Lebensdaten
1908 bis 1984
Geburtsort
Salzburg
Sterbeort
Sindelfingen
Beruf/Funktion
NS-Gauleiter ; Reichsstadthalter der Steiermark ; Chef der Zivilverwaltung in der Untersteiermark ; Reichsverteidigungskommissar
Konfession
katholisch,evangelisch,gottgläubig
Normdaten
GND: 126291500 | OGND | VIAF: 23128025
Namensvarianten
  • Schönharting, Friedrich (Tarnname)
  • Uiberreither, Sigfried
  • Schönharting, Friedrich (Tarnname)
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Zitierweise

Uiberreither, Sigfried, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd126291500.html [18.09.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Josef, HR, Dipl.-Ing., 1925–38 Leiter d. Abt. Wasserwirtsch. in d. Landesbaudirektion v. Salzburg;
    M N. N.;
    1939 Sophie Käte (Ps. Käthe Schönharting) (* 1918), Mitarb. v. U., T d. Alfred Wegener (1880–1930), Geophysiker, Meteorol., Polarforscher, Prof. in Graz (s. Lex. Naturwiss.; NÖB 18; Killy), u. d. Else Köppen (1892–1992), K, 4 S Jörg Schönharting (* 1941), Ing., Verkehrsforscher, Prof. f. Verkehrswesen u. -bau (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2013), Günther Schönharting, Martin (Markwart) Schönharting (* 1944), Biochem., Pharmakol. (s. Kürschner, Gel.-Kal. 2013), Wolfgang Schönharting;
    Gvm d. Ehefrau Wladimir Köppen (1846–1940), Meteorol. (s. NDB XII); Schwägerin Hanna Charlotte (Lotte) Wegener (1920–89, 1938–v. 1952 Heinrich Harrer, 1912–2006, Alpinist, Tibetforsch., Bergsteiger, Reiseschriftst., Prof.), Geodätin.

  • Leben

    U. wuchs in einer großdt. eingestellten Familie auf, absolvierte in Salzburg die Volks- und Realschule und kam nach der Matura 1926 als Student der Rechtswissenschaften nach Graz. Hier trat er der dt.nationalen Studentenkorporation „Cheruskia“ und dem Steir. Studentenbataillon bei, später auch dem paramilitärischen „Steir. Heimatschutz“, der einen Umsturz in Österreich und die Errichtung eines autoritären Staates plante. Während seines Studiums arbeitete U. bei der „Gebietskrankenkasse für Süd- und Oststeiermark“, wurde 1930 Sekretär, nach seiner Promotion zum Dr. iur. in Graz 1933 Direktionssekretär der „Arbeitsgemeinschaft der Krankenkassen für Steiermark“. Eine geplante Ernennung zum Direktor dieser Anstalt wurde nicht weiter verfolgt, nachdem seine SA-Mitgliedschaft bekannt geworden war.

    Nach dem fehlgeschlagenen Putsch des Heimatschutz-Führers Walther Pfrimer (1881– 1968) 1931 wechselte U. zur SA, ohne sich hier in den folgenden Jahren stärker und öffentlich politisch zu betätigen. Erst 1937 wurde U. Schulungsleiter, machte innerhalb der SA sehr schnell Karriere und wurde noch vor dem „Anschluß“ Brigadeführer der SA-Brigade 5 (Mittelsteiermark). U. galt als Organisationstalent v. a. für Aufmärsche und Großkundgebungen und war Anfang März 1938 maßgeblich an der Machtübernahme der NSDAP im Lande, noch vor dem „Anschluß“ und dem Einmarsch der Wehrmacht, beteiligt. Für wenige Tage wurde U. kommissarischer Polizeipräsident von Graz und verhaftete als solcher den steir. Fürstbf. Ferdinand Pawlikowski (1877–1956), der damit der einzige von den Nationalsozialisten inhaftierte österr. Bischof war.

    Am 10. 4. 1938 wurde U. zum Mitglied des Dt. Reichstags gewählt und am 22. 5. 1938 von Hitler zum Gauleiter der Steiermark ernannt. Damit einher ging die Übernahme des Postens des steir. Landeshauptmanns (nach Sepp Helfrich, 1900–63), womit bei U. nun die staatlichen und die parteilichen Agenden zusammenliefen. Erst fünf Monate später, am 1. 10. 1938, wurde er auch formell Mitglied der NSDAP. Im April 1940 wurde U. nach der Umsetzung des „Ostmarkgesetzes“ vom 14. 4. 1939 und der damit verbundenen Umorganisierung der österr. Länder in Reichsgaue zum Reichsstatthalter der Steiermark ernannt.

    Von Okt. 1939 bis Juni 1940 leistete U. als Gebirgsjäger Kriegsdienst und wurde in Norwegen eingesetzt. 1941 übernahm er als Chef der Zivilverwaltung in der Untersteiermark das besetzte slowen. Gebiet und war damit wesentlich an den volkstumspolitischen und rassistischen Maßnahmen zur „Germanisierung“ des Landes durch das NS-System beteiligt, obwohl diese zum Großteil von der ihm nicht unterstellten SS ausgeführt wurden. 1943 erhielt U. als Reichsverteidigungskommissar weitgehende Vollmachten im Bereich der Ost- und Südgrenze der Steiermark („Südostwall“-Bau). Am 8. 5. 1945 übergab er seine Ämter an NS-Gauhauptmann Armin Dadieu (1901–78), floh aus Graz und stellte sich etwa zwei Wochen später nahe Murau den Briten.

    Im Nürnberger Kriegsverbrecherprozeß sagte U. als Zeuge aus und wurde anschließend zusammen mit dem Kärntner Gauleiter Friedrich Rainer (1903–47) von den Alliierten zur Aburteilung nach Jugoslawien überstellt. Während des Transports nach Ljubljana/Laibach gelang ihm unter Beihilfe eines Bruders des ehemaligen Reichsjugendführer-Stellvertreters und Gauleiters von Süd-HannoverBraunschweig, Hartmann Lauterbacher (1909–88), die Flucht aus dem Lager Dachau. Seine Frau wurde 1945–47 in insgesamt sieben Lagern und zwei Gefängnissen interniert und wegen vorgeblicher illegaler Parteizugehörigkeit in Graz vom österr. Volksgericht zu 23,5 Monaten Gefängnis verurteilt.

    U. lebte fortan mit seiner Frau und den Söhnen unter dem Namen Friedrich Schönharting in Süddeutschland (Sindelfingen), wo er teilweise in führender betrieblicher Funktion tätig war; zuletzt arbeitete er bei der „Deutschen Bahn“.

  • Literatur

    L St. Karner, Die Steiermark im Dritten Reich 1938–1945, 31994;
    ders. (Hg.), Die Stabsbesprechungen d. NS-Zivilverw. in d. Untersteiermark 1941–1944, 1996;
    ders., Die Steiermark im 20. Jh., 2000;
    U. Zimmerl, Regionalbanken im NS, Die Instrumentalisierung österr. Geldinst. in d. Bundesländern, in: G. D. Feldman u. a. (Hg.), Österr. Banken u. Sparkassen im NS u. in d. Nachkriegszeit, Bd. II, 2006, S. 13–259 (Reg.);
    Personenlex. Österr.;
    Lilla, MdR; Biogr. Lex. Burschenschaft (L, P)

  • Autor/in

    Stefan Karner
  • Empfohlene Zitierweise

    Karner, Stefan, "Uiberreither, Sigfried" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 554-555 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd126291500.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA