Lebensdaten
1487 bis 1561
Sterbeort
Torgau
Beruf/Funktion
Herzogin zu Sachsen
Konfession
katholisch,evangelisch
Normdaten
GND: 119240165 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Katharina zu Sachsen
  • Katharina zu Mecklenburg (geborene)
  • Katharina
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Zitierweise

Katharina, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd119240165.html [21.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Hzg. Magnus II. v. M. ( 1503);
    M Sophie ( 1504), T d. Hzg. Erich II. v. Pommern-Stettin 1474, s. NDB IV;
    B Hzg. Heinrich V. v. M. 1552, s. NDB VIII), Albrecht VII. v. M. ( 1547, s. NDB I);
    Schw Dorothea ( 1537), Äbtissin v. Ribnitz, Sofie ( 1503, Kf. Johann v. S., 1532, s. NDB X), Anna ( 1525, s. NDB I, 1) Landgf. Wilhelm II. v. Hessen, 1509, 2] Gf. Otto v. Solms-Laubach, 1522);
    - Freiberg 6.7.1512 Hzg. Heinrich d. Frommen v. S. ( 1541, s. NDB VII); Schwager Hzg. Georg v. S. ( 1539, s. NDB VI);
    3 S (1 jung †), 3 T Kf. Moritz v. S. ( 1553), Kf. August v. S. ( 1586, s. NDB I), Sibylla ( Hzg. Franz I. v. S.-Lauenburg, 1581), Aemilia ( Mgf. Georg v. Brandenburg-Ansbach, 1543, s. NDB VI), Sidonia ( Hzg. Erich II. v. Braunschweig-Lüneburg, 1584, s. NDB IV);
    N Kf. Joh. Friedrich v. S. ( 1554, s. NDB X).

  • Leben

    K., nach dem Urteil des sächsischen Kurfürst Johann Friedrich, „der weiseste Rat ihres Gemahls“, wurde treibende Kraft zur Einführung der Reformation im albertinischen Sachsen. Seit Ende 1523 neigte sie zu Luthers Lehre, aber heimlich, aus Furcht vor dem Hofmeister, dem Aufpasser ihres Schwagers Georg. Mai 1525 gestand sie ihrem Neffen Johann Friedrich ihre evangelische Gesinnung. Sie vermählte ihre Tochter Aemilia evangelisch und nahm 1533 das Abendmahl lutherisch. Mit Beharrlichkeit und List beeinflußte sie ihren Gemahl evangelisch, richtete es ein, daß er in Torgau und Wittenberg Luther selbst predigen hörte, und hatte ihn nach 12 Jahren eifrigster Bemühungen 1536 so weit, daß er Erlaubnis zum evangelischen Gottesdienst gab. Sie bat Kurfürst Johann Friedrich um einen guten evangelischen Prediger. Auf Luthers Rat kam Jakob Schenk, der es verstand, ihre Gunst zu erwerben. Sie ließ ihn auf ihre Kosten promovieren. Er predigte zunächst nur in der Schloßkapelle, aber die Bevölkerung wurde zugelassen. Am Neujahrstag 1537 durfte er im Dom das Abendmahl lutherisch reichen. Um gegen Georgs Protest geschützt zu sein, überredete sie Ihren Gemahl zum Aufnahmeantrag an den Schmalkaldischen Bund. Sie bat Kurfürst Johann Friedrich um Visitatoren und setzte den Termin zum Einführungsgottesdienst der Reformation in Freiberg (27.5.1537) fest. Auf ihre Anregung wurde Schenk zum „Obersuperattendenten“ ernannt und nebst ihrem Günstling, dem Rat Anton von Schönberg, und dem Freiberger Bürgermeister den beiden kurfürstlichen Visitatoren beigeordnet. So erfolgte durch K.s Initiative trotz der widerstrebenden altgläubigen Freiberger Geistlichkeit die 1. Visitation vom Fürstenhaus. Schenk erregte durch Hochmut und Streitsucht Luthers Mißfallen und brachte die Reformation in Freiberg in Gefahr. K. trat, trotz ihrer Klugheit geblendet von seiner Beredsamkeit, zweimal bei Luther in Wittenberg für ihn ein. Ihre Reise nach Mecklenburg benutzten Luther, der Kurfürst und ihr Gemahl, Schenk von Freiberg nach Weimar als kurfürstlichen Hofprediger unter Luthers Aufsicht zu bringen. Die 2. Visitation 1538 durch Spalatin und Jonas schaffte Ordnung im „Freiberger Ländchen“. K. gewann Schenk später als Hofprediger ihres Sohnes August. K. hatte trotz ihres evangelischen Glaubens eine besondere Anhänglichkeit an das Kaiserhaus und beabsichtigte, ihren Sohn Moritz mit einer Tochter König Ferdinands zu vermählen. Heinrich lehnte das des Glaubens wegen empört ab, aber ihr Ehrgeiz setzte das Schreiben an den König durch, der jedoch ausweichend antwortete. Als Landesfürstin hatte sie bei der Einführungsfeier der Reformation im albertinischen Sachsen zu Pfingsten in Leipzig ein langes Gespräch mit Luther, der sie (28.7.1539) brieflich um energische Durchführung der Visitation bat. K. nahm teilweise an der Visitationsreise teil, bei der sie für die Anstellung von mehr Geistlichen eintrat. Ihre Fürsorge für Prediger ist vielfach bezeugt.

    Wegen der Wittumsverschreibung kam es in ihrem 1. Witwenjahr zu einer vorübergehenden Entzweiung mit Moritz. Da ihr die Bewirtschaftung des ihr als Wittum bestimmten Amtes Wolkenstein nicht lag, erbat sie von Moritz je ein Wohnhaus in Freiberg, Dresden und Torgau und wurde für Wolkenstein mit Geld abgefunden. Nun reiste sie bis zu ihrem Ende ständig umher, nicht nur zwischen den 3 Städten, sondern zur Kur, zu ihren Brüdern nach Mecklenburg, zu ihren 3 verheirateten Töchtern, zum Kaiser nach Gent wegen unglücklicher Ehe ihrer Jüngsten, zum König nach Prag wegen Erziehung ihres Jüngsten am Königshofe, zu seiner Vermählung nach Dänemark, stolz auf ihre königliche Schwiegertochter, die sie besonders liebte, zum Landgrafen nach Kassel, zu Verwandten nach Schlesien. Überall griff sie helfend in die Familien ihrer Kinder ein und kümmerte sich auch um die kirchlichen Verhältnisse in den Ländern ihrer Schwiegersöhne, warnte vor Wiedertäufern und vor des Kaisers Augsburger Interim. Sie tröstete die sächsischen Geistlichen mit ihrer festen Überzeugung, daß Moritz dieses Interim nie annehmen würde. Sie war stolz auf ihn und brauchte seinen neuen kurfürstlichen Titel eher, als er sich selbst dazu entschließen konnte. – Sie hinterließ eine große Bücherei reformatorischer Schriften. Trotz mancher Widersprüche ihres komplizierten Charakters darf man nicht an der Echtheit ihrer evangelischen Gesinnung zweifeln. Sie hat die Reformation im albertinischen Sachsen angeregt, eingeleitet und schützend überwacht.

  • Literatur

    F. O. Stichart, Gal. d. Sächs. Fürstinnen, 1857;
    J. K. Seidemann, Dr. Jakob Schenk, 1875;
    Neues Archiv f. sächs. Gesch. 6, 1885, 9, 1888, 15, 1894, 17, 1896, 26, 1905;
    Mitt. d. Freiberger Altertumsver. 10, 1873, 24, 1887, 25, 1888, 28, 1891.

  • Portraits

    Ölgem. v. L. Cranach d. Ä., 1514 (Dresden. Gem.gal.);
    Zeichnung (?) im Stammbuch sächs. Fürsten (ebd., Landesbibl.).

  • Autor/in

    Elisabeth Werl
  • Empfohlene Zitierweise

    Werl, Elisabeth, "Katharina" in: Neue Deutsche Biographie 11 (1977), S. 325-326 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd119240165.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA