Lebensdaten
1507 bis 1553
Geburtsort
Dessau
Sterbeort
Dessau
Beruf/Funktion
Fürst von Anhalt ; Bischof von Merseburg
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118716891 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Georg III. der Gottselige
  • Georg der Gottselige
  • Georg
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Zitierweise

Georg III., Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118716891.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Geschl. d. Askanier;
    V Fürst Ernst v. A. ( 1516), S d. Fürsten Georg I. v. A. ( 1474) u. d. Anna Gfn. v. Lindau-Ruppin;
    M Margarete (1473–1530), T d. Hzg. Heinrich I. v. Münsterberg;
    B Fürst Johann II. v. A. (1504–51), Fürst Joachim v. A. (1509–61); ledig.

  • Leben

    G. wurde 1518 Kanoniker in Merseburg und 1524/26 Dompropst (zugleich Archidiakonus eines Sprengels) in Magdeburg. 1544 ließ er sich zum Koadjutor in geistlichen Sachen für das von Herzog August von Sachsen übernommene Bistum Merseburg ernennen, mußte aber nach dem Schmalkaldischen Krieg zusammen mit August resignieren und 1550 auch tatsächlich dem neuen katholischen Bischof Michael Helding weichen. 1548 wurde er noch Dompropst von Meißen. Bis zu seinem Tode predigte er öfter in Dessau und anderen Orten. – G. ist der einzige fürstliche Kleriker der Reformationszeit, der sich nicht nur dem neuen Glauben zuwandte, sondern auch ein evangelisches Predigtamt übernahm. Er tat das, obwohl er (seit 1519 in Leipzig) nur das kanonische Recht studiert und sich lediglich als Autodidakt der Theologie zugewandt hatte. G. stand Luther persönlich sehr nahe (dieser sah in ihm die lauterste und frömmste Persönlichkeit seiner Zeit), und theologische Einflüsse Luthers sind bei ihm deutlich zu spüren. Noch nachhaltiger war freilich der Einfluß Melanchthons und des Augsburger Bekenntnisses, unter dessen Eindruck die 3 askanischen Brüder sich 1532 der Reformation zuwandten, trotz ihrer engen Bindung an Kardinal Albrecht, Joachim I. von Brandenburg und Georg den Bärtigen von Sachsen. Nach Luthers Tode gehörte G. zu den sogenannten Philippisten und wurde von den Gnesiolutheranern (Flacianern) hart bekämpft. Er suchte aber nicht unbedingt Frieden mit der römischen Kirche, sondern hatte eine eigene theologische und kirchliche Konzeption, mit der er gewisse melanchthonische Gedanken weiterführte (consensus catholicus; Reformation als Restituierung der alten Kirche). Die Theologie des Leipziger Interims, reiner in der Interimsagende als in den verschiedenen Artikelserien zum Ausdruck kommend, ist weithin seine Theologie. Auch der hochkirchliche Charakter der brandenburgischen Reformation geht weitgehend auf ihn zurück (Kirchenordnung von 1539/40). In für seine Zeit einzigartiger Weise hat G. das Pfarramt und das evangelische bischöfliche Aufsichtsamt als Seelsorgeamt verstanden. Außerdem sind bei ihm Ansätze zu einer evangelischen Sexualethik vorhanden (Sexualkatechismus; Traurede für August von Sachsen und Anna von Dänemark). Das lutherische Verständnis der Höllenfahrt geht auf G. zurück. Die lutherische Kirche der späteren Zeit zählte ihn zu ihren Vätern.

  • Werke

    Ausgg. Wittenberg 1555 (mit Vorrede v. Ph. Melanchthon), 1570 (lat.), dt. v. A. U. Cranach 1577 (wichtig d. Predigten wider d. falschen Propheten, die üb. d. 16. Psalm, die Abendmahlspredigten u. d. 2 Denkschrr. f. Gg. v. Sachsen).

  • Literatur

    ADB VIII;
    J. Camerarius, Narratio de… Georgio principe Anhaltino, Leipzig 1555 u. ö.;
    F. Westphal, Fürst G. d. Gottsel. v. A., 1907;
    F. Lau, G. III. v. A. usw., in: Wiss. Zs. d. Karl-Marx-Univ. Leipzig, Ges.- u. sprachwiss. R., 3, 1953/54, S. 139-52 (L);
    J. Herrmann, Augsburg-Leipzig-Passau, Das Leipziger Interim nach Akten d. Landeshauptarchivs Dresden 1547–52, theol. Diss. Leipzig 1962 (ungedr.).

  • Portraits

    Mehrere Kupf. (Dresden, Kupf.kab., u. Veste Coburg);
    Gem. in: E. v. Frankenberg u. Ludwigsdorf, Anhaltin. Fürstenbildnisse I, 1895;
    Altarbild v. L. Cranach d. J. (Dessau, Marienkirche, G. als Johannes zw. Jesus u. Luther).

  • Autor/in

    Franz Lau
  • Empfohlene Zitierweise

    Lau, Franz, "Georg III." in: Neue Deutsche Biographie 6 (1964), S. 197 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118716891.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Georg III., Fürst von Anhalt, war der dritte Sohn des Fürsten Ernst von Anhalt ( 1516) aus dessen Ehe mit Margaretha, einer Tochter des Herzogs Heinrich I. von Münsterberg. Geboren am 13. August 1507, verlor er den Vater in früher Jugend und seine wie seiner Brüder Erziehung fiel daher vorzugsweise seiner frommen und haushälterischen Mutter zu, welche mit den Kurfürsten Albrecht von Mainz und Joachim von Brandenburg sowie mit dem Herzoge Georg von Sachsen die Verwaltung des Landes und die Vormundschaft über die jungen Fürsten bis zu deren Großjährigkeit führte. Dem geistlichen Stande bestimmt, ward G. 1518 Domherr in Merseburg und bezog dann 1519 in Gemeinschaft mit seinem Bruder Johann die Universität Leipzig, wo er sich unter Leitung seines Präceptors Georg Held aus Forchheim eine gelehrte Bildung von einer Tiefe und einem Umfange erwarb, wie sie selbst in jener Zeit der wiederauflebenden Studien, wenigstens in fürstlichen Kreisen, zu den Seltenheiten gehörte. Wie fast alle hervorragenden Geister jener Tage ward auch er von den die Zeit fast ausschließlich beherrschenden religiösen Fragen auf das Innigste berührt, doch blieb der Einfluß der eifrig katholischen Mutter für ihn noch lange Zeit maßgebend. Im J. 1520 ward er Coadjutor der Dompropstei Merseburg und 1524 wirklicher Dompropst daselbst. Cardinal Albrecht, Erzbischof von Mainz und Magdeburg, der seine ausgebreiteten Kenntnisse, namentlich auf dem Gebiete des kanonischen Rechtes, zu schätzen wußte, ernannte ihn 1529 zu seinem Rathe in der Regierung des Erzstifts Magdeburg. Nachdem er ein Bisthum, das man ihm antrug, aus Gründen, die seiner Einsicht wie seinem Charakter gleich sehr zur Ehre gereichten, abgelehnt, ward er nach seiner Mutter Tode ( 8. Juni 1530) durch eifrige Beschäftigung mit Luthers und Melanchthon's Schriften allmählich für die lutherische Lehre gewonnen. So langsam, ja fast schüchtern sich diese Wandlung in seinem Seelenleben vollzog, so bestimmt und entschieden hat er an ihr, nachdem sie eine Thatsache geworden, festgehalten. Eine milde, versöhnliche, aber in der gewonnenen Ueberzeugung festwurzelnde Persönlichkeit, blieb Fürst G. gegenüber den Mahnungen seines früheren Vormundes, des Herzogs Georg von Sachsen, der ihn in der katholischen Kirche festzuhalten bemühet war, ebenso unerschütterlich wie er andererseits Luther wegen seiner oft allzu lebhaften und derben Schreibweise freimüthig tadelte. „Ich weiß, erwiederte ihm dieser, daß Ew. Fürstliche Gnaden es christlich, wohl und gut meinen, so will ich mich auch nicht dünken lassen, daß ich allein den heiligen Geist habe, will meine scharfe Feder bey meinem Schreibzeug legen und beten helfen.“ Und ein anderes Mal äußerte er: „Fürst Georg ist frömmer denn ich; wo der nicht in den Himmel kommt, werde ich wohl herausbleiben.“ Selbst dem wegen der eifrigen Parteinahme des Fürsten Wolfgang im schmalkaldischen Kriege gegen das Anhaltische Haus äußerst feindselig gestimmten Karl V. wußte G. durch seine stille Seelengröße und seine feste, überzeugungsvolle Sprache eine fast an Sympathie grenzende Achtung abzugewinnen. Unter allen Fürsten des Reiches, meinte er, sei keiner, dem er den Fürsten Georg an Frömmigkeit vergleichen oder vorziehen könne. Er hoffte durch ihn vor anderen noch in Religionssachen etwas Nützliches auszurichten. Trotz seines Uebertritts|zum Lutherthum entsagte G. dem geistlichen Stande nicht, ließ sich vielmehr, nachdem er 1544 auf dringenden Wunsch des zum Administrator von Merseburg postulirten Herzogs August von Sachsen zum Coadjutor desselben erwählt worden war, feierlich als solchen von Luther im Dome zu Merseburg ordiniren, worüber ihm Melanchthon ein Attest ausstellen mußte. In dieser Stellung arbeitete er zum großen Theile die Kirchenordnung von 1544 aus, welche Herzog Moritz von Sachsen für seine Lande erließ. Bald aber nöthigte ihn die Niederlage der evangelischen Fürsten im schmalkaldischen Kriege, auf das Coadjutorat von Merseburg zu verzichten. Seit dieser Zeit (1548) wandte er seine Thätigkeit fast ausschließlich den Anhaltischen Landen zu, in welchen bereits früher durch ihn und seine Brüder Johann und Joachim in Gemeinschaft mit dem Fürsten Wolfgang die Lutherische Lehre eingeführt worden war. Bei der Landestheilung mit seinen Brüdern im J. 1546 waren ihm die Aemter Warmsdorf, Plötzkau, Harzgerode und Günthersberge zugefallen, und diesem bescheidenen Besitzthume widmete er mit aufopfernder Hingebung die letzten Jahre seines Lebens. Durch verständige Verwaltungsmaßregeln suchte er den Wohlstand seiner Unterthanen zu heben, vor Allem war er aber auch hier bemüht, durch die Umgestaltung der Kirche im evangelischen Sinne und bessere Einrichtung der Schulen für ihr geistiges Wohl zu sorgen. Er verschmähete es nicht, die Pfarrer seines Landestheiles selbst zu unterrichten, predigte häufig in den Kirchen zu Dessau und Warmsdorf und suchte den religiösen Sinn in seinem Lande nach allen Rchtungen hin zu beleben und zu fördern. Er starb 47 Jahre alt unvermählt, am 17. Octbr. 1553 zu Dessau, wo er auch begraben liegt. — Seine zahlreichen Schriften, welche von seinen Zeitgenossen den Schriften Luther's und Melanchthon's gleichgestellt wurden, sind ausschließlich theologischen Inhaltes. Sie sind zuerst 1555 zu Wittenberg in Folio mit einer Vorrede Melanchthon's, dann in wiederholten Abdrücken erschienen. Außer einer Reihe von Predigten theils in lateinischer, theils in deutscher Sprache und von Sendschreiben an fürstliche und andere hervorragende Personen seiner Zeit dürfte die ganz in Luther's Geiste geschriebene Schrift: „Unterricht, wie die Pfarrherren das Volk zur Buße und Gebet ermahnen sollen“, eine besondere Erwähnung verdienen. Auch hat er eine erbauliche Schrift seiner Mutter (Von dem Leiden, Sterben und der Auferstehung Christi, versificirt) herausgegeben, sowie er es auch vorzugsweise war, der Brotuff zur Abfassung seiner Anhaltischen Chronika veranlaßte.

  • Autor/in

    v. Heinemann.
  • Empfohlene Zitierweise

    Heinemann, Otto von, "Georg III." in: Allgemeine Deutsche Biographie 8 (1878), S. 595-596 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118716891.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA