Lebensdaten
1883 bis 1926
Geburtsort
Köln
Sterbeort
München
Beruf/Funktion
Flugzeugbauer ; Fluglehrer ; Firmengründer
Konfession
katholisch?
Normdaten
GND: 120252872 | OGND | VIAF
Namensvarianten
  • Otto, Gustav

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Zitierweise

Otto, Gustav, Indexeintrag: Deutsche Biographie, https://www.deutsche-biographie.de/pnd120252872.html [26.03.2019].

CC0

  • Genealogie

    V Nicolaus (s. 1);
    München 1912 ( 1924) Ada Hoff (1892–1925 Freitod), Automobilistin; kinderlos.

  • Leben

    O. studierte Maschinenbau in Hannover, Karlsruhe und München. 1909 gründete er in München drei Unternehmen: die „Bayer. Auto-Garage GmbH“, die „Akademie für Aviatik“ und den „Aeroplanbau Otto & Alberti/Gustav Otto Flugmaschinenwerke“. 1909/10 übernahm er die Vertretung von Blériot und des Doppeldecker-Produzenten „Aviatik GmbH“ aus Mülhausen (Elsaß). Er erwarb 1910 als 34. deutscher Pilot den Flugzeugführerschein und bildete in seiner Akademie auf dem Flugfeld Puchheim bei München Piloten aus, darunter 1914 Ernst Udet (1896–1941). 1911 zog er in einen Holzschuppen nahe dem Exerzierplatz Oberwiesenfeld in München, auf dem er Starterlaubnis erhielt. Er setzte Blériot-Flugzeuge instand und fertigte mit 30 Mann ebensoviele Otto-Flugzeuge eigener Bauart, darunter 1911 den ersten Dreidecker nach Oskar Wittenstein (1879–1911). In dieser Zeit arbeitete Giovanni Caproni (1886–1957) mehrere Monate bei ihm, um dann selbst in Italien derartige Dreidecker zu bauen. O. konstruierte auch Renn-Eindecker für sich und den Münchener Arzt Otto Erich Lindpaintner (1885–1976). 1912 veranstaltete er mit Ada Hoff einen aufsehenerregenden Hochzeitsflug nach Freising und zurück. Bis dahin hatte er schon 92 Flugzeuge verkauft. Als er 1912 seinen ersten Militär-Doppeldecker vorstellte, gab die Bayer. Militärverwaltung 40 Flugzeuge in Auftrag. Um auch in Preußen Aufträge zu erhalten, gründete O. im selben Jahr die AGO-Flugzeugwerke in Berlin-Johannisthal. Im 1. Weltkrieg beschäftigte O. bis zu 700 Mitarbeiter, bis 1916 baute er insgesamt 375 Flugzeuge. Dennoch geriet er in Zahlungsschwierigkeiten und stand im Februar 1916 kurz vor dem Konkurs, der durch das Eingreifen einiger Banken und Unternehmer abgewendet werden konnte. Im März 1916 ging aus seinem Betrieb die „Bayer. Flugzeugwerke AG“ unter Führung von Anton v. Rieppel (1852–1926) hervor, aus der 1917 die „Bayer. Motorenwerke GmbH“ (BMW) entstanden. Das BMW-Signet, ein zum Propeller stilisiertes bayer. Rautenwappen, verweist noch heute auf die Anfänge des Unternehmens im Flugzeugbau. O., der an der „Bayer. Flugzeugwerke AG“ nicht mehr beteiligt war, gründete in München die „Otto-Werke GmbH“ zur Herstellung von Motorenzubehör. Als die Alliierten im Versailler Vertrag einen deutschen Flugzeugbau verboten, ging O. 1921 zur Fertigung von Motorfahrrädern Marke „Flottweg“ und 1924 zum Bau von Motorrädern über. In Starnberg gründete er 1921 die „Otto-Werft“ für Land- und Wasserfahrzeuge, die offene Tourenwagen mit Mercedes- und Siemens-Sechszylinder-Motoren von 60-100 PS sowie ZF-Getrieben baute. Einen kleinen Wagen mit Chassis nach Bugatti bot er ebenfalls an. O.s Nachkriegsprojekte hatten wenig Erfolg: Das Verbot des Flugzeugbaus, die Inflation 1923 und seine Ehescheidung stimmten ihn hoffnungslos, so daß er den Freitod wählte. Der Ingenieur und Rennfahrer Heinrich Joachim v. Morgen (1902–32) übernahm die „Otto-Werft“ und betrieb sie 1928-32 in Berlin weiter, Georg Bruckmayer übernahm 1932 O.s Flottweg-Werk und fertigte 1937-43 Flugzeugteile. O. gehört zu den Pionieren der deutschen Luftfahrt-Industrie, der er durch seinen frühen Serienbau starke Impulse gab.

  • Literatur

    C. W. Vogelsang, Die dt. Flugzeuge, 1912;
    A. Vorreiter, in: Jb. d. Luftfahrt 2, 1912;
    Braunbeck, Sportlex., 1911 u. 1912 (P);
    F. Rasch u. W. Hormel, Tb. d. Luftflotten, I, 1914, S. 208 f., II, 1915, S. 128 f.;
    P. Supf, Das Buch d. dt. Fluggesch. 1935, 21956;
    G. Goldbeck, in: Technikgesch. 39, 1972, S. 213-26 (P);
    H. Mönnich, Vor der Schallmauer, BMW – e. Jh.gesch., 1983 (P);
    R. Metzler, G. O., Bayerns erster Flugzeugbauer, in: SZ 40, 1984, Nr. 263;
    Geflogene Vergangenheit – 75 J. Luftfahrt in Schleißheim, 1988;
    K. Held, Die Otto-Flugzeugwerke in München, in: Frühe Luftfahrt in Bayern, 1995, S. 57-98 (P);
    A. Winterstein, Erfinder in München, 1997, S. 195.

  • Autor/in

    Gustav Goldbeck ,, Hans Christoph Graf von Seherr-Thoß
  • Empfohlene Zitierweise

    Goldbeck, Gustav; Seherr-Thoß, Hans Christoph Graf von, "Otto, Gustav" in: Neue Deutsche Biographie 19 (1999), S. 702-703 [Online-Version]; URL: https://www.deutsche-biographie.de/pnd120252872.html#ndbcontent

    CC-BY-NC-SA