Lebensdaten
1893 - 1986
Geburtsort
Berlin
Sterbeort
Merzhausen bei Freiburg (Breisgau)
Beruf/Funktion
Schriftsteller ; Essayist ; Journalist ; Offizier
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118763768 | OGND | VIAF: 110944068
Namensvarianten
  • Unruh, Friedrich Franz von
  • Unruh, Friedrich F. von
  • Unruh, Friedrich Franz v.

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Zitierweise

Unruh, Friedrich Franz von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118763768.html [18.05.2021].

CC0

  • Genealogie

    B Fritz (s. 2);
    Diez/Lahn 1923 Doris Amelie (1902–98), aus Karlsruhe, T d. Adolf v. der Esch (1861–1937), preuß. Gen.lt., u. d. Amélie Le Beau; kinderlos.

  • Leben

    U. erfuhr frühe preuß.-militärische Prägungen in Königsberg (Pr.) (1899–1902), Detmold (1902–05) und bei seiner mit dem Abitur abgeschlossenen Ausbildung in den Kadettenanstalten in Plön und Berlin-Lichterfelde (1905–11). 1912 legte er das Offiziersexamen ab, 1911–19 diente er im 1. bad. Leib-Grenadier-Regiment Nr. 109 in Karlsruhe. Im 1. Weltkrieg 1914 schwer verwundet, schied U. 1919 im Rang eines Hauptmanns beim Militär aus. Er hörte u. a. Philosophie, Geschichts- und Naturwissenschaften an den Universitäten in Freiburg (Br.), Marburg und Heidelberg, ohne das Studium abzuschließen. Seit 1937 lebte U. mit seiner Frau in Merzhausen bei Freiburg.

    In der Weimarer Republik wirkte U. 1924–32 als freier Journalist, u. a. mit zahlreichen Beiträgen für die „Frankfurter Zeitung“, und pflegte enge Kontakte u. a. mit Heinrich Simon (1880–1941) und Benno Reifenberg (1892–1970). Zudem wirkte er als Schriftsteller mit politisch-konservativen, kulturnationalistisch geprägten Werken wie „Reformation“ (1918), „Gesinnung“ (1924) und „Stufen der Lebensgestaltung“ (1928). 1931 wurde U. einem breiteren Publikum durch seine auf Feldstudien basierende, äußerst kritische und weitsichtige Analyse der NS-Bewegung bekannt, die, als Auftragsarbeit für die „Frankfurter Zeitung“ zunächst in einer neunteiligen Artikelserie namens „National-Sozialismus“, dann im selben Jahr als gleichnamiges Buch auch im Ausland Beachtung fand. U. kritisierte u. a. die Phrasenhaftigkeit des Parteiprogramms, die unsachliche, auf Emotionen abzielende Propaganda und den auf den „Führer“ ausgerichteten, hierdurch pseudomilitärisch strukturierten Parteiaufbau und stufte den Nationalsozialismus als „niedere“ Massenbewegung ein. Sein immer schon problematisches, von einseitiger (in der zweiten Hälfte der 1920er Jahre abnehmender) Verehrung geprägtes Verhältnis zu seinem Bruder Fritz erfuhr 1931/32 anläßlich der Veröffentlichung von „National-Sozialismus“ einen lebenslangen Bruch, da Fritz sich in U.s jüngeren Publikationen nicht ausreichend gewürdigt, in „National-Sozialismus“ nicht einmal erwähnt fand.

    Nach 1933 näherte sich U. dem Nationalsozialismus partiell an (ohne Mitglied der NSDAP zu werden), indem er ihn u. a. als geeignet für die von U. ersehnte Verwirklichung einer welthistorischen Mission der Deutschen hielt und weil er Hitler für das „Werk der Volkseinung“ bewunderte. In der Bundesrepublik teilte U. v. a. seit den 1960er Jahren Positionen des rechtskonservativen bis rechtsextremen Spektrums, u. a. unter dem Einfluß des Verlegers Gerhard Schumann (1911–95), in dessen HohenstaufenVerlag U. seit 1963 exklusiv veröffentlichte. Diese Entwicklung fand drastischen Ausdruck in zahlreichen kulturpessimistisch geprägten weltanschaulichen Essays wie „Klage um Deutschland“ (1973) und „Ermutigung, Ein Appell an die Deutschen“ (1981).

    Literaturgeschichtliche Bedeutung erwarb U. nach 1935 als Novellist in der Erzähltradition Paul Heyses (1830–1914). U. verstand Novellismus über die literarische Gattung hinaus|als Lebensprinzip eines auf das Wesentliche konzentrierten, gesteigerten Daseins, in dem der Mensch aufgerufen ist, sich durch ethisches Handeln im Spannungsfeld zwischen Entscheidungskraft des Individuums, gesellschaftlich-historischer Situation und Schicksal zu bewähren. Dieser dichterischen Intention entspricht auf formaler Ebene die Pflege der klassisch-strengen Form, auf inhaltlicher Ebene die Fokussierung auf Menschen, die in Extremsituationen über sich selbst hinauswachsen. Beim überwiegenden Teil von U.s Novellen und Erzählungen wie in „Verlorener Posten, Schilderung aus der LorettoSchlacht“ (1935) und „Der Tod und Erika Ziska, Eine Nachkriegserzählung“ (1937) ist der Einfluß autobiographischer Erlebnisse unverkennbar. Jenseits des rechten Lagers beschränkte sich U.s Rezeption als Novellist auf begrenzte Leserkreise. Wegen der Formstrenge und meisterhaften Komposition seiner Novellen und Erzählungen gilt er allerdings als bedeutender Vertreter der Novellendichtung im 20. Jh.

  • Auszeichnungen

    A E. K. II (1914); E. K. I (1915); Rr.kreuz d. bad. Mil.Karl-Friedrich-Verdienstordens (1915); ScheffelDichterpreis (1942); Ehrenmitgl. d. Dt. Kulturwerkes Europ. Geistes (1953); BVK I. Kl. (1964); Oberrhein. Kulturpreis (1967); Humboldt-Plakette (1973); Ehrenring d. dt. Lit. (1973); Gr. BVK (1975); Ehrenmitgl. d. Dt. Volksunion (1979); Verdienstmedaille d. Landes Baden-Württ. (1983); – F. F. v. U.-Gedächtnisstiftung (seit 1999).

  • Werke

    Weitere W Die Heimkehr, 1938;
    Der innere Befehl, 1939;
    Der Verräter, Gesch. e. Schicksals, 1941, 31943, neue Fassung 1964;
    Bruderdorf, 1942;
    Heidrun, 1942;
    Die Sohnesmutter, o. J. [1946];
    Die jüngste Nacht, 1948;
    Vineta, 1948;
    Liebe wider Willen, o. J. [1950];
    Tresckow, Eine Preuß. Novelle, 1952;
    Die Apfelwiese, 1957;
    Wo aber Gefahr ist, Lebensdaten e. Novellisten, 1965;
    Ehe d. Stunde schlug, Eine Jugend im Ks.reich, 1967;
    Der Besuch, Acht Gesch., 1971;
    Die unerhörte Begebenheit, Lob d. Novelle, 1976;
    Erschütterungen, Drei Erzz. aus d. Nachlaß, 1987;
    Krit. Werkausg., 6 Bde. in 7 Teilbdn., hg. im Auftr. d. F. F. v. U. Gedächtnisstiftung v. L. Hotaki, 2007 (W-Verz. in: Bd. 1, S. LI–LX);
    Nachlaß: DLA Marbach/Neckar (P).

  • Literatur

    L J. Klein, in: Gesch. d. dt. Novelle v. Goethe bis z. Gegenwart, 41960, S. 579–82 u. S. 622–38;
    H. Pongs, in: W. Jantzen (Hg.), F. F. v. U., 1961, S. 3–37;
    L. Hotaki u. G. Schnitzler, Gesteigertes Dasein u. d. „Liebe zum Unbedingten“, Der Dichter F. F. v. U., in: Krit. Werkausg., Bd. 1, (s. W), S. XIII–L;
    S. Reuß, F. F. v. U. (1893–1986), Eine biogr. Skizze, in: Krit. Werkausg., Bd. 5, Teilbd. 1 (s. W), S. IX– CXCV;
    S. Kiefer, Die dt. Novelle im 20. Jh., eine Gattungsgesch., 2010;
    D. Hellfaier (Hg.), Lipp. Autorenlex., 1986;
    Mitteldt. Gedenktage 1993, S. 103–07;
    Killy;
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L); – zur Fam.: GHdA Adelige Häuser A 14, 1977, S. 485 –87.

  • Portraits

    P Terrakottabüste v. O. Schliessler, 1940, u. Pastell v. L. v. Deimling, 1963 (DLA Marbach/Neckar); zahlr. Photogrr. im Nachlaß

  • Autor/in

    Leander Hotaki
  • Empfohlene Zitierweise

    Hotaki, Leander, "Unruh, Friedrich Franz von" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2016), S. 649-650 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118763768.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA