Lebensdaten
1882 bis 1965
Geburtsort
Ursenbach Kanton Bern
Sterbeort
Muri Kanton Bern
Beruf/Funktion
Psychiater ; Psychotherapeut
Konfession
reformiert
Normdaten
GND: 124730442 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Morgenthaler, Walter
  • Morgenthaler, W.
  • Morgenthaler, Walther

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Zitierweise

Morgenthaler, Walter, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd124730442.html [11.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    Aus d. Linie Hinteres Mösli;
    V Christian Niklaus (1853–1928), Geometer, Ing., Reg.rat u. Baudir. 1896-1905, Ständerat 1903–08, Dir. d. Emmentalbahn 1905-26, S d. Niklaus (1822–1902), Landwirt u. Gemeindeschreiber in U., u. d. Anna Barbara Zürcher (1826–1903);
    M Anna Barbara (1852–1908), T d. Samuel Wittwer (1824–86), Krämer in U., u. d. Anna Barbara Güdel (1833–1914);
    B Otto (s. 2), Ernst (s. 3); Schwägerin Sasha (s. 4);
    – ⚭ Lenko Albert verw. Singeisen ( 1958).

  • Leben

    M. wuchs im Berner Oberland auf und erhielt in Kleindietwil die schulische Grundausbildung. 1897 übersiedelte die Familie nach Bern, wo M. das Progymnasium und das Gymnasium besuchte, bevor er dort 1902 mit dem Studium der Medizin begann. Den Winter 1905/06 verbrachte er in Wien, um an den Psychotherapie-Kollegien von S. Freud teilzunehmen. Anschließend setzte M. sein Studium in Bern fort (u. a. bei H. Sahli und Th. Kocher), obwohl ihn eine bleibende Gehörstörung behinderte. Das letzte Studienjahr verbrachte er in Zürich, wo der Psychiater E. Bleuler und der Hirnanatom C. v. Monakow zu seinen Lehrern gehörten. 1908 legte M. hier das medizinische Staatsexamen ab. Zunächst arbeitete M. als Assistenzarzt in der Irrenanstalt Waldau (1908–10) und promovierte dort mit einer Arbeit über sphygmomanometrische Blutdruckmessungen bei Geisteskranken. Anschließend besuchte er die psychiatrischen Kliniken in München und Berlin, wo er die Psychiater E. Kraepelin und H. Oppenheim kennenlernte. Seit 1910 arbeitete M. in der Heil- und Pflegeanstalt Friedmatt in Basel wieder als Assistenzarzt, seit 1912 in der Heilanstalt Münsingen bei Bern und 1913 als Oberarzt in der Anstalt Waldau. 1915 erschien seine geschichtliche Darstellung des Irrenwesens in Bern, anschließend habilitierte sich M. als Privatdozent für Psychiatrie an der Univ. Bern, wo er 1917-37 lehrte. Nachdem er als Chefarzt die Leitung der privaten Nervenheilanstalt Münchenbuchsee übernommen hatte (1920-25), eröffnete M. eine Privatpraxis für Psychotherapie und Eheberatung.

    Weltweites Aufsehen erregte 1921 die Veröffentlichung der Krankengeschichte des schizophrenen Künstlers Adolf Wölfli. M. machte damit auf den Wert künstlerischer Beschäftigung als Heilmittel in der Betreuung von Geisteskranken aufmerksam. Außerdem setzte sich M. für die weitere Verbreitung der psychodiagnostischen Methode von H. Rorschach (Interpretation von Klecksbildern) ein und verhalf ihr zu weltweiter Anerkennung. Weitere Studien behandelten das „Unheilbarkeits-Dogma“ der Schizophrenie und die seelische Stimmung von Selbstmördern vor ihrer Tat. M.s Hauptverdienst war jedoch sein lebenslanges Bemühen um eine Verbesserung der Pflegerausbildung im psychiatrischen Bereich. In mehr als 200 Veröffentlichungen propagierte er die Aus- und Weiterbildung der Pflegekräfte. Er setzte sich für die Einführung eines verbindlichen Lehrplanes sowie die bessere Bezahlung des Pflegepersonals ein. 1942 gründete M. die Schweizerische Gesellschaft für Psychologie und gab seit 1942 die Schweizerische Zeitschrift für Psychologie und ihre Anwendungen heraus. Seit 1940 lebte und arbeitete M. in Muri (Kt. Bern).

  • Werke

    Blutdruckmessungen an Geisteskranken, in: Allg. Zs. f. Psychiatrie u. psychiatr.-gerichtl. Med. 67, 1909 (Diss.);
    Bernisches Irrenwesen, 1915;
    Ein Geisteskranker als Künstler (Adolf Wölfli), 1921;
    Das Dogma v. d. Unheilbarkeit d. Schizophrenie, in: Zs. f. d. gesamte Neurol. u. Psychiatrie 100, 1926, S. 668-77;
    Die Pflege d. Gemüts- u. Geisteskrankheiten, 1930;
    Rorschachmethode-Rorschachbewegung, in: Schweizer. Zs. f. Psychol. 2, 1943 (1/2);
    Letzte Aufzeichnungen v. Selbstmördern, 1945;
    Geschlecht, Liebe, Ehe, 1953;
    Der Mensch Karl Marx, 1962;
    zahlr. Arbb. in: Kranken- u. Irrenpflege, 1-16, 1922-37.

  • Literatur

    H. Balmer, W. M., in: Verhh. d. Schweizer. Naturforschenden Ges. 146, 1966, S. 225-46 (W, P);
    H. Spreng u. a., in: Schweizer. Zs. f. Psychol. 6, 1952, S. 1-18;
    R. Meili, ebd. 21, 1962, S. 158;
    ders., O. L. Forel, ebd. 24, 1965, S. 111-13;
    M. Müller u. G. Schneider, in: Prakt. Psychiatrie 31, 1952, S. 61-73;
    H. Oprecht u. K. W. Bash, ebd. 44 (4, 7), 1965;
    W. Frey, in: Zofingia 105, 1965, S. 442;
    Schweizer. Biogr. Archiv 2, 1952, S. 86, 203 (P);
    Neue Schweizer. Biogr., 1938, S. 363 (P).

  • Autor/in

    Eberhard J. Wormer
  • Empfohlene Zitierweise

    Wormer, Eberhard J., "Morgenthaler, Walter" in: Neue Deutsche Biographie 18 (1997), S. 115 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd124730442.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA