Lebensdaten
unbekannt
Beruf/Funktion
Künstlerfamilie in München
Konfession
katholisch
Normdaten
GND: 128821582 | OGND | VIAF: 10908459
Namensvarianten
  • Seitz

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Zitierweise

Seitz, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd128821582.html [03.12.2021].

CC0

  • Leben

    Die über mehrere Generationen tätige Familie ist erstmals faßbar mit dem Zimmermann und Kunstschreiner Michael (1757–1837), der um 1780 die Tochter des Münchner Kupferstechers Max Emert (s. ThB) heiratete.

    Der Sohn Johann Baptist (1786–1850, s. ADB 33; BBKL IX), Schriftstecher, Topograph und Mechaniker, stach schon als 12jähriger Heiligenbildchen. Früh vom Großvater Max Emert unterrichtet, wurde er Schüler des Bildhauers Roman Boos (1733–1810) und absolvierte|eine Uhrmacherlehre. 1808 erhielt er eine Anstellung im militär-topographischen Bureau des bayer. Außenministeriums, wo er bis 1843 mit Gebhardt und Carl Schleich den „Topographischen Atlas vom Königreich Bayern“ erstellte. Im Auftrag Kg. Ludwigs I. arbeitete S. seit 1841 an einem topoplastischen „Relief der Haupt- und Residenzstadt München“ (Bayer. Nat.mus.), das sein Sohn Franz Paul v. S. (1817–83, bayer. Personaladel, s. 1), und Anselm Sickinger 1863 fertigstellten. Das als Nebenverdienst und Versorgung der Söhne geplante aufwendige „mechanische Welttheater“ aus Hunderten von beweglichen, selbstgeschnittenen Marionettenfiguren mußte aus finanziellen Erwägungen schließlich aufgegeben werden.

    Von den insgesamt zehn Kindern Johann Baptists wählten fünf Söhne künstlerische Berufe: Der älteste Sohn Alexander Maximilian (1811–88, s. ADB 33; BBKL IX), Historien- und Genremaler, wurde mit zwölf Jahren an der Münchner Akademie der Bildenden Künste aufgenommen und studierte bei Heinrich Hess (1798–1863) und Peter Cornelius (1783–1867). Letzterer setzte ihn 1832 bei der Freskierung der Allerheiligen-Hofkirche in München ein und nahm ihn 1833 mit nach Rom. Dort schloß sich S. den Nazarenern und besonders Friedrich Overbeck (1789–1869) an, wurde ansässig und heiratete 1842 eine Tochter des Malers Ernst Platner (1773–1855). Seine bevorzugt religiösen Bilder führte er für Altäre oder als Freskogemälde aus: Kapellenausmalung in Castel Gandolfo, 1844, und in der Villa Torlonia zu Frascati, 1846; Fresken in der 6. Kapelle von Trinità dei Monti in Rom (Salvator Mundi, Kluge u. törichte Jungfrauen, Heimkehr d. verlorenen Sohnes). Mit ihren figurenreichen Kompositionen entsprechen sie der Kunstauffassung der Nazarener. Seine Genremotive fand S. im röm. Volksleben. Mit seinem in Rom geborenen Sohn Ludwig (Ludovico) (1844–1908, s. BJ 13, S. 205–08 u. Tl.; Dict. of Art) arbeitete er intensiv zusammen, z. B. bei einem Tafelwerk mit 48 Darstellungen aus dem Leben Jesu und der Heiligen (erschienen 1872). Ludwig erbte seines Vaters Vorliebe für die Malerei des späten 15. Jh., der er zeitlebens bei flüssiger und lebendiger werdendem Ausdruck treu blieb. So wurde sein Stil 1908 als „resistent gegen jede moderne Beeinflussung“ (Rusconi) beschrieben. 1894 wurde er technischer Direktor der Musei Vaticani mit Zuständigkeit für Restaurierungen, 1895 kam er als Professor an die Accademia di San Luca in Rom, wo er einige seinem Stil verpflichtete Schüler hatte. Werke von ihm befinden sich in den röm. Kirchen S. Maria in Aracoeli, S. Maria dell'Anima und S. Lorenzo fuori le mura.

    Auch der zweitälteste Bruder Maximilian Joseph (1812–95) war künstlerisch als Graveur und Ziseleur von Medaillen tätig. Dessen Sohn Otto (1846–1912, s. BJ 17, S. 86–88 u. Tl.), Maler und Schüler Karl v. Pilotys, wurde 1873 Akademie-Professor und lehrte 39 Jahre in München. Anfänglich folgte er der Historienmalerei im Sinne seines Lehrers, setzte dann aber in einer holländisch geprägten Genremalerei humoristisch realistische Akzente und zeigte v. a. in seinen Porträts Nähe zum zeitgenössischen Naturalismus. Sein Interesse am Kunstgewerbe schlug sich im Sammeln von alten, historischen Gläsern nieder, von denen 66 Stück noch heute zum Grundbestand des Bayer. Nationalmuseums gehören.

    Wohl der begabteste der Brüder war Franz v. S., Kunstmaler, Lithograph, Radierer, Kostümbildner und Kunstgewerbler. Sein Sohn Rudolf v. S. (1842–1910, bayer. Personaladel 1900, s. 2) gelangte als Maler und Illustrator, Innenarchitekt und Restaurator sowie als Entwerfer kunstgewerblicher Gegenstände zu herausragendem Ruhm.

    Von den jüngeren der fünf Söhne Johann Baptists wurde Carl (Karl) (* 1824) Kupferstecher und Aquarellmaler (Landschaften). Seit 1857 tätig als Inspektor im militär-topographischen Bureau in München, arbeitete er auch an der Innenausstattung des alten Bayer. Nationalmuseums (heute Völkerkundemuseum) mit. August (1829–71) war ebenfalls als Kupferstecher in München tätig.

  • Literatur

    ADB 33;
    Münchner Maler d. 19. Jh., IV, 1983, S. 148–55;
    G. Hojer (Hg.), Kg. Ludwig II. Mus. Herrenchiemsee, 1986;
    F. Schiermeier, Relief d. Haupt- u. Residenzstadt München, Das Stadtmodell v. Johann Baptist S. 1841–1863, 2000;
    Schloß Linderhof, Amtl. Führer, 2006;
    ThB.

  • Familienmitglieder

  • Empfohlene Zitierweise

    Teuscher, Andrea, "Seitz" in: Neue Deutsche Biographie 24 (2010), S. 201-202 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd128821582.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA