Lebensdaten
um 1490 bis 1528
Sterbeort
Schwaz (Tirol)
Beruf/Funktion
Wiedertäufer
Konfession
katholisch,Wiedertäufer
Normdaten
GND: 129494194 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Schlaffer, Hans
  • Schlaffer, Johann

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Personen in der GND - Bekannte und Freunde

Verknüpfungen auf die Person andernorts

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Schlaffer, Hans, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd129494194.html [20.10.2019].

CC0

  • Leben

    Über Geburtsjahr, Herkunft und Ausbildung von S. sind keine Quellen bekannt. Nach eigenen Angaben soll er 1511 zum Priester in Oberösterreich geweiht worden sein und sein Amt „oft in angst und unfrid meines gwissen“ ausgeübt haben. Um 1522 geriet er unter den Einfluß reformatorischer Schriften und begann, in seiner Gemeinde das „lauter evangelion“ zu predigen. Als ihm dies untersagt wurde, stellte er auch das tägliche „meß lesen“ ein und legte kurz vor 1526 sein Priesteramt nieder. Er vertiefte sich in das Studium der Hl. Schrift, die er vorher kaum gelesen hatte, und wurde vorübergehend ev. Prediger auf Schloß Weinsberg bei Freistadt (Oberösterr.).

    Wann und unter welchen Umständen S. mit den Täufern in Berührung kam, ist nicht überliefert. Er selber äußerte in einem „Sendbrief“ (1528), daß er die Wiedertaufe zunächst bekämpft habe, dann aber von ihrer biblischen Rechtmäßigkeit überzeugt worden sei. Er schloß sich dem mystisch-apokalyptischen Täufertum an, wie es Hans Hut (um 1490–1527), eingeschränkt auch Hans Denck (1495–1527) propagierten. Da S. aus dem Land ob der Enns weichen mußte, wo er möglicherweise schon für das Täufertum gewirkt hatte, begab er sich auf Wanderschaft, missionierte und suchte 1527 persönliche Kontakte zu Hut, der sich zeitweise in der Gegend um Freistadt aufhielt, zu Denck und Ludwig Hätzer (um 1500–29) in Nürnberg, zu Jakob Wiedemann (vermutl. 1536 hingerichtet) und Jakob Kautz (um 1500-n. 1532) in Augsburg sowie zu Oswald Glaidt ( 1546) und Wolfgang Brandhuber ( 1529) in Regensburg. Ungewiß ist, ob er am Nikolsburger Streitgespräch zwischen Hut und Balthasar Hubmaier (1485–1528) im Frühjahr 1527 und an der Augsburger Märtyrersynode im Aug. 1527 teilnahm. Zu den Massentaufen Hubmaiers in Nikolsburg äußerte sich S. skeptisch und stellte sich hinter Hut.

    Seine wenigen Traktate, Sendbriefe, Gebete, Lieder und Bekenntnisse sind durchdrungen von der Vorstellung einer mystisch inspirierten Läuterung des Menschen und betonen den individuellen, moralisch rigiden Charakter der Frömmigkeit. Wie Hut unterstrich S. die Notwendigkeit des Leidens, in dem die Gnade Gottes allein erfahren werde („Evangelium aller Kreatur“). Anders als Hut verstärkte er aber den separatistischen Zug der christlichen Gemeinde und hielt sich von apokalyptischen Endzeitspekulationen fern. Mit Leonhard Schiemer ( 1528), einem ehemaligen Franziskaner, vertrat S. die gemäßigte, sich organisatorisch festigende, quietistische Richtung des oberdt. Täufertums. Beide wurden aufgegriffen, streng verhört, enthauptet und verbrannt, Schiemer in Rattenberg, S. gemeinsam mit anderen Täufern wenig später in Schwaz. Die Erinnerung an die Texte dieser Täufer lebte fort in der handschriftlich überlieferten Erbauungsliteratur der Hutterer und des Pilgram Marpeck-Kreises wie im „Ausbund“ (1583), einem Gesangbuch der Täufer.

  • Quellen

    Qu Außbund Etlicher schöner christl. Gesang, 1583; L. Müller (Hg.), Glaubenszeugnisse oberdt. Taufgesinnter, I, 1938 (Abdr. d. meisten Schrr. v. S.); G. Mecenseffy (Hg.), Qu. z. Gesch. d. Täufer, XI u. XIII: Österreich I u. II, 1964 u. 1972; H. Fast u. M. Rothkegel (Hg.), Das „Kunstbuch“ d. Jörg Probst Rotenfelder gen. Maler, Briefe u. Schrr. oberdt. Täufer 1527-1555, 2006.

  • Literatur

    ADB 31;
    W. Wiswedel, Bilder u. Führergestalten aus d. Täufertum, II, 1952, S. 191-201;
    G. Mecenseffy, Die Herkunft d. oberösterr. Täufertums, in: ARG 47, 1956, S. 252-59;
    W. O. Packull, Mysticism and the Early South German-Austrian Anabaptist Movement 1525-1531, 1977, S. 113-17 u. ö.;
    St. B. Boyd, Community as Sacrament in the Theology of H. S., in: Anabaptism Revisited, Essays on Anabaptist/Mennonite studies in honor of C. J. Dyck, hg. v. W. Klaassen, 1992, S. 50-64;
    ders., Jacob Kautz, Pilgram Marpeck, H. S., Leonhard Schiemer, in: A. Séguenny (Hg.), Bibliotheca Dissidentium, 1995, S. 33-117 (W-Verz.);
    Mennonit. Lex. IV;
    BBKL.

  • Autor/in

    Hans-Jürgen Goertz
  • Empfohlene Zitierweise

    Goertz, Hans-Jürgen, "Schlaffer, Hans" in: Neue Deutsche Biographie 23 (2007), S. 22-23 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129494194.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Schlaffer: Hans S. gehört zu den Wortführern und Märtyrern der sogenannten Täufergemeinden im ersten Jahrzehnt der Reformation und hat als solcher unter den Taufgesinnten aller Jahrhunderte in Ansehen gestanden. Wir kennen sein Geburtsjahr nicht und wissen aus seiner früheren Lebenszeit nur, daß er seit 1511 Priester war und vor seinem Austritt aus der römischen Kirche in Oberösterreich wirkte. Er erzählt selbst, daß ihm, als er anfing, das „lautere Evangelium“ von der Kanzel zu verkünden, das Predigen untersagt worden sei. Nach seiner Entfernung von seinem Amt fand er zunächst Zuflucht bei den Herren v. Zelking, die damals Besitzer von Kefermarkt bei Freistadt in Oberösterreich waren. Wir wissen nicht, durch wessen Vermittelung er mit den damaligen Führern der „Gemeinden Christi“ — denn so pflegten sich die sogenannten Täufer selbst zu nennen — in Beziehung getreten ist; jedenfalls erzählt er selbst, daß er in Nürnberg den Ludwig Hätzer und Hans Denck kennen gelernt habe und nennt sie zwei „treffliche in Gott gelahrte Männer“. Diese Zusammenkunft kann nur im J. 1524 stattgefunden haben, wo auch Hut in Nürnberg bei Denck war. Von da an sehen wir S., der ein gelehrter und in Wort und Schrift geübter Mann war, in naher Berührung mit vielen Wortführern dieser Richtung. In Regensburg verkehrte er mit Wolfgang Brandhuber, der früher Pfarrer zu Linz gewesen war; in Augsburg nahm er im August 1527 an der größeren Versammlung der süddeutschen, schweizerischen und österreichischen Täufer theil und verkehrte dort mit Jacob Kautz, Sigm. Hofer, Jac. Widemann, Hans Hut u. A. Auch bei den Verhandlungen, die in demselben Jahre zwischen Hubmaier und Hut zu Nicolsburg stattfanden, war er zugegen. Im Geleite des Ulrich Moser, der für die Fugger Krüge nach Tirol führte, zog er ebendorthin, um seine Verwandten zu besuchen und in den Tiroler Gemeinden zu predigen; bei dieser Gelegenheit wurde er am 6. December 1527 verhaftet und auf die Feste Frundsberg gebracht. Sein Proceß schloß am 20. Januar 1528 mit dem Befehl der Regierung, über ihn und seinen Mitgefangenen Leonh. Frick „das Recht ergehen zu lassen"; am 4. Februar 1528 wurde das Urtheil zu Schwatz vollzogen und die Gefangenen mit dem Schwert gerichtet. — Wir kennen von S. sieben, meist kleine Schriften, Trostbriefe, Gebete, Bekenntnisse und Tractate, und zwei Lieder. „Dieselben scheinen damals meist handschriftlich verbreitet worden zu sein, wie das in diesen verfolgten Gemeinden sehr häufig der Fall war; nur von einem seiner Lieder kennen wir einen gleichzeitigen Druck.

    • Literatur

      Ottius, Annales Anab. Basel 1672, S. 46. — Beck. Geschichtsbücher der Wiedertäufer in Oesterreich-Ungarn. 1883. S. 60, 63 und 651 ff. —
      v. Braght, Martelarspiegel II, 14 ff. Amsterdam 1680. —
      Jäkel, Zur Gesch. der Wiedert. in Oberösterreich (47. Jahresb. des Museum Franc.-Car. zu Linz), 1889. S. 37 f., 61 f. —
      Will, Beiträge zur Gesch. d. Antibaptismus. 1773. S. 30. —
      Goedeke, Grundriß d. deutsch. Nat.-Lit.² II, 243. — Wackernagel, Kirchen-Lied III, 479.

  • Autor/in

    Ludwig Keller.
  • Empfohlene Zitierweise

    Keller, Ludwig, "Schlaffer, Hans" in: Allgemeine Deutsche Biographie 31 (1890), S. 325-326 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd129494194.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA