Lebensdaten
1789 bis 1845
Geburtsort
Lahr (Schwarzwald)
Sterbeort
Bümpliz (Kanton Bern)
Beruf/Funktion
Jurist ; Publizist ; Politiker ; Journalist
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118828460 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siebenpfeiffer, Philipp Jakob
  • Siebenpfeiffer, Ph. J.
  • Siebenpfeiffer, Phil. Jakob
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Zitierweise

Siebenpfeiffer, Philipp Jakob, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118828460.html [19.09.2019].

CC0

  • Genealogie

    Die „Lahrer S.“ stammen aus d. Saarbrücker Raum u. betrieben vielfach d. Schneiderhandwerk;
    V Philipp Jakob (1761–99), Schneidermeister in L., S d. Johann Theobald (1731–66), aus L., u. d. Catharina Salome Herold;
    M Catharina Dorothea Bittenbring (1764–1799), T e. Kaminfegers u. Stadtprocurators; Tante Catharina Salome (1758–1836, ⚭ Christian Rost, Schneidermeister in L.);
    Bern um 1825 Emilie (1790–1835), T d. Johann Maria Weißegger v. Weißeneck (Ps. Neuberger) (1755–1817, erbländ. Adel mit Prädikat „v. Weißeneck“ 1804), aus Riegersburg (Untersteiermark), Schriftst., Hist., o. Prof. d. Natur-, allg. Staats-, Völker- u. peinl. Rechts in Freiburg (Br.) (s. Wurzbach; Killy);
    1 T Cornelia (1826–87, Johann Grund, 1808–87, Historien-, Genre- u. Bildnismaler, bad. Hofmaler, s. ThB, B d. Franz Grund, 1804–63, Journ. in d. USA, s. NDB VII);
    Vt Johannes Friedrich Rost, 1848/49 Hg. d. „Lahrer Hinkenden Boten“.

  • Leben

    Seit 1799 Vollwaise, wuchs S. bei seiner Tante Catharina Salome Rost in Lahr auf. Nach der Lateinschule besuchte er das Pädagogium in Lahr und arbeitete seit 1808 in der Verwaltung der Rentkammer Freiburg (Br.). Durch seine Tätigkeit als Steuercommissär in Gengenbach seit 1811 finanzierte S. sein nebenberufliches Studium der Rechtswissenschaften an der Univ. Freiburg (1. jur. Staatsexamen u. Dr. iur. 1813), wo ihn Karl v. Rotteck (1775–1840) nachhaltig prägte. Anschließend begann er ein „Wanderleben“ in der bayer.-österr. Verwaltung in Kreuznach, Trier, Ottweiler, Speyer, Landau und Frankenthal. Nach der Zuordnung des linkrhein. Gebiets an das Kgr. Bayern 1816 wurde S. 1818 Landcommissär des neuen Landcommissariats Homburg. Neben seiner praktischen Tätigkeit im Gemeinde-, Verwaltungs-, Rechnungs- und Schulwesen verfaßte er hier ein „Handbuch der Verfassung, Gerichtsordnung und gesamten Verwaltung Rheinbayerns“ (5 Bde., 1831–33), das lange in Gebrauch blieb.

    1830 artikulierte S. erstmals öffentlich seine Kritik an ökonomischen, sozialen und politischen Mißständen und unterbreitete seine Reformvorschläge in der Zeitschrift „Rheinbayern“. Sie brachten den staatsloyalen S. in Konflikt mit Kg. Ludwig I. und trugen ihm eine (Straf-)Versetzung als Vorstand der Zwangsarbeitsanstalt in Kaisheim (Donauwörth) ein, die aber nach einer Klage S.s 1831 an einem Urteil des Bezirksgerichts Zweibrücken scheiterte. Um seine politischen Forderungen in die Öffentlichkeit zu tragen, gab S. seit April 1831 die Zeitung „Der Bote aus dem Westen“ (1832 u. d. T. „Westbote“) heraus und regte bereits vor dem „1. Schülerfest“ 1832 in Zweibrücken die Gründung des „Preß- und Vaterlandsvereins“ an, der ersten „Journalisten-Gewerkschaft“ in Deutschland.

    Auf S.s und Johann Georg August Wirths (1798–1848) Initiative wurde am 27.5.1832 das „Hambacher Fest“ veranstaltet, das S. mit seiner Rede „Der Deutschen Mai“ (gedr. 1832) eröffnete, in der er Pressefreiheit, die Gleichberechtigung der Frau und andere zentrale demokratische Rechte forderte. Zur Erfüllung dieser Ziele rief S. zu einer friedlichen Revolution auf. Bald nach dem Fest wurde er wegen „Aufreizung zum Aufruhr“ in Haardt verhaftet, 1833 angeklagt, aber vom Assisengericht in Landau freigesprochen. Ebenfalls in diesem Jahr endete ein Prozeß wegen Beamtenbeleidigung am Zuchtpolizeigericht Frankenthal gegen ihn mit einer Verurteilung zu zwei Jahren Haft. S. entzog sich der Inhaftierung durch Emigration in die Schweiz (schweizer. Staatsbürger 1834), wo er nicht mehr politisch aktiv wurde, aber mit seinen „Ideen zu einer Grundreform der Erziehungs- und Unterrichtsanstalten“ 1834 eine grundlegende Pädagogik mit liberal-demokratischen Implikationen veröffentlichte. 1834 zum kommissarischen Stellvertreter des Lehenskommissärs bestellt, wurde S. noch im selben Jahr zum ao. Professor für das gerichtliche Verfahren, Polizeirecht und Staatswissenschaft berufen und 1840 zum Sekretär der Justizdirektion ernannt. 1842 wurde S. infolge einer unheilbaren Geisteskrankheit in die Irrenanstalt Bümpliz eingewiesen. – S. ist ein markanter Exponent des frühen Liberalismus im Südwesten Deutschlands.

  • Auszeichnungen

    Goldene Zivilehrenmedaille (1817); – S.-Preis f. engagierte Journalistik (seit 1987); S.-Stiftung im Landratsamt d. Saarpfalz-Kreises in Homburg/Saar (seit 1989).

  • Werke

    Weitere W Sätze d. Rechts u. aus d. pol. Wiss., Diss. Freiburg 1813;
    Über Gde.güter u. Gde.schulden, Eine rechtl. pol. Abh., 1818;
    Über d. Frage unserer Zeit in Beziehung auf Gerechtigkeitspflege, 1823;
    Baden-Baden oder Rudolph u. Helmina, Episches Gedicht in zwölf Gesängen, 1824;
    Zwei gerichtl. Vertheidigungsreden, 1841;
    Hg.:
    Rheinbayern, Eine vgl. Zs. f. Vfg., Gesetzgebung, Justizpflege, gesamte Verw. u. Volksleben d. konstitutionellen In- u. Auslandes, zumal Frankreichs, 5 Bde., 1830/31, Forts. u. d. T. Dtld., Zs. f. allg. Pol., 4 Bde., 1832.

  • Literatur

    ADB 34;
    H. Braun, P. J. S., ein lib. Publ. d. Vormärz 1789–1845, Diss. München 1956;
    Ein Leben f. d. Freiheit, P. J. S. 1789–1845, hg. v. Saarpfalz-Kreis, 1989 (W, L, P);
    E. Wadle (Hg.), S. u. seine Zeit im Blickfeld d. Rechtsgesch., 1991;
    K. Borggräfe, P. J. S.s Besoldungsanspruch nach seiner Entlassung aus d. Staatsdienst, 1994;
    M. Finke, S.s Verw.hdb. (1831–1833), 1997;
    S. u. d. Saarpfalz im Vormärz, Kat., hg. v. d. S.-Stiftung, 1997 (P);
    S. u. Homburg, Kat. z. hist. Ausst. im S.-Haus, hg. v. Prot. Dekanat Homburg, 2000 (P);
    Reinalter II/1;
    Kosch, Biogr. Staatshdb.;
    Kosch, Lit.-Lex.3 (W, L);
    Lex. Pfälzer Persönlichkeiten (P);
    Biel Lex.;
    Demokrat. Wege (P).

  • Portraits

    P Stahlstich v. E. Bolgard, 1832, u. postume Porträts (alle S.-Stiftung, Homburg/Saar).

  • Autor/in

    Bernhard Becker
  • Empfohlene Zitierweise

    Becker, Bernhard, "Siebenpfeiffer, Philipp Jakob" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 321-322 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118828460.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Siebenpfeiffer: Dr. Philipp Jakob S., politischer Schriftsteller, geboren am 12. November 1789 in Lahr, zu Bümplitz bei Bern am 14. Mai 1845. Zuerst 1804 als Schreiber an dem Oberamte zu Lahr und später von 1806 an bei der Finanzverwaltung in Freiburg im Breisgau beschäftigt, studirte S. seit 1810 in Freiburg die Rechte und wurde nach Vollendung seiner Studien kurze Zeit als Secretär in badischen Diensten verwendet. Als die verbündeten Armeen 1814 das linke Rheinufer besetzten, stellte sich S. der deutschen Verwaltung zur Verfügung, kam zunächst zum österreichischen Generalgouvernement in Colmar, sodann zu der österreichischen und baierischen gemeinschaftlichen Landesadministration in Kreuznach und wurde hierauf Adjunct bei der Kreisdirection in Trier. Nach dem zweiten Pariser Frieden nahm Oesterreich am 11. December 1815 vorläufig Besitz von der Stadt Landau und übertrug S. die dortige Verwaltung. Bei Uebernahme des Rheinkreises durch Baiern trat S. 1816 als Kreisdirectionsassessor in Frankenthal in den bairischen Staatsdienst über und wurde nach zwei Jahren 1818 zum Landcommissär zu Homburg i. d. Pf. befördert. Seit dieser Zeit war er auch litterarisch thätig, schrieb über Gemeindegüter und Gemeindeschulden (Mainz 1818) und „über die Frage unserer Zeit in Beziehung auf Gerechtigkeitspflege“ (Heidelb. 1823), veröffentlichte aber auch poetische Versuche ("Baden-Baden oder Rudolf von Habsburg, episches Gedicht“, Zweibrücken 1823). Von dauerndem Werthe für pfälzische Verwaltungsbeamte ist Siebenpfeiffer's fünfbändiges „Handbuch der Verfassung, Gerichtsordnung und gesammten Verwaltung Rheinbayerns“ (Zweibrücken, dann Neustadt a. H. 1831—33). In weiteren Kreisen wurde S. bekannt, als er sich seit 1830 in den ersten Reihen der Kämpfer an der freiheitlichen Bewegung jener Tage betheiligte. In diesem Jahre gründete er in Homburg die Zeitschrift „Rheinbayern“, in welcher er seiner Unzufriedenheit mit den von den Regierungen eingeschlagenen Wegen offenen Ausdruck gab. Deshalb gemaßregelt und am 29. November 1830 als Vorstand mit dem Range eines Polizeicommissärs an das Zwangsarbeitshaus in Kaisheim versetzt, trat S. sein neues Amt nicht an, verließ den Staatsdienst, verlegte seinen Wohnsitz nach Oggersheim und später nach Haardt und wirkte im Verein mit Gleichgesinnten, insbesondere mit dem Herausgeber der seit 1832 in Homburg erscheinenden „Deutschen Tribüne“ Dr. Wirth, mit doppelter Energie für die mit Begeisterung erfaßte Idee der „Befreiung und Wiedervereinigung Deutschlands“. Die von S. seit April 1831 herausgegebene Zeitung „Der Westbote“ wurde, nachdem unmittelbar vorher eine Reihe von Nummern derselben beschlagnahmt worden war, am 2. März 1832 von der deutschen Bundesversammlung verboten und zugleich verfügt, daß S. „binnen fünf Jahren in keinem Bundesstaate bei der Redaction an einer ähnlichen Schrift zugelassen werden dürfe“. Trotzdem gestattete die baierische Regierung das Weitererscheinen jener Zeitung, als S. am 9. März 1832 erklärte, daß er sich der Censur des Westboten unterwerfen und keinen von derselben gestrichenen Artikel in seine Zeitung aufnehmen werde. S. war auch der Verfasser des am 20. April 1832 von 34 Bürgern aus Neustadt a. H. und der Umgebung erlassenen Aufrufs zu einer Sonntag den 27. Mai 1832 auf der sogen. Kestenburg (nunmehr Maxburg) bei Hambach abzuhaltenden großen Volksversammlung, welche dem „Kampfe für Abschüttelung innerer und äußerer Gewalt, für Erstrebung gesetzlicher Freiheit und deutscher Nationalwürde“ dienen sollte. Der Aufruf wurde in ganz Deutschland verbreitet, die Versammlung selbst aber von der Kreisregierung zu|Speyer am 8. Mai 1832 als gesetzwidrig erklärt und verboten. Als sich jedoch gegen dieses Verbot allgemeiner Widerspruch erhob und auch der gerade in Speyer versammelte Landrath der Pfalz die Zulassung der Versammlung begehrte, wurde das Verbot am 17. Mai förmlich zurückgenommen und die unter dem Namen des „Hambacher Festes“ bekannte Versammlung unter gewaltigem Zudrange einer von allen Seiten zusammengeströmten Volksmenge an dem bestimmten Tage ungehindert abgehalten. S. war einer der gefeiertsten Männer, und, wenn auch ein urtheilsfähiger Zuhörer, wie Friedrich Blaul (Träume und Schäume vom Rhein) in seiner Rede zu sehr den kalten Verstand und beißende Ironie hervortreten sah und die in Wirth's Rede spürbare Begeisterung vermißte, immerhin hervorragendsten Redner dieses Tages, dessen Verlauf hier nicht geschildert zu werden braucht. Nach dem Feste setzte S. seine schriftstellerische Thätigkeit zunächst noch in der Pfalz fort. Trotz mehrfacher Confiscationen erschien seine an Stelle des Blattes „Rheinbayern“ nunmehr herausgegebene Zeitschrift „Deutschland“ weiter, bis S. 1833 wegen Verbrechens gegen die innere Sicherheit des Staates in den Anklagestand versetzt, verhaftet und mit Wirth und Anderen vor das am 29. Juli 1833 in Landau eröffnete Schwurgericht verwiesen wurde. Hier wurden zwar sämmtliche Angeklagte am 16. August freigesprochen, aber S. ward in Hast behalten und wegen Schmähung der Beamten vor das Zuchtpolizeigericht verwiesen, welches ihn zu zweijährigem Gefängnisse verurtheilte. Es gelang S. jedoch, am 15. November 1833 aus dem Gefängnisse in Frankenthal zu entfliehen und nach Weißenburg in Sicherheit zu gelangen. Von hier wendete sich S. nach der Schweiz, wo er bereits 1834 außerordentlicher Professor in Bern wurde. Von da an trat er nur wenig in die Oeffentlichkeit. Später an einem schweren Gehirnleiden erkrankt, wurde er in die Heilanstalt Bümplitz gebracht, in welcher er 1845 starb.

    • Literatur

      Pfälzisches Memorabile VI, 90 f. —
      Vollständige Verhandlungen des Schwurgerichts zu Landau, von L. Hoffmann. Zweibrücken 1833.

  • Autor/in

    Ney.
  • Empfohlene Zitierweise

    Ney, "Siebenpfeiffer, Philipp Jakob" in: Allgemeine Deutsche Biographie 34 (1892), S. 176-177 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118828460.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA