Lebensdaten
1867 bis 1952
Geburtsort
Oldenburg
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Geograph ; Meteorologe
Konfession
lutherisch
Normdaten
GND: 118732676 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Meinardus, Wilhelm

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Zitierweise

Meinardus, Wilhelm, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732676.html [20.11.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Johannes (1835–1919), Oberlandesgerichtsrat, S d. Christoph (1798–1888) u. d. Emilie Alfken (1798–1873);
    M Johanne (1836–1928, Cousine d. V), T d. Wilhelm Meinardus (1805–1906), Mitgl. d. Magistrats u. Stadtrat in O., Referent b. Mil.dep. d. Staatsmin., schloß 1867 f. d. Ghzgt. Oldenburg d. Mil.konvention mit Preußen ab, u. d. Caroline Backhaus (1814–50);
    Ov Karl (1821–96), Prof., Erster Oberlehrer am Ghzgl. Gymnasium in O., Ludwig (1827–96), Komponist, Musikpädagoge u.-Schriftsteller (s. Kosch, Lit.-Lex.3; MGG VIII), Hugo (* 1830), Domänenverwalter u. Steuereinnehmer in Wilhelmshaven;
    Klara, T d. Baurats Heinrich Otto Hoffmann u. d. Anna Ranfft.

  • Leben

    M. studierte Geographie, Physik, Meteorologie und Mathematik in Halle, München und Berlin; hier waren F. v. Richthofen, W. v. Bezold und H. Helmholtz seine Lehrer. Seine Dissertation (in: Archiv d. Dt. Seewarte 16, 1894) behandelte – anhand von rund 90 000 Segelschiffs-Beobachtungen im Nordostteil des Indischen Ozeans – ein maritimklimatisches Thema, wobei er von dem erfahrenen Meteorologen der Hamburger Seewarte Wladimir Köppen beraten wurde. Die Ergebnisse waren fundamental: M. entdeckte die Aufspaltung der innertropischen Konvergenzzone, deren Äste durch eine ganzjährige Westwindzone beiderseits des Äquators getrennt werden. Aus ihr gehen die jahreszeitlichen Monsune durch Ausweitung in die jeweilige Sommerhalbkugel hervor, wobei die Vorgänge „frontartigen“ Charakter annehmen. Diese Resultate waren damals so neuartig, daß ein Echo ausblieb; erst nach fast 60 Jahren fanden sie Anerkennung. M. wurde 1906 ao. Professor in Münster, 1909 dort o. Professor und folgte 1920 einem Ruf nach Göttingen, wo er bis zu seiner Emeritierung 1935 blieb.

    1896-1906 arbeitete M. in sehr vielseitiger Weise auf den Gebieten der Meteorologie und Ozeanographie (Observatorium Potsdam, Meteorologisches Institut und Institut für Meereskunde, Berlin); hier fand er die Schaukelvorgänge zwischen Grönland und Europa und studierte die Rolle des Golfstroms. Seine Hauptleistung war die umfangreiche und grundlegende Bearbeitung des Beobachtungsmaterials der Deutschen Südpol-Expedition (1901–03), die deren Leiter E. v. Drygalski ihm anvertraut hatte. Sie erstreckte sich über drei Jahrzehnte und fand ihren Abschluß erst 1938 durch seine „Klimakunde der Antarktis“ (im Handbuch der Klimatologie von Köppen-Geiger). Diese Ergebnisse werden auch noch in den neuesten Monographien herangezogen: M. entdeckte die antarktische Konvergenz im Ozean, die hier dominierende halbjährliche Schwankung von Luftdruck und Wind, und berechnete – eine viel bewunderte Glanzleistung (1927) – die mittlere Höhe des antarktischen Kontinents aus der jahreszeitlichen Verlagerung der Luftmassen über den Äquator. Eine Pionierarbeit war auch seine erste zuverlässige Niederschlagskarte der ganzen Erde (1934).

    Auf dem Gebiet der Geographie beschränkte er sich – abgesehen von Arbeiten über Strukturböden – auf zusammenfassende, sehr klare Lehrbücher, wobei er in seiner Allgemeinen Klimatologie (in: F. Klute, Hdb. d. geogr. Wiss., Bd. 1, 1936) darauf verzichtete, seine eigenen Ergebnisse einzubeziehen (hierfür war die Zeit noch immer nicht reif), sowie einige länderkundliche und methodische Skizzen. Die Breite seiner geographischen Interessen zeigte sich in den über 60 Dissertationen, die er anregte und betreute. Seine wesentlichen Arbeiten gehören inzwischen zu den „klassischen“ Grundlagen der Geophysik; im einzelnen wurden sie naturgemäß durch die ungleich vollständigeren späteren Untersuchungen erweitert und ausgebaut.

  • Werke

    Weitere W u. a. Meteorolog. Ergebnisse d. Dt. Südpol-Expedition 1901/03. Bde. III u. IV. 1909/28;
    Meteorolog. Atlas, 1911-15 (mit L. Mecking).

  • Literatur

    Verz. in: Göttinger Geogr. Abhh. H. 1, 1948 (P);
    H. Poser, in: Petermanns Geogr. Mitt. 1953, S. 241-45 (P);
    Pogg. IV-VII.

  • Autor/in

    Hermann Flohn
  • Empfohlene Zitierweise

    Flohn, Hermann, "Meinardus, Wilhelm" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 656 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118732676.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA