Lebensdaten
1747 bis 1822
Geburtsort
Weimar
Sterbeort
Weimar
Beruf/Funktion
Verleger ; Schriftsteller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118510169 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Bertuch, Friedrich Justin
  • B.
  • B., F. J.
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Zitierweise

Bertuch, Friedrich Justin, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118510169.html [26.09.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Justinus (1718–52), Arzt in Weimar, S des Justinus (1677–1718), Pfarrer in Buttelstedt, und der Joh. Sophia Ferber;
    M Christina Rosina verwitwete Slevoigt (1713–62), T des Weimarer Amtmanns und Stadtrichters Johann Ehrenfried Bürger und der Dorothea Rosina Kromayer;
    B eines Vorfahren Justin Bertuchs (1564–1616), Rektor in Schulpforta, Verfasser eines Chronicon Portense (Leipzig 1612, deutsch 1734);
    1776 Frieder. Elisabeth Slevoigt ( 1810), T eines Forstmanns in Waldeck bei Jena;
    S Karl (1777–1815), ein von Goethe hochgeschätzter Freund von Kunst und Wissenschaft, der im Industriecomptoir seines Vaters als Herausgeber und Mitarbeiter der Zeitschriften „London und Paris“, „Journal des Luxus und der Moden“ und des „Bilderbuchs für Kinder“ mitwirkte und auf dem Wiener Kongreß seinen Vater vertrat;
    T Charlotte (1779–1839, 1801 Ludwig Friedrich von Froriep, 1779–1847, Professor der Medizin);
    E Robert Froriep (1804–61), Professor der Medizin in Berlin, übernahm von seinem Vater 1845-55 die Leitung des Bertuchschen Landesindustriecomptoirs in Weimar.

  • Leben

    B. wurde nach Weimarer Gymnasial- und theologischen sowie juristischen Studienjahren in Jena, wo er sich den späteren Göttinger Hainbündler H. Ch. Boie zum Freunde gewann, 1769-73 Hauslehrer bei dem im Altenburgischen lebenden Freiherr Ludwig Heinrich Bachoff von Echt, dessen Neigung zur spanischen Literatur auch auf ihn überging. Nach seiner Rückkehr nach Weimar (1775) wurde er Kabinettssekretär und Verwalter der herzoglichen Privatschatulle, elf Jahre später Legationsrat; im Juli 1796 zog er sich ins Privatleben zurück, um sich ungeteilt der Fülle der verschiedenen Unternehmungen zu widmen, die er inzwischen begründet hatte. In kurzer Zeit|hatte sich dieser glänzende industriöse Kopf zum ersten Weimarer Buchhändler, besonders auf dem Gebiet des Zeitschriftenwesens, hinaufgearbeitet. Vom Herbst 1782 bis Mitte 1786 war B. Teilhaber und Mitredakteur an Wielands „Teutschem Merkur“, rief 1785 die „Allgemeine Literatur-Zeitung“ und im nächsten Jahr das kulturgeschichtlich wichtige „Journal der Moden“ (unter wechselndem Titel bis 1827 erschienen) nach dem Muster des „Cabinet des Modes“ ins Leben und verpflanzte damit den Typ der eleganten Moden- und Kunstgewerbezeitschrift nach Deutschland. 1790 schuf er das Weimarische Landesindustriecomptoir, das sich ursprünglich das Ziel gesetzt hatte, die Einfuhr fremder Luxusgüter durch Erschließung der landeseigenen natürlichen Schätze und durch Hebung des nationalen Kunstfleißes zu verdrängen, aber schließlich vornehmlich in ein Verlagsgeschäft gemündet war, von dem 1804 das Geographische Institut als selbständiges Unternehmen abgezweigt wurde. Diese und andere literarische Gründungen, meist im Rahmen des Industriecomptoirs, die sich auch auf das Gebiet des Forstwesens, der Ethnographie, der Politik, der Jugendbildung, des Kupferstichs und des Spielkartendrucks erstreckten, sowie sein Kampf gegen den Nachdruck gewannen ihm die Wertschätzung der deutschen Buchhändler, die ihn 1814 mit dem ehrenden Auftrag betrauten, zusammen mit Cotta auf dem Wiener Kongreß die Interessen des Buchhandels gegen den Raubdruck wahrzunehmen und für Pressefreiheit einzutreten; aus Gesundheitsgründen mußte B. freilich seinen Sohn Karl, der seit 1804 sein Geschäftsteilhaber war, nach Wien entsenden. B.s weitgespannte kaufmännische Interessen führten zur Anlage einiger Kohlengruben und Eisenwerke in Franken und zur Übernahme der Kronacher Saline, die indessen ein Verlustgeschäft ergaben. Als leidenschaftlicher Gartenfreund - er ist der Urheber des Schrebergartengedankens - arbeitete er gemeinschaftlich mit Goethe die Entwürfe für den Weimarer Park aus. Bei allen diesen Unternehmungen wirkte sich sowohl sein kaufmännischer Sinn wie das gemeinnützige Ethos der Freimaurerei aus. B. war seit Ende Dezember 1776 Mitglied der Weimarer Loge Amalia, die er bei der Neukonstituierung 1808 als Meister vom Stuhl an das deutsche System der Hamburger Großloge anschloß. Vielschichtig wie seine geschäftlichen Unternehmungen war auch die literarische Tätigkeit B.s. Als Dichter schaffte er aus zweiter Hand; er ist weitgehend (nach Goethes Wort) ein „Zögling Wielands“, ein Chorist der Anakreontik und Schüler der zeitgenössischen Romanzendichtung. Das beste seiner eigenen Werke ist das damals vielbeachtete Trauerspiel „Elfriede“ (Erstaufführung 1773). Die modische Vorliebe für das Feenmärchen veranlaßte ihn zur Herausgabe der „Blauen Bibliothek“ (1790); die ursprünglich umfassender angelegte Sammlung beschränkte sich im wesentlichen auf die Übersetzung französischer Märchen - erst mit dem fünften der insgesamt zwölf Bände (1791 ff.) traten die Märchen der Tausendundeinen Nacht in den Vordergrund. Seine Bemühungen um Hans Sachs (1778) scheiterten an der Interesselosigkeit des Publikums.

    B.s verdienstlichste literarische Leistung lag auf dem Felde der Übersetzung spanischer Dichtwerke, durch die er die Aufmerksamkeit der deutschen Leserschaft auf diese bisher wenig bekannte Literatur lenkte. Wieland bestärkte ihn darin. 1775-77 kam B.s Übersetzung von Cervantes' „Don Quijote“ in sechs Bänden heraus; es war die erste vollständige Übertragung. Freilich hat sich B. manche Eingriffe erlaubt: er zieht zugunsten eines lebhafteren Handlungsgefälles zusammen, profiliert die komischen Züge schärfer und gießt die Verseinlagen in eine papierne, sprachlich und metrisch unzulängliche Form - aber sie war, trotz aller Verzeichnungen und Mängel, die Übersetzung, nach der sich der Klassizismus und die Romantik in ihren Anfängen ihr Cervantesbild formten. Seitdem galt B. als die unbestrittene Autorität in Fragen der spanischen Dichtung, ein Ruf, der sich noch verstärkte durch sein „Magazin der spanischen und portugiesischen Literatur“ (3 Bände, 1780–82). Zusammen mit dem „Magazin der italienischen Literatur und Künste“ des Weimarer Bibliothekars Ch. J. Jagemann (1780–85) zeigt B.s Zeitschrift eindrucksvoll, wie sich hier in Weimar der Begriff der Weltliteratur nunmehr erweitert auch auf die südromanische Dichtung. Schließlich mag hier noch zur Abrundung des Bildes der Begründung politischer Zeitschriften gedacht werden, an denen B. außer dem verlegerischen auch einen redaktionellen Anteil hatte: der interessanten literarisch-politischen Zeitschrift „London und Paris“ (1798 bis 1815 unter wechselndem Titel), der wichtigen Ludenschen „Nemesis“ (1814-18) und des vielbeachteten Weimarer „Oppositionsblattes“ (1817-20), das allerdings schon bald den in Karlsbad beschlossenen Pressebeschränkungen erlag.

  • Werke

    Briefwechsel mit J. H. Merck, in: Goethe-Jb. 31, 1910, S. 6 ff.;
    Kat. d. Slg. Kippenberg III, 21928 (P);
    Frels; umfangreicher lit. Nachlaß im Goethe- u. Schillerarchiv in Weimar.

  • Literatur

    ADB II;
    W. Feldmann, F. J. B., Diss. Freiburg i. Br. 1902 (W, genealog. nicht ganz zuverlässig);
    H. Wahl, Gesch. d. Teutschen Merkur, in: Palästra, Bd. 127, 1914, S. 160 ff.;
    ders., Wieland u. d. Allg. Lit.-Ztg., in: Jb. d. Goethe-Ges. 19, 1933, S. 167 ff.;
    Goedeke IV/1, 1916, S. 678 f. (W. nicht alles hieb- u. stichfest), IV/4, 1913 (Register);
    B. Kronacher, B.s Don-Quijote-Übers., Diss. München 1923 (ungedr.), Auszug 1924;
    W. Tröge, Die B.s in Bad Tennstedt…, in: Thüringer Heimatbll. 5, 1928, S. 36 ff., 327 ff.;
    F. Fink, F. J. B., d. Schöpfer d. Landes-Industrie-Comptoires, in: Börsenbl. f. d. dt. Buchhandel 97, 1930, S. 32 ff.;
    ders., Persönlichkeiten d. klass. Weimar, H. 1, = Btrr. z. Gesch. d. Stadt Weimar, H. 35/36, = Nebenfiguren d. klass. Zeit in Weimar, Nr. 1, 1935;
    E. Riggert, Die Zs. „London u. Paris“, Diss. Göttingen 1934;
    H. K. Meyer, Die Vorfahren d. F. J. B., in: Die Thüringer Sippe, Beil. z. Thüringer Fähnlein 2, 1936, S. 83 ff.;
    K. d'Ester, Hdb. d. Ztg.wiss., hrsg. v. W. Heide, I, 1940, S. 505 ff.;
    A. v. Heinemann, F. J. B., 1950. - Zu S Karl B.: ADB XLVII.

  • Portraits

    Gem. v. J. F. A. Tischbein, 1796 (Gleimhaus, Halberstadt);
    s. a. Singer I.

  • Autor/in

    Kurt Schreinert
  • Empfohlene Zitierweise

    Schreinert, Kurt, "Bertuch, Friedrich Justin" in: Neue Deutsche Biographie 2 (1955), S. 171-173 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118510169.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Bertuch: Friedrich Justin B., hervorragender Buchhändler und Schriftsteller, geb. 30. Sept. 1747 in Weimar, gestorben ebendaselbst 30. April 1822. B. studirte zuerst in Jena Theologie, nachher die Rechtswissenschaft und übernahm im J. 1769 das Amt eines Erziehers der beiden Söhne des Freiherrn Bachof von Echt, früheren dänischen Gesandten in Spanien. Durch diesen wurde B. mit der spanischen Sprache bekannt und zu einigen Uebersetzungen verschiedener Meisterwerke der spanischen Litteratur in das Deutsche veranlaßt, von denen der Don Quixote von Cervantes mit der Fortsetzung von Avellaneda, Leipzig 1775—76, 6 Bände, den meisten Anklang fand. 1775 zum Geheim-Secretär des Herzogs Karl August ernannt, unterhielt B. als solcher die intimsten Beziehungen zu den hervorragenden Größen jener berühmten Litteraturepoche, wie Goethe u. A.; er war auch Mitarbeiter an Wieland's Deutschem Merkur und entwarf, zusammen mit Wieland und Schütz, den Plan der „Jenaischen allgemeinen Litteraturzeitung“, welche 1785 ins Leben trat, und deren eifrigster Mitarbeiter B. bis 1805 war. Im J. 1789 gründete er in Weimar das „Industrie-Comptoir“, in der Absicht, vermittelst dessen die verschiedensten Erzeugnisse vaterländischer Industrie nach auswärts zu vertreiben; dieser groß gedachte Plan scheiterte jedoch an der Ungunst der Verhältnisse, so daß B. sich bald genöthigt sah, die Thätigkeit seines Institutes lediglich auf den Verlagsbuchhandel, als eine von zeitlichen und örtlichen Verhältnissen ziemlich unabhängige Industrie, zu beschränken. Aus dem Staatsdienste 1802 ausgetreten, widmete B. nunmehr seine ganze Kraft dem Buchhandel, nahm für seine Anstalt die Firma „Landes-Industrie-Comptoir“ an, zweigte 1804 eine besondere Abtheilung unter der Firma „Geographisches Institut“ davon ab, und leistete nun, namentlich auf dem Gebiete der Geographie und der Kartographie, als Verleger ganz Hervorragendes. Der von ihm ins Leben gerufene große Weiland'sche Atlas steht heute noch in wohlverdientem Ansehen, die in den Jahren 1798—1824 von B. im Verein mit Zach, Gasparini, Ehrmann u. A. herausgegebenen „Geographischen Ephemeriden“ haben der Wissenschaft viel genützt, auch hatte das von ihm 1790 begonnene bedeutende pädagogische Unternehmen, das „Bilderbuch für Kinder“, 12 Bände in Quart, mit 1185 color. Kupfertafeln, beim Erscheinen einen großen Einfluß, den es lange behauptet hat. Schließlich sei auch noch erwähnt, daß B. die erste deutsche Modenzeitung gegründet hat, das von 1786—1827 erschienene „Journal des Luxus und der Moden“, ein Blatt, welches heute noch als Spiegelbild von Cultur und Sitte aus der Zeit der französischen Revolution und des Kaiserreiches ein Interesse beanspruchen kann. Mühlbrecht.

    Die Verwaltung, des Landes-Industrie-Comptoirs hatte B. bereits im J. 1818 in die Hände seines Schwiegersohnes Ludwig Friedrich v. Froriep (geb. 1779, gest. 1847) gegeben. Dieser hatte in den Jahren 1801—1814 nach einander in Jena, Halle und Tübingen die Professur der Chirurgie und Geburtshülfe, von 1814—16 die Stelle des königlichen Leibarztes zu Stuttgart bekleidet und war von letzterem Orte nach Weimar übersiedelnd hier in die Stellung eines großherzogl. Obermedicinalrathes eingetreten. Er leitete das Verlagsgeschäft und geographische Institut 27 Jahre hindurch, setzte die von B. gegründeten periodisch erscheinenden Werke fort, wie: die „Geographischen Ephemeriden" bis 1832, die „Bibliothek der Reisebeschreibungen" bis 1835, das „Gartenmagazin" bis 1828 etc., und rief zahlreiche neue literarische Unternehmungen ins Leben, unter welchen hervorzuheben sind: die „Chirurgischen Kupfertafeln", die „Klinische Handbibliothek", das „Chemische Laboratorium“, die „Universal-Pharmakopie“, der „Handwerker und Künstler“ und ganz besonders die „Notizen aus dem Gebiete der Natur- und Heilkunde“. Gleichwol zeigte es|sich, daß Froriep mehr Gelehrter als Kaufmann war, und als er im J. 1845 schwer erkrankte, sah sich sein Sohn Robert Froriep (geb. 1804, gest. 1861) genöthigt, seine Laufbahn in Berlin, wo er seit 1832 Professor an der Universität und seit 1833 als Medicinalrath in der wissenschaftlichen Deputation des Ministeriums der Medicinal-Angelegenheiten war, abzubrechen und das in schwierigen Verhältnissen befindliche Landes-Industrie-Comptoir zu übernehmen. Sein ganzes Streben ging nun dahin, das Geschäft ohne Verlust für Andere zu veräußern, und dies gelang ihm im J. 1855. Aber auch unter der Leitung der verschiedenen namhaften Firmen, an welche die Anstalt nach einander überging, erhob sie sich nicht wieder zur früheren Höhe und Bedeutung, sie wurde parcellirt und heute besteht nur noch das Geographische Institut, welches seit dem J. 1868 sich im Besitze des Dr. C. Arndt befindet und an diesem einen sehr tüchtigen Director erhalten hat.

  • Autor/in

    A. Froriep.
  • Empfohlene Zitierweise

    Mühlbrecht, Otto, "Bertuch, Friedrich Justin" in: Allgemeine Deutsche Biographie 2 (1875), S. 552 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118510169.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA