Lebensdaten
1846 bis 1940
Geburtsort
Sankt Petersburg
Sterbeort
Graz
Beruf/Funktion
Meteorologe
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118713418 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Köppen, Wladimir
  • Koeppen, V.P.
  • Koeppen, W.
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Zitierweise

Köppen, Wladimir, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713418.html [23.04.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Peter v. K. (1793-1864), russ. Kollegienrat, Ethnograph, Altertumsforscher, Nat.ökonom, Adjunkt d. Ak. d. Wiss., S d. Joh. Friedrich ( 1808), aus Schwedt/Oder, Dr. med., 1786 v. Kaiserin Katharina II. nach Rußland z. Organisation d. Gesundheitswesens berufen, Leiter d. Medizinalwesens in Charkow;
    M Alexandrine (um 1805–1872), T d. Sprach- u. Gesch.forschers Friedrich Adelung ( 1843, s, NDB I);
    Om Nikolaus (1809–78), russ. GR, Geh.sekr. d. Kgn. Olga v. Württemberg; Cousine Sophie Adelung (1850–1927), Schriftstellerin (s. Kosch, Lit.-Lex.) - 1876 Marie (1855–1939), T d. Optikers Johs. Wehmeier in Hildesheim u. d. Alwine Brüning;
    3 S, 2 T, u. a. Else (⚭ Alfred Wegener, 1930, Geophysiker, Meteorologe), Aline (⚭ Paul Knipping, * 1881, Schiffs-Ing., S d. Meteorologen Erwin K., 1922, s. NDB XII).

  • Leben

    K. verbrachte seine Jugend in Sankt Petersburg und auf dem Gut Karabagh auf der Halbinsel Krim. Er wuchs 4sprachig auf: deutsch, russisch, französisch, tatarisch. Die wiederholten Reisen vom winterkalten Petersburg durch die russischen Steppen zur sommerlichen Krim weckten frühzeitig sein Interesse für Wettervorgänge, Klima und Pflanzenwuchs. Nach dem Abitur in Simferopol 1864 studierte er in Petersburg, Heidelberg und Leipzig Botanik und Zoologie. Mit der Arbeit „Wärme und Pflanzenwuchs“ wurde er 1870 in Leipzig promoviert. Schon 1868 hatte er seine erste meteorologische Arbeit veröffentlicht, der später weitere 525 Publikationen, darunter mehrere Bücher, folgten. Zu seiner Schaffenskraft kam der Blick für neue Aufgabenbereiche in der Meteorologie hinzu, die damals eine selbständige Wissenschaft wurde. Im Mai 1875 wurde K. anläßlich der Gründung der Deutschen Seewarte in Hamburg unter G. Neumayer zum Vorstand der Abteilung III für Wettertelegraphie und Sturmwarnungswesen berufen. Es galt, einen synoptischen Wetterdienst aufzubauen. Das war neu für Deutschland, in Rußland hatte K. 1872 als Assistent am Zentralobservatorium in Petersburg einen solchen schon kennen gelernt. Die rechte Auswahl der Beobachtungsstellen war zu treffen und deren|zweckdienliches Arbeitsverfahren zu entwickeln. Das telegraphische Meldewesen mußte organisiert werden. Die Zugstraßen der Tiefdruckgebiete wurden entdeckt, die Struktur der Böen und Gewitter erfaßt. Am 16.2.1876 erschien die erste deutsche Europawetterkarte mit K.s Unterschrift. Bald folgten die ersten Wettervorhersagen.

    K. wurde 1879, als J. van Bebber den Wetterdienst übernahm, für seine wissenschaftlichen Arbeiten freigestellt bis zu seiner Pensionierung (1919). Er übte nie eine Vorlesungstätigkeit aus, so daß er keine Schüler im eigentlichen Sinne hatte, wohl aber Ungezählte, die von ihm lernten. Er schrieb nicht nur weitere Beiträge zur synoptischen Meteorologie, sondern wurde auch der Begründer der maritimen Meteorologie. Für die drei großen Weltmeere schuf er erstmals Karten der Winde nach Richtung, Stärke und Jahreszeit und beschrieb die Niederschlagsverhältnisse. In den Segelhandbüchern verarbeitete er die von ihm laufend verbesserten Schiffsbeobachtungen. 1899 erschien sein Buch: „Grundlinien der Maritimen Meteorologie“ (21909).

    Mit technischem Geschick entwickelte er die Methode der Drachenaufstiege, um Wind-, Temperatur- und Feuchtewerte aus den höheren Luftschichten zu erhalten. Außerhalb Hamburgs entstand 1903 die „Drachenstation“ in Großborstel. Als einer der ersten erkannte K. die große Bedeutung der Höhenwerte für die Vorgänge in Bodennähe. Er lieferte Beiträge zu den neuen Methoden der „Aerologie“. – An Hand langjähriger Beobachtungsreihen wies er 1873 den Einfluß der 11jährigen Sonnenfleckenperiode auf die Lufttemperatur nach. Er untersuchte Klimaschwankungen in historischer Zeit und schließlich gemeinsam mit seinem Schwiegersohn Alfred Wegener die „Klimate der geologischen Vorzeit“ (1924 als Buch erschienen). In das gleiche Jahr fiel die Übersiedlung des 78jährigen von Hamburg nach Graz, an dessen Universität Wegener berufen worden war. K.s Interesse wandte sich immer ausschließlicher der Klimatologie zu (Allgemeine Klimalehre, 1899, 41918). Er schrieb einen umfangreichen, Tabellen für die ganze Erde enthaltenden „Grundriß der Klimakunde“ (1923, 21931). Unter besonderer Berücksichtigung der Pflanzenwelt versuchte er, eine zweckmäßige, leicht faßbare Klassifikation der Erdklimate durch wenige Kennbuchstaben („Klimaformel“) zu erreichen. 1928 veröffentlichte er gemeinsam mit R. Geiger eine Wandkarte der Erde mit dieser Klassifikation, welche die internationale Verständigung erleichterte. Noch als 84jähriger vermochte er 34 Fachgenossen aus aller Welt als Mitarbeiter für ein 5bändiges Handbuch der Klimatologie zu gewinnen, das er mit R. Geiger herausgab. Nachdem seit 1930 19 Teile erschienen waren, von denen er drei noch selbst verfaßte, brach im 2. Weltkrieg das Unternehmen ab (Verlagsverbot).|

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Dorpat, Hamburg, Graz).

  • Literatur

    P. Perlewitz, in: Ann. d. Hydrogr. u. maritimen Meteorol. 54, 1926, Beih. („K.heft“), S. 1-11 (W, P; Festschr.)
    ;
    F. Spieß, ebd., 1936, Beih. („2. K.heft“, Festschr.);
    3 „K.-bde.“, = Gerlands Btrr. z. Geophysik 32, 33, 34, 1931 (Festschr. mit 126 Btrr.); Nachrufe:
    F. Spieß, in: Ann. d. Hydrogr. u. maritimen Meteorol. 68, 1940, S. 224;
    W. Meinardus, in: Petermanns Geogr. Mitt. 86, 1940. S. 339-45;
    R. Süring, in: Meteorolog. Zs. 57, 1940. S. 281-84;
    E. van Everdingen, in: Hemel en Dampring 38, 1940, S. 305-09;
    G. Schott, in: Gerlands Btrr. z. Geophysik 57, 1941, S. I-IV; -
    Else Wegener-Köppen (T), W. K., e. Gel.leben, 1955 (mit Autobiogr. bis 1903; vollst. W-Verz. [526], P);
    Pogg. III-VII a.

  • Autor

    Rudolf Geiger
  • Empfohlene Zitierweise

    Geiger, Rudolf, "Köppen, Wladimir" in: Neue Deutsche Biographie 12 (1979), S. 371 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118713418.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA