Lebensdaten
1897 – 1966
Geburtsort
Saarlouis
Sterbeort
Ebersteinburg (Baden)
Beruf/Funktion
Journalist ; Verleger ; Publizist ; Zionist
Konfession
jüdisch
Normdaten
GND: 121422208 | OGND | VIAF: 32852668
Namensvarianten
  • Marx, Karl
  • Marx, Carl

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Zitierweise

Marx, Karl, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd121422208.html [30.05.2024].

CC0

  • Genealogie

    V Sigmund (1883–1944?), Kaufm. u. Stadtverordneter in Straßburg;
    M Helene Weil (1867–1942?);
    1947 Lilli Behrendt (*1921), Verlegerin, Funktionärin jüd. Verbände.

  • Biographie

    M. wuchs in Straßburg in einem traditionell religiösen Elternhaus auf. Er selbst entwickelte sich jedoch in eine glaubensliberale Richtung. 1914 meldete er sich als Kriegsfreiwilliger, wandte sich aber bald dem liberalen Pazifismus zu. Nach Kriegsende zog die Familie, da die Eltern für Deutschland optiert hatten, nach Baden-Baden um. Bereits 1913 hatte M. am Freideutschen Jugendtag auf dem Hohen Meißner teilgenommen, in Baden-Baden fungierte er dann an führender Stelle im deutschen Jugendherbergswerk, im jüd. Jugendbund „Kameraden“ und im „Reichsverband der deutsch-demokratischen Jugend“. Nach seinem Wechsel nach Berlin gelangte er auf die Reserveliste der Deutschen Demokratischen Partei für die Reichstagswahl 1930, verzichtete aber auf ein Mandat zugunsten von Ernst Lemmer.

    Unmittelbar nach der nationalsozialistischen Machtübernahme floh M. ins Saargebiet und war dort in der Hilfe für Emigranten tätig. Nach der Saarabstimmung waren Frankreich und Italien die nächsten Stationen seiner Flucht. In Rom wartete er vergeblich auf die Erlaubnis zur Einreise in die USA. 1939 konnte er vor seiner Auslieferung an Deutschland nach Tanger entkommen. Von dort aus wurde er 1942 mit engl. Hilfe unter abenteuerlichen Umständen nach Gibraltar und weiter nach London gebracht. In England fand er Anschluß an deutsche Exil-Gruppen („Freier Deutscher Kulturbund“, „Frei-Deutschland-Bewegung“). Während der Emigrationszeit ernährte sich M. durch wechselnde Gelegenheitsarbeiten (als Kaffeehausbesitzer, Fabrikarbeiter u.ä.) und publizierte Artikel gegen Hitler-Deutschland (u. a. arbeitete er an dem in Paris herausgegebenen „Braunbuch über den Reichtagsbrand“ mit). Von den engeren Familienmitgliedern überlebte die Schwester die NS-Zeit, der Vater und der Bruder kamen im Konzentrationslager Auschwitz um, die Mutter starb in einem jüd. Altersheim in Nizza.

    Im Oktober 1946 kehrte M. nach Deutschland zurück. Er erhielt die Herausgeberlizenz für das in Düsseldorf erscheinende „Jüdische Gemeindeblatt für die brit. Zone“ (seit 1949 u. d. T. „Allgemeine Wochenzeitung der Juden in Deutschland“, mit der Beilage „Jüdische Illustrierte“) und gründete mit seiner Frau die Firma Kalima-Druck. Zusammen mit Addi Bernd gab er 1947/48 die kurzlebige Zeitschrift „Zwischen den Zeiten, Jüdisches Leben – Jüdisches Wissen“ heraus. M. verstand die „Allgemeine“ in erster Linie als eine jüd. politische Zeitung; die Probleme Israels und des deutschen Judentums standen im Vordergrund der Berichterstattung. Grundlegende Artikel wurden durch den Pressedienst der „Allgemeinen“ regelmäßig den Bundestagsabgeordneten zugestellt. 1949-60 war M. Mitglied der SPD, später stand er der CDU nahe.

    Seit der Gründung des Staates Israel bemühte sich M. um eine Annäherung zwischen der Bundesrepublik Deutschland und Israel. In einem Interview mit dem SPD-Vorsitzenden Kurt Schumacher hatte er bereits im Februar 1947 die heikle Frage der Entschädigungsleistungen thematisiert. Ein weiteres Interview, das M. am 11.11.1949 mit Bundeskanzler Adenauer wenige Wochen nach der ersten Regierungsbildung führte, gilt als Initialzündung für die materielle „Wiedergutmachung“ der Bundesrepublik an den Juden und an Israel. Intensiv setzte er sich für die Aufnahme von diplomatischen Beziehungen zwischen den beiden Staaten ein.

    M. zählte in den ersten beiden Nachkriegsjahrzehnten zu den wichtigsten Vertretern der Juden in Deutschland. Er war zeitweilig Vorsitzender der Repräsentantenversammlung der Düsseldorfer Synagogengemeinde, Mitbegründer und 1954-64 Vorsitzender der „Zionistischen Organisation in Deutschland, 1952-60 jüd. Vorsitzender der „Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit“ in Düsseldorf und Vorsitzender der „Vereinigung jüd. Gewerbetreibender“. Seine Vermittlungstätigkeit schuf entscheidende Grundlagen für eine neue Verbindung zwischen den deutschen und israelischen Juden.|

  • Auszeichnungen

    Gr. Bundesverdienstkreuz mit Stern (1959).

  • Werke

    H. Lamm u. H. Lewy (Hrsg.), Aufsätze aus d. J. 1946-62 V. K. M., 1962.

  • Literatur

    M. W. Gärtner, H. Lamm u. E. G. Lowenthal (Hrsg.), Vom Schicksal geprägt, Freundesgabe z. 60. Geb.tag v. K. M., 1957 (P);
    R. Giordano, Narben – Spuren – Zeugen, 15 J. Allg. Wochenztg. d. Juden in Dtld., 1961 (P);
    20 J. Allgemeine, Dokumentation u. Echo, 1966;
    Lilli Marx (Hrsg.), K. M. z. Gedenken, o. J.;
    B. Suchy, Zwischen d. Zeiten, Die jüd. Gemeinde Düsseldorf v. 1945–48, in: 1946 Neuanfang: Leben in Düsseldorf, hrsg. v. Stadtmus. Düsseldorf u. d. „Rhein. Post“, 1986, S. 330-40;
    Y. A. Jelinek, Israel u. d. Anfänge d. Shilumin, in: L. Herbst u. C. Goschler (Hrsg.), Wiedergutmachung in d. Bundesrepublik Dtld., 1989, S. 119-38;
    BHdE I. – Eigene Archivstud. im Archiv d. Allg. jüd. Wochenztg., Bonn;
    Interview mit Lilli Marx, 21.7.1988.

  • Autor/in

    Falk Wiesemann
  • Zitierweise

    Wiesemann, Falk, "Marx, Karl" in: Neue Deutsche Biographie 16 (1990), S. 346-347 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd121422208.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA