Lebensdaten
1687 bis 1745
Geburtsort
Dachau bei München
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Architekt
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 118687972 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Effner, Joseph
  • Effner, Josef

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Zitierweise

Effner, Joseph, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118687972.html [24.08.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Christian ( 1728), Hofgärtner in Dachau;
    M Maria, T des Hoftischlers Gebhardt;
    B Karl ( 1736), Prior des Dominikanerklosters Augsburg;
    Maria Magd. ( 1779), T des Oberstleutnants v. Schön;
    9 K, u. a. Gaudenz Jos. v. E. (seit 1765, * 1723), Regierungsrat in Straubing u. Salzbeamter in St. Nikola vor Passau, Jos. v. E. (seit 1765, 1734-81), Dekan des Kollegiatstifts zu Unserer Lieben Frau in München, Maria Adelh. (* 1724, 1759 Mich. Adam Bergmann, 1733–82, Bgm. u. Stadtoberrichter v. München, Historiker, s. ADB II); Enkel (Sohn des Gaudenz Jos.) Joh. Nep. v. E. (1757–1817), Bgm. u. Stadtoberrichter v. München.

  • Leben

    Seit 1625 stellt die Familie E. die Hofgärtner der bayerischen Herrscher. Auch E. setzt zunächst diese Tradition fort. Kurfürst Max Emanuel schickt ihn 1706 zur Ausbildung nach Paris. Dort wechselt E. bald mit Genehmigung seines Fürsten zum Studium der Architektur über. Germain Boffrand war wohl sein Lehrer. 1713 beteiligt sich E. unter Leitung Boffrands an der Einrichtung eines Palais für den landesflüchtigen Max Emanuel in Saint Cloud. Nach der Rückkehr wird er 1715 Hofbaumeister für das „Lustbauwesen“ in München. Eine nur dreimonatige Reise von Venedig über Rom nach Neapel vermittelt ihm 1718 entscheidende Kenntnisse. Als Oberhofbaumeister folgt er 1724 Enrico Zuccalli im Amt, wird aber schon 1730 in der tatsächlichen Führung des Bauwesens trotz Beibehaltung dieses Amtes durch den vom neuen Kurfürsten Karl|Albrecht bevorzugten F. Cuvilliés verdrängt, eine Zurücksetzung von tragischer Folge für sein Leben und Schaffen. Die ihm 1738 übertragene Stellung eines Gartenbaudirektors beschränkt seine Befugnisse auf Erhaltungs- und Reparaturarbeiten. – E.s Wirken fällt in die für die künstlerische Entwicklung des Landes entscheidende Wendung des mit Frankreich verwandtschaftlich und politisch verbundenen Kurfürsten zur französischen Kunst. E. als leitender Architekt bestimmt diese neue Entwicklung. Die großen Schloßanlagen in Nymphenburg und Schleißheim erhalten durch ihn ihre endgültige Gestalt. In seinen Innenraumgestaltungen führt er die Entwicklung zum „bayerischen Rokoko“ hin. – E.s Frühwerk spiegelt seine Lehrjahre. Der Umbau des Schlosses Dachau (1715–17) folgt in seiner Fassadengliederung und dem eleganten Treppenaufgang französischen Architekturgesetzen. Die Anlage des Schlosses Nymphenburg wird durch seine umfassende, großzügige Planung verändert und erweitert: die Einrichtung des durch drei Stockwerke geführten Hauptsaales, die straffe Vertikalgliederung der Fassade des Mittelbaues, die beiden Seitenblöcke und der Plan des großen Ehrenhofes mit seinem Pavillonsystem sind sein Werk (1715–26). Es entstehen die kleinen Parkschlößchen, die Badenburg (1718–21), die heiter-kapriziöse Pagodenburg (1716–19), frühestes Zeugnis des „indianischen Geschmacks“, und die Magdalenenklause (1725–26). – Dem Schlosse in Schleißheim verleiht E. durch Aufsetzung des Oberstockes die eigenartige französische Silhouette. Hier an der reichdekorierten Fassade (durch eine Purifikation des 19. Jahrhunderts verändert) und dem monumentalen Treppenhaus entfaltet sich E.s unvergleichliche Begabung als Dekorateur. Er ist ein Meister des Ornaments. Sein Motivschatz ist französisch. Erst im Palais Preysing (1723–28) sind alle fremden Elemente vollkommen zu etwas Eigenem verschmolzen. Mit seinem neuen System der Fassadengliederung, die im Schmuckreichtum und in der malerischen Komposition eine echt bayerische Note enthält, leitet er beispielgebend die lange Reihe der Münchener Rokoko-Paläste ein. – Ein anderes Hauptwerk sind in den „Reichen Zimmern“ der Münchener Residenz das äußere Audienzzimmer mit Vorzimmer, der Empfangssaal und Thronsaal (1726-29; 1944 zerstört). Die Ahnengalerie und die Cäcilienkapelle sind wohl auch seinem Werk zuzurechnen. Im Gegensatz zu der schweren, üppigen Schleißheimer Stuckdekoration (großer Saal, Viktoriensaal, Schlafzimmer) sind hier nur Holzvertäfelungen in leichter eleganter Linien- führung mit den Formen des beginnenden Rokoko verwendet. Alle diese Räume E.s sind „Spitzenleistungen europäischer Raumgestaltung“. – In der Münchener Residenz, in Nymphenburg und Schleißheim stehen Möbel, die nach seinen Entwürfen geschaffen wurden. Die lebendigen, vollen, blühenden Formen verraten süddeutsches Temperament und süddeutschen Charakter und lassen das französische Vorbild vergessen. Der Stukkator Johann Baptist Zimmermann, die Holzbildhauer Joach. Dietrich, Wilhelm Miroffsky und A. Pichler führten seine bis ins Detail genau gezeichneten Entwürfe aus; der Nachfolger im Amt (1745) Johann Baptist Gunetzrhainer ist seit 1715 im Hofbauamt unter E. als „ingenieur“ tätig.

  • Werke

    Weitere W Jagdschloß Fürstenried; Plan f. d. Klosterkirche Ottobeuren, 1744, = Korrektur d. Entwurfs v. Simpert Kramer; Plan f. d. Neugründung Carlstadt b. Nymphenburg. N. Lieb zufolge war E. 1736-39 mit J. B. Gunetzrhainer am Bau der Pfarrkirche zu Mering beteiligt.

  • Literatur

    M. Hauttmann, Der kurbayer. Hofbaumeister J. E., = Stud. z. dt. Kunstgesch. 164, 1913;
    ders., Gesch. d. Kirchl. Baukunst in Bayern u. Schwaben 1550-1780, 1921;
    A. Feulner, Bayer. Rokoko, 1923, S. 25 ff.;
    ders., in: Münchener Neueste Nachrr., 15.7.1931;
    N. Lieb, Ottobeuren u. d. Barockarchitektur Ostschwabens (Diss. München 1931), 1933, S. 65 ff. (zur Planänderung E.s);
    ders., Münchener Barockbaumeister, 1941, S. 114 ff.;
    Kunst- u. Antiquitäten-Rdsch. 43, 1935, S. 113-18 (Die Sammlung Eich, Lemberg b. Zürich);
    Residenz München, Amtl. Führer, hrsg. v. A. Hausladen, 1937;
    W. Hager, Die Bauten d. dt. Barocks, 1942, S. 152 ff.;
    H. Kreisel, Farbiges Nymphenburg, 1944;
    L. Hager, Schleißheim, = Große Baudenkmäler 94, 1945;
    dies., Nymphenburg. Schloßpark u. Burgen, 1955;
    G. Dehio u. E. Gall, Hdb. d. dt. Kunstdenkmäler, Oberbayern, 1952;
    ThB.

  • Portraits

    Marmorbüste v. Wilh. de Groff, 1733 (München, Bayer. Nat.mus.;
    Foto Marburg);
    Federzeichnung v. Ferd. Pilotti nach Porträt v. Amigoni (Graph. Slg., München).

  • Autor/in

    Ursula Röhlig
  • Empfohlene Zitierweise

    Röhlig, Ursula, "Effner, Joseph" in: Neue Deutsche Biographie 4 (1959), S. 318-319 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118687972.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA