Lebensdaten
1896 bis 1941
Geburtsort
Frankfurt/Main
Sterbeort
Berlin
Beruf/Funktion
Flieger ; Offizier ; Generalluftzeugmeister
Konfession
evangelisch
Normdaten
GND: 118624997 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Udet, Ernst

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Zitierweise

Udet, Ernst, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd118624997.html [11.07.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Adolf ( v. 1935), wohl aus franz. Fam., Ing. in F., seit 1896 in München;
    M Paula Krüger, aus pomm. Fam.;
    Schw Irene (* 1908); – aus Verbindung mit Ehmi Bessel (1904–88), Schausp., 1 T Dinah Hinz (* 1934), Schausp.

  • Leben

    U. wuchs in München auf, besuchte das Theresien-Gymnasium bis zur Mittleren Reife 1913 und meldete sich 1914 als Kriegsfreiwilliger. Zunächst abgewiesen, wurde er bis Oktober als ziviler Motorradmelder verwendet und ließ sich anschließend auf eigene Kosten bei den „Gustav Otto Flugmaschinenwerken“ zum Piloten ausbilden. Die bayer. Fliegertruppe hatte seine Bewerbung als Militärpilot abgelehnt, jedoch nahm ihn die Flieger-Ersatzabteilung 3 in Darmstadt 1915 an. Hier diente er als Flugzeugführer von Doppelsitzern bei verschiedenen Artillerie- bzw. Fliegerabteilungen. Seit Okt. 1916 wurde er als Jagdflieger eingesetzt, am 7. 11. 1917 avancierte er als Leutnant d. R. zum Führer der Jagdstaffel (Jasta) 37, am 24. 3. 1918 zum stellv. Führer der Jasta 11 und am 22. 5. 1918 zum Führer der Jasta 4. Die letztgenannten Staffeln gehörten zum Jagdgeschwader 1, dessen letzter Kommandeur nach dem Tod|Manfred v. Richthofens (1892–1918) Hermann Göring (1893–1946) war. U. (zuletzt Oberlt. d. R.) war mit 62 Luftsiegen der nach Richthofen erfolgreichste dt. Jagdflieger im 1. Weltkrieg.

    Nach dem Krieg arbeitete U. als Kunst-, Schau- und Einflieger, war 1919/20 bei Gustav Otto (1883–1926) in München beschäftigt, betätigte sich als Flugzeugbauer und unterhielt 1922–25 eine eigene Firma, die „Udet Flugzeugbau GmbH“ in München, die kleinere Sportmaschinen produzierte. 1925–34 erlangte er durch spektakuläre (Kunst-)Flüge, (Flug-)Expeditionen nach Südamerika, Afrika und Grönland sowie durch seine Mitwirkung bei (Spiel-)Filmprojekten nationale wie internationale Bekanntheit. Er pflegte Kontakte zu Kriegsveteranen, zu Fliegern weltweit und zur Filmbranche (Heinz Rühmann, Arnold Fanck, Leni Riefenstahl u. a.) und führte ein ausschweifendes Privatleben, was ihn trotz hoher Einnahmen in wirtschaftliche Schwierigkeiten brachte. Schon im April 1933 war er im „gleichgeschalteten“ Dt. Luftsportverband als Fliegervizekommodore aktiv, diente 1934–36 als Offizier (1934 Oberstlt.) zur besonderen Verwendung im Reichsluftfahrtministerium (RLM). Das NS-Regime nutzte seine Popularität als Pilot und Kriegsveteran für den Aufbau der Luftwaffe und für Propagandazwecke, was U. willig geschehen ließ und unterstützte. Am 1. 5. 1933 trat er der NSDAP bei. Mit U.s Hilfe wurden 1933 aus den USA zwei Sturzkampfmaschinen importiert und getestet. Seit 1935 Oberst der Luftwaffe und 1936 Inspekteur der Jagd- und Sturzkampfflieger, wurde U. anschließend Chef des Technischen Amtes der Luftwaffe/RLM, 1937 Generalmajor, 1938 Generalleutnant, 1940 General der Flieger und Generaloberst. Seit Febr. 1939 war er Generalluftzeugmeister, Chef des Planungsamtes der Luftwaffe/RLM und zugleich Generalinspekteur der Jagdflieger.

    Damit stand U. einer Behörde von 4000 Mitarbeitern vor und war für die Entwicklung, Erprobung und Beschaffung der Luftkriegsmittel zuständig. Dieser Aufgabe war er aufgrund mangelnder technischer Ausbildung und organisatorischer Fähigkeiten kaum gewachsen, gleichzeitig war er in ständige Kompetenzstreitigkeiten verwickelt: Göring hatte ihn dem Staatssekretär und Generalfeldmarschall Erhard Milch (1892–1972) vorgezogen, der sich in Dauerfehde mit U. befand. U.s Amtsführung und einige Fehleinschätzungen in Rüstungsfragen sorgten dafür, daß er im Herbst 1941 Görings Gunst verlor. Der verzweifelte U. beging am 17. 11. 1941 Selbstmord. Offiziell galt er als verunglückt und erhielt ein Staatsbegräbnis. Carl Zuckmayer (1896–1977), ein Freund U.s aus der Zeit des 1. Weltkriegs, setzte ihm in „Des Teufels General“ (1955 verfilmt mit C. Jürgens in d. Hauptrolle, Regie H. Käutner, Produzent W. Koppel), ein großer Bühnenerfolg im westdt. Nachkriegstheater, ein literarisches Denkmal. Zuckmayer deutete U.s Freitod als Widerstandsakt, was er sicher nicht war.

  • Auszeichnungen

    A E. K. II. (1915) u. I. Kl. (1916); Hanseatenkreuz d. Stadt Hamburg (1916) u. Lübeck (1916); Rr.kreuz d. kgl. Hausordens v. Hohenzollern mit Schwertern (1917); württ. Wilhelmskreuz mit Schwertern (1916); Ehrenbecher „Dem Sieger im Luftkampf“ (1916); Flugzeugführerabzeichen (1916); Pour le mérite (1918); Rr.kreuz d. E. K. (1940); Dr.-Ing. E. h. (TH München 1941).

  • Werke

    W Schrr.: Kreuz wider Kokarde, Jagdflüge d. Lt. U., 1918;
    Hals u. Beinbruch, Lustige Karikaturen, 1928;
    Mein Fliegerleben, 1935; Filme: Der Alpensegler, U.s Segelflug v. d. Zugspitze, 1927 (Dokumentarfilm, Produzent: Neue Kinematograph. GmbH); Die weiße Hölle v. Piz Palü, 1929 (Spielfilm, mit Gastauftritt, Regie: A. Fanck u. G. W. Pabst); Stürme über d. Mont Blanc, 1930 (Spielfilm mit Gastauftritt, Regie: A. Fanck); Fliehende Schatten, 1932 (Spielfilm mit Gastauftritt, Regie: G. Nordhaus u. C. Junghans); Fremde Vögel über Afrika, 1932 (Dokumentarfilm, Regie: P. K. v. Gontard); SOS Eisberg, 1933 (Spielfilm mit Gastauftritt, Regie: A. Fanck); Wunder d. Fliegens, 1935 (Dokumentarbzw. Propagandafilm, Regie H. Paul); Ein Fliegerleben, e. Heldenleben, 1941 (Dokumentar- bzw. Propagandafilm, Produzent: Dt. Wochenschau GmbH).

  • Quellen

    QuNachlaß: BA (Freiburg/Br.), Pers 6/60: Personalakte Udet; RL 3: Gen.luftzeugmeister; BA.

  • Literatur

    L H. Herlin, E. U., e. Mannes Leben, 1958;
    ders., Der Teufelsflieger, E. U. u. d. Gesch. seiner Zeit, 41975;
    K. F. Hildebrand, Die Generale d. dt. Luftwaffe 1935–1945, III, 1992, S. 420 f.; T. G. Hümmelchen, Gen.oberst E. U., in: Hitlers mil. Elite, I, 1998, S. 258–64; A. van Ishoven, U., 1977;
    K. Weingran, „Des Teufels Gen.“ in d. Diskussion, Zur Rezeption v. Carl Zuckmayers Theaterstück n. 1945, 2004; T. Menzel, Hintergrundinformationen E. U., Des Teufels Gen.?, in: Internetseiten d. BA, Hist. Bilder u. Dok., 2010

  • Autor/in

    Harald Potempa
  • Empfohlene Zitierweise

    Potempa, Harald, "Udet, Ernst" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 514-515 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd118624997.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA