Lebensdaten
1749 bis 1818
Geburtsort
Meeder bei Coburg
Sterbeort
Göttingen
Beruf/Funktion
Musikforscher
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118809962 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Forkel, Johann Nikolaus

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Zitierweise

Forkel, Johann Nikolaus, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118809962.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Nikolaus ( vor 1781), Schuhmacher, Zöllner u. Kastenmeister;
    Göttingen 1781 ( 1793) Marg. Sophia, T d. Rudolf Wedekind (1716–78), Prof. d. AT in G., u. d. Bgm.-T Sophie Marg. Morrien; Schwager Gg. Chrstn. Frhr. v. W. ( 1831), Politiker, Arzt (s. ADB 41);
    1 S.

  • Leben

    F. wanderte 17jährig, wie einst J. S. Bach, nach Lüneburg, besuchte dort die Prima des Johanneums und verdiente seinen Lebensunterhalt als Chorsänger. Ein Jahr später wurde er Präfekt am Schweriner Domchor, nach weiteren 2 Jahren begann er das Studium der Jurisprudenz in Göttingen. Nebenher war er Organist (bis 1773) an der Universitätskirche und hielt ab 1772 Privatvorlesungen über die Theorie der Musik. Die Ernennung zum Universitätsmusikdirektor (1779–1815) ließ ihn sich ganz für die Musik entscheiden. – Der junge F. trat mit dem Erbe thüringischem Musikertums in den Kreis der Göttinger Gelehrten. Hier eignete er sich die Gedankengänge der universal-historischen Schule an und sah die Musik im Verband einer Grundwissenschaft vom menschlichen Fortschritt. Das ließ ihn den Stoff von Grund auf systematisch neu aufgliedern. So entstanden bibliographisch-kritische Arbeiten wie die „Musikalisch-Kritische Bibliothek“ (I, II, Gotha 1778, III, 1779) und die „Allgemeine Litteratur der Musik“ (Leipzig 1792) – letztere ordnet über 3000 Titel systematisch, die „nach Veranlassung mit Anmerkungen und Urtheilen“ begleitet werden –, biographische – „Über Johann Sebastian Bach's Leben, Kunst und Kunstwerke“ (1802) – und dokumentarische, wie die unglücklicherweise während des Drucks vernichtete Ausgabe von Denkmälern „der musikalischen Kunst“ mit F. Sonnleithner in Wien. Sie alle gruppieren sich um F.s Lebenswerk, die „Allgemeine Geschichte der Musik“ (I, Leipzig 1788, II, 1801). Einleitend unternimmt er dort einen „Versuch einer Metaphysik der Tonkunst“. Er glaubt an ein „Grundgesetz der Kunstschönheit“, dessen Maß er aus dem „gebildeten Stil“ seiner Zeit, später immer mehr aus der Musik J. S. Bachs, gewinnt. Diese Beschränkung auf eine vermeintlich ermittelbare Norm des musikalischen Geschmacks zeigt die Grenzen aufklärerischer Wissenschaftlichkeit. – Der Komponist F. erhebt keinen Anspruch auf Geltung. Von Bedeutung aber war das Wirken des Forschers, Lehrers, Sammlers und Kritikers, der mit seinem Werk die Lehre von der Musik als wissenschaftliche Disziplin an der Göttinger Universität begründete und ihr erster öffentlich anerkannter Vertreter wurde.

  • Auszeichnungen

    Dr. phil. h. c. (Göttingen 1787).

  • Werke

    Weitere W Ober d. Theorie d. Musik, Göttingen 1777;
    Genauere Bestimmung einiger musikal. Begriffe, ebd. 1780;
    ausführl. Verz., auch d. Komp. s. MGG;
    neueste Quellenlage s. Repertoire Internat, des Sources Musicales, Theoretica (in Vorbereitung).

  • Literatur

    ADB VII;
    F. Peters-Marquardt u. A. Dürr, in: MGG IV, Sp. 514-20 (W, L, P);
    Riemann.

  • Portraits

    Stich v. K. T. Riedel, 1813, nach Zeichnung v. J. G. Bornemann, 1786, Abb. in MGG;
    Stich v. H. Schwenterley, 1790 (Veste Coburg).

  • Autor/in

    Hella Gensbaur
  • Empfohlene Zitierweise

    Gensbaur, Hella, "Forkel, Johann Nikolaus" in: Neue Deutsche Biographie 5 (1961), S. 300-301 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118809962.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA

  • Leben

    Forkel: Johann Nikolaus F., geb. zu Meeder bei Coburg 1749, studirte in Göttingen 1769, woselbst er dann fast 50 Jahre gewirkt hat als Organist, Musikdirector, Lehrer und Schriftsteller bis an seinen Tod 1818. Aus seiner Jugend ist nur bekannt, daß er früh der Heimath entfremdet ward, im ersten Jünglingsalter, wie einst J. Seb. Bach gen Lüneburg pilgerte und daselbst als guter Sänger im Kirchenchor sein Brot verdiente; von hier gelangte er zu ähnlicher Stellung nach Schwerin, wo Gesang und Harfenspiel ihm fürstliche Gönner erwarb, die ihn zu akademischen Studien bewogen und unterstützten. So kam er nach Göttingen, um Jura zu studiren. Die halb zwangsweise übernommene Pflicht erfüllte er über ein Jahr hindurch, bis ihn Natur und Wille bewog, sich gänzlich der Tonkunst zu widmen. Diesem Entschluß getreu verblieb er von nun an in Göttingen, wo zwar keine Fundgrube musikalischen Quellenstudiums zu erschöpfen war, desto mehr aber günstiger Boden, im Leben der Kunst als Lehrer zu wirken und der Wissenschaft durch redlich unermüdeten Fleiß Dienste zu leisten, die spätern Sammlern und Forschern zu Gute kamen, während die eigene produktive Kraft weder im Tonsatz noch in den litterarischen Arbeiten hervorleuchtend war. — Bemerkenswerth unter seinen Schriften sind|außer seinen akademischen Programmen vornehmlich die folgenden: „Musikalisch-kritische Bibliothek“, die 1778—90 in zwei Bänden erschien und abschloß. Der erste Aufsatz darin „Ueber die Musik des Ritters von Gluck“ erregte Aufsehen, da er den berühmten Operndichter scharf kritisirte; eine Kritik, welche zwar in vielen Punkten treffend, im Ganzen doch durch den Vergleich mit Seb. Bach verfehlt und parteilich ausfiel; wie er denn auch später den jugendlich ringenden Beethoven, ohne ihn zu begreifen, scharf geißelte. „Allgemeine Litteratur der Musik“ (1792), sorgfältig gearbeitet, überwiegend bibliographisch, aber auch reich an kritisch historisch ästhetischen Excursen, so daß sie Nachfolgern, wie Peter Lichtenthal in seinem Dizionario e Bibliografia della musica (Milano 1826. 4 Bde.) und C. F. Becker willkommenen Stoff zum Fortarbeiten darbot. „Allgemeine Geschichte der Musik“ (Th. 1. 1788, Th. 2. 1801 in 4°); leider unvollendet, schließt sie mit dem Mittelalter, ist reich an Thatsachen, aber auch an schwierigen Partien, Dunkelheiten der Sprache und gewagten Hypothesen. Die jüngste Schrift: „Joh. Seb. Bach's Leben, Kunst und Werke“ (1802) ist eine liebreiche Darstellung des großen Meisters, theilweis eine Ergänzung der Berichte von Mitzler und Philipp Emmanuel Bach; eine Biographie, die an innerem Werth viele der späteren überwiegt. Sebastians Ehre und Gedächtniß galt dem treuen F. als Nationalangelegenheit der Deutschen — zu einer Zeit, wo dies Wort noch nicht Mode war.

  • Autor/in

    E. Krüger.
  • Empfohlene Zitierweise

    Krüger, Eduard, "Forkel, Johann Nikolaus" in: Allgemeine Deutsche Biographie 7 (1878), S. 155 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118809962.html#adbcontent

    CC-BY-NC-SA