Lebensdaten
1473 bis 1530
Beruf/Funktion
Fürstin von Anhalt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137338252 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Margarethe von Münsterberg (geborene)
  • Margaretha von Münsterberg
  • Margaretha
  • mehr

Objekt/Werk(nachweise)

Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Zitierweise

Margarethe, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137338252.html [15.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Heinrich I. v. Münsterberg (1448–98), S d. Georg Podiebrad, Kg. v. Böhmen ( 1471, s. NDB VI) u. d. Kunigunde v. Sternberg ( 1449);
    M Ursula ( 1508), T d. Kf. Albrecht Achilles v. Brandenburg ( 1486, s. NDB I) u. d. Margarethe ( 1457, T d. Mgf. Jakob I. v. Baden, 1453, s. NDB X);
    Cottbus 1494 Fürst Ernst v. Anhalt (1474–1516);
    4 S, u. a. Johann II. (1504–51), Georg III. ( 1553, s. NDB VI), Joachim (1509–61).

  • Leben

    M. führte nach dem Tode ihres Gatten umsichtig und sparsam die Regierung des finanziell schwachen Landes für ihre noch unmündigen Kinder. Ein Beispiel für die kluge und beharrliche Politik der Fürstin ist die Auslösung des verpfändeten Amtes Wörlitz, das nur unter großen Schwierigkeiten von Kf. Friedrich dem Weisen zurückerhalten werden konnte. Bei der Vormundschaft über die Söhne standen ihr Hzg. Georg von Sachsen, Kf. Joachim I. von Brandenburg sowie der Mainzer Erzbischof Albrecht von Brandenburg zur Seite. Adolf von Anhalt, der Bischof von Merseburg ( 1526), übernahm einen Teil der Erziehung und war ein wichtiger Ratgeber für M. In einem intensiven Briefwechsel, den die Fürstin mit ihren Söhnen führte, stellte sie diesen die notwendigen standesmäßigen und staatsmännischen sowie kirchlichen Pflichten vor Augen und bekämpfte deren reformatorische Neigungen.

    Mit Martin Luther und Georg Spalatin unterhielt M. bis 1520 gute Kontakte. Luther schickte ihr seine Schriften und wurde noch Ende 1519 nach Dessau eingeladen, folgte aber vermutlich dieser Einladung nicht. Trotz der Nähe zu Kursachsen war M. seit 1520 eine dezidierte Gegnerin der Reformation. Diese Haltung, welche von ihrem Hofprediger, dem Dominikaner Johannes Mensing, beeinflußt war, haben schon die kath. Zeitgenossen gerühmt. M. stand in einem ausführlichen Briefwechsel u. a. mit den Franziskanern Augustin von Alveldt, Virus Schertzer, Jakob Vogt (Beichtvater Kf. Friedrichs des Weisen) sowie mit den Kontroverstheologen Hieronymus Emser und Johannes Cochläus. Emser widmete ihr seine Schrift „Ein sendbrieve Martin Luthers an den König zu Engelland“ (1527). Die lesefreudige Fürstin, welche auch prot. Schrifttum kannte, legte ihren Briefpartnern zahlreiche theologische Probleme (z. B. über die Gnaden- und Prädestinationslehre, das Verhältnis von Schrift und Kirche etc.) vor und ließ sich beraten. Die Quellen machen deutlich, wie die von der reformatorischen Bewegung in ihrer Existenz bedrohten Ordenskonvente, aber auch Emser und Cochläus, von M. materiell unterstützt wurden.

    M. verfaßte mehrere durch eine biblisch geprägte Sprache und eine innige Frömmigkeit sich auszeichnende Gebete, schrieb eine Versfassung der acht Seligkeiten der Bergpredigt, wobei sie diesem christozentrisch ausgerichteten Gedicht noch einige Strophen über die guten Werke und deren Belohnung anfügte, und dichtete eine „Historie vom Leiden, Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt Christi in Reime gefaßt“, die später den gedruckten Predigten (1553 u. ö.) ihres Sohnes Georg von Anhalt beigegeben wurde. Ein Glaubensbekenntnis, das noch einmal ihre nicht konfessionell gefärbte, sondern von der spätmittelalterlichen, vielleicht durch die Devotio moderna beeinflußte Frömmigkeit manifestierte, sandte sie 1526 zur Begutachtung an den Dominikaner Bonifatius Bodenstein nach Magdeburg, der kleinere Korrekturen vornahm. Darin wurde zwar die Gnadenhaftigkeit der Rechtfertigung betont, aber ebenso der Wert der guten Werke, die Heiligenverehrung und das Fegefeuer.

  • Werke

    W. Hosäus, Dichter u. Dichterinnen a. d. Hause d. Askanier, in: Mitt. d. Ver. f. Anhalt. Gesch. u. Altertumskde. 4, 1886, S. 219-23;
    ders., Ein Glaubensbekenntnis d. Fürstin M. v. A., ebd., S. 567-71;
    F. Kindscher, Die Bergpredigt v. Fürstin M. zu A., ebd. 6, 1893, S. 457-61;
    O. Clemen, Gebete d. Fürstin M. v. A.-Dessau, ebd. 13, 1919, II, S. 1-6.

  • Literatur

    ADB 20;
    O. Clemen (Hrsg.), Briefe v. Hieronymus Emser, Joh. Cochläus, Joh. Mensing u. Petrus Rauch an d. Fürstin M. u. d. Fürsten Joh. u. Georg v. Anhalt, 1907;
    L. Lemmens, Aus ungedr. Franziskanerbriefen d. 16. Jh., 1911, S. 23 ff.;
    H. Wäschke, Gesch. Anhalts im Za. d. Ref., = Anhalt. Gesch. II, 1913;
    Martin Luther, Briefwechsel Bd. 1, Nr. 216: Weimarer Ausg., Briefwechsel I, 1930;
    I. Ludolphy, Friedrich d. Weise, Kf. v. Sachsen 1463-1525, 1984;
    Schottenloher 29 013-19, 51 135.

  • Portraits

    Gem. (Schloßkirche Dessau, zerstört), Abb. in: M.-L. Harksen, Die Stadt Dessau, 1937.

  • Autor/in

    Heribert Smolinsky
  • Empfohlene Zitierweise

    Smolinsky, Heribert, "Margarethe" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 157 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137338252.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Margaretha, Fürstin zu Anhalt, Tochter des Herzogs Heinrich von Münsterberg in Schlesien (eines Sohnes des Königs Podiebrad von Böhmen), wurde im Jahre 1473 (nach einer anderen Angabe am 27. Decbr. 1477) geboren und vermählte sich am 20. Januar 1494 zu Kotbus mit dem Fürsten Ernst zu Anhalt. Nach dem Tode ihres Gemahls (12. Juli 1516) übernahm sie unter Zuziehung des Kanzlers Paul von Berge die Verwaltung des Landes und die Erziehung ihrer drei minderjährigen Söhne, Johanns II., Georgs III. und Joachims. Als Vormünder der letzteren standen ihr der Kurfürst Albrecht von Mainz, der Kurfürst Joachim von Brandenburg und Herzog Georg von Sachsen zur Seite. Rings von den Regungen der Reformation umgeben blieb sie, geleitet von ihrem Hofprediger, dem gelehrten und in theologischer Polemik sehr gewandten Dr. J. Mensing, der alten Kirche treu und auch ihre Söhne konnten sich erst nach ihrem Tode (28. Juni 1530) entschließen, die neue Lehre öffentlich zu bekennen. Sie war eine Frau von hohem Beistande, entschlossenem Charakter, praktischer Gewandtheit, voll tiefer Frömmigkeit und dabei zugleich voll Laune und Witz. Als im J. 1517 Fürst Wolfgang zu Anhalt „als der nicht allemahl gleich attent auf seine Einkünfte war“ (vgl. Beckmann, Hist. d. Fürstenth. Anhalt V, 152) ihr vorübergehend die Verwaltung seines Landestheils übertrug, schrieb sie ihm: „Weil mir Ew. Liebden die Haushaltung befehlen, will ich gern als ein alter Kettenhund bellen, so viel ich kann, das mag lauten, so weit es will". Um die Verwaltung ihres eigenen Landes hat sie hohe Verdienste; ein Beweis, wie sie ganz ihrer neuen Heimath angehörte, ist die Einlösung des im vorigen Jahrhundert durch seine Gartenanlagen so berühmt gewordenen Wörlitz, für das sie ihr eingebrachtes Heirathsgut hingab. Nach einer Vermuthung, welche der Verfasser dieser Zeilen in den Mittheilungen des Ver. s. Anh. Gesch. etc. zu begründen versucht hat, stammt von ihr der für das Haus Anhalt denkwürdige „Ring der Frau Kröte“. Sie hat die Historie vom Leiden, Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt Christi in Reime gefasset“ und dadurch einen Namen unter den fürstlichen Dichterinnen Deutschlands erhalten. Das Ganze ist in vierzeiligen Strophen geschrieben, an die sich jedesmal als Schlußvers die Worte anschließen: „O Jesu, wie was dein Lieb so groß". Da die Dichtung zu praktisch erbaulichem Gebrauch (die Fürstin pflegte sie „mit ihren Jungfrauen“ zu singen) bestimmt war, ist der Stoff nach den kirchlichen Stunden vertheilt: Zur ersten Vesper, erste Complett, zur Mette, zur Prima, zur Tertien, zur Sechsten, zur Nona, zur andern Vesper, zur andern Complett, Beschluß. Dem dichterischen Werke schließt sich ein längeres Gebet der Fürstin „Danksagung an Gott den Vater“ an. Fürst Georg III. ließ die Arbeit seiner Mutter als Anhang zu seinen vier Predigten über den 16. Psalm 1553 in Leipzig drucken und so ist dieselbe auch in die späteren Auflagen der Werke des Sohnes übergegangen. Ein der Schule L. Cranachs angehörendes|Bildniß der Fürstin M. findet sich in der Schloßkirche zu Dessau auf der nördlichen Wand unweit des herzoglichen Stuhles. Die Fürstin umfaßt auf diesem Bilde knieend im Gebet das Kreuz Christi.

  • Autor/in

    W. Hosäus.
  • Empfohlene Zitierweise

    Hosäus, Wilhelm, "Margarethe" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 319-320 unter Margaretha [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137338252.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA