Lebensdaten
1915 bis 2006
Geburtsort
Solingen
Sterbeort
Suvigliana bei Lugano (Kanton Tessin)
Beruf/Funktion
Sachbuchautor ; Journalist
Konfession
-
Normdaten
GND: 110918282 | OGND | VIAF: 46856362
Namensvarianten
  • Bongartz, Heinz (eigentlich)
  • Thorwald, Jürgen (Pseudonym)
  • thorwald, jürgen
  • mehr

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Zitierweise

Thorwald, Jürgen (Pseudonym), Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd110918282.html [28.11.2020].

CC0

  • Genealogie

    V Jakob Bongartz (1884–1963), Volksschullehrer, später stellv. Rektor e. Berufsschule in Rheinhausen b. Duisburg;
    M Wilhelmine Auguste Hartmann (1885–1963);
    1) 1942 1948 Hanna Seen, 2) 1955 1984 Ingeborg Klein, 3) Castagnola 1985 Hannelore Rosner (* 1933);
    1 T aus 1) Brigitte|Schneider, geb. Bongartz (* 1942), 1 S aus 2) Robert Kim Bongartz (* 1956), RA.

  • Leben

    T. veröffentlichte bereits in der Schulzeit in Rheinhausen erste Geschichten in Lokalzeitungen. 1934 immatrikulierte er sich an der Univ. Köln mit dem Berufsziel „Journalist, freier Schriftsteller“. Während des Studiums (Geschichte, Germanistik, Zeitungswissenschaft) publizierte er regelmäßig u. a. in der „Essener Nationalzeitung“, einem Organ der NSDAP. Sein erstes Buch, „Luftmacht Deutschland, Luftwaffe – Industrie – Luftfahrt“, in das er seine Interviews mit den Mächtigen der neu entstehenden Luftwaffe (Ernst Udet, Erhard Milch, Friedrich Christiansen) einbrachte, erschien 1939 ( 2 1941) mit einem Geleitwort von Hermann Göring. Markenzeichen seiner Texte war seitdem die Verwendung exklusiver Informationen aus mehr oder weniger brisanten Quellen in packend geschriebenen Darstellungen über öffentlichkeitswirksame Themen.

    Vermutlich auf Veranlassung des späteren Konteradmirals Werner Fürbringer (1888– 1982) war T. während des 2. Weltkriegs Mitarbeiter in der kriegswissenschaftlichen Abteilung des Oberkommandos der Marine in Berlin. Gleichzeitig schrieb er weiterhin aktuelle militärpolitisch-propagandistische Beiträge u. a. für die renommierte Wochenzeitung „Das Reich“ und veröffentlichte mehrere Bücher über die Luftwaffe und die Marine. Nach dem Krieg war T. von Okt. 1945 bis Juni 1946 in Bayern interniert, bevor er in Stuttgart in die Redaktion der von Eugen Gerstenmaiers (1906–86) „Ev. Hilfswerk“ getragenen Wochenzeitung „Christ und Welt“ eintrat. T. lebte seit den 1950er Jahren als freier Schriftsteller zunächst in Bayern, seit 1956 in den USA und seit 1958 v. a. in Suvigliana bei Lugano.

    Großen Erfolg erzielte T. mit seinen vielfach neu aufgelegten Reportagen über das Kriegsende im Osten, „Es begann an der Weichsel“ (1949) und „Das Ende an der Elbe“, 1950 (zus. u. d. T. „Die gr. Flucht“, 1962), die auf zahlreichen Augenzeugenberichten beruhten und unter dem Pseudonym „Jürgen Thorwald“ erschienen, das T. seitdem zunehmend auch privat führte. Bei der Veröffentlichung weiterer populärer zeitgeschichtlicher Bücher in den 1950er Jahren wurde er von vielen ehemaligen hochrangigen Wehrmachtsoffizieren und auch von der Organisation Gehlen und dem CIA unterstützt. Seinerzeit galten diese Bücher als Artikulation einer authentisch dt. Stimme. Aus heutiger Sicht fällt auf, daß dt. Schuld zwar eingestanden wird, jedoch v. a. von dt. Opfern die Rede ist, die unter alliierten Bomben, der Roten Armee und der tschech. Bevölkerung litten. T. setzte damit zumindest implizit Strategien der Kriegspropaganda fort. Ende der 1950er Jahre verfaßte er mehrere Bände über medizinhistorische Themen, die als Vorabdrucke in Illustrierten erschienen (Stern, Revue, Quick). Mediales Aufsehen erregte „Die Entlassung, Das Ende des Chirurgen Ferdinand Sauerbruch“ (1960), gegen dessen Darstellung Sauerbruchs Erben erfolglos prozessierten.

    Neben seinen medizinhistorischen wurden besonders T.s kriminalgeschichtliche Bücher aus den 1960er Jahren (Das Jh. der Detektive, 1964; Die Stunde der Detektive, 1965) Bestseller. Ohne größeren Erfolg blieben dagegen die Veröffentlichungen seit den 1970er Jahren, in denen er sich erneut politischen Themen zuwandte. Von seiner Geschichte der Juden in den USA, an der er mit Unterbrechungen über Jahrzehnte arbeitete, erschien nur der erste Band (Das Gewürz, Die Saga der Juden in Amerika, 1978). T. ging darin unter dem Eindruck des Nahost-Konflikts dem – vermeintlichen – jüd. Einfluß auf die Weltpolitik nach. Wäre das Werk vollendet worden, hätte T.s These vermutlich der von Norman Finkelstein (Die Holocaustindustrie, 2000) formulierten entsprochen, daß erst mit der Erinnerung an den Holocaust seit den 1960er Jahren moralische Superiorität und ein bedeutender jüd. Einfluß auf die amerik. Politik entstanden seien. Die Gesamtauflage von T.s auch international gefragten Büchern geht in die Millionen.

  • Auszeichnungen

    A Nominierung f. d. Edgar Allen Poe Award, Best Fact Crime (1966); Award in Forensic Medicine (1979); BVK 1. Kl. (1983); Ehrenmedaille d. European Conference on Man (1995); – Mitgl. d. P.E.N.Klubs Liechtenstein (1978).

  • Werke

    Weitere W Seemacht Dtld., 2 Bde., 1941/44;
    Wen sie verderben wollen, Ber. d. gr. Verrats, 1952 (überarb. Ausg. u. d. T. „Die Illusion, Rotarmisten in Hitlers Heeren“, 1974);
    Das Jh. d. Chirurgen, Nach d. Papieren meines Großvaters, d. Chirurgen H. St. Hartmann, 1956;
    Das Weltreich d. Chirurgen, Nach d. Papieren meines Großvaters, d. Chirurgen H. St. Hartmann, 1957 (beide Bde. zus. u. gekürzt u. d. T. Die Gesch. d. Chirurgie, 1965);
    Holocaust, Eine Bilanz, Der Mythos v. d. Macht d. Juden, in: Die Zeit v. 4. 5. 1979;
    Die Juden in Amerika, Ein Gespräch mit Hans Heinz Holz, in: Gesch. d. Juden, Von d. Anfängen bis z. Gegenwart, hg. v. F. J. Bautz, 1983, S. 184–227;
    Der geplagte Mann, 1994; – Nachlaß: Staatsbibl. zu Berlin, Preuß. Kulturbes. (P); Felix Guggenheim Papers, Feuchtwanger Memorial Library, Los Angeles; Moses Mendelssohn-Zentrum Potsdam (P).

  • Literatur

    L M. Nissen, „Wir, die Historiker u. Biographen“, Zur Gattungspoetik d. hist. Sachbuchs (1945–2000),|in: Sachbuch u. populäres Wissen im 20. Jh., hg. v. A. Hahnemann u. D. Oels, 2008, S. 39–51;
    D. Oels, „Dieses Buch ist kein Roman“, J. T.s „Die gr. Flucht“ zw. Zeitgesch. u. Erinnerungspol., in: Zeithist. Forsch. 6, 2009, H. 3, S. 367–90 (P);
    K.-F. Schmid, Heinz Bongartz alias J. T. u. d. Essener Verlagsanstalt, Ein Btr. z. Biogr. d. Sachbuchautors aus Solingen, 2010 (P, W-Verz.);
    Non Fiktion 6, Themenheft J. T., hg. v. D. Oels, 2011 (W-Verz., P);
    Kosch, Lit.-Lex. 3 (W, L);
    Munzinger

  • Autor/in

    David Oels
  • Empfohlene Zitierweise

    Oels, David, "Thorwald, Jürgen" in: Neue Deutsche Biographie 26 (2017), S. 203-205 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd110918282.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA