Lebensdaten
1898 bis 1970
Geburtsort
Remscheid
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Politiker ; Bundesminister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118727362 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Lemmer, Ernst

Verknüpfungen

Von der Person ausgehende Verknüpfungen

Verknüpfungen zu anderen Personen wurden aus den Registerangaben von NDB und ADB übernommen und durch computerlinguistische Analyse und Identifikation gewonnen. Soweit möglich wird auf Artikel verwiesen, andernfalls auf das Digitalisat.

Orte

Symbole auf der Karte
Marker Geburtsort Geburtsort
Marker Wirkungsort Wirkungsort
Marker Sterbeort Sterbeort
Marker Begräbnisort Begräbnisort

Auf der Karte werden im Anfangszustand bereits alle zu der Person lokalisierten Orte eingetragen und bei Überlagerung je nach Zoomstufe zusammengefaßt. Der Schatten des Symbols ist etwas stärker und es kann durch Klick aufgefaltet werden. Jeder Ort bietet bei Klick oder Mouseover einen Infokasten. Über den Ortsnamen kann eine Suche im Datenbestand ausgelöst werden.

Zitierweise

Lemmer, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727362.html [20.10.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Ernst (1861–1926), Bauunternehmer u. Architekt, S d. Kaufm. Georg in R. u. d. Auguste vom Hofe;
    M Eugenie (1867–1904), T d. Herman Marcus (1835–1915), Amboßfabr. u. Stadtrat in R., u. d. Hulda Ibach;
    B Ludwig (* 1891), Prof., Architekt, 1950-56 Senatsbaudirektor in B.;
    - 1924 Wilma (1901–65), T d. Kaufm. Carl Tiemann u. d. Caroline Wenhold;
    1 S, 1 T, u. a. Ingeborg ( Gerhard Löwenthal, * 1922, Journalist);
    N Gerd (* 1925), 1961-63 Oberbgm. v. R., 1962-66 Staatsmin. f. Bundesangelegenheiten d. Landes Nordrhein-Westfalen, 1967-69 Staatssekr. in Bundesministerien, 1958-75 Mitgl. d. Landtags v. Nordrhein-Westfalen, seit 1979 Mitgl. d. Europ. Parlaments.

  • Leben

    Nach dem Kriegsabitur im März 1915 war L. als Freiwilliger bis Nov. 1918 Soldat, zuletzt Leutnant. Das Elend des Krieges, die Lektüre von Naumanns „Hilfe“ und Diskussionen mit sozialdemokratischen Soldaten öffneten ihm die Augen für das politische Versagen des Kaiserreichs. Im Nov. 1918 trat er der Deutschen Demokratischen Partei (DDP) bei und wurde Mitglied des Remscheider Arbeiter- und Soldatenrats. Bei der Wahl, zur Nationalversammlung im Jan. 1919 hatte er durch rastlosen Einsatz wichtigen Anteil am Erfolg des Düsseldorfer DDP-Kandidaten Anton Erkelenz. Seit Mai 1919 studierte L. Theologie, Geschichte und Volkswirtschaft in Marburg. Politisch trat er hervor als Vorsitzender des Deutschen Demokratischen Studentenbundes, dessen 2. Vorsitzender Gustav Heinemann war. Seit 1919 war er auch führend tätig im Reichsbund der Deutschen Demokratischen Jugend (Jungdemokraten). Von Juli 1920 bis Mai 1922 studierte er Volkswirtschaft in Frankfurt a. M. und arbeitete gleichzeitig für die Frankfurter Zeitung. Im April 1922 wurde L., 23jährig, Generalsekretär des liberalen Gewerkschaftsrings der Arbeiter-, Angestellten- und Beamtenverbände im Deutschen Reich. Er behielt dieses Amt bis zur Auflösung der Gewerkvereine im Mai 1933. Daneben war er journalistisch tätig (vor allem für das Berliner Tageblatt). 1924-30 war er Mitglied des Reichsvorstands der DDP, 1930-33 der Deutschen Staatspartei (DStP), zugleich 1923-30 Vorsitzender des Reichsbundes der Deutschen Demokratischen Jugend. Im Dez. 1924 wurde er als Spitzenkandidat der DDP Pommerns 26jährig in den Reichstag gewählt. Sein überraschender Erfolg war vor allem in seinem aktiven Einsatz für die notleidenden Fischer in den Dörfern der pommerschen Küste begründet. L. gehörte dem Deutschen Reichstag bis Nov. 1932 an und dann nochmals von März bis Juni 1933. Rasch trat er aus dem Schatten seines Förderers Erkelenz und erwies sich als eines der begabtesten und vielseitigsten Mitglieder seiner Fraktion. Als ehemaliger Offizier war er im Febr. 1924 einer der Gründer des Reichsbanners Schwarz-Rot-Gold und wurde dessen langjähriger Stellvertretender Bundesvorsitzender. Er gehörte stets zu den Politikern seiner Partei, die für eine Beteiligung an den Kabinetten der Weimarer Koalition im Reich und in den Ländern eintraten. Für ihn waren DDP, Reichsbanner und Weimarer Koalition „Gesinnungsgemeinschaften“. In seiner Fraktion war er vor allem Sprecher für Sozialpolitik, Jugend- und Gewerkschaftsfragen und Probleme der Reichswehr. 1929 wurde er Stellvertretender Reichsvorsitzender der DDP. L., der auch nach der Auflösung der DStP liberal-demokratischen Überzeugungen treu blieb, wurde aus dem Reichsverband der Deutschen Presse ausgeschlossen. Da ihm die Tätigkeit für deutsche Zeitungen verboten war, arbeitete er als Berliner Korrespondent der Neuen Zürcher Zeitung und des Pester Lloyd. Seine Gegnerschaft zur NSDAP brachte ihn in Verbindung mit Widerstandskreisen.

    Gemeinsam mit anderen ehemaligen DDP-Abgeordneten wie Otto Nuschke und Walther Schreiber wirkte L. im Juni 1945 in Berlin bei der Gründung der CDU mit. Von Dez. 1945 bis Jan. 1948 war er stellvertretender Vorsitzender der CDU der sowjetisch besetzten Zone. 1945/46 war er auch Bürgermeister in Klein-Machnow (Brandenburg), 1946-48 Mitglied des Landtags von Brandenburg. Seit 1949 lebte er in West-Berlin. 1950-70 war er hier Mitglied des Abgeordnetenhauses, 1956-61 Vorsitzender des Landesverbandes der CDU und 1952-70 als Berliner Abgeordneter Mitglied des Deutschen Bundestages. Als Bundesminister vertrat L. mehrere Ministerien in Regierungen Adenauers und Erhards. Er war Minister für das Post- und Fernmeldewesen (1956/57), für Gesamtdeutsche Fragen (1957–62) und für Vertriebene (1964/65). 1965-69 war er Sonderbeauftragter des Bundeskanzlers für Berlin. 1969/70 war er der letzte ehemalige Reichstagsabgeordnete im Deutschen Bundestag. – L. war in der Deutschlandpolitik in mancher Hinsicht Adenauers Gegenspieler, freilich ohne wirkliche Hausmacht in der eigenen Partei. Prägend für ihn war in vielen Fragen und vor allem in der Einstellung zu Berlin eine gesamtdeutsche Sicht. Seine Politik verfolgte vor allem das Ziel, die Härten der Teilung Deutschlands zu lindern, wo es möglich war. Wie groß sein Ansehen über die eigene Fraktion hinaus war, erwies sich, als er im Nov. 1954 bei der Wahl des Bundestagspräsidenten als Kandidat von SPD und FDP nur knapp gegen seinen von Adenauer unterstützten Fraktionskollegen Gerstenmaier unterlag.

  • Werke

    Manches war doch anders - Erinnerungen e. dt. Demokraten, 1968.

  • Literatur

    L. Luckemeyer, Die Dt. Demokrat. Partei, 1975;
    ders., Ludwig Haas als Reichstagsabgeordneter d. DDP 1920-1930, in: Krit. Solidarität. Festschr. f. Max Plaut, 1971;
    Rhdb. (P).

  • Portraits

    in: Amtl. Hdb. d. Dt. Bundestages, 6. Wahlperiode, 1970.

  • Autor/in

    Ludwig Luckemeyer
  • Empfohlene Zitierweise

    Luckemeyer, Ludwig, "Lemmer, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 14 (1985), S. 187 f. [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118727362.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA