Lebensdaten
erwähnt 1195, gestorben 1221
Beruf/Funktion
Markgraf von Meißen und der Ostmark
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 115803424 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Dietrich
  • Dietrich der Bedrängte von Meißen
  • Dietrich II.
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Zitierweise

Dietrich der Bedrängte, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd115803424.html [16.11.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Otto der Reiche ( 1190), Mgf. v. Meißen, S des Konrad ( 1157);
    M Hedwig, T Albrechts des Bären ( 1170, s. NDB I);
    B Albrecht ( 1195), Mgf. v. Meißen (s. NDB I);
    ⚭ Jutta ( 1235, 2) 1223 Gf. Poppo XIII. v. Henneberg), T des Landgrafen Hermann I. v. Thüringen ( 1217);
    K Heinrich der Erlauchte ( 1288), Mgf. v. Meißen, Heinrich ( 1259), Dompropst v. Meißen, Hedwig ( v. 1249, ⚭ Dietrich V. v. Cleve [1202–60]), Sophia ( 1280, Gf. Heinrich VIII. v. Henneberg); illegitimer Sohn Dietrich ( 1272), Bischof v. Naumburg (s. NDB III).

  • Leben

    Markgraf Konrad hatte die wettinische Hausmacht begründet, sein Nachfolger Otto sie vergrößert und gefestigt, aber in den letzten Lebensjahren Ottos wurde sie durch Fehden erschüttert, die sein ältester Sohn Albrecht gegen ihn und den Bruder D. führte. Ansehnlicher Allodialbesitz bildete die Grundlage für den Aufstieg dieses Geschlechtes, die eigentliche Machtbasis stellte aber die Mark Meißen dar. Mit dem Entschluß Kaiser Heinrichs VI., dieses Reichslehen nach dem Tode Albrechts (1195) nicht an D. zu übertragen, sondern zum unmittelbaren Reichsbesitz zu ziehen, schien die Macht der Wettiner gebrochen. D. war Teilnehmer am Kreuzzug seines Schwiegervaters, des Landgrafen Hermann von Thüringen, gehörte zu den Mitbegründern des Deutschen Ordens, kehrte aber nach Heinrichs VI. Hinscheiden in die Heimat zurück und konnte sich, obwohl ihm nur noch Eigengüter um Weißenfels zustanden, sofort in den Besitz der Meißner Mark setzen. Geschickter Wechsel in der Parteinahme für die Könige Philipp,|Otto und Friedrich II. ermöglichte es ihm, seine Stellung zu behaupten. Als 1210 nach dem Aussterben der Groitzscher Seitenlinie seines Geschlechtes die Ostmark (Niederlausitz) an ihn fiel, war die Abrundung des wettinischen Besitzes in dem Ausmaße abgeschlossen, wie ihn Markgraf Konrad einstmals zusammengefügt hatte. Ein tatkräftiger Förderer der Städte, gehen Neugründungen (Dresden vor 1216, Groitzsch) und Erweiterungen älterer Märkte (Freiberg, Meißen, Zwickau, Rochlitz und andere Plätze) auf ihn zurück. Die Landesverwaltung erhielt mit den Vogteien überhaupt erst eine feste Grundlage, und die Inanspruchnahme landesherrschaftlicher Rechte wurde mit Gewalt durchgesetzt, wenn sich Widerstand dagegen erhob (Leipzig 1216). Mit Recht gilt D. als neuer Begründer der wettinischen Territorialmacht.

  • Literatur

    ADB V;
    O. Siegismund, D. d. Bedrängte, Mgf. v. Meißen u. d. Ostmark, in: Mitt. d. Kgl. sächs. Altertums-Ver. 26/27, 1877;
    R. Kötzschke, Mgf. D. v. Meißen als Förderer d. Städtebaues, in: NA f. sächs. Gesch. 45, 1924, S. 7-46;
    ders. u. H. Kretzschmar, Sächs. Gesch. I, 1935;
    H. Helbig, Der Wettin. Ständestaat, 1955.

  • Autor/in

    Herbert Helbig
  • Empfohlene Zitierweise

    Helbig, Herbert, "Dietrich der Bedrängte" in: Neue Deutsche Biographie 3 (1957), S. 680 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115803424.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Dietrich der Bedrängte, jüngerer Sohn des Markgrafen Otto von Meißen, wurde dadurch, daß auf Betrieb seiner Mutter Hedwig sein Vater ihm statt dem älteren Sohne Albrecht die Nachfolge in der Mark zuwenden wollte, der Anlaß zu der zwischen letzterem und dem Vater ausbrechenden Fehde. Da er bei Otto's Tode, nicht zufrieden mit dem ihm zufallenden Erbtheil, Weißenfels nebst etlichen anderen Gütern, auch auf die väterliche Fürstenwürde — mit welchem Rechte|ist nicht ersichtlich — Anspruch machte, so erneuerte sich der Krieg zwischen den Brüdern, für welchen sich D. die Unterstützung des Landgrafen Hermann I. von Thüringen gewann, indem er sich mit dessen neunjähriger Tochter Jutta verlobte. Während dann nach Albrechts frühem Tode Kaiser Heinrich VI. die Mark Meißen als heimgefallenes Lehen einzog, betheiligte sich D. an dem von seinem Schwiegervater und anderen Fürsten unternommenen Kreuzzuge, bis ihn die Nachricht von des Kaisers Tode heimrief. Philipp von Schwaben bestätigte ihn in deren Besitz und gewann dadurch nicht nur Dietrichs Stimme bei der Wahl, sondern auch für die Folgezeit an ihm einen verhältnißmäßig treuen Bundesgenossen, daher auch Walther v. d. Vogelweide die Treue des Meißners besonders preist. Erst nach Philipps Tode erkannte auch er Otto IV. an, schloß sich zwar, sobald Friedrich II. in Deutschland erschien, diesem an, trat aber schon 1212 in Frankfurt zu Otto zurück, wogegen sich dieser verbindlich machte, Böhmen dem König Ottokar abzusprechen und es Wratislaw, dem Sohne von dessen verstoßener Gemahlin Adela und Dietrichs Neffen, zu geben. Er half Otto Weißensee belagern, kehrte aber doch 1213 zu Friedrich zurück. Der Versuch, seine Rechte über Leipzig, welches die Markgrafen bislang nur als bischöflich merseburgisches Lehen besessen hatten, zu erweitern, verwickelte ihn in eine Fehde mit der Stadt und dem osterländischen Adel, der sich mit der welfischen Partei in Einverständniß setzte. Mit Hülfe des aus Metz herbeieilenden Königs Friedrich gelang es ihm, Leipzig zur Unterwerfung zu bringen; am 15. Juli 1216 schloß er mit der Stadt einen Sühnvertrag, welcher deren Rechte anerkannte. Aber bald nach seiner Rückkehr von einer vergeblichen Belagerung von Aken bemächtigte er sich der Stadt durch Verrath, beraubte sie eines Theils ihrer Freiheiten, ihrer Befestigungen und sicherte die markgräfliche Lehensherrlichkeit durch Erbauung dreier Schlösser. Auch mit den welfisch gesinnten Geistlichen seiner Nachbarschaft, namentlich dem Erzbischof Albrecht von Magdeburg und dem Bischof Ekkard von Merseburg, lag er in vielfachen Händeln, ebenso mit dem Abt Siegfried von Pegau über die Vogtei dieses Klosters. D. am 17. Febr. 1221 mit Hinterlassung von drei Söhnen, Dietrich, Bischof zu Naumburg, Heinrich, Dompropst zu Meißen, 31. Juli 1259 und Markgraf Heinrich d. Erlauchten, sowie von zwei Töchtern, Hedwig, Gemahlin Dietrichs V. von Cleve, und Sophia, Gemahlin Heinrichs VIII. von Henneberg.

    • Literatur

      Böttiger, Geschichte des Königreiches Sachsen, Bd. I, 163 ff. (2. Auflage, bearbeitet von Flathe).

  • Autor/in

    Flathe.
  • Empfohlene Zitierweise

    Flathe, Heinrich Theodor, "Dietrich der Bedrängte" in: Allgemeine Deutsche Biographie 5 (1877), S. 186-187 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd115803424.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA