Lebensdaten
1924 bis 2002
Geburtsort
Ulm
Sterbeort
Frankfurt/Main
Beruf/Funktion
Verleger ; Schriftsteller
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118763784 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Unseld, Karl Siegfried
  • Unseld, Siegfried
  • Unseld, Karl Siegfried
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Biografische Lexika/Biogramme

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Zitierweise

Unseld, Siegfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118763784.html [10.04.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Ludwig (1896–1951), Verw.insp.;
    M Maria Magdalena (Lina) Kögel (* 1897); 1 B;
    1) 1951 ⚮ Hildegard Schmid (1922–95), 2) 1990 Ulla Schmidt (Ps. Johannes Fein, Ulla Berkéwicz, U.Berkéwicz) (* 1949, 1] Wilfried Minks, * 1930, Bühnenbildner, Theaterregisseur, Mitgl. d. Freien Ak. d. Künste Hamburg u. d. Ak. d. Künste Berlin, s. Munzinger), Schausp., Übers., Schriftst., Verl., seit 2002 Mitgeschäftsführerin d. Suhrkamp Verlags, Vors. d. Stiftungsrats d. „Siegfried u. Ulla Unseld Fam.stiftung“ (s. Munzinger), T d. Werner Schmidt (1913–2007), aus Oestringen (Baden), Dr. med., apl. Prof. d. Med. in Gießen, Chefarzt d. med. Klinik u. Ärztl. Dir. d. Stadtkrankenhauses in Hanau, Vf. e. Autobiogr. „Leben an Grenzen, Autobiogr. Ber. e. Mediziners aus dunkler Zeit“, 1989, 32003, 1990 Lit.preis d. Bundesärztekammer, 1991 Justus-Liebig-Medaille d. Univ. Gießen (s. FAZ v. 19. 3. 1998; Kürschner, Gel.-Kal. 2007; W), u. d. Herta Stoepel (* 1921), Schausp.; 1 S aus 1) Joachim (* 1953, ⚭ Elsa Bourgeade, Übers.), Dr. phil., Verl., 1983–91 geschäftsführender Gesellschafter d. Verlage Suhrkamp u. Insel, 1994 Gesellschafter d. Frankfurter Verlagsanstalt (FVA) (s. Munzinger), aus Verbindung mit Corinne Pulver (* 1927), Journalistin, Dokumentarfilmerin, Autorin, Schw d. Liselotte Pulver (* 1939), Schausp., 1 außerehel. T Ninon Pulver (* 1959), RA in Genf; Schwager Lesch Schmidt (* 1957), Musiker, Komp.

  • Leben

    Aus kleinbürgerlichen Verhältnissen stammend, legte U. 1942 das Notabitur in Ulm ab und leistete danach Kriegsdienst in der Marine. 1946 kehrte er nach Ulm zurück und holte das reguläre Abitur nach. 1946/47 absolvierte U. eine Buchhandelsgehilfenlehre im Aegis Verlag Ulm, anschließend studierte er in Tübingen Germanistik, Philosophie und Bibliothekswissenschaft und schloß das Studium 1951 mit einer Dissertation über Hermann Hesse bei Friedrich Beißner (1905–77) ab. Die persönliche Begegnung mit Hesse 1951 führte zum Kontakt mit dessen Verleger Peter Suhrkamp (1891–1959), der ein Jahr zuvor aus dem S. Fischer Verlag ausgeschieden war und den „Suhrkamp Verlag“ in Frankfurt/M. gegründet hatte. U., nun Buchhändler in Heidenheim/Brenz, trat 1952 in den „Suhrkamp Verlag“ ein, wo er zunächst als Werbefachmann, dann als Lektor arbeitete. 1958 wurde er Mitgesellschafter der „Suhrkamp Verlag KG“.

    Nach Suhrkamps Tod 1959 übernahm U. das Unternehmen und führte es als hochangesehenen Literaturverlag mit einem renommierten, internationalen Autorenstamm weiter. Auch die 1951 gestartete Reihe „Bibliothek Suhrkamp“ wurde fortgeführt. U. war wie Suhrkamp bestrebt, stets das Gesamtœuvre eines zeitgenössischen Schriftstellers in seinem Verlag zu publizieren, so z. B. von Hesse und Bertolt Brecht, die beide zu tragenden Autoren für den Verlag auch in ökonomischer Hinsicht wurden. U. publizierte aber auch Werke und Autoren, die erst (wieder-) entdeckt werden mußten, wie z. B. Walter Benjamin oder Wolfgang Koeppen. Ein zentrales Anliegen U.s war die Förderung junger Autoren wie Uwe Johnson.

    U. führte 1963 als Neuerung im Verlag mit der „edition suhrkamp“ eine TaschenbuchReihe ein, was Suhrkamp rigoros abgelehnt hatte. Deren Inhalte hatten für die Intellektuellengeschichte der Bundesrepublik hohe Bedeutung. Literarische Originalausgaben und für die Studentenbewegung der 1960er Jahre kanonische theoretische Texte, z. B. von Ernst Bloch oder der Kritischen Theorie (Theodor W. Adorno, Herbert Marcuse, Jürgen Habermas u. a.) regten den linkskritischen Diskurs an. U.s Anwesenheit auf den Tagungen der Gruppe 47 führte zu neuen Autorenkontakten (z. B. Peter Handke), die das literarische Programm profilierten. Zum Autorenstamm gehörten u. a. Samuel Beckett, Thomas Bernhard, Volker Braun, Marieluise Fleißer, Max Frisch, Durs Grünbein, Norbert Gstrein, Christoph Hein, Wolfgang Hildesheimer, Peter Huchel, Imre Kertész, Amos Oz, Jorge Semprun, Martin Walser und Peter Weiss.

    1963 kaufte U. den traditionsreichen „Insel Verlag“ mit der Reihe „Insel Bücherei“ und klassischen Werken, dem er 1981 den „Deutschen Klassiker Verlag“ als Tochterunternehmen anschloß. Der „edition suhrkamp“ folgten weitere Taschenbuchreihen: 1971 „suhrkamp taschenbuch“ und 1972 das „insel-taschenbuch“ sowie 1973 „suhrkamp taschenbuch wissenschaft“.

    1968 lehnte U. die Forderung der Verlagslektoren nach einer „Lektoratsversammlung“ als alleiniger Entscheidungsinstanz über sämtliche verlegerischen Entscheidungen ab, wobei er von wichtigen Hausautoren unterstützt wurde. Aus diesem sog. Lektorenaufstand resultierte der „Verlag der Autoren“, den Walter Boehlich, Karlheinz Braun, Klaus Reichert, Peter Urban und Urs Widmer gründeten, nachdem sie Suhrkamp verlassen hatten.

    Unter U. wurde Suhrkamp einer der wichtigsten dt. Verlage für zeitgenössische Literatur. Internationale Preise und Auszeichnungen der Autoren sowie das herausragende Engagement U.s für seine Autoren und die dt. Literatur ließen den Literaturwissenschaftler George Steiner (* 1929) von einer spezifischen „Suhrkamp-Kultur“ sprechen, die bis heute mit dem Verlag assoziiert wird.

    1988–91 war U.s Sohn Joachim Partner seines Vaters, verließ jedoch den Verlag nach Zerwürfnissen bald wieder. Seit U.s Tod 2002 leitet seine Witwe Ulla Berkéwicz als Vorsitzende der 1999 von U. gegründeten „Siegfried und Ulla Unseld Familienstiftung“ den Verlag, sie verlegte 2010 den Firmensitz nach Berlin. Neben der Familienstiftung ist die „Medienholding AG Winterthur“, die vom Hamburger Medienunternehmer Hans Barlach (1955–2015) geführt wurde, Mehrheitsgesellschafterin des Verlags. Zwischen Barlach und Berkéwicz kam es zu gerichtlichen Auseinandersetzungen über die Art und Effizienz der Verlagsgeschäftsführung. Daraufhin wurde 2013 ein Insolvenzantrag von Verlagsseite gestellt, in dessen Folge im Jan. 2014 die Umwandlung des Verlags in eine Aktiengesellschaft vom Amtsgericht Berlin-Charlottenburg genehmigt wurde und die Aufnahme weiterer Investoren zur Kapitalerhöhung angestrebt wird.

  • Auszeichnungen

    A Hermann-Hesse-Gedenkmedaille (1967); BVK 1. Kl. (1973); Gr. BVK mit Stern (1993); Goethe-Plakette d. Stadt Frankfurt/M. (1977); Dr. phil. h. c. (Washington Univ. St. Louis, USA, 1980, Frankfurt/M. 1985, Hyderabad, Indien, 1999); Wilhelm-Leuschner-Medaille (1981); Ricarda-Huch-Preis d. Stadt Darmstadt (1984); hess. Verdienstorden (1990); Premio Editore Europeo d. Stadt Turin (1999); hess. Kulturpreis (1999); Verdienstmedaille d. Landes Baden-Württ. (2000); Médaille de Chevalier de l’Ordre des Arts et des Lettres (2001); Ehrenbürger d. Stadt Frankfurt/M. (2002); Hermann-Hesse-Medaille d. Stadt Calw (2002).

  • Werke

    W Das Werk v. Hermann Hesse, Ein Brevier, 1952, erg. Aufl. 1955, erweiterte Fassung u. d. T. Hermann Hesse, Eine Werkgesch., 1973, 1974, rev. u. erweiterte Fassung u. d. T. Hermann Hesse, Werk- u. Wirkungsgesch., 1985, insel-tb. 1987;
    Briefe an d. Autoren, Peter Suhrkamp z. Gedächtnis seines 70. Geb.tages am 28. März 1961, 1961; Peter Suhrkamp, Zur Biogr. e. Verl., 1975, erweiterte Fassung u. d. T. Zur Biogr. e. Verl. in Daten, Dok. u. Bildern, 1991, erweiterte Ausg. 2004; Der Marienbader Korb, Über d. Buchgestaltung im Suhrkamp Verlag, 1976; Der Autor u. sein Verl., Vorlesungen in Mainz u. Austin, 1978, 2 1982, engl. 1980, franz. 1983, serbokroat. 1990, span. 2004; Kleine Gesch. d. Bibl. Suhrkamp, in: H.-U. Müller-Schwefe (Hg.), Klassiker d. Moderne, Ein Lesebuch d. Bibl. Suhrkamp, 1989, S. 7–25; Goethe u. seine Verl., 1991, 2. rev. Aufl. 1993, insel-tb. 1998, engl. 1993 u. 1996, franz. 1995, ital. 1997, span. 2000, chines. 2001, japan. 2005; Publ. 1949–1999, hg. v. B. Zeeh, 1999 (W-Verz.); Uwe Johnson, S. U., Der Briefwechsel, hg. v. E. Fahlke u. R. Fellinger, 1999; „So müßte ich ein Engel u. kein|Autor sein“, Adorno u. seine Frankfurter Verl., Der Briefwechsel mit Peter Suhrkamp u. S. U., hg. v. W. Schopf, 2003; Briefe an d. Autoren, hg. v. Rainer Weiss, 2004; „Ich bitte um e. Wort …“, Wolfgang Koeppen – S. U., Der Briefwechsel, hg. v. A. Estermann u. W. Schopf, 2006; Thomas Bernhard, S. U., Der Briefwechsel, hg. v. R. Fellinger, 2009, span. 2012; Peter Handke, S. U., Der Briefwechsel, hg. v. R. Fellinger u. K. Pektor, 2012; S. U., Chronik, Bd. 1,1: 1970 mit d. Chroniken Buchmesse 1967, Buchmesse 1968 u. d. Chronik e. Konflikts 1968, hg. v. U. Anders, 2010; Bd. 2: 1971, hg. v. ders., 2014; – zu Werner Schmidt: Leben an Grenzen, 1989 (Autobiogr.).

  • Quellen

    Qu Verlagsarchiv mit Dok., Mss. u. Briefen im DLA Marbach/Neckar; – Nachlaß: ebd., im Suhrkamp Verlag u. in Privatbes.

  • Literatur

    L Der Verl. u. seine Autoren, S. U. z. sechzigsten Geb.tag, 1984 (P);
    Der Verl. u. seine Autoren, S. U. z. siebzigsten Geb.tag, 1994 (P); Ch. Buchwald (Hg.), Verl. als Beruf, S. U. z. fünfundsiebzigsten Geb.tag, 1999 (P); Die Gesch. d. Suhrkamp Verlages, 1. Juli 1950 bis 30. Juni 2000, 2000 (P); – Nachrufe: J. Günther, in: NZZ v. 28. 10. 2002, S. 21; U. Greiner, in: Die Zeit v. 31. 10. 2002, S. 47; J. Kaiser, in: SZ v. 28. 10. 2002, S. 13; J. Habermas, ebd.; D. Henrich, ebd.; G. Klein, ebd.; M. Krüger, ebd., S. 16; F. Dieckmann, ebd.; U. Beck, ebd.; V. Braun, in: SZ v. 29. 10. 2002, S. 16; H. Nutt, in: Frankfurter Rdsch. v. 28. 10. 2002, S. 1; P. Michalzik, ebd., S. 13; A. Muschg, ebd.; C. Topcu, ebd., S. 18; M. Reich-Ranicki, in: FAZ v. 28. 10. 2002, S. 39; F. Schirrmacher, ebd.; P. Michalzik, U., Eine Biogr., 2002, überarb. Tb.-Ausg. 2003 (W-Verz., P); R. Fellinger (Hg.), „Ins Gelingen verliebt sein u. d. Mittel d. Gelingens“, S. U. z. Gedenken, 2003; R. Fellinger u. M. Reiner (Hg.), S. U., Sein Leben in Bildern u. Texten, 2014 (P); Munzinger.

  • Portraits

    P Aquarell v. F. Grüttner, 1991; Siebdruck v. A. Warhol, um 1981 (?) (Privatbes.)

  • Autor/in

    Ute Schneider
  • Empfohlene Zitierweise

    Schneider, Ute, "Unseld, Siegfried" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 650-652 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118763784.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA