Lebensdaten
1899 bis 1975
Geburtsort
Gabersee bei Wasserburg/Inn
Sterbeort
Bonn
Beruf/Funktion
Geograph ; Naturforscher ; Geoökologe
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118624067 | OGND | VIAF: 107029194
Namensvarianten
  • Troll, Karl Theodor Joseph Maria
  • Troll, Carl
  • Troll, Karl Theodor Joseph Maria
  • mehr

Verknüpfungen

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Troll, Carl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118624067.html [04.08.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Theodor J. (1858–1916), aus fränk. Lehrerfam., Dr. med., Vf. v. „Über d. Zusammenhang d. Apoplexie mit Syphilis“, Diss. Würzburg 1885, bis 1894 prakt. Arzt (bezirksärztl. Stellv.) in Markt Erlbach, ab 1894 Assistenz-Arzt in G., 1904 Oberarzt an d. Kgl. Bayer. Irrenanstalt Gabersee, 1912 an d. Heilu. Pflegeanstalt Eglfing-Haar b. München, S d. Leonhard, Volksschullehrer in Eußenhausen b. Mellrichstadt;
    M Elisabeth (Elise) Hufnagel (1871–1959), aus Landwirtsfam. in Scheinfeld (Mittelfranken);
    B Wilhelm (1897–1978, ⚭ Margarete Weissenberg, 1889–1982, T e. Offz.), führte e. Expedition zu d. Sunda-Inseln durch, 1932 o. Prof. d. Botanik in Halle, 1946–66 in Mainz, Gründungsdekan d. naturwiss. Fak. ebd., Arbb. z. Morphol. u. Systematik d. Pflanzen, Vf. v. „Prakt. Einf. in d. Pflanzenmorphol.“ u. „Allg. Botanik“, 1933 Mitgl. d. Leopoldina, 1936–42 Schriftführer, Sekr. d. naturwiss. Abt., 1947 o. Mitgl. d. Heidelberger Ak. d. Wiss. (s. L);
    Berlin 1930 Elisabeth ( 1994), T d. Karl Kürschner, Min.rat, u. d. Margarethe Gottschalk;
    5 S Georg (1934–91), Petrograph, 1975 o. Prof. f. Mineral. an d. Univ. München (s. Kürschner, Gel.-Kal. 1987), Christian W. (* 1937), Jesuit, Theol., Islamwiss., 1976–88 Prof. f. islam. Stud. am Vidyajyoti Inst. in Neu-Delhi, 1988–93 in Birmingham, 1993–99 am Päpstl. Oriental. Inst. in Rom, seit 2001 Hon.prof. f. Islam u. christl.-muslim. Begegnung an d. Phil.Theol. Hochschule St. Georgen in Frankfurt/M. (s. FAZ v. 4. 10. 2006; Kürschner, Gel.-Kal. 2011), Valentin Carl Leonhard (1940–2010), Richard Josef Theodor (* 1945), Franz-Salesius Cassius (* 1948), 4 T Irene Regina (* 1932, Kristen Rohlfs, * 1930, Dr. rer. nat., o. Prof. f. Astrophysik in Bochum, s. Kürschner, Gel.-Kal. 1992), Maria Theresia (* 1935), Elisabeth Charlotte (* 1941), Margarete Louise (* 1943).

  • Leben

    T. besuchte nach der Lateinschule in Wasserburg seit 1912 das humanistische Gymnasium in Rosenheim und seit 1915 das Wilhelmsgymnasium in München. Gemeinsam mit seinem Bruder absolvierte er nach vierjährigem Kriegsdienst seit 1919 ein naturwissenschaftliches Studium, v. a. der Biologie, Geographie und Geologie, an der Univ. München, wo er von dem Botaniker Theodor Herzog (1880–1961) zur Pflanzenforschung geführt wurde. 1921 wurden T. und sein Bruder in Botanik bei Karl Ritter v. Goebel (1855–1932) zum Dr. phil. promoviert. Anschließend absolvierte T. das naturwissenschaftliche Staatsexamen für das Höhere Lehramt. 1922–27 Assistent des Polarforschers und Geographen Erich v. Drygalski|(1865–1949), unternahm er eine Nordlandreise mit glaziologischen und vegetationskundlichen Studien und habilitierte sich 1925 an der Univ. München für Geographie. Weitere Impulse gingen von dem Geographen Albrecht Penck (1858–1945) aus. Durch eine glazialmorphologische Kartierung am Inn um Rosenheim und einen photogrammetrischen Gletscherkurs bei Sebastian Finsterwalder (1861–1951) rundete T. seine Ausbildung für komplexe geowissenschaftliche Feldforschungen ab. Auf Empfehlung Pencks und Drygalskis bereiste er 1926–29 die Anden von Bolivien, Kolumbien, Ecuador, Peru und Nordchile. Die Forschungsergebnisse liegen in zwei topographisch-photogrammetrischen Aufnahmen mit Relief- und Vegetationskartierungen vor; 10 000 km Routenaufnahmen und 16 000 Herbarbögen mit 3400 Pflanzen bildeten die Basis für weitere Arbeiten. Die von T. erkannten Zusammenhänge zwischen Gestein, Relief, Böden und Vegetation im klimatischen Höhenwandel führten 1939 unter Nutzung von Luftbildern zur Begründung der Landschaftsökologie und zur dreidimensionalen Klimaklassifizierung (gedr. 1959); für die Tropen prägte er den Begriff des Tageszeitenklimas.

    Seit 1930 an der Univ. Berlin als Nachfolger von Fritz Jaeger (1881–1966) ao. Professor für Kolonial- und Überseegeographie, führte T. 1933/34 zusammen mit dem Geographen und Bergsteiger Karl Wien (1906–37) eine Expedition vom Roten Meer bis nach Südafrika durch. Neben der Vermessung des MountKenia-Gletschers und des Meru-Kraters sammelte T. neue Tropenerfahrung in der Wirtschafts- und Sozialgeographie. 1936 erhielt er den Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie an der Univ. Berlin. Als einziger Überlebender nach dem Lawinentod von 16 Teilnehmern setzte T. 1937 das wissenschaftliche Programm der Nanga-Parbat-Expedition erfolgreich fort und bereiste im Anschluß mit seinem Assistenten Rudolf Schottenloher (1911–44) das Hochland von Äthiopien.

    In kritischer Distanz zum NS-Regime stehend, ging T. 1938 als o. Professor und Direktor des Geographischen Instituts an die Univ. Bonn (Rektor 1960/61). Hier baute er seit 1939 das Konzept der Landschaftsökologie und die geowissenschaftliche Nutzung der Luftbildinterpretation und 1941 die zonal geordnete Vegetationsgeographie der Hochgebirge aus, schuf 1943 eine graphische Darstellung der Klimate der Erde und publizierte 1944 Arbeiten zur Periglazialmorphologie. 1947 begründete er mit „Erdkunde“ die neue führende bundesdt. Fachzeitschrift, als deren Herausgeber er bis 1963 fungierte. Gastprofessuren führten ihn nach Zürich (1947/48), Madison (Wisconsin, USA, 1953) und Rio de Janeiro (1956), längere Reisen nach Mexiko (1954), Thailand, Taiwan, Malaysia und in den Libanon. T. betreute 1930–74 ca. 300 Doktoranden. Im April 1966 ließ er sich emeritieren.

    T.s Konzept der wissenschaftlichen Geographie besteht im weltweiten Vergleich der Geofaktoren und der Erfassung der einzelnen Raumeinheiten als ökologisches Wirkungsgefüge in thematischen Karten. Dank seiner Befähigung zur Synopse gelang es ihm, die Beschaffenheit der Erde in ein ganzheitliches Weltbild einzufangen. Mit seinen neuartigen Themakarten hat er die Geographie national und international in Forschung und Lehre nachhaltig geprägt.

  • Auszeichnungen

    A Silberne Gustav-Nachtigal-Medaille d. Ges. f. Erdkde. z. Berlin (1928); Prinz-Ludwig-Medaille d. Geograph. Ges. München (1929); Eduard-VogelMedaille d. Ges. f. Erdkde. Leipzig (1935); Mitgl. d. Leopoldina (1937), d. Ak. d. Wiss. u. d. Lit. Mainz (1949, Leiter d. Komm. f. erdwiss. Forsch. seit 1950), d. World Ac. of Art and Science Rehovot (1963), d. Ac. Royale des Sciences et des Lettres de Danmark (1965) u. d. Ac. Internazionale Neocastrum (1969); Leiter d. Fachausschusses d. Geogr. d. DFG (1949–51) Erich-v.-Drygalski-Medaille d. Geograph. Ges. München (1944); korr. Mitgl. d. Bayer. Ak. d. Wiss. (1942), d. Österr. Ak. d. Wiss. (1955), d. Istituto Veneto Scienze Lettere et Arti Venezia (1960) u. d. Ac. Nacional de Geografia, Argentinien (1963); Carus-Medaille d. Leopoldina (1938); Goldene Vega-Medaille (1953); Karl-Sapper-Medaille d. Geograph. Ges. Würzburg f. Tropenforsch. (1955); Franz-v.-Hauer-Medaille d. Geograph. Ges. Wien (1956); Präs. d. Internat. Geographical Union (1960–64, Vizepräs. 1956–60 u. 1964–68); Orden El Sol del Peru (1959); Goldene Carl-Ritter-Medaille d. Ges. f. Erdkde. z. Berlin (1959); Goldene Martin-BehaimPlakette d. Fränk. Geograph. Ges. (1959); Goldene Victoria-Medal d. Royal Geographical Soc. London (1962); Goldene Mercator-Medaille d. Dt. Ges. f. Kartogr. (1962); Dr. sc. h. c. (Univ. Löwen 1963); Centennial-Medal d. Nat. Ac. of Sciences, Pretoria (1963); Albrecht-Penck-Medaille d. Dt. Quartärvereinigung (1964); Dr. phil. h. c. (Univ. Wien 1965); Pt. MadanMohan-Medal d. Nat. Geographical Soc. of India (1971); weitere 10 silberne Medaillen.

  • Werke

    W über 360 Abhh. u. Hh. (Gesamtverz. in 3 T.: Erdkde. 13, 1959, S. 252–58;
    ebd. 30, 1976, S. 7–9;
    Argumenta Geographica, FS z. 70. Geb.tag, S. 18–26);
    Die Entfaltungsbewegungen d. Blütenstiele u. ihre biolog. Bedeutung, in: Flora N. F. 115, 1922, S. 294–392 (Diss.);
    Der diluviale Inn- u. Chiemseegletscher, in: Forsch. z. dt. Landes- u. Volkskde. 23, H. 1, 1924;
    Die jungglazialen Schotterfluren im Umkreis d. dt. Alpen, ebd. 24, H. 4, 1926;
    Ozean. Züge im Pflanzenkleid Mitteleuropas, in: FS f. E. v. Drygalski, 1925, S. 307–35 (Habil.schr.);
    Die zentralen Anden, in: Zs. d. Ges. f. Erdkde. z. Berlin 63, 1928,|S. 92–118;
    Die Cordillera Real (Bolivien), ebd. 64, 1929, S. 279–312;
    Die Übersichtskarte d. Cordillera Real Boliviens, ebd. 66, 1931, S. 119–24 (mit Karte);
    Der Nanga Parbat als Ziel dt. Forsch., ebd. 73, 1938, S. 1–26;
    Luftbildplan u. ökolog. Bodenforsch., ebd. 74, 1939, S. 241–98;
    Die trop. Andenländer, in: Hdb. d. geogr. Wiss., Bd. Südamerika hg. v. F. Klute, 1930–32, S. 309–481;
    Das Pflanzenkleid d. Nanga Parbat, in: Veröff. d. Dt. Mus. f. Länderkde. z. Leipzig N. F. 7, 1939, S. 149–93 (mit Karte);
    Stud. z. vgl. Geogr. d. Hochgebirge d. Erde, in: Ber. d. Univ. Bonn, 1941, S. 49–96;
    Der Büßerschnee in d. Hochgebirgen d. Erde, Erg.-H. 210 z. Petermanns Geograph. Mitt., 1942;
    Die geograph. Wiss. in Dtld. 1933 bis 1945, in: Erdkde. 1, 1947, S. 1–48;
    Karte d. J.zeitenklimate d. Erde, ebd. 18, 1964, S. 5–28 (mit Karte);
    Die trop. Gebirge, ihre dreidimensionale klimat. u. pflanzengeograph. Zonierung, in: Bonner Geograph. Abhh. 25, 1959;
    Die Stellung d. Waldes in d. dt. Kultur- u. Wirtsch.landschaften, in: Schrr. d. Dt. Forstwirtsch.rates, 1962, S. 23–50;
    Die dreidimensionale Landschaftsgliederung d. Erde, in: H.-v.-Wissmann-FS, 1962, S. 54–80;
    Ökolog. Landschafts- u. vgl. Hochgebirgsforsch., in: Erdkundl. Wissen 11, 1966;
    Luftbildforsch. u. landeskundl. Forsch., ebd. 12, 1966;
    Autobiogr. Skizze, in: E. Böhm (Hg.), Forscher u. Gel., 1966, S. 223 f. (P);
    Hg.: Bonner Geogr. Abhh. (1947–66); Studium Generale, Zs. f. interdisziplinäre Stud. (1948–70); Colloquium Geographicum (1951–65); Erdwiss. Forsch. (1968–75); – Nachlaß: Archiv d. Geograph. Inst. d. Univ. Bonn (mit T.s Bibl.).

  • Literatur

    L F. Monheim (Hg.), Tagebücher d. Reisen in Bolivien 1926/27, 1958;
    ders., In memoriam C. T., 1980;
    H. Lautensach, in: Erdkde. 13, 1959, S. 245–58 (P;
    W-Verz.);
    H. Louis, in: Kartograph. Nachrr. 15, 1965, S. 16–19;
    E. Fisher u. a., in: A Question of Place, 1967, S. 115–20;
    R. E. Dickinson, in: The Makers of Modern Geography, 1969, S. 164–66;
    W. Lauer, Argumenta Geographica, FS C. T. z. 70. Geb.tag, 1970, S. 11–17 (P;
    W-Verz.);
    ders., C. T., Naturforscher u. Geograph, in: Erdkde. 30, 1976, S. 1–9;
    H. Beck, in: Geogr., Europ. Entwicklung in Texten u. Erll., 1973, S. 379–98;
    ders., in: Gr. Geographen, 1982, S. 103–20;
    H.-P. Höpfner, Die Univ. Bonn im Dritten Reich, Akad. Biogrr. unter nat.soz. Herrschaft, 1999, S. 436 f.;
    J. Huppertz, C. T. z. 100. Geb.tag, 1999, 3 2003;
    W. Tietze (Hg.), Westermanns Lex. d. Geogr., IV, 1970;
    Pogg. VII a;
    zu Wilhelm: G. Nickel, W. T. (1897–1978), Eine Biogr., 1996;
    Grabfeld 71, Professorengräber auf d. Mainzer Hauptfriedhof seit 1946, hg. v. M. Giebeler u. a., 2012, Nr. 17, S. 40 f.;
    Klimesch;
    Lex. Naturwiss.;
    Lex. bed. Naturwiss.;
    Lex. Bryologen; Personenlex. Drittes Reich.

  • Portraits

    P Photogrr. (Privatbes. u. Nachlaß)

  • Autor/in

    Werner Stams
  • Empfohlene Zitierweise

    Stams, Werner, "Troll, Carl" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 440-442 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118624067.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA