Lebensdaten
1899 bis 1975
Geburtsort
Hamburg
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Schriftstellerin ; Bildende Künstlerin
Konfession
evangelisch,katholisch
Normdaten
GND: 118754173 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Fuchs, Ruth (verheiratete)
  • Schaumann, Ruth
  • Fuchs, Ruth (verheiratete)
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Zitierweise

Schaumann, Ruth, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118754173.html [19.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Curt (1872–1917 Verdun), Kav.offz. aus Braunschweig, S d. Friedrich (1830–87), Adjutant d. Kg. v. Hannover, u. d. Louise Hollandt;
    M Elisabeth (1875–1954), T d. Theodor Becker, Wassermühlenbes. in Uelzen, u. d. Anna Flügge aus Lüchow;
    Urur-Gvm Johann Karl Christoph Hollandt-Letz (1765–1846), braunschweig. Rat, Kunstsammler (u. a. Cranach);
    München 1924 Friedrich (1890–1948), Dr. phil., Redakteur d. kath. Kulturzs. „Hochland“ (s. Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1936|1970; L), S d. Friedrich Fuchs (1859–95), Kaufm. in Aschaffenburg. u. d. Eugenie Seyler (1862–1951), aus Deidesheim;
    2 S Peter Fuchs (* 1925), Dr. phil., Studiendir., Hist. in M., Andreas Fuchs (* 1940), RA, Publizist (beide s. L), 3 T Esther Fuchs (1927–95), Fotografin, Judith Fuchs (* 1931, Jörg Harborth, 1944–2000, Bildhauer, Schüler v. Heinrich Kirchner), Buchhändlerin, Ursula Fuchs (* 1934), Graphikerin; Paten-S Carl Amery (* 1922), Schriftst. (s. Kosch, Lit.-Lex.; Munzinger); Schwägerin Erna Morena (eigtl. Ernestine Maria Fuchs) (1885–1962, 1915-21 Wilhelm Herzog, 1884–1960, Schriftst., s. NDB VIII), Schausp. (s. NDB 18).

  • Leben

    S. verbrachte ihre Kindheit und Jugend in Hagenau (Elsaß), bei den Großeltern in Uelzen und – getrennt von der Familie – in Hamburg und Lahr. 1905 verlor sie infolge einer Scharlacherkrankung das Gehör. 1917 zog sie, begleitet von ihrer Erzieherin, nach München, wo sie 1918 an der Staatl. Kunstgewerbeschule studierte und Meisterschülerin von Josef Wackerle (1880–1959) wurde. Zu ihren Münchner Förderern zählten die Priester und Schriftsteller Alois Wurm (1874–1968) und Peter Dörfler (1878–1955) sowie der Germanist Fritz Strich (1882–1963). S., die schon als Kind zu dichten begonnen hatte, veröffentlichte 1920 den religiös-leidenschaftlichen Gedichtband „Die Kathedrale“ in der expressionistischen Reihe „Der jüngste Tag“ (Nachdr. in: O. Schürer, Versöhnung, 1981). Ein Aufsatz von Friedrich Fuchs in „Hochland“ machte sie 1923 bekannt. Neben weiteren Gedichtbänden publizierte S. szenische Spiele (seit 1924), Erzählungen (seit 1929), Romane (seit 1933) sowie Märchen, Legenden und Jugendbücher. 1931 wurde sie als erste Frau mit dem Dichterpreis der Stadt München ausgezeichnet. Nach Entlassung (1935) und Tod (1948) ihres Mannes ernährte sie mit ihrer Dichtung und Kunst die Familie.

    Mit ihrem plastischen und graphischen Werk galt S. als Erneuerin christlicher Kunst. Neben Figuren (Verkündigung, 1921, City Art Mus., St. Louis, USA; Pietà, 1929, Krypta d. Frauenfriedenskirche, Frankfurt/M.), Reliefs aus Bronze und Holz sowie Entwürfen für die Berliner Porzellanmanufaktur schuf sie Zeichnungen, Holzschnitte, Scherenschnitte, Gemälde, Mosaike und Glasfenster (Heiliggeistkirche, Landstuhl, Pfalz, 1955), illustrierte eigene und fremde Werke. Die Fülle ihrer – dem Zeitgeschmack der 1950er und 1960er Jahre nicht mehr entsprechenden – Graphik und Poesie verstellte den Blick auf die kreative Energie und Sensibilität ihres bildnerischen Œuvres.

    Die seit Ende der 20er Jahre über eine christliche Lesergemeinde hinaus prominente, populäre und äußerst produktive Dichterin verdient als Repräsentantin literarischer Kontinuität über 1933 und 1945 hinweg Beachtung. Stofflich greift die christlich-religiös fundierte Produktion auch ins Historische, Exotische, Idyllische und Schicksalhafte. Die Einfachheit und Innigkeit ihrer Sprache konzentriert sich in der Musikalität der Lyrik; in der Prosa finden sich sowohl vereinfachende Stilisiertheit als auch poetisch eigensinnige Wörtlichkeit und variierende Beziehungsspiele. Die zentralen thematischen Konstanten ihres Werks, Kindlichkeit und Mütterlichkeit, prägen auch ihr erfolgreichstes Buch, den autobiographischen Roman „Amei, Eine Kindheit“ (1932, Neudr. 91958). – BVK I. Kl. (1959); Kogge-Ring d. Stadt Minden (1960); Bayer. Verdienstorden (1964); Ruth-Schaumann-Schule f. Gehörlose u. Schwerhörige in Lebach (Saarland) (seit 2004).

  • Werke

    Weitere W Schrr.: Der Knospengrund, 1924, Neudr. 1929;
    Werkbll., 1924 (Einf. v. P. Dörfler);
    Der Rebenhag, 1927, Neudr. 1931;
    Der blühende Stab, 1929, Neudr. 1949;
    Die Tenne, 1931;
    Ave v. Rebenhagen, 1933, Neudr. 1943;
    Siebenfrauen, 1933;
    Yves, 1933;
    Der singende Fisch, 1934;
    Der Major, 1935;
    Der mächtige Herr, Holzschnitte zum Heliand, 1938;
    Der schwarze Valtin u. die weiße Osanna, 1938, Neudr. 1949;
    Die Übermacht, 1940, 81958;
    Die Silberdistel, 1941, Neudrr. 1950, 1957, 1958;
    Die Zwiebel, 1943, Neudrr. 1952, 1965;
    Elise, 1946, Neudr. u. d. T. „Die Geächtete“, 1956;
    Myrtil u. Merula, 1946;
    Kl. Schwarzkunst, Scherenschnitte u. Verse, 1946;
    Die Vorhölle, Gedichte, 1947;
    Klage u. Trost, 1947;
    Seltsame Geschichten, 1947;
    Ländl. Gastgeschenk, 1948;
    Die Taube, 1955;
    Die Frau d. guten Schächers, 1956, Das Arsenal, 1968 (Autobiogr.);
    Mensch unter Menschen, Ein R.-S.-Buch, zus.gest. v. E. Antkowiak, 21976;
    Der Kugelsack, hg. v. T. Vollhaber, 1999 (Autobiogr.;
    darin: Vorwort v. J. Gülden u. T. Vollhaber, R. S.s unendl. Schreiben, S. 247-74);
    Bibliogr.:
    H. Hoffmann, Bibliogr. R. S., 1999. |

  • Nachlaß

    Nachlaß: Lit.archiv Monacensia, München.

  • Literatur

    Friedrich Fuchs, R. S., Plastik u. Dichtung, in: Hochland 21, Nov. 1923, S. 192-205;
    R. S.-Buch, hg. v. R. Hetsch, 1933 (P);
    Rudolf Nikolaus Maier, R. S., Wesen u. Wandlung d. lyr. Form, Diss. Frankfurt/M. 1935;
    M.-L. Herzog, Das Frauenproblem in d. Romanen R. S.s, Diss. Innsbruck 1960;
    L. Tanzer, Die Lyrik R. S.s, Diss. Innsbruck 1972;
    L. Bossle u. J. Pottier (Hg.), Dt. christl. Dichterinnen d. 20. Jh., FS Friedrich Kienecker. 1990;
    [T. Vollhaber), Interview mit Peter u. Andreas Fuchs, Zum 100. Geb.tag v. R. S., in: Das Zeichen, Zs. f. Sprache u. Kultur Gehörloser 48, 1999, S. 206-23 (W, L, P);
    F. Ertl, in: Münchner Kirchenztg. v. 22.8.1999 (P);
    Th. Betz, Die Untergeherinnen, in: SZ v. 24.8.1999 (P);
    A. Weber, ebd. v. 18.5.2001 (P);
    Kürschner, Lit.-Kal., Nekr. 1971-1998, 1999;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Killy;
    Lex. d. Frau (P);
    ThB;
    Vollmer;
    LThK;
    BBKL (W);
    Munzinger;
    Ausst.:
    R. S.-Ausst., Lit.archiv Monacensia, München, 2001.

  • Portraits

    Gem. v. J. M. Beckert u. Fotos, Abb. in: Das Zeichen 48, 1999 (s. L);
    Gem. v. H. Kunz, Abb. in: R. S.-Buch (s. L);
    Totenmaske im DLA Marbach/Neckar.

  • Autor/in

    Thomas Betz, Peter Fuchs
  • Empfohlene Zitierweise

    Betz, Thomas; Fuchs, Peter, "Schaumann, Ruth" in: Neue Deutsche Biographie 22 (2005), S. 591-593 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118754173.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA