Lebensdaten
erwähnt 1261, gestorben frühestens 1282
Sterbeort
Rostock
Beruf/Funktion
Königin von Dänemark ; Herzogin von Ostpommern
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 137338767 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Margarethe
  • Margarethe Sambiria von Pommerellen (geborene)
  • Margaretha
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Zitierweise

Margarethe Sambiria, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd137338767.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Sambor II. v. Pommerellen (1204–78, s. ADB 30);
    M Mechthild ( n. 1258), T d. Fürsten Heinrich|Borwin II. v. Mecklenburg ( 1226, s. NDB 16, Art. Mecklenburg);
    - 1248 Kg. Christoph I. v. Dänemark ( 1259), S Kg. Waldemars II. v. Dänemark (1170–1241);
    3 S (2 früh †). Kg. Erich Glippping v. Dänemark (um 1249–1286, ⚭ Agnes, 1303, T d. Mgf. Johann I. v. Brandenburg, 1266), 2 T Mechthild ( 1300/11, Mgf. Albrecht III. v. Brandenburg, um 1250–1300), Margarethe ( 1306, Gf. Johann II. v. Holstein, um 1321).

  • Leben

    Der plötzliche Tod Kg. Christophs I. 1259 traf Dänemark in einem gefährlichen Augenblick. Der Kirchenkampf hatte mit der Gefangennahme des Erzbischofs von Lund, Jakob Erlandsen, einen Höhepunkt erreicht; Erich, Sohn des 1252 gefallenen Kg. Abel, forderte nachdrücklich die bislang verweigerte Belehnung mit dem Hzgt. Schleswig; auf Seeland plünderte der mit dem Erzbischof und mit Erich Abelsen verbündete Fürst Jarimar von Rügen; die ebenfalls auf der Seite Erich Abelsens stehenden Grafen von Holstein eroberten weite Teile Schleswigs. In dieser Situation übernahm M. die Regentschaft für ihren zehnjährigen unmündigen Sohn, den späteren Kg. Erich Glipping. Sie suchte zunächst den Ausgleich. Jakob Erlandsen wurde freigelassen und Erich Abelsen mit dem Hzgt. Schleswig belehnt. Im Gegenzug erwirkte die Königin die Krönung ihres Sohnes. - Tatkräftig und energisch sicherte M. ihrem Haus die Krone Dänemarks. Um den Abel-Zweig des waldemar. Königshauses von der Thronfolge auszuschließen, führte sie die von ihrem Mann begonnene Politik fort und versuchte, den auf Veranlassung Abels 1250 ermordeten Kg. Erich Plogpenning vom Papst als Heiligen und Märtyrer anerkennen zu lassen. Wenngleich die Kanonisation auch nicht durchzusetzen war, so förderte M. doch den Erichs-Kult in Ringsted, über den Erich Plogpenning zum Spitzenahn der Christoph-Linie gemacht werden und Abel als Brudermörder, dessen Nachfahren keinerlei Anrecht auf die Krone hätten, im Gedächtnis bleiben sollte.

    Im Jahre 1261 sah M. eine günstige Gelegenheit, den Streit um Schleswig militärisch zu entscheiden. In der Schlacht auf der Loheide (28.7.) wurde jedoch das königl. Aufgebot vom Herzog und von den holstein. Grafen vernichtend geschlagen. M. und ihr Sohn gerieten in Gefangenschaft. Schweden und Norwegen, einst mit der Herrscherin im Bunde, fielen von ihr ab und machten Erbansprüche auf Dänemark geltend. Das Reich drohte auseinanderzubrechen. Aus der Haft heraus wandte sich M. nun an Hzg. Albrecht von Braunschweig, der schon Christoph beigestanden hatte, um Hilfe und ernannte ihn zum Reichsverweser. Bereits im August 1261 fiel der Welfe in Holstein ein und verwüstete das Land. Im folgenden Jahr kam es durch Vermittlung der Markgrafen von Brandenburg, die einen zu großen Machtzuwachs des Braunschweigers befürchteten, zum Friedensschluß. Die Königin und ihr Sohn wurden freigelassen, Erich allerdings den Brandenburgern als Geisel überstellt; Hzg. Erich Abelsen erhielt die Bestätigung des Hzgt. Schleswig und wurde wie sein Bruder Abel zusätzlich mit Fürstenlehen im Königreich abgefunden. Dafür verzichteten wahrscheinlich beide auf ihre Thronansprüche. Albrecht von Braunschweigs Reichsverweserschaft dauerte bis 1263. Im nächsten Jahr kehrte der junge König aus Brandenburg zurück und wurde bald darauf für mündig erklärt. Dennoch übte M. auch in der folgenden Zeit einen starken Einfluß auf die Regierung aus. 1266 übertrug Erich Glipping seiner Mutter Estland und Wierland, die sie bis zu ihrem Lebensende von Nyborg aus verwaltete. – Im Volksmund erhielt M., vermutlich wegen ihrer Reitkünste, den Beinamen „Sprænghest“; auch wurde sie „Schwarze Grete“ genannt. Die über sie erzählten Geschichten beruhen aber wohl (zumindest teilweise) auf einer Verwechslung mit der Unionskönigin Margarethe der Großen (1375–1412).

  • Literatur

    ADB 20;
    Kr. Erslev, in: Danmarks Riges Historie II, 1898-1905;
    E. Hoffmann, Die hl. Könige bei d. Angelsachsen u. d. skandinav. Völkern, 1975;
    K. Hørby, Status regni Dacie, 1977;
    E. Kjersgaard, in: Danmarks Historie IV, 1977 (P);
    E. Hoffmann, Spätmittelalter u. Ref.zeit, in: O. Klose (Hrsg.), Gesch. Schleswig-Holsteins IV, 2,1981;
    Dansk Leks.1XI, 3IX.

  • Portraits

    Holzstatue am Grabmal (Kloster Doberan);
    Miniatur im Exemplar d. Lübecker Stadtrechts f. Reval, 1282 (Tallinn).

  • Autor/in

    Henning Unverhau
  • Empfohlene Zitierweise

    Unverhau, Henning, "Margarethe Sambiria" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 157 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137338767.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Margaretha, Herzogin von Ostpommern, Königin von Dänemark, war die Tochter des Fürsten Sambor II., eines Bruders Swantopolks des Großen, aus dessen Ehe mit Mathilde von Werle, einer Seitenlinie des mecklenburgischen Hauses. Ihre Jugend fiel in die Zeit langwieriger Kriege, als zwischen dem regierenden Herzoge, welcher nach slavischer Sitte mit seinen jüngeren Brüdern, Sambor zu Liebschau und Ratibor zu Belgard, das ostpommersche Land „Pommerellen“ getheilt besaß (1240), der Streit über die Herrschaft entbrannte, in welchem Swantopolk von Polen, seine Brüder vom Deutschen Orden Unterstützung erhielten, bis dieser Kampf (1248—50) durch Vermittelung des päpstlichen Legaten Jacob von Lüttich beigelegt wurde. In dieser Umgebung empfing Sambors Tochter eine vorwiegend männliche Erziehung, durch welche sie gegen jeden Einfluß der Witterung gestählt, sowie im Reiten und in den Waffen geübt wurde, demzufolge ihr die Zeitgenossen den Namen „Schwarze Grete“ und „Spraenghest“ d. h. Reiterin beilegten. Diese ritterliche Uebung und männliche Selbständigkeit war für die Fürstin ein hohes Glück, insofern ihr späteres Leben von ähnlichen Kämpfen wie ihre Jugend begleitet wurde. Im Jahre 1248 nämlich mit Christoph, dem Bruder des Königs Erich VI. von Dänemark, vermählt, erlebte sie schon bald darauf in der neuen Heimat die beiden von geheimnißvollen Freveln umgebenen Todesfälle Erichs und seines Nachfolgers Abel (1250—52) und sah sich dann 1252 an der Seite ihres Gemahls auf den|dänischen Thron berufen. Unter Christophs Regierung entbrannte aber schon 1254 der vieljährige Kampf zwischen der königlichen und der bischöflichen Macht, welche letztere durch Jakob Erlandson und Peter Bang vertreten war und durch den Fürsten Jaromar II. von Rügen (Bd. XIII, S. 724) Unterstützung empfing. Die Königin M. versuchte Anfangs, in Gemeinschaft mit ihrem Vater Sambor (1256) die Parteien zu vergleichen, als ihr dies aber nicht auf die Dauer gelang, und als Christoph einem Giftmorde (29. Mai 1259) erlegen war, stellte sie sich dem für den gefangenen Bischof Erlandson streitenden Jaromar mit einer Schaar seeländischer Bauern entgegen, erlitt aber (14. Juni 1259) bei Nestved eine Niederlage, durch welche der Sieger in den Besitz von Kopenhagen gelangte. Als dieser dann (1260) starb, führte sie, als Vormünderin ihres Sohnes Erich VII. Glipping, mit großer Umsicht die Herrschaft, versöhnte sich mit der Geistlichkeit und unternahm eine Wallfahrt nach Rom, wo sie vom Papst ein Stück des heiligen Kreuzes empfing, dem zu Ehren sie auf der Heimfahrt (22. Septbr. 1270) ein Nonnenkloster in Rostock stiftete. Dorthin kehrte sie auch in der Folge zurück, um daselbst am 1. Decbr. 1282 zu sterben, und wurde in der Cist. Kl. Kirche zu Doberan bestattet, wo noch jetzt ihre Statue erhalten ist.

    • Literatur

      Mekl. Urkb. Nr. 1198, mit ihrem Siegelbilde; Mekl. Jahrb. IV, 82; XXVI, 293; XXXIV, 20—54; Klempin, Pom. UB. Nr. 472; Perlbach, Pommerellisches UB. p. XI, Nr. 107; Holberg, Dänische Historie, übers. 1743, I, S. 330—365; Barthold, Pom. Gesch. II, 458—525, mit Ang. dänischer Quellen.

  • Autor/in

    Pyl.
  • Empfohlene Zitierweise

    Pyl, Theodor, "Margarethe Sambiria" in: Allgemeine Deutsche Biographie 20 (1884), S. 321-322 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd137338767.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA