Lebensdaten
1832 bis 1910
Geburtsort
Karlsruhe
Sterbeort
Baden-Baden
Beruf/Funktion
evangelischer Theologe ; Professor in Heidelberg und Straßburg
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118706748 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Holtzmann, Heinrich Julius
  • Holtzmann, Heinrich
  • Holtzmann, Heinrich Julius
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Zitierweise

Holtzmann, Heinrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706748.html [15.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Karl Julius (s. Gen. 1);
    Ov Karl (s. 4);
    B Adolf (s. 1);
    Vt Eugen (s. 2);
    - Heidelberg 1864 Karoline (1840–97), T d. Gymnasialdir. Georg Weber (1808–88) in Heidelberg, Vf. v. „Webers Weltgesch.“ (s. ADB 41), u. d. Ida Becher (1804-88); Schwäger Heinrich Weber (1842–1913), Prof. d. Math. (s. Pogg. III-VI), Carl Emil W. (1843–98), Mitgl. d. Reichstags, d. preuß. u. bad. Landtags, Friedrich W. (1844–95), Redakteur, Schriftsteller (s. Brümmer);
    3 S, 1 T, u. a. Robert (s. 5), Friedrich (1876–1948), Prof. d. Hygiene in K., Leitender Arzt d. Gewerbeaufsichtsamts in K., Adelheid (⚭ Gustav Steinmann, 1856–1929, Prof. d. Paläontol. u. Mineral. in Bonn);
    N Walther (s. 6).

  • Leben

    H. studierte evangelische Theologie in Heidelberg und Berlin (1850–54) und wurde besonders beeinflußt von R. Rothe, von dessen „Ethik“ er die Bände 3-5 in der 2. Auflage herausgab. Nach Vikariatszeit in Badenweiler promovierte er 1858 zum Licentiaten der Theologie in Heidelberg mit der dogmengeschichtlichen Abhandlung „De corpore et sanguine Christi quae statuta fuerint in ecclesia examinantur“ und erhielt 6 Wochen später die Venia docendi. 1859 erschien sein erstes dogmengeschichtliches Buch „Kanon und Tradition. Ein Beitrag zur neuen Dogmengeschichte und Symbolik“. 1861 wurde H. in Heidelberg außerordentlicher und 1865 ordentlicher Professor, nachdem er im gleichen Jahre einen Ruf nach Wien (1862 Doctor theologiae Wien) abgelehnt hatte. 1874 nahm er eine Berufung nach Straßburg an (1878/79 Rektor). Er wirkte bis 1904 und zog sich dann nach Baden-Baden zurück. Um die Jahrhundertwende war H. als der führende deutsche Neutestamentler der historisch-kritischen Richtung anerkannt.

    H.s Besonderheit im Forschen und Lehren liegt in der historischen Gewissenhaftigkeit, sachlichen Besonnenheit und Ausrichtung aufs Leben. Er ist prinzipiell liberal, in der Methode kritisch, kann den biblischen Supranaturalismus Rothes nicht teilen und kann doch auch wieder nicht dem Ideal liberaler Theologie, nämlich ein „Leben Jesu“ den Synoptischen Evangelien zu entnehmen, sich versagen. A. Schweitzer, dessen Habilitation in Straßburg er gegen andere Stimmen durchgesetzt hatte, ging ihm in seiner Quellen-Skepsis zu weit. Auch die Wiederentdeckung der eschatologischen Dominante in der Verkündigung Jesu durch J. Weiss s(1892) nahm er nicht auf. Eine dem radikal Kritischen abholde Ausrichtung zeigt sich ferner in der Behandlung der „Einleitung in das Neue Testament“ (1885, 31892), wo er allein aus praktischen Gesichtspunkten heraus der neueren Konzeption sich versagte, nämlich die neutestamentlichen Schriften innerhalb einer Geschichte der urchristlichen Literatur zu behandeln. Von bleibender Bedeutung ist die im wesentlichen bis heute in der historisch-kritischen Forschung des Protestantismus geltende Bearbeitung der synoptischen Frage und Begründung der sogenannten Zweiquellen-Theorie (Die synoptischen Evangelien, 1863): Das Markusevangelium ist das älteste; Matthäus und Lukas benutzen Markus und daneben in dem Stoff, den sie über Markus hinaus gemeinsam haben, eine Spruch- oder Logienquelle. Die am Ende seines Lebens aufkommende religionswissenschaftliche Fragestellung hat H. unterstützt, jedoch hier wie auch in der formgeschichtlichen Betrachtung des Neuen Testaments nicht mehr aktiv partizipiert. Am wirksamsten blieb außer den genannten Büchern sein „Lehrbuch der neutestamentlichen Theologie“ (2 Bände, 1896 /97, 21911 herausgegeben von A. Jülicher und W. Bauer), welches faktisch erst 1953 durch R. Bultmanns Theologie des Neuen Testaments abgelöst wurde.

  • Werke

    Weitere W Kritik d. Epheser- u. Kolosserbriefe auf Grund e. Analyse ihres Verwandtschaftsverhältnisses, 1872;
    Die Pasloralbriefe, kritisch u. exegetisch behandelt, 1880;
    Die Synoptiker (Handcommentar z. NT), 1889, 31901;
    Das Evangelium d. Johannes (Handcommentar z. NT), 1891, 31908 besorgt v. W. Bauer;
    Briefe u. Offenbarung d. Johannes (Handcommentar z. NT), 1891, 31908 v. dems.;
    Die Apostelgesch. (Handkommentar z. NT), 1891, 31901;
    Die Entstehung d. NT, 1904;
    Das messian. Bewußtsein Jesu, Ein Btr. z. Leben-Jesu-Forschung, 1907.

  • Literatur

    O. Baumgarten, in: Christl. Welt 44, 1932;
    W. Bauer, H. J. H. -
    ein Lb., 1932;
    K. Breysig, Das neue Geschichtsbild im Sinn d. entwickelnden Geschichtsforschung, 1944, S. 84 ff.;
    W. G. Kümmel, Das NT, Gesch. d. Erforschung s. Probleme, 21970, S. 185 ff., 239 ff.;
    RGG;
    PRE.

  • Autor/in

    Erich Dinkler
  • Empfohlene Zitierweise

    Dinkler, Erich, "Holtzmann, Heinrich" in: Neue Deutsche Biographie 9 (1972), S. 560-561 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118706748.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA