Empfohlene Zitierweise

    Lenk, Leonhard, "Höschel, David" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 368 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118705695.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Hoeschel: David H., einer der bedeutendsten Humanisten im Uebergange vom 16. zum 17. Jahrhundert, verdient vor Allem durch die Herausgabe zahlreicher griechischer Schriftwerke, geb. den 8. April 1556 in Augsburg, den 19. October 1617 ebendaselbst. — Seine Eltern, obwol unbemittelt, leiteten den talentvollen Sohn doch auf die Bahn der wissenschaftlichen Studien. Wie er nun durch wohlwollende Patricier für sein äußeres Fortkommen ausreichende Unterstützung erhielt, so sah er sich in seinem Lernen als Schüler des Gymnasiums zu St. Anna durch den Rector Hieronymus Wolf und den neben diesem wirkenden Simon Fabricius auf das Beste gefördert. Also tüchtig vorbereitet bezog er dann das blühende Gymnasium in Lauingen, wo Nicolaus Reusner und Martin Ruland, ganz vom Geiste des großen Joh. Sturm geleitet, der griechischen Sprache und Litteratur besondere Sorgfalt zuwandten. Von Wolf und Reusner empfohlen ging er 1577 nach Leipzig, wo vor Anderen des Camerarius Nachfolger, Gregor Bersmann, seiner sich annahm. Er führte dort seine Studien bis 1581 weiter und wurde Magister. Hierauf aber in die Vaterstadt zurückgekehrt, die eben damals den trefflichen Rector Wolf durch den Tod verloren hatte, trat er als Lehrer in dieselbe Anstalt ein, welcher er die Grundlage seiner wissenschaftlichen Bildung zu danken hatte, Und rasch erwarb er sich in dem nächsten Kreise so großes Vertrauen, daß die vornehmsten Familien der Stadt ihm ihre Söhne zu besonderer Aufsicht und Unterweisung zuführten. Seine eifrige literarische Thätigkeit aber lenkte auch in weiteren Kreisen die Aufmerksamkeit auf ihn und brachte ihn mit den bedeutendsten Gelehrten seiner Zeit, auch mit Joseph Scaliger (s. dessen Epistolae, Lugd. Bat. 1627, 730—745) in engere Verbindung. So konnte es dann geschehen, daß er 1593, obwol seine Rechtgläubigkeit in Bezug auf die Abendsmahlslehre nicht als sicher erschienen war, mit der Leitung des Gymnasiums und der Verwaltung der Stadtbibliothek betraut wurde, in beiderlei Thätigkeit von dem Mathematiker Henisch unterstützt. Er hatte es darum auch aufgegeben, eine Professur an der nahen Universität Altorf zu suchen; ebenso lehnte er einen Ruf nach Basel ab. Der steigende Ruf des Gymnasiums|ermunterte damals die Behörden der Stadt, für dasselbe ein sehr stattliches Gebäude zu erbauen, ihm selbst aber die Amtswohnung so einrichten zu lassen, daß er die aus der Ferne ihm zugesandten Kostgänger angemessen unterbringen konnte. Seine gelehrten Arbeiten, die ihn ganz in Anspruch zu nehmen schienen, hinderten ihn doch niemals, den nächsten pädagogischen Aufgaben lebhafte Theilnahme zuzuwenden. Bekannt ist, daß er, den Wünschen der Scholarchen entsprechend und von eigenem Eifer getrieben, den neuernden Didaktiker Wolfgang Ratichius in Frankfurt aufsuchte, um dann in seinem eigenen Hause, das ein Sammelplatz strebsamer junger Männer aus Deutschland, Holland und Italien geworden war, in Verbindung mit Jungius und Helvicus die neuen Methoden zu prüfen und auszubilden. (Niemeyer, Mittheilungen über Ratichius II, 12 s. und Guhrauer, Joachim Jungius 36 ff.) Bleibende Frucht hat sich aus diesen Bestrebungen freilich auch für Augsburg nicht ergeben. In den auf die griechische Litteratur gerichteten Studien sah sich H. von dem reichen Patricier Marcus Welser, den auch Scaliger zu schätzen wußte, in der erfreulichsten Weise unterstützt. Obwol selbst entschiedener Katholik, ehrte Welser doch in H. vor Allem den ausgezeichneten Humanisten, dem zu Liebe er auch mit Anderen eine besondere griechische Druckerei einrichten ließ. Aus dieser sind dann eine ganze Reihe trefflicher Editionen, welche H. vorbereitet hatte, in die Oeffentlichkeit gelangt. Umfassende Belesenheit und gründliche Kenntniß des Alterthums vereinigten sich in H. mit dem feinsten Scharfsinn, der ihn als ausgezeichneten Kritiker erscheinen ließ. Die bedeutendste seiner Ausgaben dürfte die der Bibliotheca des Photius sein; aber auch um Philo und mehrere griechische Kirchenväter (z. B. Origenes gegen Celsus), um Procopius und Anna Comnena, um manche vorher kaum bekannte oder beachtete Schriftsteller der späteren Zeit hat er sich ausgezeichnete Verdienste erworben. S. Fabricii Bibl. Gr. XIII. 534 ss. Die seiner Verwaltung anvertraute Büchersammlung gewann durch ihn einen wahren Schatz griechischer Handschriften, die man in Venedig kaufte (vgl. Graecorum Manuscriptorum bibliothecae Augustanae index, von ihm besorgt), wie auch die besten Juntinischen, Aldinischen, Stephanischen Ausgaben damals für sie erworben wurden. Und was er verwaltete, das machte er in der freundlichsten Weise den Gelehrten, die Rath und Hilfe bei ihm suchten, zugänglich. Durch den gelehrten Briefwechsel, den er nach allen Seiten unterhielt, brachte er auch vieles Einzelne, das sein erstaunlicher Fleiß gefunden hatte, zur Kenntniß derer, die es in ihren besonderen Studien am besten verwenden konnten. Auch die Inschriften waren Gegenstand seiner so Vieles umspannenden Forschung. Wir haben in seiner Thätigkeit einen Nachschimmer jener frei und freudig forschenden Humanistenzeit, die, indem sie eine Fülle köstlicher Ueberreste des Alterthums sich dargeboten sah, noch kaum daran dachte, daß Spätere mit einer Nachlese sich würden begnügen müssen. Hoeschel's Tod wurde in weiten Kreisen als ein fast unersetzlicher Verlust empfunden.

    • Literatur

      S. über ihn besonders Brucker, Diss. epistolica de meritis in rem literariam Dav. Hoeschelii (Aug. Vind. 1738, 4) und im Ehrentempel 97 ff.; außerdem die Encyklopädien.

  • Autor/in

    H. Kaemmel.
  • Empfohlene Zitierweise

    Kämmel, Heinrich, "Höschel, David" in: Allgemeine Deutsche Biographie 13 (1881), S. 176-177 unter Hoeschel [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118705695.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA