Wien, Karl
- Lebensdaten
- 1906 – 1937
- Geburtsort
- Würzburg
- Sterbeort
- Nanga Parbat (Nepal)
- Beruf/Funktion
- Geograph ; Bergsteiger ; Alpinist ; Geograf ; Fotograf
- Konfession
- evangelisch
- Normdaten
- GND: 1142192636 | OGND | VIAF: 296164464
- Namensvarianten
-
- Wien, Karlo
- Wien, Carlo
- Wien, Karl
- Wien, Karlo
- Wien, Carlo
- Wien, Carl
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Wien, Karl (Karlo, Carlo)
| Bergsteiger, Alpinist, * 10.9.1906 Würzburg, † 14./15.6.1937 Nanga Parbat (Nepal), ⚰ Nanga Parbat (Nepal).(evangelisch)
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Genealogie
V →Wilhelm (s. 1;
W);
M Luise Mehler;
– ledig;
Verwandter →Max (s. 2). -
Biographie
Nach dem Besuch von Schulen in Würzburg und seit 1920 des Wilhelms-Gymnasiums in München (Abitur 1924) studierte W. hier und in Heidelberg Physik und wurde 1930 in München mit der Arbeit „Über die Trennung der Funken- und Bogenlinien von Sauerstoff und Stickstoff im äußersten Ultraviolett“ (Ann. d. Physik 397, 1930, H. 5, S. 553–60) zum Dr. phil. promoviert. Seit 1931 war er als technischer Physiker in den Laboratorien der „Siemens & Halske A. G.“ in Berlin, seit 1934 als wiss. Mitarbeiter am Geodätischen Institut der TH Hannover tätig. Kurz vor seinem Tod reichte er in München seine (unveröff.) Habilitationsschrift „Beiträge zur Klimatologie des Roten-Meer-Gebietes“ ein. 1924 war W. mit seinem Freund →Willo Welzenbach (1899–1934) dem Akademischen Alpenverein München (AAVM) beigetreten, zu dessen antirepublikanischem, nationalistischem Lager er zählte und dessen Vorstand er 1924–28 zeitweise angehörte (Mitgl. d. NS-Lehrerbundes seit 1936, kein Mitgl. d. NSDAP). 1926 glückte ihm mit Welzenbach die Erstbegehung der Nordwand des Großglockners. Bergtouren führten ihn nach Afrika und in den Himalaja. Als Teilnehmer der Dt.-Sowjet. Alai-Pamir-Expedition gelang ihm 1928 an der Seite von →Eugen Allwein (1900–1982) und →Erwin Schneider (1906–1987) die Erstbesteigung des Pik Lenin (7134 m), dem höchsten bis dahin bestiegenen Berg. 1931 nahm W. unter Leitung seines Freundes →Paul Bauer (1896–1990) an der Kangchendzönga-Expedition teil, die erfolglos abgebrochen wurde. Nachdem 1934 Welzenbach, zwei weitere Bergsteiger und sechs Träger bei dem Versuch, den Nanga Parbat zu besteigen, tödlich verunglückt waren, wurde W. 1935 auf Vorschlag Bauers, der für den Dt. Reichsbund für Leibesübungen tätig war und 1936 Leiter der mit Unterstützung von Reichssportführer →Hans v. Tschammer und Osten (1887–1943) neugegründeten Dt. Himalaja-Stiftung wurde, mit der Leitung einer dritten dt. Nanga Parbat-Expedition beauftragt. Zu deren Vorbereitung nahm er 1936 an der Sikkim„Kundfahrt“ teil, während der ihm mit →Adolf Göttner (1914–1937) die Erstbesteigung des Siniolchu (6888 m) im „Westalpenstil“ (kleine Mannschaft ohne Träger) gelang.
Die im April 1937 begonnene Tour zum Nanga Parbat führte die zehnköpfige Gruppe, die von zwölf Trägern begleitet wurde, wie die Vorgängerunternehmung über die Nordflanke des Bergs (Rakhiotflanke). Sieben Bergsteiger – darunter W. – und neun Sherpas wurden in Lager IV (6185 m) in der Nacht auf den 15.6.1937 Opfer eines Lawinenabgangs von den Séracs des Rakhiot-Gletschers. Ihre Leichen wurden von einer Bergungsexpedition unter Führung Bauers im Juli 1937 geborgen. Ein weiterer dt. Anlauf, den Nanga Parbat zu bezwingen, scheiterte 1938. Noch 1937 wurden die getöteten Expeditionsteilnehmer in zwei Großveranstaltungen an der Univ. München und im Ufa-Palast Berlin wie gefallene Soldaten geehrt und fortan ideologisch vereinnahmt. Der Mythos, der Nanga Parbat sei „durch das Vermächtnis der Toten [ … ] unser Berg geworden“ (F. Nusser, in: Die Zeit v. 16.7.1953), wurde bis in die frühe Bundesrepublik kolportiert. Das Scheitern von W.s Expedition am „Schicksalsberg der Deutschen“ gilt bis heute als eines der schlimmsten alpinen Unglücke auf einem „8000er“.
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Auszeichnungen
|Prinz Ludwig Medaille d. Geogr. Ges. München.
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Werke
|Wilhelm Wien, Aus d. Leben u. Wirken e. Physikers, 1930 (Hg.);
H. Hartmann, Das Kantschtageb., 1934, bearb. Neuaufl. 1937 (Hg.);
zahlr. Art. in d. Zs. d. Dt. u. Österr. Alpenver.;
– Nachlaß u. Qu Zentrales Archiv d. Dt. Alpenver., München. -
Literatur
|P. Bauer, Auf Kundfahrt im Himalaja, Siniolchu u. Nanga Parbat, Tat u. Schicksal dt. Bergsteiger, 1937;
ders., Das Ringen um d. Nanga Parbat, 1856–1953, 1955;
ders., Wegbereiter f. d. Gipfelsiege v. heute, hg. v. d. Himalaja-Stiftung, 1987 (P);
H. Hartmann, Ziel Nanga Parbat, Tageb.bll. e. Himalaja-Expedition, 1938;
Dt. Himalaja-Stiftung, Nanga Parbat, Berg der Kameraden, Ber. d. dt. Himalaja-Expedition 1938, 1943;
H. Weyer u. N. G. Dyhrenfurth, Nanga Parbat, d. Schicksalsberg der Dt., 1980;
H. Schaefer, Die weiße Kathedrale, Abenteuer Nanga Parbat, 1987;
H. Zebhauser, Alpinismus im Hitlerstaat, Gedanken, Erinnerungen, Dok., 1998;
P. Mierau, Die Dt. Himalaja-Stiftung v. 1936 bis 1998, Ihre Gesch. u. ihre Expeditionen, 1999 (P);
ders., Nat.sozialist. Expeditionspol., 2006;
H. Höfler(Hg.), Nanga Parbat, Expeditionen z. „Schicksalsberg der Dt.“ 1934–1962, 2002 (P);
R.-P. Märtin, Nanga Parbat, Wahrheit u. Wahn d. Alpinismus, 2002, v. a. S. 175;
– Dok.film: Kampf um d. Himalaya, Kamera: F. Bechtold u. a., 1937/38. -
Porträts
|Ölgem. v. E. Lammert, 1931 (Archiv d. Österr. Alpenver., Innsbruck);
zahlr. Photogrr. (Zentrales Archiv d. Dt. Alpenver., München);
Bronzebüste auf Gedenkstele am Fam.grab (Waldfriedhof München-Großhadern). -
Autor/in
Stefan Jordan -
Zitierweise
Jordan, Stefan, "Wien, Karl (Karlo, Carlo)" in: Neue Deutsche Biographie 28 (2024), S. 84-85 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd1142192636.html#ndbcontent