Lebensdaten
1826 bis 1886
Geburtsort
München
Sterbeort
Ambach bei München
Beruf/Funktion
Maler
Konfession
evangelische Tochter
Normdaten
GND: 118641662 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Piloty, Carl Ritter von
  • Piloty, Karl Theodor von
  • Piloty, Karl Theodor (bis 1860)
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Zitierweise

Piloty, Karl Ritter von, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118641662.html [14.12.2018].

CC0

  • Genealogie

    V Ferdinand (1784 oder 1786-1844), aus Homburg (Pfalz), Lithograph in M. (s. L), S d. N. N. u. d. Rosalie Regine Pilotti (Bilotti), Tänzerin in M.;
    M Anna Katharina Barbara (1803–74), T d. kfl. Hofkutschers Friedrich Hofmann in M. u. d. Magdalena Jakobi;
    B Ferdinand (1828–95), Historien- u. Genremaler (s. ADB 53; ThB);
    Perlach b. München 1860 Bertha (1838–1918), T d. Lehrers Johann Karl August Hellermann, u. d. Lidie Auguste Chorey;
    S Robert (s. 2), Oskar (s. 3);
    E Hans (s. 4).

  • Leben

    P. erhielt eine erste künstlerische Ausbildung bei seinem Vater. Dieser fertigte Reproduktionen nach alten Meistern an und führte P. früh an die besondere Sorgfalt bei der Wiedergabe des Kolorismus von Rubens und van Dyck heran. Seit 1840 studierte er an der Münchener Akademie bei Julius Schnorr v. Carolsfeld, der wenig Eindruck bei P. hinterließ. Entscheidende Impulse erfuhr er hingegen von der zeitgenössischen belg. Historienmalerei, die 1842 in München ausgestellt wurde. Besonders die koloristischen Tendenzen von Louis Gallait, die sich von der farblichen Strenge der in München vorherrschenden nazarenischen Malerei deutlich absetzten, faszinierten den jungen P. Als der Vater 1844 starb, übernahm P. für drei Jahre die Leitung der väterlichen lithographischen Anstalt „Piloty & Löhle“. Seit 1846 folgten ausgedehnte Studienreisen, die ihn nach Italien, Brüssel, Antwerpen und Paris führten. 1848 kopierte er das 1841 entstandene Ölgemälde „Die Abdankung Karls V.“ von Gallait, das ihn schon 1842 begeistert hatte. 1852 reiste er nach Antwerpen, um sich eingehender an Gallait zu schulen. Ein Abstecher führte ihn nach Paris, wo die Malerei von Paul Delaroche starken Eindruck auf ihn machte.

    P. begann seine künstlerische Laufbahn mit Genrebildern (Die Amme, 1853, verschollen). Das Gemälde „Seni vor der Leiche Wallensteins“, 1855 (München, Neue Pinakothek), begründete schlagartig seinen Ruhm. Seither spezialisierte er sich auf die Historienmalerei und nahm eine führende Rolle im Münchener Kunstleben ein. 1856 wurde er zum Professor an der Münchener Akademie ernannt. 1863 wurde er Mitglied der Berliner Akademie, die ihm zusätzlich die Leitung anbot. Doch P. lehnte es ab, da er von Ludwig II. auf das Berliner Angebot hin den Auftrag zum Thusneldabild erhalten hatte. 1874 wurde P. Direktor der Akademie, die unter seiner Leitung (bis zu seinem Tod 1886) eine Zeit höchster Blüte erlebte. Seine lange Lehrtätigkeit übte entscheidenden Einfluß auf die Entwicklung der gründerzeitlichen Malerei aus; Maler wie Franz v. Defregger (1835–1921), Hans Makart (1840–84) und Franz v. Lenbach (1836–1904) gingen aus P.s Schule hervor.

    Charakteristisch für seine großformatigen Historienbilder ist ein pathetisch inszeniertes und gefühlsbetontes Geschichtsbild. Wichtiger als der politische oder psychologische Zusammenhang der dargestellten historischen Ereignisse wird bei ihm die Inszenierung des vordergründig Geschichtlichen. Häufig widmete er sich tragischen menschlichen Schicksalen und der Vergänglichkeit von weltlicher Macht, wie in „Seni an der Leiche Wallensteins“ oder der „Ermordung Cäsars“, 1867 (Hannover, Niedersächs. Landesgal.). Seine Darstellung des historischen Kostüms und Milieus zeichnet dabei eine beinahe wissenschaftliche Genauigkeit aus, die dem positivistischen Geschichtsdenken des Historismus entspricht. Der von den Zeitgenossen gefeierte Kolorismus und fortgeschrittene Sensualismus seiner Bilder suggeriert die Stofflichkeit der Gegenstände und verrät deutlich die Schulung an Paolo Veronese, Peter Paul Rubens, Louis Gallait und Paul Delaroche. Mit den lebendigen Darstellungen löste P. den linear-betonten Stil nazarenischer Provenienz ab und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Vertreter der realistischen Historienmalerei in Deutschland.

  • Werke

    Wertere W Wallensteins Zug nach Eger, 1861 (Bautzen. Stadtmus.);
    Kolumbus, 1866 (München, Schack-Gal.);
    Thusnelda im Triumphzug d. Germanicus, 1869-73 (München, Neue Pinakothek);
    Verfolgte Germanin, um 1870-73;
    Letzte Fahrt d. Girondisten, 1880 (beide Schweinfurt, Slg. Georg Schäfer);
    Tod Alexanders d. Gr., 1885 (Skizze;
    München, Neue Pinakothek).

  • Literatur

    ADB 26;
    H. Ludwig, Münchner Malerei im 19. Jh., 1978, S. 37 ff. (mit älterer L);
    ders. u. a., Münchner Maler im 19. Jh., III, 1982, S. 283 ff.;
    K. Lankheit, K. Th. v. P., Thusnelda im Triumphzug d. Germanicus, Ausst.kat. München 1984;
    M. Bringmann, Tod u. Verklärung, Zum Dilemma realist. Historienmalerei am Beispiel v. P.s Seni vor d. Leiche Wallensteins, in: Historienmalerei in Europa, hg. v. E. Mai, 1990, S. 229-50;
    C. Härtl-Kasulke, K. Th. v. P. 1826-1886, K. Th. v. P.s Weg z. Historienmalerei 1826-1855, mit e. kommentierten Kat. seiner Historienbilder, 1991 (Q, L);
    D. v. Eichberger, Unter d. Arena, Ein wiederentdecktes Hauptwerk K. Th. v. P.s in Australien, in: Bruckmanns Pantheon 53, 1995, S. 196 ff.;
    ThB;
    Dict. of Art;
    zu Ferdinand ( 1844):
    ADB 26;
    R. Winkler, Die Frühzeit d. dt. Lith., 1975;
    ThB.

  • Portraits

    Ölgem. v. F. v. Lenbach, um 1880 (München, Neue Pinakothek), Abb. in: Die Münchner Schule 1850-1914, Ausst.kat. München 1979, S. 284;
    Radierung v. F. L. Raab, Abb. in: C. Härtl-Kasulke, s. L, Frontispiz.

  • Autor/in

    Sabine Fastert
  • Empfohlene Zitierweise

    Fastert, Sabine, "Piloty, Karl Ritter von" in: Neue Deutsche Biographie 20 (2001), S. 444-445 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118641662.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA