Lebensdaten
1887 bis 1962
Geburtsort
Kleindietwil Kanton Aargau
Sterbeort
Zürich
Beruf/Funktion
Maler ; Lithograph
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 118736922 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morgenthaler, Ernst

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Zitierweise

Morgenthaler, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118736922.html [16.01.2018].

CC0

  • Genealogie

    B Walter(s. 1), Otto (s. 2);
    Burgdorf 1916 Sasha v. Sinner (s. 4);
    2 S Niklaus (* 1918), Architekt, Prof. in Chicago, 1964–71, Dir. d. Schule f. Gestaltung in Basel (s. Künstler Lex. d. Schweiz XX. Jh.), Fritz (s. 5), 1 T.

  • Leben

    M. verbrachte eine glückliche Kindheit im Oberaargau und übersiedelte 1897 mit der Familie nach Bern, wo er das Gymnasium absolvierte. Nach einem Praktikum in einer Seidenspinnerei, zwei Jahren Seidenwebschule in Zürich und vier Jahren als kaufmännischer Angestellter in der Seidenfabrik von Thalwil begann er seine künstlerische Ausbildung. Seit 1912 nahm er Zeichenunterricht bei Eduard Stiefel in Zürich, verbrachte vier Monate in der Zeichenschule von Fritz Burger in Berlin und besuchte für ein Jahr die Kunstgewerbeschule in Zürich. Erste Aquarelle meist poetisch-märchenhaften Inhalts und sozialkritische Zeichnungen mit charakteristisch-skizzenhaftem Strich wurden als Karikaturen im „Nebelspalter“ veröffentlicht. Seine eigentliche künstlerische Bestimmung fand M., als er 1914 Cuno Amiet kennenlernte und anderthalb Jahre als Schüler bei ihm in Oschwand verbrachte. Anschließend trat er in die Malschule von Heinrich Knirr in München ein, wo er mit Paul Klee verkehrte und seine spätere Frau Sasha v. Sinner wiedertraf, die er durch Amiet kannte. Nach der Heirat übersiedelte das Ehepaar 1916 nach Genf, wo M. Ferdinand Hodler besuchte, 1917 nach Hellsau und 1918 nach Oberhofen am Thunersee. 1920 ließ sich M. für längere Zeit in Zürich nieder, wo er seit 1914 wiederholt im Kunsthaus ausgestellt hatte. M. befreundete sich eng mit den Schriftstellern Hermann Hesse, Emil Schibli und Robert Walser, mit den Malern und Bildhauern Wilfried Buchmann. Johann v. Tscharner, Karl Geiser, Hermann Haller, Hermann Hubacher und den Musikern Othmar Schoeck und Fritz Brun. In dieser Zeit unternahm er mehrere Reisen in den Süden: 1922 Italien, 1925 Südfrankreich, 1926 zum wiederholten Male Paris und 1928 Marokko. 1929 übersiedelte er mit seiner Familie nach Meudon bei Paris, 1932 kehrte er nach Zürich zurück.

    In M.s Schaffen entstanden, unkonventionell und spontan, expressive Landschaften aus der nächsten Umgebung sowie Interieurs, die das subjektive Erlebnis des Malers farbigstimmungvoll wiedergeben, ebenso zahlreiche Porträts, darunter solche aus der eigenen Familie sowie Selbstporträts. Daneben schuf er dekorative Wandmalereien und Lithographien. Wegen seiner großen Produktivität und beträchtlichen Ausstellungstätigkeit sowie seiner künstlerischen, geistigen und gesellschaftlichen Aktivitäten galt er als einer der führenden Künstler seines Landes. Seine Arbeiten wurden vom Bund, von den Kunstvereinen und privaten Sammlern erworben. Während des 2. Weltkrieges leistete M. Militärdienst und war 1943 Leiter des Flüchtlingslagers Gattikon im Sihltal. Nach Kriegsende hielt er sich im Sommer 1945 sechs Wochen lang bei Hermann Hesse in Montagnola auf, um den Dichter zu porträtieren. 1948 bereiste er Südfrankreich, 1949 Algerien und Tunesien, 1953 Sizilien, 1958 Bangkok, Australien, New York und 1962 Sardinien. M. war auch ein humorvoller Erzähler und begehrter Vortragsredner. 1951-53 fungierte er als Präsident der Eidgenössischen Kunstkommission. Seine Werke sind in allen bedeutenden schweizer. Kunstsammlungen vertreten.|

  • Auszeichnungen

    Kunstpreis d. Stadt Zürich (1952).

  • Werke

    Der Geiger, 1911;
    Junger Maler erhält Besuch v. Verwandten, 1914;
    Waldmärchen, 1916;
    Mondnacht am Thunersee, 1920;
    Hamo (Hans Morgenthaler), 1923;
    Familie, 1925;
    Vorfrühling in Küsnacht, 1927;
    Pappeln am See, 1928;
    Gartentor in Meudon, 1930;
    Frau v. Sinner, 1940;
    Winterabend mit Fuhrwerk, 1944;
    Hermann Hesse, 1945;
    Krieg, 1946;
    Primus Bon, 1957. – Wandmalereien: Bierschwemme d. Braustube Hürlimann in Zürich, 1933;
    Gießerei-Arbeiten, Maschinenfabrik Escher-Wyß, 1959. – Lith.: Internierte Soldaten (Mappenwerk), 1941. – Ill. zu: P. Valmigère, Die 7 Töchter d. Canigou, 1949;
    Thomas Mann, Die Betrogene, 1953;
    G. Verga, Sizilian. Novellen, 1954. – Schrr.: Eine Reise nach Südfrankreich, mit Zeichnungen u. 1 Lith., 1950;
    Aufzeichnungen zu e. Gesch. meiner Jugend (Vorwort v. H. Hesse), mit 40 Ill., 1957 (P);
    Ein Maler erzählt, Aufsätze, Reiseberr., Briefe, Vorwort v. H. Hesse, 1957 (P);
    Flug zu Barbara, mit 6 Ill., 1962.

  • Literatur

    G. Jedlicka, E. M., 1933 (P);
    P. Mieg, Stud. z. modernen Aquarellmalerei in d. Schweiz, M. – Milliet – Epper, 1933;
    H. Hesse, E. M., 1936 (P, auch in: ders., Gedenkbll., 1962, S. 241-71);
    C. Amiet, Über Kunst u. Künstler, 1948;
    R. Wehrli, E. M., 1953 (P);
    NZZ v. 10.9.1962;
    Volksrecht v. 10.9.1962;
    H. Balmer, Aus d. Gesch. d. Fam. M., in: Jb. d. Oberaargaus 1972, S. 37-93 (P);
    R. Perret (Hrsg.), Der kuriose Dichter H. Morgenthaler, Briefwechsel mit E. M. u. H. Hesse, 1983 (P);
    S. Biffiger, E. M., Leben u. Werk, 1994 (P);
    Künstler Lex. d. Schweiz XX. Jh. (W, L, Ausst.-Verz.);
    Vollmer.

  • Autor

    Dorothea Peters
  • Empfohlene Zitierweise

    Peters, Dorothea, "Morgenthaler, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 116 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118736922.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA