Lebensdaten
1891 bis 1954
Geburtsort
Broich (Kreis Mühlheim/Ruhr)
Sterbeort
Godesberg
Beruf/Funktion
Erfinder ; Flieger ; Luftfahrtindustrieller
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118765159 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Siebel, Friedrich Wilhelm
  • Siebel, Fritz
  • Siebel, Friedrich
  • mehr

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Zitierweise

Siebel, Friedrich, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118765159.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Fritz, Kaufm.;
    M N. N.;
    1930 Ingeborg Trulsson; 2 S.

  • Leben

    Nach Absolvierung des Gymnasiums in Moers arbeitete S. als Praktikant bei den Firmen Haniel, Stinnes und dem Grubenbetrieb Dortmunder Union. Daneben besuchte er die Höhere Maschinenbauschule in Dortmund und wurde 1910 Betriebsingenieur bei der „Norddt. Automobil-Motoren AG“ in Bremen. Ohne Auftrag konstruierte er ein Auto und ein Flugzeug. Nach einer kaufmännischen Ausbildung im elterlichen Betrieb 1912 unternahm S. eine Weltreise, z. T. auf Segelschiffen. 1913 lernte er auf einem „Grade-Flugzeug“ fliegen, meldete sich bei Kriegsausbruch freiwillig zu den Fliegern, wurde bei der „Flieger-Ersatz-Abteilung“ in Darmstadt auf der „Kondor-Taube“ geschult und im Mai 1915 an die Westfront versetzt. Als Technischer Offizier war er an der Erprobung eines zweimotorigen Kampfflugzeugs beteiligt und wurde anschließend Führer des Kampfgeschwaders 1. Den Krieg beendete er als Leutnant d. R. mit zahlreichen Auszeichnungen.

    1918 übernahm S. die Leitung der physikalischen Abteilung der „Dt. Versuchsanstalt für Luftfahrt“ (DVL) in Berlin-Adlershof. Da der Friedensvertrag von Versailles zunächst jede weitere Tätigkeit in der Luftfahrtbranche unmöglich machte, gründete S. Ende 1919 in Remscheid und Berlin die Fa. „Koerner-Siebel“ für den Handel mit Maschinen, Motoren und Werkzeugen. So entstanden Kontakte mit dem Ausland, u. a. der Sowjetunion. Er eröffnete 1921 eine Filiale in Moskau und war an der Gründung der dortigen|„Internationalen Handelskammer“ beteiligt. Außerdem suchte er dort nach Möglichkeiten zur Ausbildung dt. Piloten. In Deutschland gründete S. 1924 in Warnemünde die „Sportflug GmbH“ als zivile Flugschule, die bald zehn Filialen in ganz Deutschland hatte; diese mußten aber 1926 auf alliierten Druck wieder aufgelöst werden. S. war 1925 Mitbegründer der „Rhön-Rositten-Gesellschaft“ und wurde damit zu einem Pionier des Segelflugs. Mit dem Flugzeugbauer Hanns Klemm (1885–1965) gründete er 1925 in Böblingen die „Klemm-Flugzeugbau GmbH“ und beteiligte sich 1934 am Klemm-Zweigwerk in Halle, das er 1936 unter dem Namen „Siebel Flugzeugwerke“ (SFW) übernahm. Bei allen bedeutenden in- und ausländischen Flugveranstaltungen (z. B. den Deutschlandflügen) war S. als Pilot mit Klemm-Flugzeugen erfolgreich beteiligt, wurde in den Luftbeirat des Reichsverkehrsministeriums berufen und zum Vizepräsidenten des „Aeroclubs von Deutschland“ gewählt; zudem vertrat er Deutschland beim Internat. Luftsportverband (FAI).

    In den Siebel-Flugzeugwerken wurden bis 1945 über 2700 Flugzeuge, darunter knapp 2000 Ju 88/188, in Lizenz sowie 1700 eigene Typen (u. a. mehr als 1000 Si 204D) für die Luftwaffe gebaut. Zu den Eigenentwicklungen gehörte auch das zehnsitzige Verkehrsflugzeug Si 204 (Erstflug 1940), das auch als Schulflugzeug (Hörsaalflugzeug) für die dt. und nach dem Krieg für die franz. und tschech. Luftwaffe in Serie gebaut wurde. Kurz vor Kriegsausbruch 1939 mahnte S. in einer Rede vor seiner Belegschaft den Erhalt des Friedens an, wodurch die Gestapo auf ihn aufmerksam wurde. S. verlor seine UK-Stellung und wurde reaktiviert. Sein Freund Ernst Udet (1896–1941), Generalluftzeugmeister im Reichsluftfahrtministerium, nahm ihn im Mai 1940 als Revisor der Luftfahrtindustrie im besetzten Frankreich auf. Im Okt. 1940 übergab S. Udet die Urfassung einer von ihm verfaßten umfangreichen Denkschrift über die amerik. Luftrüstung. Die Auswertung öffentlich zugänglicher und über das neutrale Schweden erhaltener Quellen veranlaßte S. zu der Schlußfolgerung, daß Deutschland einen Luftkrieg angesichts des angekündigten US-Programms zum Bau von 50 000 Flugzeugen nicht gewinnen könne, wenn die dt. Rüstungsanstrengungen nicht entsprechend massiv gesteigert würden. Die Zahlen von S. erwiesen sich im wesentlichen als korrekt, seine Warnung als zutreffend. Nach Udets Tod im Nov. 1941 von Hermann Göring, Hans Jeschonnek, Karl Dönitz, sowie Rüstungsminister Albert Speer erörtert, hatte der Bericht keine Auswirkungen auf die dt. Kriegsführung. In einem Brief an S. vom 5.10.1944 bestätigte Dönitz die Korrektheit der alarmierenden Berechnungen, zeigte sich aber zuversichtlich, daß man dennoch den Sieg erringen werde.

    Für die geplante Invasion in England entwickelte S. in Frankreich Fähren aus Pionierpontons, auf die eine 14 x 16 m große Plattform gesetzt wurde. Als Antrieb dienten z. T. ausgemusterte Flugzeugmotoren. Wegen ihres geringen Tiefgangs waren diese nach S. benannten Transport- oder Kampf-Fähren torpedosicher. Nach dem Verzicht auf die Invasion wurden die in verschiedenen Varianten in Serie gebauten Fähren im Nordatlantik, im Mittel- und auf dem Schwarzen Meer eingesetzt und dienten nach dem Krieg als Fähren über brückenlose Ströme. 1945 geriet S. in Dänemark in engl. Gefangenschaft. Nach seiner Entlassung war ihm die Rückkehr in sein Werk in Halle (mit zuletzt über 10 000 Beschäftigten) verwehrt. Das Werksgelände war von sowjet. Truppen besetzt, die Ingenieure waren nach Rußland deportiert und die Anlagen demontiert. Der Flugzeugbau blieb in Deutschland bis 1955 verboten; S. widmete sich seinen musischen Interessen und studierte Philosophie. Er betätigte sich auch politisch, indem er sich für das Zustandekommen der „Europa-Union“ einsetzte und sich in der FDP, letztlich ohne Erfolg, um ein Bundestags-Mandat bewarb. 1948 gründete S. in Köln die „Luftfahrt-Technik GmbH“ für den Vertrieb von Flugzeugen und 1952 die „Siebelwerke – ATG GmbH“ in München und Donauwörth für künftige eigene Flugzeug-Projekte. Er starb während der Verhandlungen zum Aufbau einer neuen dt. Luftfahrtindustrie; sein Donauwörther Werk ist (nach mehreren Fusionen) als Teil der „European Aeronautic Defence and Space Company“ (EADS) bis heute in Betrieb.

  • Auszeichnungen

    Ritterkreuz d. preuß. Hausordens m. Schwertern (1917); Kriegsverdienstkr. II. Kl. m. Schwertern (1941); finn. Freiheitskreuz II. Kl. (1941); EK I mit Spange (1942); Ehrenplakette f. hervorragende techn. Verdienste im Süden (1943).

  • Werke

    Denkschr. über d. Ausbildung flieger. Nachwuchses, 1924;
    Der Unternehmer u. Betriebsführer in d. Luftfahrt-Industrie, 1937;
    Denkschr. z. amerik. Luftaufrüstung, 1941 (mit J. Koch);
    Aus d. Leben e. Fliegers, in: Werkzs. d. SFW, H. 4–9, 1944 (Autobiogr., P);
    Tätigkeitsber. d. Sonderkommandos S. (Niederschr. in Gefangenschaft in London), 1945;
    Bedeutung u. Wiederaufbau e. dt. Flugtechnik, Ms. 1953.

  • Literatur

    Siebel-Flugzeugwerke GmbH, Ber. über d. SFW-Entwicklungsstelle, 1941;
    Flugwelt VI, H. 6, 1954,|S. 157 f.;
    H. Kastner, in: Jb. d. Wiss. Ges. f. Luftfahrt, 1954, S. 30 f.;
    G. Brütting, Das Buch d. dt. Fluggesch., Bd. 3, 1979 (P);
    H. J. Ebert, F. W. S., Flieger, Erfinder, Unternehmer, in: MBB new-tech news 1, 1991, S. 34–37 (P);
    ders., U. Mahn u. H.- D. Tack, Die S.-Flugzeugwerke Halle (1934–46), o. J. (2001, Schrr.reihe Luftfahrtgesch. im Land Sachsen-Anhalt, H. 9;
    P);
    Munzinger;
    - Qu: Archiv d. EADS.

  • Autor/in

    Hans Joachim Ebert
  • Empfohlene Zitierweise

    Ebert, Hans Joachim, "Siebel, Friedrich" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 319-321 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118765159.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA