Lebensdaten
1862 bis 1941
Geburtsort
Querfurt (Sachsen-Anhalt)
Sterbeort
Querfurt (Sachsen-Anhalt)
Beruf/Funktion
Dramatiker ; Schriftsteller ; Übersetzer
Konfession
-
Normdaten
GND: 118607871 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Holmsen, Bjarne P. (Pseudonym)
  • Bertram, Hans (Pseudonym)
  • Schlaf, Johannes
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Zitierweise

Schlaf, Johannes, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118607871.html [20.10.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand, Kaufm. in Qu., seit 1874 in Magdeburg;
    M Louise Henriette Riegelmann, aus Lauchstädt;
    Schw Margarete (1863–1947), führte 1904-37 S.s Haushalt; – ledig.

  • Leben

    S. wuchs in Querfurt überwiegend bei Verwandten, seit 1874 bei seinen Eltern in Magdeburg auf. Dort besuchte er das Domgymnasium und lernte seit 1882 in dem Schüler-Debattierklub „Bund der Lebendigen“ um Hermann Conradi (1862–90) die geistigen Strömungen seiner Zeit kennen, wobei ihn v. a. die Naturphilosophie Ernst Haeckels (1834–1919) prägte. Nach dem Abitur 1884 begann er in Halle mit dem Studium der Theologie und Germanistik, dann der Altphilologie und Philosophie. Seit 1885 in Berlin, lernte er im dortigen Literatenzirkel „Durch!“ Wegbereiter des Naturalismus kennen (u. a. Heinrich u. Julius Hart, Gerhart Hauptmann) und freundete sich mit Arno Holz (1863–1929) an, mit dem er nach Abbruch seines Studiums 1887 in Niederschönhausen zusammenlebte.

    Die in den Folgejahren zusammen mit Holz verfaßten Werke, v. a. der als Übersetzung fingierte, unter gemeinsamem Pseudonym veröffentlichte Prosaband „Papa Hamlet“ (1889, Neuausg. 1963) und das Drama „Die Familie Selicke“ (1890, 41892, Neuausg. 1966), sind frühe Beispiele des „konsequenten Naturalismus“. Sie hatten inhaltlich in der Schilderung sozialen Elends, formal im Versuch detailgenauer Wiedergabe der Wirklichkeit ohne Erzählerkommentar sowie durch die Verwendung dialektaler und umgangssprachlicher Wendungen u. a. für Max Halbe und Hauptmann Vorbildfunktion. Während sein Drama „Meister Oelze“ (1892, 31922, Neuausg. 1967) stilistisch noch in dieser Linie steht, wandte S. sich bald von der materialistischen und sozialen Programmatik des Naturalismus ab und religiös-naturmonistischen Vorstellungen zu, die in seinen erfolgreichen, das Landleben idyllisierenden, impressionistischen Prosaskizzen „In Dingsda“ (1892; 21900, P; 31912) und in der Prosalyrik „Frühling“ (1896, 21913) literarischen Niederschlag fanden. Nach einem Nervenzusammenbruch mußte S. sich seit 1893 einige Jahre in Heilanstalten behandeln lassen. Die Partnerschaft mit Holz zerbrach 1898 in einem Jahre andauernden, von beiden Seiten publizistisch geführten Streit um den größeren Anteil an den gemeinsam verfaßten Werken, den S. in den Romanen „Das dritte Reich“ (1900, 21903, überarb. 1923), „Der Kleine“ (1904) und „Der Prinz“ (2 Bde., 1908) verarbeitete, die aufgrund genauer Schilderungen des Berliner Milieus von zeitdokumentarischer Bedeutung sind.

    1904 nach Weimar übergesiedelt, wo er mit Paul Ernst (1866–1933) freundschaftlich verkehrte, beschäftigte S. sich zunehmend mit religiös-mystischen Fragen, versuchte ein geozentrisches Weltbild astronomisch zu begründen und geriet schließlich in weltanschauliche Nähe zum Nationalsozialismus. Von seinem Spätwerk fanden nur noch die naturalistische Erzählung „Miele“ (1920, Neuausg. 1960) und Fortsetzungen seiner „Dingsda“-Geschichten (Neues aus Dingsda, 1933) größere Aufmerksamkeit. Nahezu in Vergessenheit geraten, kehrte S. 1937 nach Querfurt zurück, wo er einem Schlaganfall erlag.

  • Auszeichnungen

    Gedenkstätte, Mus. Burg Querfurt (seit 1932); Mitgl. d. Preuß. Ak. d. Künste (1933).

  • Werke

    Weitere W Junge Leute, 1890;
    Her geschundene Pegasus, 1892 (mit A. Holz, Ill. v. S.);
    Neue Gleise, 1892 (Slg. d. mit A. Holz verfaßten Werke);
    Gertrud, 1898 (P);
    Novellen, 3 Bde., 1899-1901;
    Jesus u. Mirjam, 1901, 31921;
    Die Suchenden, 1902, 21903;
    Der „Fall“ Nietzsche, 1907;
    Am toten Punkt, 1909, überarb. 31922;
    Das absolute Individuum u. d. Vollendung d. Rel., 1910;
    Rel. u. Kosmos, 1911;
    Mieze, 1912, überarb. u. d. T. Ein freies Weib, 51922;
    Mutter Lise, 1917, überarb. 41930;
    Ausgew. Werke, 2 Bde, 1934/40;
    Aus meinem Leben, 1941 (Autobiogr., P);
    Überss.: W. Whitman, Grashalme, 1907, 21968;
    E. Verhaeren, Die hohen Rhythmen, 1912;
    P. Verlaine, Meine Gefängnisse, 1914;
    E. Zola, Germinal, 1923;
    ders., Mutter Erde, 1923;
    ders., Das Werk, 1924;
    H. de Balzac, Die Chouans, 1925;
    ders., Der Pfarrer v. Tours, 1925;
    Bibliogr.:
    F. Fink, J. S., Bibliogr., 1928;
    L. Hempe, J. S., Bibliogr., 1938; Schnittka, 1989 (s. L);|

  • Nachlaß

    Nachlaß: Mus. Burg Querfurt, StadtA Halle/Saale, Stadt- u. Landesbibl. Dortmund; Goethe-Schiller-Archiv Weimar.

  • Literatur

    A. Holz, J. S., Ein nothgedrungenes Kap., 1902, 21906;
    S. Lublinski, Holz u. S., Ein zweifelhaftes Kap. Lit.gesch., 1905;
    K. Rotermund, J. S., 1906;
    L. Bäte u. K. Meyer-Rotermund (Hg.), Das J. S.-Buch, 1922;
    dies., J. S., Leben u. Werk, 1932;
    E. Sander, J. S. u. d. naturalist. Drama, 1922;
    L. Bäte, Die Akte J. S., 1966;
    S. Berthold, Der sog. „Konsequente Naturalismus“ v. Arno Holz u. J. S., 1967;
    L. Jegensdorf, Die spekulative Deutung u. poet. Darst. d. Natur im Werk v. J. S., 1969;
    H. Scheuer, A. Holz im lit. Leben d. ausgehenden 19. Jh., 1971, bes. S. 90-140;
    H.-G. Brands, Theorie u. Stil d. sog. „Konsequenten Naturalismus“ v. Arno Holz u. J. S., 1978;
    I. Schnittka, Der Nachlaß J. S.s, Biogr., Bibliogr. u. Kommentar, 2 Bde., 1989 (W, L);
    G. Scheidweiler, Gestaltung u. Überwindung d. Dekadenz b. J. S., 1990;
    D. Kafitz, J. S., Weltanschauliche Totalität u. Wirklichkeitsblindheit, 1992 (W);
    R. G. Whitinger, J. S. and German naturalist drama, 1997;
    U. Erdmann, Vom Naturalismus z. NS?, 1997;
    ders., Die Querfurt-Skizzen v. J. S., 2004;
    Gedenktage d. mitteldt. Raumes, 1966, S. 12 f. (P), 1987, S. 133-36 (P), 1991, S. 58-62 (P);
    Rhdb.;
    KLL;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Killy;
    Metzler Autorenlex. (P);
    C. B. Sucher, Theaterlex., 21999;
    Mann f. Mann, hg. v. B. Hergemöller, 2001;
    Weimar Lex.;
    Magdeburger Biogr. Lex. (P).

  • Autor/in

    Thomas Diecks
  • Empfohlene Zitierweise

    Diecks, Thomas, "Schlaf, Johannes" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 21-22 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118607871.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA